Kind > TeenagerSuchtprävention bei Teenagern in der Schweiz: Wie Eltern vorbeugen, Warnzeichen erkennen und Hilfe finden Luisa Müller Viele Eltern fragen sich, wie sie ihre Teenager in der Schweiz vor Suchtmitteln wie Alkohol, Cannabis oder Vapes schützen können – ohne ständig zu kontrollieren oder zu streiten. Dieser Artikel zeigt dir, was Jugendliche verletzlich macht, was sie gleichzeitig stärkt, wie du über Konsum sprechen kannst und welche Warnzeichen ernst sind. Ausserdem findest du konkrete Anlaufstellen in der Schweiz, wenn du dir Sorgen machst – auch anonym. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Jugendliche beginnen oft mit Alkohol © pitchwayz / Getty Images Wichtige Notfall- und Soforthilfe-Nummern in der Schweiz Wenn du akut besorgt bist oder es zu einem Notfall gekommen ist, zögere nicht, Hilfe zu holen. Lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig. 144 – Sanität / medizinischer Notfall: bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen, schweren Vergiftungserscheinungen, Krampfanfällen oder wenn dein Teenager nicht mehr ansprechbar ist. 145 – Tox Info Suisse: Gift- und Vergiftungsnotfälle, z.B. bei Verdacht auf Alkohol- oder Medikamentenvergiftung, Einnahme unbekannter Substanzen. 117 – Polizei: bei akuter Gefahr für Leib und Leben, Gewalt, bedrohlichen Situationen oder wenn dein Teenager vermisst wird. 147 – Pro Juventute: rund um die Uhr für Kinder und Jugendliche (Telefon, Chat, SMS) – dein Teenager kann sich direkt melden, aber auch du darfst dort Rat holen. SafeZone.ch: anonyme Online-Beratung zu Sucht und Konsum für Jugendliche und Eltern, kostenlos und schweizweit. Warum Teenager besonders gefährdet sind In der Pubertät verändert sich das Gehirn stark. Das Belohnungssystem wird besonders aktiv, während Bereiche für Planung, Impulskontrolle und langfristiges Denken (präfrontaler Kortex) sich langsamer entwickeln. Laut pädiatrischen Fachgesellschaften erhöht das die Anfälligkeit für riskantes Verhalten – dazu gehört auch das Ausprobieren von Alkohol, Cannabis oder Nikotin. Dazu kommen typische Entwicklungsaufgaben: sich von den Eltern ablösen, zur Peergroup dazugehören, Neues testen, Grenzen ausloten. «Alle anderen dürfen…» oder «Ich will doch nur mal probieren» sind deshalb Sätze, die viele Eltern kennen. Gleichzeitig ist wichtig: Nicht jeder Konsum führt zu einer Sucht. Entscheidend sind Risiko- und Schutzfaktoren. Häufige Risikofaktoren: - Belastungen wie Mobbing, Leistungsdruck, familiäre Konflikte oder psychische Probleme (z.B. Depression, Angst) - Freundeskreis mit regelmässigem oder hohem Konsum - frühe Konsumerfahrungen, etwa regelmässiges Trinken schon mit 13–14 Jahren - fehlende oder sehr inkonsistente Regeln zu Alkohol, Ausgang, Geld. Wichtige Schutzfaktoren: - eine stabile, verlässliche Beziehung zu dir als Mutter oder Vater – auch wenn es gerade viel Streit gibt - klare, verständliche Regeln und Grenzen, die du erklärst und möglichst konsequent einhältst - ein geregelter Alltag mit Schule/Lehre, Hobbys, Sport oder Musik - ausreichend Schlaf und eine halbwegs gesunde Lebensweise - offene Gespräche über Gefühle, Stress, Ängste – nicht nur über Leistung und Noten. Fachleute aus der Kinder- und Jugendmedizin betonen, dass sichere Bindungen und verlässliche Bezugspersonen nachweislich vor problematischem Konsum schützen. Perfekte Eltern braucht es dafür nicht – aber «genügend gute», die da sind, zuhören und ihre Kinder ernst nehmen. Was in der Schweiz aktuell häufig ist In der Schweiz sind vor allem vier Bereiche bei Jugendlichen relevant: 1. Alkohol Alkohol ist unter Jugendlichen die am weitesten verbreitete Substanz. Viele erleben ihren ersten Rausch im späteren Teenageralter. Binge-Drinking (sehr viel in kurzer Zeit trinken) ist besonders riskant: Es erhöht die Gefahr von Vergiftungen, Unfällen, Gewalt und riskantem Verhalten. Ärztliche Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass das jugendliche Gehirn deutlich sensibler auf Alkohol reagiert und Schäden wahrscheinlicher sind als im Erwachsenenalter. 