Kind > TeenagerAusgang, Partys & Festivals: Der Sicherheitsplan für Teenager in der Schweiz Luisa Müller Dein Teenager möchte an Partys, in den Ausgang oder ans Festival – und du schwankst zwischen Freude über die neue Freiheit und Angst vor Alkohol, Drogen und gefährlichen Situationen. Ausgehen gehört zur Entwicklung in der Pubertät dazu, aber es braucht klare Abmachungen und einen Plan für den Notfall. In diesem Artikel findest du wissenschaftlich fundierte Infos, konkrete Checklisten und Formulierungshilfen, damit dein Kind sicherer unterwegs ist – und eure Beziehung dabei stark bleibt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Party gehört dazu © Luis D. Barrera Gamboa / Getty Images Quick-Check Sicherheit: Warnzeichen & Notrufnummern Bevor es um Regeln und Gespräche geht, ist eines zentral: Du und dein Teenager sollten die wichtigsten Notfallzeichen und Telefonnummern kennen. Im Zweifel gilt immer: lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Hilfe holen. Alarmzeichen, bei denen sofort gehandelt werden muss: Dein Kind oder eine Begleitperson ist kaum noch weckbar, reagiert nur schwer oder gar nicht auf Ansprechen oder Schmerzreize. Sehr langsame oder unregelmässige Atmung, Atemaussetzer, röchelnde oder gurgelnde Atemgeräusche. Blasse, graue oder bläuliche Haut oder Lippen, sehr kalte Haut. Krampfanfälle, unkontrollierte Zuckungen oder verdrehte Augen. Unkoordiniertes Torkeln plus starke Verwirrtheit, aggressive Enthemmung oder völlige Orientierungslosigkeit. Starke Brustschmerzen, Herzrasen, extreme Unruhe oder Todesangst (z.B. nach Konsum von sogenannten «Uppers» wie Kokain, Amphetaminen, MDMA). Schwere Verletzungen (z.B. nach Sturz, Schlägerei, Verkehrsunfall). Wichtige Notrufnummern in der Schweiz: 144 – Sanität / medizinischer Notfall: Rufen, wenn jemand bewusstlos ist, kaum atmet, Krampfanfälle hat, starke Schmerzen oder Verletzungen bestehen oder du eine lebensbedrohliche Situation vermutest (z.B. schwere Alkoholvergiftung, Mischkonsum). 145 – Tox-Zentrum: Rund um die Uhr für Vergiftungsfragen, auch bei Verdacht auf Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenüberdosierung, wenn die Person (noch) wach ist. Du bekommst dort fachliche Einschätzung und klare Anweisungen. 117 – Polizei: Bei Gefahr für Leib und Leben, Gewalt, sexuellen Übergriffen, vermissten Personen, massiver Eskalation oder wenn du dich oder dein Kind an einem Ort nicht mehr sicher fühlst. Wichtig: Besprich diese Nummern mit deinem Teenager vor dem Ausgang und speichert sie gemeinsam im Handy (z.B. als «Notfall 144», «Giftinfo 145», «Polizei 117»). Vor dem Ausgang: Abmachungen, die Streit reduzieren Jugendliche brauchen mehr Freiheit – und gleichzeitig einen klaren, verlässlichen Rahmen. Laut entwicklungspsychologischer Forschung sind Kinder in der Pubertät besonders sensibel für Anerkennung durch Gleichaltrige, während Teile des Gehirns, die für Planung und Risikobewertung zuständig sind, noch in Entwicklung sind. Darum sind klare, gemeinsam erarbeitete Abmachungen so wichtig. Ort, Zeiten und Heimweg: Vorlage für eure Familien-Abmachung Eine gute Abmachung ist konkret, überprüfbar und fair. Du kannst sie z.B. so strukturieren: 1. Wo bist du – und mit wem? Vereinbart, dass dein Teenager dir vor dem Ausgang schreibt oder sagt: «Ich bin heute Abend in/auf … (Ort, Event), ich bin mit … (Freund:innen) unterwegs.» Bitte um eine kurze Info, falls die Gruppe oder der Ort sich wesentlich ändert (z.B. Wechsel von einem Hausfest in einen Club). 2. Rückkehrzeiten – mit Puffer Rückkehrzeiten sollten je nach Alter, Reife und Situation angepasst werden. Orientierung helfen Empfehlungen von Fachstellen, die betonen, dass ausreichender Schlaf, schulische Anforderungen und Sicherheit wichtiger sind als «alle dürfen das». Vereinbare: «Du bist um … Uhr zuhause. Wenn du merkst, dass es sich um maximal 30 Minuten verzögert, schreibst du mir eine Nachricht.» 