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Medikamente, Mischkonsum & neue Risiken: Was Schweizer Eltern bei Teenagern wissen sollten

Viele Eltern denken bei Sucht vor allem an Alkohol oder Cannabis. Doch immer häufiger spielen auch Medikamente, Hustensäfte und riskante Mischungen mit Alkohol oder anderen Substanzen eine Rolle. Dieser Artikel hilft dir zu verstehen, was hinter Medikamentenmissbrauch und Mischkonsum bei Jugendlichen steckt, wie du Warnsignale erkennst und was du in der Schweiz konkret tun kannst – ruhig, informiert und handlungsfähig.

Eine Jugendliche sitzt vor einer Ansammlung von Medikamenten
Medikamentenmissbrauch nimmt zu © CreativaImages / Getty Images

«Nicht nur Cannabis und Alkohol»: Warum Medikamente ein Thema sind

In der Schweiz ist der Konsum von Alkohol und Cannabis bei Jugendlichen gut erforscht – weniger sichtbar ist der Umgang mit Medikamenten. Studien aus dem DACH-Raum zeigen jedoch, dass Jugendliche vermehrt zu Medikamenten greifen, um Stress, Schlafprobleme oder Prüfungsdruck zu bewältigen, oder um «runterzukommen» nach Partys. Besonders heikel wird es, wenn verschiedene Substanzen kombiniert werden – sogenannter Mischkonsum.

Medikamente wirken im Gehirn oft ähnlich wie illegale Drogen, sind aber leichter zugänglich: über den Hausapothekenschrank, über Freund:innen mit Rezept oder über den Schwarzmarkt. Für Jugendliche ist das Risiko höher als für Erwachsene, weil sich ihr Gehirn und ihr Körper noch in der Entwicklung befinden.

Warum Mischkonsum gefährlicher ist als einzelne Substanzen

Unter Mischkonsum versteht man die gleichzeitige oder zeitnahe Einnahme verschiedener Substanzen, zum Beispiel:

  • Beruhigungsmittel + Alkohol
  • ADHS-Medikament + Energydrinks + Kaffee
  • Hustensaft mit wirkverstärkenden Stoffen + Cannabis oder Alkohol

Warum ist das so gefährlich?

Die Wirkungen der einzelnen Stoffe können sich verstärken (z.B. doppelte Dämpfung von Atmung und Bewusstsein) oder sich überdecken (eine Substanz macht wach, die andere bremst – die Person merkt nicht, wie stark sie belastet ist). Laut Fachgesellschaften aus der Suchtmedizin gehören Mischintoxikationen zu den häufigsten Gründen für akute Notfälle bei Jugendlichen, etwa wegen Atemdepression, Bewusstlosigkeit oder schweren Kreislaufstörungen.

Wovon sprechen wir konkret?

Es geht nicht darum, dir Angst zu machen oder jedes Medikament zu verteufeln. Viele Jugendliche nehmen Medikamente völlig korrekt ein – zum Beispiel gegen Schmerzen, eine Infektion oder bei einer chronischen Krankheit wie ADHS. Problematisch wird es, wenn:

«ausnahmsweise» mehr genommen wird als verordnet, Medikamente ohne ärztliche Verordnung eingenommen werden oder sie mit Alkohol/anderen Drogen kombiniert werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen (High werden, Durchhalten beim Lernen, besser schlafen, ruhiger sein).

Beruhigungs- und Schlafmittel (Benzodiazepine, Z-Drugs)

Benzodiazepine (oft «Benzos» genannt) und sogenannte Z-Drugs (etwa Zolpidem, Zopiclon) sind Medikamente, die gegen starke innere Unruhe, Angst oder Schlafstörungen verschrieben werden. Sie wirken beruhigend, angstlösend und schlaffördernd. In der Schweiz werden sie vor allem Erwachsenen verschrieben, können aber in Haushalten mit älteren Angehörigen leicht verfügbar sein.