2. Cannabis Cannabis wird von vielen Jugendlichen als «natürlich» und deshalb harmlos angesehen. Das ist ein verbreitetes Missverständnis. Gerade bei frühem und häufigem Konsum (mehrmals pro Woche) steigt laut aktuellen Studien das Risiko für: - Konzentrationsprobleme und schlechtere Schulleistungen - Angstzustände, depressive Symptome - Psychosen, insbesondere bei Jugendlichen mit familiärer Vorbelastung. 3. Nikotin – inkl. Vapes und Nikotinbeutel Die klassische Zigarette hat in den letzten Jahren etwas an Bedeutung verloren, gleichzeitig sind E-Zigaretten (Vapes) und Nikotinbeutel (Snus, Nikotin-Pouches) im Trend. Nikotin ist jedoch eine stark abhängig machende Substanz, und das jugendliche Gehirn entwickelt schneller eine Sucht. Viele Jugendliche unterschätzen Vapes, weil sie angenehm schmecken und «nicht stinken». Studien zeigen aber: Wer früh mit Nikotin beginnt, hat ein höheres Risiko für spätere Mehrfachabhängigkeiten (z.B. Tabak plus Alkohol plus Cannabis). 4. Gaming und Online-Verhalten Intensives Gamen, Social Media oder Online-Wetten können bei einem Teil der Jugendlichen einen suchtähnlichen Charakter annehmen: immer mehr Zeit online, Vernachlässigung anderer Lebensbereiche, Entzugserscheinungen (Reizbarkeit, Unruhe), wenn sie nicht spielen dürfen. Fachleute sprechen dann von problematischem oder pathologischem Mediengebrauch. Das ist keine «Schwäche», sondern eine ernstzunehmende Störung. Auch Medikamente (z.B. Beruhigungsmittel, Schmerzmittel) oder sogenannte Party-Drogen (z.B. MDMA, Kokain) werden von einigen Jugendlichen konsumiert. Das sind komplexe Themen, bei denen eine fachliche Beratung besonders wichtig ist, wenn du einen Verdacht hast. So sprichst du mit deinem Teenager über Konsum & Sucht Gespräche über Alkohol, Cannabis oder Vapes sind oft heikel. Viele Eltern haben Angst, ihr Kind «auf Ideen zu bringen» oder den Konflikt zu verschärfen. Forschung aus der Jugendpsychologie zeigt jedoch klar: Offene, respektvolle Gespräche senken das Risiko für problematischen Konsum. Entscheidend ist wie du sprichst – nicht nur, was du sagst. Gesprächsstart: 5 mögliche Einstiegs-Sätze Direkte Vorwürfe wie «Du trinkst sicher auch schon!» machen häufig dicht. Versuche stattdessen neutrale, interessierte Einstiege: 1. «In den letzten Wochen liest und hört man viel über Vapes bei Jugendlichen. Mich beschäftigt das. Wie ist das bei euch in der Klasse?» 2. «Ich merke, dass ich mir manchmal Sorgen mache, wenn es ums Weggehen und Alkohol geht. Darf ich dich fragen, wie du das erlebst?» 3. «Ich möchte gern wissen, was du schon so mitbekommen hast zu Alkohol und Cannabis – nicht, um dich zu kontrollieren, sondern um dich besser zu verstehen.» 4. «Wenn ihr an Partys seid: Wie ist das mit Trinken oder Kiffen? Gibt es da Druck von anderen?» 5. «Mir ist wichtig, dass wir über diese Themen sprechen können, auch wenn wir vielleicht nicht immer einer Meinung sind. Was wünschst du dir von mir, wenn es um Alkohol oder andere Sachen geht?» Offene Fragen statt Verhör Offene Fragen laden zum Erzählen ein. Geschlossene Fragen («Hast du getrunken? Ja oder nein!») führen schnell in Verteidigung oder Lügen. Du kannst dich an folgenden Punkten orientieren: - Frage nach Erfahrungen im Umfeld: «Wie ist das bei deinen Freund:innen?», statt direkt: «Was machst du?» - Interessiere dich für Gefühle und Situationen: «Wie fühlst du dich an Partys, wenn alle trinken?» - Frage nach Einschätzungen: «Was findest du selbst gefährlich?», «Was ist für dich okay?» - Nutze Ich-Botschaften: «Ich merke, dass ich unsicher