3. Heimweg-Regel Sprecht konkret ab: – Wie kommt dein Kind nach Hause? ÖV, Nachtbus, Taxi, mit Eltern, zu Fuss? – Was ist erlaubt, was nicht? (z.B. keine Mitfahrten bei Personen, die Alkohol oder Drogen konsumiert haben.) – Was ist der Sicherheitsjoker: «Du darfst mich oder eine andere vereinbarte Person jederzeit anrufen, wenn du dich unsicher fühlst – egal wie spät, ohne Diskussion. Erst am nächsten Tag reden wir in Ruhe darüber.» So vermittelst du: Sicherheit geht vor Strafandrohung. Studien zeigen, dass Jugendliche eher Hilfe holen, wenn sie keine unmittelbaren Strafen erwarten. Budget & «Wie komme ich an Geld?» – Schutz vor Druck und Dealern Geld ist ein wichtiger Schutzfaktor: Wer klar weiss, wieviel er:sie zur Verfügung hat und wofür, ist weniger anfällig für Spontankäufe von Alkohol, Mischgetränken oder Substanzen. Vereinbart: – Fixes Ausgangsbudget: z.B. Betrag X für ÖV/Taxi + Betrag Y für Essen/Getränke. – Keine spontanen Geldleihen von Unbekannten oder älteren Jugendlichen. – Keine Schulden für Alkohol, Cannabis oder andere Substanzen. Hilfreiche Formulierung für dein Kind, falls es unter Druck gerät: «Ich habe mein Ausgangsgeld fix eingeteilt, ich kann mir nichts leihen.» «Meine Eltern checken regelmässig mein Twint/Konto, ich kann da nichts machen.» Es ist legitim, als Eltern bewusst «streng» zu sein und deinem Teenager eine Ausrede zu liefern, um «Nein» sagen zu können. Das entlastet ihn:sie im Gruppendruck. Handy-Akku, Treffpunkt, Buddy-System Ein Smartphone ist nur dann ein Sicherheitsfaktor, wenn es funktioniert und jemand darauf achtet, dass niemand allein zurückbleibt. Mindestausrüstung für den Ausgang: – Genügend Akku oder Powerbank. – Aufgeladenes ÖV-Abo oder Bargeld/Bezahlmöglichkeit für Heimweg. – Notfallkontakte im Telefon gespeichert (Familie, Taxi, Vertrauensperson). Buddy-System: Besprich mit deinem Teenager: – «Ihr geht gemeinsam hin und kommt gemeinsam zurück – niemand wird allein zurückgelassen.» – «Wenn jemand sehr betrunken/high ist, bleibt mindestens eine nüchterne Person in der Nähe und informiert Erwachsene oder den Rettungsdienst.» – «Wenn ihr euch verliert, habt ihr einen vereinbarten Treffpunkt (z.B. beim Eingang, an einem bestimmten Stand).» Ermutige dein Kind, klar zu sagen: «Ich muss schauen, dass X sicher nach Hause kommt.» Das stärkt Verantwortungsgefühl und Gruppenzusammenhalt. Alkohol realistisch begleiten In der Schweiz machen viele Jugendliche ihre ersten Erfahrungen mit Alkohol in der Pubertät. Medizinische Fachgesellschaften sind sich einig: Für unter 16-Jährige sollte Alkohol tabu sein, und auch für Ältere gibt es gesundheitliche Risiken – insbesondere bei Rauschtrinken («Komasaufen»). Gleichzeitig zeigen Studien, dass ein offener, nicht moralisierender Umgang in der Familie das Risiko problematischen Konsums reduziert. Vorglühen & Gruppendruck: wie du reagieren kannst «Vorglühen» (Pre-Drinking, Trinken vor dem eigentlichen Event) ist weit verbreitet, weil Alkohol im Laden günstiger ist als im Club. Das Problem: Jugendliche trinken in kurzer Zeit grosse Mengen, oft ohne etwas zu essen – das steigert das Risiko für eine Alkoholvergiftung deutlich. Typische Themen für das Gespräch vor dem Ausgang: – Realistische Infos: Erkläre, dass der Körper von Jugendlichen Alkohol langsamer abbaut und das Gehirn noch in Entwicklung ist. Schon wenige Rauscherfahrungen mit sehr hohem Konsum können zu riskantem Verhalten, Unfällen und Blackouts führen. – Klare Grenzen: Formuliere, was für dich in Ordnung ist und was nicht (z.B. «Kein