Risiken bei Jugendlichen:

Das Gehirn von Jugendlichen reagiert empfindlicher auf diese Stoffe. Laut aktuellen Übersichtsarbeiten aus der Suchtmedizin können bereits relativ niedrige Dosen zu:

  • starker Müdigkeit und verlangsamten Reaktionen
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
  • Koordinationsproblemen (Sturzrisiken, Unfälle)
  • emotionaler Abflachung oder plötzlichen Stimmungsschwankungen
  • Abhängigkeit bei regelmässigem Konsum

Besonders gefährlich: die Kombination von Benzodiazepinen mit Alkohol, Opioiden oder stärkeren Schmerzmitteln – hier droht eine lebensgefährliche Dämpfung von Atmung und Kreislauf. Notfallmediziner:innen berichten, dass genau solche Mischungen immer häufiger zu Spitaleinweisungen führen.

Schmerzmittel & Hustensäfte: Wo liegt das Missbrauchsrisiko?

Viele Schmerzmittel und Hustensäfte wirken harmlos, weil sie frei verkäuflich sind. Trotzdem können sie – unsachgemäss angewendet – grossen Schaden anrichten.

Nicht-opioide Schmerzmittel (z.B. Paracetamol, Ibuprofen)

Sie sind bei richtiger Dosierung meist sicher. Problematisch wird es, wenn Jugendliche:

«zur Sicherheit» mehr nehmen, als auf der Packung steht, verschiedene Präparate kombinieren, ohne zu merken, dass derselbe Wirkstoff mehrfach enthalten ist, oder regelmässig Tabletten gegen Stress, Kopfschmerzen oder Müdigkeit einnehmen, statt nach den Ursachen zu schauen.

Besonders gefährlich sind Überdosierungen von Paracetamol: Sie können die Leber schwer schädigen – manchmal merken Betroffene zuerst nur leichte Übelkeit und Bauchweh, die schweren Schäden kommen zeitverzögert. Vergiftungszentren wie Tox Info Suisse weisen darauf hin, dass auch vermeintlich «kleine» Überschreitungen der Dosis bei wiederholter Einnahme gefährlich werden können.

Hustensäfte mit wirkaktiven Inhaltsstoffen

Einige Hustensäfte enthalten Stoffe wie Dextromethorphan oder Codein. In hohen Dosen können sie:

Rauscherlebnisse, Halluzinationen, Schwindel und Übelkeit, verlangsamte Atmung (v.a. bei Codein, besonders in Kombination mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln) auslösen. In der Jugendkultur werden solche Säfte teils als «Partydrug» missbraucht, etwa in Mischgetränken. Eltern sollten deshalb aufmerksam sein, wenn Hustensäfte ungewöhnlich schnell aufgebraucht sind oder auftauchen, obwohl niemand krank ist.

ADHS-Medikamente als «Lern-Doping»

Medikamente gegen ADHS (z.B. Methylphenidat) sind für viele Kinder und Jugendliche mit einer ärztlich bestätigten Diagnose ein wichtiger Baustein, um Alltag, Schule und soziale Kontakte überhaupt bewältigen zu können. Bei medizinisch sinnvoller Anwendung und guter Begleitung gelten sie als wirksam und sicher.

Problematisch wird es, wenn Jugendliche ohne ADHS-Diagnose diese Medikamente einnehmen, weil sie hoffen:

länger lernen zu können, konzentrierter zu sein, Müdigkeit oder Erschöpfung zu überdecken, «besser» in Prüfungen zu performen.

Fachgesellschaften wie Pädiatrie Schweiz warnen davor, ADHS-Medikamente als «Lern-Doping» zu sehen. Studien zeigen, dass gesunde Jugendliche davon höchstens kurzfristig wacher wirken – aber nicht unbedingt bessere Leistungen erbringen. Gleichzeitig steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme, Schlafstörungen, Angstzustände und Missbrauch.