bin, wie ich mit Ausgang und Alkohol umgehen soll. Wie siehst du das?» Do & Don’t: Was Gespräche kippen lässt Hilfreich (Do): - Ich-Botschaften: «Ich mache mir Sorgen, weil …» statt «Du machst alles falsch.» - Zuhören, auch wenn du innerlich widersprichst – du musst im ersten Schritt nicht sofort korrigieren. - Nachfragen, bevor du bewertest: «Hilf mir zu verstehen, was da genau passiert ist.» - Klar formulierte Werte: «Mir ist wichtig, dass du sicher nach Hause kommst und dein Körper geschützt bleibt.» Weniger hilfreich (Don’t): - Pauschale Verbote ohne Begründung: «Solange du hier wohnst, ist alles verboten!» - Beschämen und Vergleiche: «Deine Schwester war nie so!» - Drohen mit unrealistischen Konsequenzen: «Wenn du das noch einmal machst, fliegst du raus.» - Moralpredigten in der Hitze des Gefechts – besser später in Ruhe sprechen. Wenn dein Teenager abblockt: 3 Strategien Viele Jugendliche reagieren mit Schweigen, Genervtsein oder Rückzug. Das ist frustrierend, aber nicht ungewöhnlich. 1. Timing ändern Nicht mitten im Streit, nicht nach Mitternacht, nicht in Eile vor der Schule. Sage z.B.: «Gestern war für uns beide nicht gut. Ich möchte in Ruhe mit dir reden – wann passt es dir besser, heute oder morgen?» 2. Indirekte Zugänge nutzen Manchen Jugendlichen fällt es leichter, über Dritte zu sprechen. Du kannst einen Artikel, eine Serie oder Nachrichtenmeldung aufgreifen: «Ich habe gelesen, dass Vapes für Jugendliche stark suchtfördernd sein können. Wie siehst du das?» 3. Gesprächsangebot wiederholen – ohne Druck Mach klar, dass dein Angebot stehen bleibt: «Ich merke, du willst jetzt nicht reden. Das akzeptiere ich. Mir ist wichtig, dass du weisst: Wenn du mal in einer blöden Situation steckst – egal, ob mit Alkohol, Kiffen oder etwas anderem – ich komme, hole dich ab, und wir reden erst am nächsten Tag darüber.» Grenzen, Konsequenzen, Freiraum: ein Rahmen, der in Familien funktioniert Jugendliche brauchen zwei Dinge gleichzeitig: Orientierung durch klare Grenzen und das Gefühl, ernst genommen zu werden. Forschung zeigt, dass ein «autoritativer» Erziehungsstil (warmherzig, interessiert, aber mit klaren Regeln) am besten vor riskantem Konsum schützt – im Gegensatz zu sehr strenger oder sehr nachgiebiger Erziehung. Abmachungen schriftlich festhalten – Beispiele Schriftliche Abmachungen können helfen, Diskussionen zu reduzieren. Es geht nicht um einen starren «Vertrag», sondern um gemeinsam vereinbarte Regeln. Mögliche Punkte: - Ausgang: «Unter der Woche bist du bis 22 Uhr zu Hause, am Wochenende bis …» - Alkohol: «Bis zum 16. Geburtstag kein Alkohol. Danach: kein harter Alkohol, kein Trinken mit dem Ziel, betrunken zu werden.» - Heimweg: «Nach 22 Uhr fährst du nicht mehr selbst Velo auf dunklen Strecken. Wir organisieren ÖV, Taxi oder ich hole dich ab.» - Geld: «Taschen- oder Ausgangsgeld nicht für Vapes, Zigaretten oder Cannabis.» Wichtig ist, dass ihr diese Regeln besprecht und dein Teenager seine Sicht einbringen darf. Du bleibst die verantwortliche erwachsene Person – aber wenn Jugendliche merken, dass ihre Argumente gehört werden, steigt die Bereitschaft, sich an Abmachungen zu halten. Konsequenzen: sinnvoll, realistisch, beziehungsorientiert Konsequenzen sollen nicht «bestrafen», sondern helfen, Verantwortung zu übernehmen. Fachleute empfehlen: - Die Konsequenz steht im Zusammenhang mit dem Verhalten: Wer wiederholt betrunken heimkommt, hat vorübergehend weniger oder keinen Ausgang – nicht einfach Handyverbot ohne Bezug. - Die Konsequenz ist vorher bekannt, nicht spontan in der Wut erfunden. - Es gibt einen klaren Weg zurück: «Wenn wir sehen, dass du dich an die Abmachungen hältst, reden wir nach zwei Wochen darüber, was wieder möglich ist.» - Die Beziehung bleibt wichtig: «Ich bin wütend und enttäuscht – und ich habe dich sehr