hochprozentiger Alkohol», «Kein Trinken, bis du kotzen musst»). – Konkrete Schutzregeln: Immer vorher und währenddessen essen, zwischendurch Wasser trinken, eigene Getränke im Auge behalten, nicht aus offenen, herumgereichten Gefässen trinken. Hilfreich ist es, Sätze mit deinem Teenager einzuüben, um Gruppendruck zu entschärfen: «Ich trinke heute weniger, ich will morgen fit sein.» «Ich muss nachher noch heim, ich will meinen Kopf klar behalten.» «Ich bin bei Mischkonsum raus, das ist mir zu heikel.» Versuche, nicht mit Drohungen («Wenn ich das je sehe, bist du Hausarrest bis 18!») zu arbeiten, sondern mit klaren Konsequenzen und der Botschaft: «Ich bin gegen riskanten Konsum – aber im Notfall bin ich für dich da.» Mischkonsum (Alkohol + Cannabis/Upper/Medikamente): warum das so riskant ist Fachstellen warnen deutlich vor Mischkonsum – also der Kombination verschiedener Substanzen wie Alkohol, Cannabis, MDMA, Kokain oder Medikamenten wie Benzodiazepinen. Für Jugendliche ist das Risiko besonders hoch, weil sie Wirkungen schlechter einschätzen können. Typische Kombinationen und Risiken: – Alkohol + Cannabis: Verstärkte Rausch- und Beruhigungswirkung, mehr Übelkeit, Schwindel, «Drehen», Panikattacken, höheres Unfallrisiko. – Alkohol + «Uppers» (z.B. Kokain, Amphetamine, MDMA): Der anregende Effekt überdeckt das Betrunkensein, Betroffene trinken oft mehr als sonst. Herz-Kreislauf-Belastung steigt stark, Risiko für Herzrhythmusstörungen, Hitzschlag, Kreislaufkollaps. – Alkohol + Beruhigungsmittel/Schlafmittel (Benzodiazepine, bestimmte Medikamente): Massive Dämpfung von Atmung und Bewusstsein, sehr hohes Risiko für Bewusstlosigkeit und Atemstillstand. Wichtig für dein Teenager zu wissen: – Drogen aus dem Internet oder von unbekannten Dealer:innen sind oft anders dosiert oder mit anderen Substanzen gestreckt als angenommen. – Der gleiche Stoff kann je nach Tagesform, Müdigkeit, Dehydratation oder Mischkonsum anders und gefährlicher wirken. – Selbst scheinbar «leichte» Substanzen können in Kombination lebensgefährlich werden. Sprich das Thema ausdrücklich an – auch wenn du denkst, «mein Kind macht das eh nicht». Offenes Wissen schützt besser als Schweigen. Was tun im Notfall? Wenn du einen Anruf bekommst wie «Mami/Papi, jemand ist völlig weg, was soll ich machen?» oder «Mir ist mega schlecht, ich habe zu viel getrunken», ist es entscheidend, ruhig zu bleiben und Schritt für Schritt vorzugehen. Alkoholvergiftung / Überdosierung: Anzeichen & erste Schritte Eine Alkoholvergiftung ist ein medizinischer Notfall. Je jünger die Person, desto gefährlicher ist eine hohe Dosis – schon kleinere Mengen pro Körpergewicht können kritische Zustände auslösen. Warnzeichen einer möglichen Alkoholvergiftung: – Sehr langsame oder unnatürlich schnelle Atmung, Pausen beim Atmen. – Bewusstsein stark getrübt: kaum ansprechbar, nicht mehr weckbar, reagiert nicht auf Schmerzreize. – Nicht mehr in der Lage, alleine zu stehen oder zu gehen. – Unkontrolliertes Erbrechen, vor allem im Liegen. – Unterkühlung: kalte, blasse oder bläuliche Haut, Zittern. – Unregelmässiger Puls, Krampfanfälle. Erste Hilfe – bis die Profis da sind: – Sofort 144 anrufen, wenn Bewusstsein, Atmung oder Kreislauf betroffen erscheinen oder du Mischkonsum vermutest. – Die Person nicht alleine lassen, beruhigend sprechen, Atmung beobachten. – Bei Bewusstsein, aber sehr betrunken: Seitenlage (stabile Seitenlage), damit Erbrochenes abfliessen kann. – Für Wärme sorgen (Jacke, Decke), aber nicht mit heissem Wasser oder direkter Hitze übertreiben. – Nichts mehr trinken oder essen lassen, keine «Gegenmittel» wie Kaffee oder kalte Dusche – das kann schaden und hilft nicht. Sag deinem Teenager klar: «Wenn jemand bewusstlos ist, ist es kein Verrat, Hilfe zu holen – es kann Leben retten.» Wann 144, wann 145 (Tox), wann 117? 