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«Du stinkst!» Körperhygiene in der Pubertät ist wichtig

In der Pubertät verändert sich der Körper – und viele Jugendliche beschäftigen sich zum ersten Mal intensiver mit Schweiss, Geruch, Pickeln oder Intimhygiene. Manche nehmen es sehr genau, andere eher nicht. Für dich als Elternteil hilft ein ruhiger, sachlicher Blick: Es geht nicht um Perfektion, sondern um eine alltagstaugliche Routine, die Haut und Intimbereich schützt und das Wohlbefinden stärkt.

Körperhygiene in der Pubertät sollte man nicht vernachlässigen
Jugendliche sollten sich in der Pubertät intensiver mit der Körperhygiene auseinandersetzen. Foto: andrej_k, iStock, Thinkstock

In der Pubertät steuern Hormone viele Veränderungen: Die Schweissdrüsen arbeiten aktiver, die Haut wird oft fettiger, Körperbehaarung nimmt zu und der Eigengeruch verändert sich. Frischer Schweiss riecht zunächst kaum – der typische «Pubertätsgeruch» entsteht meist, wenn Bakterien auf der Haut Schweissbestandteile abbauen. Das ist normal, kann aber im Alltag belastend sein. Eine klare, einfache Hygiene-Routine hilft den meisten Jugendlichen schnell.

Körperhygiene in der Pubertät bei Jungen

«Du stinkst!» Diesen Satz hört niemand gerne. Während viele Mädchen in der Pubertät eher zu viel Zeit im Bad verbringen, lassen es manche Jungs schleifen. Dabei helfen ein paar Basics – ohne Drama und ohne ständiges Kommentieren:

  • Weil die Schweissproduktion in der Pubertät zunimmt, ist tägliches Waschen oder Duschen für viele sinnvoll. Am besten mit einer milden, unparfümierten Waschlotion oder einem milden Duschgel. Heiss und lange duschen kann die Haut austrocknen.
  • Mangelnde Hygiene am Penis kann zu Reizungen oder Entzündungen im Genitalbereich führen. Deshalb: Penis und Hodensack einmal täglich sanft waschen, am besten mit Wasser, bei Bedarf mit wenig milder Waschlotion. Wenn eine Vorhaut vorhanden ist und sie sich schmerzfrei zurückziehen lässt: vorsichtig zurückziehen, die Eichel mit Wasser reinigen, danach wieder vorziehen. Wichtig: Nichts erzwingen.
  • Unterhosen und Socken täglich wechseln – Kleidung nimmt Geruch stärker an als die Haut.

Frisch abgesonderter Schweiss riecht kaum. Geruch entsteht meist erst, wenn Schweiss auf der Haut oder in Textilien liegen bleibt. Darum sind regelmässiges Waschen, frische Kleidung und ein atmungsaktives T-Shirt oft wirksamer als «mehr Deo».

Mit der richtigen Körperpflege durch die Tage

Während es einige Jungen mit dem Waschen zu leger nehmen, übertreiben es einige Mädchen. Das Bad wird stundenlang blockiert und die restlichen Familienmitglieder müssen sich in Geduld üben. Häufig hat Styling eine grössere Priorität als das sanfte, regelmässige Reinigen. Dabei kann es gerade rund um die Menstruation helfen, etwas mehr auf Wohlbefinden und Hautschutz zu achten:

  • Deo alleine hilft nicht. Regelmässiges Waschen und Duschen gehört dazu. Aber Vorsicht: Häufige Verwendung von stark parfümierten Seifen, Duschgels oder Intimsprays kann die Haut reizen. Im Intimbereich reicht meist Wasser; wenn ein Produkt gewünscht ist, dann mild, pH-hautfreundlich und sparsam.
  • Intimtücher für unterwegs können praktisch sein, wenn gerade kein Wasser verfügbar ist. Für den Alltag sind sie nicht nötig; stark parfümierte Tücher können reizen.
  • Schon ein bis zwei Jahre vor der ersten Menstruation ist ein weisslicher Ausfluss häufig. Dieser sogenannte Weissfluss ist meist normal. Atmungsaktive Unterwäsche und bei Bedarf dünne Slipeinlagen können helfen; am besten regelmässig wechseln.
  • Während der Menstruation können Binden, Tampons oder auch Menstruationstassen verwendet werden. Entscheidend ist, was sich gut anfühlt und korrekt angewendet wird. Regelmässiges Wechseln gehört bei allen Produkten dazu.