gern. Wir schaffen das zusammen.» Übermässig harte Strafen (z.B. monatelanges Ausgangsverbot) führen oft zu mehr Heimlichkeiten. Ein beziehungsorientierter Umgang stärkt dagegen das Vertrauen – eine der wichtigsten Schutzfaktoren gegen Sucht. Warnzeichen: wann es mehr ist als Ausprobieren Viele Jugendliche probieren irgendwann Alkohol oder Cannabis aus. Entscheidend ist, ob sich Muster entwickeln, die auf eine beginnende Abhängigkeit oder starke Probleme hinweisen. Konkrete Warnzeichen im Alltag Verhalten: - Dein Teenager zieht sich stark zurück, wirkt ungewöhnlich gereizt oder antriebslos. - frühere Hobbys, Sport oder Freundschaften werden plötzlich vernachlässigt. - es gibt vermehrt Lügen oder widersprüchliche Geschichten zu Aufenthaltsorten. Körper und Erscheinung: - häufig gerötete oder glasige Augen, ungewöhnlicher Geruch nach Rauch oder Süßlichem (Vapes, Cannabis). - deutliche Veränderungen von Appetit oder Gewicht. - häufige Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen. Schule/Lehre: - abrupter Leistungsabfall, häufiges Zuspätkommen, vermehrte Absenzen. - Beschwerden von Lehrpersonen oder Ausbildner:innen über Unkonzentriertheit, Einschlafen, auffälliges Verhalten. Geld: - Geld verschwindet oder dein Teenager braucht plötzlich viel mehr Geld, ohne erklären zu können, wofür. - es tauchen ungeklärte Gegenstände auf (Vapes, Päckchen, Pillen, Papes, Grinder, kleine Plastiktütchen). Keines dieser Zeichen beweist für sich allein eine Sucht. Mehrere Veränderungen gleichzeitig – besonders, wenn sie über Wochen anhalten – sind aber ein Grund, genauer hinzuschauen und fachlichen Rat zu holen. «Red Flags» für akute Gefahr (Notfall) Rufe sofort 144 (Sanität) oder 145 (Tox Info Suisse) und im Zweifel zusätzlich 117 (Polizei), wenn: - dein Teenager bewusstlos ist oder nur schwer geweckt werden kann. - die Atmung verlangsamt oder unregelmässig ist. - starker Alkohol- oder Drogenkonsum mit Erbrechen, Krämpfen oder Verwirrtheit einhergeht. - dein Teenager davon spricht, sich etwas anzutun, oder ein konkreter Suizidverdacht besteht. - du vermutest, dass «harte» Drogen (z.B. Pillen, Pulver) im Spiel sind und dein Kind anders reagiert (z.B. extreme Unruhe, Halluzinationen, Panik). Bis Hilfe eintrifft, bleib bei deinem Kind, schau auf eine sichere Seitenlage, wenn es bewusstlos ist, und entferne, wenn möglich, weitere Substanzen aus der unmittelbaren Umgebung. Ärzt:innen betonen klar: Du musst dich nicht schämen, Hilfe zu holen. Niemand wartet, bis «alles ganz sicher ist», um zu retten. Hilfe in der Schweiz: wohin du dich wenden kannst Du musst nicht warten, bis eine Sucht «bewiesen» ist. Frühzeitige Beratung kann verhindern, dass sich Muster verfestigen, und entlastet dich als Mutter oder Vater. SafeZone.ch – anonyme Online-Beratung SafeZone.ch ist ein schweizweiter, kostenloser Online-Dienst zur Suchtberatung. Du kannst anonym mit Fachpersonen chatten oder Fragen per Mail stellen – sowohl als Elternteil wie auch als Jugendlicher. Das ist besonders hilfreich, wenn du noch unsicher bist, ob du einen «richtigen» Termin machen willst, oder wenn du konkrete Fragen zu Substanzen, Risiken oder nächsten Schritten hast. Suchtindex – Beratungsstellen in deiner Nähe Über den schweizweiten Suchtindex findest du regionale Suchtberatungsstellen. Dort arbeiten Fachpersonen aus Sozialarbeit, Psychologie und Medizin, die sich mit Jugendlichen und Familien gut auskennen. Sie bieten in der Regel: - Beratung für Eltern, auch ohne dass der Teenager dabei ist - gemeinsame Gespräche mit Jugendlichen und Eltern - Unterstützung beim Kontakt zu Ärzt:innen, Psychiater:innen oder Kliniken, falls nötig. Pro Juventute 147 & Elternberatung rund um die Uhr Unter der Nummer 147 erreichen Kinder und Jugendliche anonym und kostenlos rund um die Uhr eine