144 – Sanität rufen, wenn … – Bewusstsein, Atmung oder Kreislauf offensichtlich gestört sind. – Krampfanfälle, schwere Brustschmerzen, starke Atemnot oder Verdacht auf Schlaganfall bestehen. – Vermuteter Mischkonsum mit anderen Drogen/Medikamenten vorliegt. – Ein Sturz, Unfall oder Gewalt mit sichtbaren Verletzungen stattgefunden hat. – Du einfach das Gefühl hast: «Das ist jetzt wirklich ernst.» – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. 145 – Tox-Zentrum anrufen, wenn … – Du oder dein Teenager unsicher seid, ob eine Menge Alkohol/Medikament/Droge gefährlich ist. – Die Person (noch) wach ist, aber Symptome wie starker Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Verwirrtheit zeigt. – Du Fragen zu möglichen Spätfolgen oder Wechselwirkungen hast. Das Tox-Zentrum kann euch auch sagen, ob ihr zusätzlich 144 rufen sollt – halte im Zweifel lieber Rücksprache. 117 – Polizei anrufen, wenn … – Gewalt, sexuelle Übergriffe, Bedrohung oder Raub im Spiel sind. – Dein Teenager oder eine andere Person sich akut bedroht fühlt oder verfolgt wird. – Jemand vermisst wird und du dir ernsthafte Sorgen machst. – Die Situation so eskaliert, dass ihr sie nicht mehr alleine unter Kontrolle bekommt. Was du am Telefon bereithalten solltest Egal ob du bei 144 oder 145 anrufst: Klare Infos helfen, schnell die richtige Unterstützung zu bekommen. Nimm dir, wenn möglich, 10–20 Sekunden, um folgende Punkte zu klären: – Genauer Ort: Adresse, Name des Festivals, Club, Halle, Treffpunkt in der Nähe. – Wer ist betroffen? Alter, ungefähres Gewicht, bekannte Erkrankungen (z.B. Epilepsie, Diabetes), bekannte Medikamente. – Was wurde konsumiert? So genau wie möglich: Art und ungefähre Menge von Alkohol, Drogen, Medikamenten, Zeitpunkt des Konsums, ob Mischkonsum möglich ist. – Welche Symptome? Bewusstseinslage, Atmung, Puls, Hautfarbe, ob die Person erbricht, krampft oder stark schwankt. – Wer ist vor Ort? Sind Erwachsene, Security, Sanitätsdienst, Freund:innen anwesend? Vermittle deinem Teenager: «Je ehrlicher du über konsumierte Substanzen bist, desto besser können Ärzt:innen helfen. Niemand ist im Spital dafür da, dich zu verurteilen.» Hilfeangebote in der Schweiz Du musst riskanten Konsum oder heikle Situationen nicht alleine stemmen. Es gibt in der Schweiz verschiedene neutrale, fachlich fundierte Anlaufstellen – für Jugendliche und für Eltern. SafeZone, Suchtindex & 147 – SafeZone bietet anonyme Online-Beratung zu Suchtfragen für Jugendliche, Eltern und Angehörige. Du kannst dort deine Situation schildern und bekommst fachliche Einschätzung und nächste Schritte vorgeschlagen. – Der Suchtindex hilft, regionale Beratungsangebote (z.B. Suchtberatungsstellen, Jugendberatungsdienste) zu finden. Gerade bei wiederholtem riskanten Konsum oder Konflikten in der Familie kann eine frühzeitige Beratung entlasten. – 147 (Pro Juventute) ist eine rund-um-die-Uhr-Hotline für Kinder und Jugendliche. Dein Teenager kann dort anonym anrufen, chatten oder schreiben – bei Sorgen um den eigenen Konsum, Freund:innen oder Konflikten mit Eltern. Als Eltern kannst du diese Angebote auch nutzen, um dich beraten zu lassen, wie du Gespräche führen, Grenzen setzen und gleichzeitig die Beziehung halten kannst. Drug Checking & neutrale Infos (z.B. Saferparty/DIZ) – wann sinnvoll? Einige Schweizer Städte – insbesondere Zürich – bieten Drug Checking an, zum Beispiel durch Saferparty/DIZ. Dabei können Substanzen (Tabletten, Pulver, «Pillen») anonym analysiert werden; Konsument:innen erhalten Informationen über Wirkstoffe, Dosierung und Risiken. Aus Sicht der Schadensminderung (Harm Reduction) kann das Risiko