Wenn du merkst, dass dein Teenager Hygiene entweder stark vermeidet oder zwanghaft übertreibt, lohnt sich ein Gespräch ohne Vorwurf: Oft steckt Scham, Unsicherheit, Stress oder Körperunzufriedenheit dahinter. Kleine, klare Abmachungen (z.B. «Duschen jeden zweiten Tag, bei Sport am selben Tag») funktionieren im Alltag häufig besser als Druck.

Deo, Antitranspirant & Geruch

Was wirkt wogegen?

Viele Jugendliche (und Eltern) werfen «Deo» und «Antitranspirant» in einen Topf. Der Unterschied hilft, passende Entscheidungen zu treffen:

  • Deo soll Geruch reduzieren. Das gelingt je nach Produkt über Duftstoffe und/oder antibakterielle Inhaltsstoffe, die den Abbau von Schweiss durch Hautbakterien bremsen. Deo ist sinnvoll, wenn es vor allem um Geruch geht.
  • Antitranspirant soll die Menge an Schweiss senken, meist über Aluminiumsalze. Das kann helfen, wenn Jugendliche sehr stark schwitzen (z.B. nasse Achselshirts trotz frischer Kleidung) und sich dadurch im Alltag stark unwohl fühlen.

Alltags-Tipps, die oft mehr bringen als «noch ein Produkt»: Achseln nach dem Duschen gut abtrocknen, Kleidung aus atmungsaktiven Materialien wählen, T-Shirts regelmässig bei genügend hoher Temperatur waschen (gemäss Pflegeetikette) und Sportkleidung nicht lange feucht liegen lassen.

Mini-FAQ: Aluminium & Haut

Ist Aluminium in Antitranspirant gefährlich? Aktuell gibt es keine eindeutigen Belege, dass aluminiumhaltige Antitranspirante bei üblicher Anwendung gesunden Jugendlichen schaden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist jedoch darauf hin, dass die Aufnahme von Aluminium insgesamt gering gehalten werden sollte und empfiehlt, aluminiumhaltige Antitranspirante nicht direkt nach der Rasur oder auf gereizter Haut zu verwenden (weil dann mehr aufgenommen werden kann).

Was ist eine pragmatische Lösung für Familien? Wenn Geruch das Hauptthema ist: zuerst Routine (Waschen, frische Kleidung) plus Deo testen. Wenn sehr starkes Schwitzen belastet: Antitranspirant punktuell einsetzen, nicht auf frisch rasierter oder entzündeter Haut, und bei anhaltendem Leidensdruck ärztlich abklären lassen (z.B. bei Verdacht auf Hyperhidrose).

Rasur & Körperbehaarung

Körperbehaarung nimmt in der Pubertät zu – und damit auch der soziale Druck. Wichtig für Jugendliche: Behaarung ist normal, Rasur ist eine Option, aber keine Pflicht. Du kannst entlasten, indem du signalisierst: «Du musst nichts entfernen, um ok zu sein.»