Beratungsstelle. Auch du als Mutter oder Vater darfst dort anrufen oder chatten, wenn du nicht weiterweisst, dich überfordert fühlst oder Ideen brauchst, wie du ein Gespräch anpacken kannst. Gerade in akuten Krisen kann ein kurzer Austausch mit einer Fachperson helfen, die nächsten 24 Stunden zu überbrücken. Hausarzt/Kinderarzt, Schulsozialarbeit – wann was passt Hausarzt/Kinderarzt: Wenn du körperliche oder psychische Veränderungen bemerkst, dein Teenager Schlafprobleme, Ängste, depressive Symptome oder starke Stimmungsschwankungen zeigt, ist die Haus- oder Kinderärzt:in eine wichtige erste Anlaufstelle. Sie kann abklären, ob medizinische Ursachen vorliegen, und einschätzen, ob weitere spezialisierte Hilfe (z.B. Kinder- und Jugendpsychiatrie) sinnvoll ist. Schulsozialarbeit / Schulpsychologischer Dienst: Bei schulischen Schwierigkeiten, Konflikten in der Klasse, Mobbing oder auffälligem Verhalten in der Schule sind Schulsozialarbeit oder schulpsychologische Dienste wichtige Partner. Sie kennen den Alltag deines Teenagers, können mit Lehrpersonen koordinieren und niederschwellig unterstützen. Du musst dich nicht für eine einzige Stelle entscheiden. Oft ist es hilfreich, wenn mehrere Fachpersonen zusammenarbeiten – zum Beispiel Suchtberatung plus Hausärzt:in, oder Schulsozialarbeit plus Elternberatung. Schweizer Rechtslage kurz erklärt Die Rechtslage soll Jugendliche schützen – nicht «bestrafen». Trotzdem ist es hilfreich, wenn du weisst, was erlaubt ist und was nicht. Damit kannst du Abmachungen besser begründen. Alkohol: 16/18 – kantonal teils strenger In der Schweiz gelten im Grundsatz folgende Altersgrenzen (kantonal können strengere Regeln gelten): - Verkauf und Abgabe von Bier, Wein und Apfelwein: in der Regel ab 16 Jahren erlaubt. - Verkauf und Abgabe von Spirituosen, Alcopops und anderen gebrannten Wassern: erst ab 18 Jahren erlaubt. Wichtig: Auch wenn etwas «gesetzlich erlaubt» ist, ist es medizinisch für Jugendliche nicht unbedenklich. Kinder- und Jugendmediziner:innen empfehlen, Alkohol möglichst lange hinauszuschieben und exzessiven Konsum (Binge-Drinking) strikt zu vermeiden – unabhängig vom Alter. Tabak & Nikotin: Mindestalter 18 seit 01.10.2024 Mit dem Tabakproduktegesetz gilt in der ganzen Schweiz neu ein Mindestalter von 18 Jahren für den Kauf von Tabak- und Nikotinprodukten. Das betrifft: - Zigaretten - E-Zigaretten (Vapes) - erhitzte Tabakprodukte - Snus und Nikotinbeutel. Der Grund: Nikotin macht rasch abhängig und schadet der Entwicklung von Gehirn und Herz-Kreislauf-System. Fachgesellschaften wie die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie betonen, dass insbesondere Vapes nicht harmlos sind – auch wenn sie oft als «besser als Zigaretten» vermarktet werden. Für Erwachsene kann ein Umstieg von Zigaretten auf E-Zigaretten in bestimmten Fällen ein Schadensminderungsschritt sein, für Jugendliche jedoch nicht. Rechtliche Regeln ersetzen deine familiären Abmachungen nicht, sondern stützen sie. Du kannst dich im Gespräch auf das Gesetz beziehen und gleichzeitig deine eigenen Werte klar formulieren: «Auch wenn das Gesetz mit 16 Bier erlaubt – mir ist wichtig, dass du verantwortungsvoll damit umgehst, und ich erwarte, dass du dich an unsere gemeinsamen Regeln hältst.» Was du dir merken kannst Du kannst nicht alles kontrollieren, was dein Teenager draussen erlebt. Aber du kannst viel dazu beitragen, dass dein Kind geschützt ist – durch eure Beziehung, klare Abmachungen, offene Gespräche und indem du dir früh Unterstützung holst, wenn dich etwas beunruhigt. Wenn du unsicher bist, ob dein Teenager «nur ausprobiert» oder bereits ein Problem entwickelt: Sprich es an, beobachte Veränderungen über einige Wochen und nutze die Beratungsangebote in der Schweiz – auch anonym. Du musst diese Verantwortung nicht alleine tragen.