von Überdosierungen und Vergiftungen verringern, weil gestreckte oder extrem hoch dosierte Substanzen erkannt werden. Klar ist aber auch: Drug Checking macht den Konsum nicht «sicher» – das restliche Risiko bleibt. Für dich als Elternteil kann es hilfreich sein: – Das Thema offen anzusprechen: «Es gibt Stellen, die Substanzen testen, weil es viele gefährliche Fälschungen gibt. Ich wünsche mir aber, dass du nichts nimmst – dein Körper ist noch in Entwicklung.» – Neutrale Infos zu Drogen und Risiken zu nutzen, damit du im Gespräch mit deinem Teenager fachlich fundiert argumentieren kannst, ohne Panikmache. – Zu wissen: Wenn dein Kind (oder Freund:innen) trotzdem konsumieren, ist es besser, dass sie Zugang zu Fakten haben, als sich nur auf Gerüchte zu verlassen. Nach dem Ereignis: das Gespräch am Tag danach Egal ob alles ruhig verlaufen ist oder es einen Zwischenfall gab – der Tag danach ist eine wichtige Chance für Beziehung, Lernen und neue Abmachungen. Jugendliche erinnern sich oft gut an Situationen, in denen Eltern zwar klar, aber nicht ausrastend reagiert haben – das fördert Vertrauen und Verantwortungsübernahme. Deeskalation, Verantwortung, neue Abmachungen War der Abend aus deiner Sicht grenzwertig (später Heimweg, viel Alkohol, unsicherer Heimweg), hilft folgendes Vorgehen: 1. Timing wählen: Warte, bis dein Teenager ausgeschlafen, geduscht und wieder im Alltag ist. Ein kurzes Signal ist okay («Wir reden morgen darüber, jetzt erst mal schlafen»). 2. Ich-Botschaften: Beschreibe deine Wahrnehmung, ohne zu beschimpfen: «Ich war sehr erschrocken, als du so torkelnd reingekommen bist, und ich hatte Angst um dich.» 3. Perspektive deines Kindes anhören: «Wie hast du den Abend erlebt?», «Was war gut, was nicht so?» – echtes Interesse zeigen, nicht nur «Verhör». 4. Verantwortung klären: Frag: «Was würdest du beim nächsten Mal anders machen, damit es sicherer ist?», statt nur zu sagen, was er:sie falsch gemacht hat. 5. Konkrete neue Abmachungen: z.B. früherer Rückkehrtermin, weniger Budget, kein Alkohol bei nächsten zwei Ausgängen, gemeinsam Heimweg planen. Wichtig: Gleichzeitig anerkennen, was gut gelaufen ist («Du hast mich angerufen, das war stark»; «Du bist mit deiner Gruppe zusammengeblieben»). Das stärkt die innere Motivation, in Zukunft verantwortungsvoll zu handeln. Wenn es sich wiederholt: nächste Schritte Wenn riskanter Konsum, Lügen über den Ausgang oder sehr gefährliche Situationen immer wieder auftreten, ist das ein Zeichen, dass dein Teenager Unterstützung braucht – und du als Elternteil auch. Warnsignale für vertieftes Hinsehen und eventuell professionelle Hilfe: – Wiederholtes starkes Betrinken oder regelmässiger Konsum von Cannabis oder anderen Substanzen. – Leistungsabfall in der Schule, Rückzug, starke Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme. – Häufige Konflikte zu Hause, dein Teenager ist innerlich «nicht mehr erreichbar». – Kontakte zu deutlich älteren, konsumierenden Gruppen, geheime Chatgruppen, versteckte Flaschen oder Substanzen. Suche dir frühzeitig Unterstützung – zum Beispiel über die Suchtberatung deiner Region, SafeZone oder eine jugendpsychologische Fachstelle. Dort kannst du auch ohne dein Kind zuerst deine Sorgen schildern und Strategien entwickeln, wie du Grenzen setzt und gleichzeitig die Beziehung aufrechterhältst. Du bist nicht allein – und es ist ein Zeichen von Stärke, Hilfe zu holen. Dein Ziel ist nicht, jede Gefahr auszuschliessen, sondern deinem Teenager zu helfen, Schritt für Schritt eigenverantwortlich und sicher in der Welt unterwegs zu sein. Dazu gehören gute Abmachungen, verlässliche Notfallpläne und das Gefühl deines Kindes: «Ich kann zu Hause ehrlich sein – auch, wenn etwas schiefgelaufen ist.»