Wichtig: Wenn dein Kind ein ADHS-Medikament verschrieben bekommt und du Sorge hast, dass es weitergegeben, verkauft oder anderweitig missbraucht werden könnte, sprich das unbedingt offen mit der behandelnden Ärzt:in an. Eine gemeinsame Strategie zur sicheren Aufbewahrung, Dosiskontrolle und Gesprächsführung mit deinem Kind ist zentral.

Kombinationen mit Alkohol und anderen Drogen

Viele Risiken entstehen nicht durch eine einzelne Substanz, sondern durch ihre Kombination, zum Beispiel:

Beruhigungs- oder Schlafmittel + Alkohol, Schmerzmittel (insbesondere Paracetamol) + Alkohol oder regelmässiger Alkoholkonsum, ADHS-Medikamente + Energydrinks + Kaffee, Hustensäfte + Alkohol oder Cannabis.

Die Folge können sein:

Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Atemstillstand, akute Leber- oder Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, psychiatrische Krisen (Panik, Psychosen).

Wenn du vermutest, dass dein Kind Alkohol mit Medikamenten oder anderen Substanzen kombiniert hat, beobachte es eng, bleib ruhig – und zögere nicht, im Zweifel die Notfallnummern (144) oder den Vergiftungsnotruf (145) anzurufen. Lieber einmal zu viel als zu spät.

Warum Jugendliche zu Medikamenten und Mischkonsum greifen

Jugendliche handeln selten völlig «unlogisch». Meist steht hinter riskantem Konsum ein (wenn auch problematischer) Lösungsversuch für ein echtes Problem. Das zu verstehen, hilft dir, nicht nur am Symptom (Konsum) anzusetzen, sondern auch an den Ursachen.

Stress, Prüfungsdruck, Schlafprobleme, Neugier, Peergroup

Studien zur psychischen Gesundheit Jugendlicher in der Schweiz und im DACH-Raum zeigen, dass viele Jugendliche unter:

hohem schulischem Druck, Zukunftsängsten, Schlafproblemen, ständiger Erreichbarkeit und Social-Media-Stress, Konflikten in Familie oder Peergroup leiden.

Medikamente erscheinen dann als schnelle Lösung: etwas zum Runterkommen, zum Durchhalten, zum Vergessen oder zum «Dazugehören». Neugier, Gruppendruck und die Vorstellung «das machen doch alle» oder «es ist ja nur ein Medikament, nicht Heroin» spielen zusätzlich eine grosse Rolle.

«Selbstmedikation» vs. echte medizinische Indikation

Fachleute unterscheiden zwischen:

medizinischer Indikation: Ein Medikament wird nach ärztlicher Abklärung gezielt und überwacht eingesetzt, mit klarer Dosierung und zeitlicher Begrenzung, und die Wirksamkeit sowie Nebenwirkungen werden regelmässig überprüft.
Selbstmedikation / Missbrauch: Jugendliche nehmen Medikamente, ohne dass eine Fachperson die Diagnose gestellt hat, erhöhen eigenmächtig die Dosis, verlängern die Einnahme oder kombinieren verschiedene Substanzen, um eine bestimmte Wirkung (z.B. High sein, besser funktionieren) zu erreichen.

Besonders bei ADHS-Medikamenten ist es wichtig, genau hinzuschauen: Ein Teil der Jugendlichen profitiert sehr von einer gut eingestellten Therapie, andere fühlen sich unter Druck, Medikamente nehmen zu müssen oder sie werden in der Peergroup «weitergereicht». Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der behandelnden Ärzt:in ist hier zentral.

Warnzeichen im Alltag & wie du ins Gespräch kommst

Du musst nicht bei jedem schlechten Tag an Sucht denken. Aber bestimmte Muster und Veränderungen können Hinweise geben, dass dein Kind mit Medikamenten oder Mischkonsum experimentiert oder kämpft.