Achseln/Beine/Gesicht/Intimbereich

  • Vorbereitung: Am besten nach dem Duschen rasieren, wenn Haare und Haut weich sind. Sauberes, scharfes Rasiermesser verwenden (stumpfe Klingen erhöhen das Risiko für Hautreizungen).
  • Technik: Mit wenig Druck rasieren, bei empfindlicher Haut eher in Haarwuchsrichtung starten. Rasierschaum oder ein mildes Rasiergel kann die Haut schützen.
  • Nachpflege: Mit Wasser abspülen, sanft trockentupfen, danach eine unparfümierte Feuchtigkeitslotion verwenden. Alkoholhaltige Aftershaves brennen oft und reizen.
  • Eingewachsene Haare und Rasierpickel vermeiden: Nicht zu knapp «auf Null» rasieren, nicht mehrfach über dieselbe Stelle, nach der Rasur lockere Kleidung. Bei wiederkehrenden Entzündungen Pausen einlegen oder alternative Methoden (z.B. Trimmen) wählen.
  • Intimbereich: Hier ist die Haut besonders empfindlich. Trimmen ist oft hautschonender als Nassrasur. Wenn nass rasiert wird: sehr vorsichtig, nicht bei gereizter Haut, danach keine parfümierten Produkte.

Wenn sich nach der Rasur schmerzhafte Pusteln, starke Rötungen oder eitrige Entzündungen zeigen, ist eine ärztliche Beurteilung sinnvoll.

Intimhygiene kurz erklärt

Im Intimbereich gilt besonders: weniger ist oft mehr. Häufiges Waschen mit Seife, aggressive Produkte oder Intimsprays können die Hautbarriere stören und Beschwerden sogar verstärken. Orientierung geben einfache Regeln und klare Warnzeichen.

Jungen: Vorhaut/Phimose – wann abklären?

Dass sich die Vorhaut bei Kindern und jüngeren Jugendlichen nicht vollständig zurückziehen lässt, kann lange normal sein. Wichtig ist: Beim Reinigen darf nichts erzwungen werden. Abklären lassen solltest du es, wenn Schmerzen, wiederholte Entzündungen, Einrisse, ein «Ballonieren» beim Wasserlösen oder Probleme beim Wasserlassen auftreten. Dann kann eine Ärzt:in klären, ob eine behandlungsbedürftige Vorhautverengung (Phimose) vorliegt und welche Therapie sinnvoll ist.

Wenn du dich vertieft informieren möchtest: Im neuen Jungen-Pubertätsguide findest du zusätzliche Hintergrundinfos und Gesprächsimpulse für den Alltag.

Mädchen: was braucht es wirklich?

Für die äussere Intimhygiene reicht lauwarmes Wasser meistens aus. Die Scheide reinigt sich selbst; Spülungen sind in der Regel nicht nötig und können das Gleichgewicht der Scheidenflora stören. Eine milde Waschlotion kann bei Bedarf für die äusseren Genitalien verwendet werden, sollte aber sparsam und ohne starke Duftstoffe sein.

Warnzeichen, die ärztlich angeschaut werden sollten: anhaltender starker Juckreiz, brennende Schmerzen, deutlich unangenehmer Geruch, grünlich-gelber oder schaumiger Ausfluss, Blutungen ausserhalb der Menstruation oder Schmerzen beim Wasserlassen. Auch wenn ein Teenager aus Scham nichts sagen mag: Du kannst helfen, indem du neutral anbietest, gemeinsam eine Kinder- und Jugendärzt:in oder Gynäkolog:in aufzusuchen.

Kleine nervige Mitesser im Gesicht

Viele Jugendliche leiden in der Pubertät mehr oder weniger stark unter Hautunreinheiten. Soll man Pickel ausdrücken oder nicht? Häufig macht Drücken das Problem nicht besser: Entzündungen können sich verstärken, Bakterien werden verteilt und es können Narben entstehen. Sanfter ist es, das Gesicht regelmässig zu reinigen (mild, pH-hautfreundlich, ohne starkes Peeling), danach eine nicht fettende Feuchtigkeitscreme aufzutragen. Auch Sonnenschutz kann wichtig sein, besonders wenn Akne-Medikamente die Haut empfindlicher machen.

Hautprobleme können auf die Psyche schlagen: Wenn Jugendliche wegen Akne gehänselt werden oder sich sozial zurückziehen, ist das ernst zu nehmen. Bei starken Entzündungen, Narbenbildung, grossem Leidensdruck oder wenn frei erhältliche Pflege nicht reicht, hilft eine Abklärung bei einer Hautärzt:in. Wirksame Therapien gibt es – je früher, desto besser für Haut und Selbstwert.

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