Signale im Alltag: Worauf du achten kannst

Mögliche Warnzeichen (keines für sich allein ist ein Beweis, die Kombination mehrerer Punkte über längere Zeit ist wichtiger):

  • Veränderungen in der Schule/Lehre: plötzliche Leistungseinbrüche oder auffällig starke Schwankungen, häufiges Zuspätkommen oder Fehlen, Beschwerden von Lehrpersonen über starke Müdigkeit, «Weggetretensein» oder Rastlosigkeit.
  • Stimmung & Verhalten: plötzliche Reizbarkeit, starke Stimmungsschwankungen, Rückzug von Freund:innen oder Familie, Antriebslosigkeit oder im Gegenteil auffällige Überdrehtheit, Schlaf-Wach-Rhythmus völlig verschoben.
  • Geld & Wertsachen: unerklärlicher Geldbedarf, Geld verschwindet, Dinge werden verkauft oder verpfändet, ohne nachvollziehbare Gründe.
  • Konkrete Hinweise: leere Blister (Tablettenverpackungen), lose Pillen ohne Verpackung im Zimmer, Rucksack oder in Jackentaschen, Hustensäfte oder andere Medikamente, die plötzlich häufig auftauchen, unterschiedliche Tabletten, deren Herkunft unklar ist.
  • Körperliche Anzeichen: häufige Übelkeit, Kopfschmerzen, plötzliche Gewichtsveränderung, stark erweiterte oder verengte Pupillen, unsicherer Gang, verlangsamte oder sehr schnelle Sprache.

Wichtig: Viele dieser Zeichen können auch bei psychischen Belastungen ohne Substanzkonsum auftreten (z.B. Depression, Angststörung). In jedem Fall lohnt sich ein liebevolles, zugewandtes Gespräch und bei Bedarf eine fachliche Abklärung.

So sprichst du darüber, ohne zu beschuldigen

Wie du mit deinem Kind sprichst, ist oft wichtiger als die perfekten Worte. Jugendliche gehen schneller in Abwehr, wenn sie das Gefühl haben, angeklagt oder kontrolliert zu werden.

Einige Leitlinien, die sich in der Praxis bewährt haben:

1. Ruhig vorbereiten – nicht im Affekt
Sprich das Thema nicht mitten in einem Streit oder wenn du gerade einen leeren Blister gefunden hast und sehr aufgebracht bist. Atme durch, überleg dir 2–3 Beobachtungen, die du ansprechen möchtest, und plane ein möglichst ungestörtes Gespräch.

2. Von dir sprechen, nicht vom «Fehler» deines Kindes
Formuliere deine Beobachtungen ohne Vorwürfe, zum Beispiel:

«Mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit oft sehr müde wirkst und mehrmals verschlafen hast. Ich mache mir Sorgen und möchte verstehen, was los ist.»

statt:

«Du bist faul geworden, du verschläfst alles – was nimmst du eigentlich?»

3. Zuhören – auch wenn es dir nicht gefällt
Lass dein Kind ausreden, auch wenn du innerlich widersprichst. Fragen wie «Wie erlebst du das?» oder «Was hilft dir im Moment, mit dem Stress klarzukommen?» öffnen eher als «Warum machst du das?!».

4. Interesse an den Gründen zeigen
Versuche herauszufinden, wofür ein Medikament oder eine Substanz «helfen» soll: gegen Schlaflosigkeit, Angst, Druck, Schmerzen, Einsamkeit? Nur wenn die Gründe sichtbar werden, könnt ihr gemeinsam bessere Lösungen suchen.

5. Klare Haltung, aber kein Ultimatum
Du darfst und sollst klar sagen, dass gefährlicher Mischkonsum und Medikamentenmissbrauch nicht okay sind – mit Begründung (Gesundheit, Sicherheit, rechtliche Folgen). Gleichzeitig ist es hilfreich, Unterstützung anzubieten statt nur Strafen, zum Beispiel:

«Ich kann das so nicht einfach stehen lassen, weil deine Gesundheit mir extrem wichtig ist. Lass uns gemeinsam schauen, wie wir Hilfe holen können – ich gehe mit dir.»

6. Hilfe von aussen normalisieren
Mach deutlich, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, sich Unterstützung zu holen – weder für dein Kind noch für dich als Elternteil. Fachstellen sehen solche Situationen täglich und sind dafür da.

Was du konkret tun kannst

Sichere Aufbewahrung zuhause & richtige Entsorgung

Viele Jugendliche erhalten Medikamente zuerst über den heimischen Medikamentenschrank. Du musst kein Tresor einrichten, aber ein paar Grundregeln können viel bewirken:

1. Überblick gewinnen
Schau dir an, welche Medikamente ihr zuhause habt: Welche sind verschreibungspflichtig? Welche haben ein Missbrauchspotenzial (z.B. starke Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, ältere Hustensäfte)? Welche sind abgelaufen?

2. Risikomedikamente ausser Reichweite und Kontrolle
Bewahre verschreibungspflichtige Beruhigungs- oder Schlafmittel, starke Schmerzmittel und ADHS-Medikamente nicht unkontrolliert im Badezimmer auf. Eine abschliessbare Schublade oder ein höher gelegenes, nicht frei zugängliches Fach kann bereits helfen. Besonders, wenn dein Kind selbst ein ADHS-Medikament erhält, ist eine klare Regelung sinnvoll, wer wann die Tabletten ausgibt.

3. Keine grossen Vorräte anlegen
Lass dir von Ärzt:innen nur die Menge verschreiben, die realistisch benötigt wird, und fülle Vorräte nicht ohne Rücksprache auf. Das reduziert die Verfügbarkeit für impulsives Ausprobieren oder Weitergabe.

4. Entsorgung ernst nehmen
Alte, nicht mehr benötigte oder abgelaufene Medikamente gehören nicht in den Hausmüll oder in den Abfluss. In der Schweiz kannst du sie kostenlos in Apotheken oder teilweise in Drogerien zur fachgerechten Entsorgung abgeben. So verhinderst du, dass Jugendliche sie später doch noch verwenden.

Zusammenarbeit mit Arztpraxis und Schule – wann ist das sinnvoll?

Du musst diese Situation nicht alleine tragen. Je nach Lage kann es sinnvoll sein, Fachpersonen einzubeziehen:

Hausärzt:in oder Kinder- und Jugendärzt:in
Kontaktiere eine medizinische Fachperson, wenn du:

konkrete Hinweise auf Medikamentenmissbrauch oder Mischkonsum hast, körperliche Beschwerden bei deinem Kind beobachtest (z.B. häufige Übelkeit, Gewichtsabnahme, Herzrasen, Schlafstörungen), unsicher bist, wie gefährlich eine eingenommene Dosis oder Kombination war. Ärzt:innen können körperliche Folgen abklären, mit deinem Kind über Risiken sprechen, gegebenenfalls an Suchtberatungsstellen oder Psycholog:innen weiterverweisen und mit dir Strategien zur sicheren Medikamentenhandhabung entwickeln.

Schule oder Lehrbetrieb
Eine Kontaktaufnahme kann helfen, wenn:

es starke Leistungs- oder Verhaltensveränderungen gibt, die Schule bereits Auffälligkeiten meldet (z.B. «wirkt oft benommen»), Prüfungsdruck und Stress im Zentrum der Probleme stehen. Viele Schulen verfügen über Schulsozialarbeit, Vertrauenslehrpersonen oder Schulpsychologische Dienste, die Erfahrung mit Sucht- und Belastungsthemen haben. Wichtig ist, dein Kind nach Möglichkeit einzubinden und transparent zu machen, dass du Unterstützung suchst – nicht «hinter seinem Rücken» agierst.

Hilfe und Notfallnummern in der Schweiz

SafeZone, Suchtindex & lokale Fachstellen

In der Schweiz gibt es ein ausgebautes Netz an Suchtberatungsstellen, die auch Eltern unterstützen – anonym und kostenlos.

SafeZone
SafeZone ist ein nationales Online-Beratungsangebot zur Suchtprävention und -beratung. Du kannst dort:

dich anonym beraten lassen (schriftlich oder teils in Chats), Fragen zu Medikamentenmissbrauch, Mischkonsum oder Verdacht auf Sucht stellen, Informationen zu regionalen Angeboten erhalten.

Suchtindex / lokale Fachstellen
Über den Schweizerischen Suchtindex und kantonale Suchthilfen findest du Adressen von:

ambulanten Suchtberatungsstellen, Angeboten für Jugendliche und junge Erwachsene, Suchtpräventionsstellen, die auch Eltern beraten. Diese Stellen sind daran gewöhnt, dass Eltern sich unsicher fühlen, Angst haben, ihr Kind zu «verraten» oder nicht wissen, wie sie es ansprechen sollen. Du darfst dich dort auch beraten lassen, wenn dein Kind noch gar nichts von deinem Verdacht weiss – einfach um eine erste Einschätzung und Ideen zu bekommen.

Notfallnummern 144/145 – wann musst du sofort handeln?

In akuten Situationen ist schnelles Handeln entscheidend. In der Schweiz sind:

144 – medizinischer Notruf
Wähle 144, wenn dein Kind:

bewusstlos ist oder nur schwer weckbar, Atemprobleme hat (sehr langsame, unregelmässige oder sehr schnelle Atmung), Krampfanfälle zeigt, starke Brustschmerzen oder Verdacht auf Herz-Kreislauf-Probleme hat, stark verwirrt ist, nicht mehr sinnvoll ansprechbar oder extrem unruhig/aggressiv ist. Teile der Rettungsleitstelle mit, was dein Kind (vermutlich) eingenommen hat, wenn möglich mit Medikamentennamen und ungefähren Mengen.

145 – Vergiftungsnotruf (Tox Info Suisse)
Unter 145 erreichst du in der Schweiz rund um die Uhr Fachpersonen für Vergiftungsfragen. Du solltest anrufen, wenn:

du unsicher bist, ob eine eingenommene Medikamentendosis gefährlich ist (zum Beispiel zu viele Schmerztabletten, Hustensaft, Beruhigungsmittel), dein Kind verschiedene Medikamente und/oder Alkohol kombiniert hat und du nicht weisst, ob ärztliche Hilfe nötig ist, du alte oder unbekannte Tabletten gefunden hast und abklären möchtest, wie gefährlich sie sind. Halte nach Möglichkeit die Medikamentenpackungen bereit und schätze so gut wie möglich, wie viel dein Kind eingenommen haben könnte. Du wirst angeleitet, ob du zuwarten, beobachten oder sofort in eine Notfallstation gehen sollst.

Es ist kein «Überreagieren», diese Nummern zu wählen. Fachleute betonen immer wieder: Lieber einmal mehr anrufen und gemeinsam Entwarnung geben, als einen gefährlichen Verlauf zu spät erkennen.

Du musst das nicht alleine schaffen

Medikamentenmissbrauch oder Mischkonsum in der Jugend sind ein ernstes Thema – aber kein Grund für Schuldgefühle oder Panik. Viele Familien erleben Phasen, in denen Jugendliche mit Substanzen experimentieren oder in schwierige Muster rutschen. Entscheidend ist, dass du:

hin- und nicht wegschaut, in Kontakt bleibst – auch wenn Gespräche mühsam sind, dir fachliche Unterstützung holst, statt dich zu isolieren, und dir selbst ebenfalls Pausen und Entlastung zugestehst. Du darfst unsicher sein, Angst haben und trotzdem liebevoll und klar handeln. Dafür ist dieses Hilfsnetz in der Schweiz da – für dein Kind und auch für dich.

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