Kinderwunsch > Schwanger werdenAbklärung bei der Frau: Was wird untersucht – und wie läuft das praktisch ab? Luisa Müller Du wünschst dir ein Kind und fragst dich, welche Untersuchungen bei der Frau sinnvoll sind — und wann im Zyklus sie stattfinden? Dieser Beitrag erklärt dir Schritt für Schritt, welche Basis- und Zusatzabklärungen üblich sind, wie sie zeitlich geplant werden und was du praktisch erwarten kannst. So weisst du, was in den nächsten 1–2 Zyklen auf dich zukommt. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Kurzüberblick: Ablauf und Ziel Die Abklärung bei unerfülltem Kinderwunsch ist meist zyklusabhängig und erfolgt ambulant. Ziel ist es, Ursachen zu finden, die Fruchtbarkeit einzuschätzen und sofort mögliche Behandlungswege (z. B. Beobachtung, medikamentöse Unterstützung, operative Eingriffe oder assistierte Reproduktion) zu planen. Viele Untersuchungen sind standardisiert; zusätzliche Tests werden nur bei Verdacht auf spezielle Ursachen empfohlen1. Basisabklärung: Anamnese, gynäkologische Untersuchung und Ultraschall Anamnesegespräch – typische Fragen Im Gespräch fragt die Ärzt:in oder Spezialist:in unter anderem zu2: Zykluslänge und Regelmässigkeit (z. B. 26–32 Tage oder sehr unregelmässig) Schmerzen (zyklisch, beim Sex, chronisch) Stärke/Art der Blutungen Sexuelle Aktivität / Verhütung und wann ihr es versucht Vorerkrankungen und Operationen (z. B. Bauch- oder Beckenoperationen) Medikamente, Rauchen, BMI und Lebensgewohnheiten Vorbestehende Infektionen oder bekannte gynäkologische Diagnosen (z. B. Endometriose, Myome) Diese Angaben helfen, sinnvolle Untersuchungen zielgerichtet zu planen. Gynäkologische Untersuchung & Ultraschall Die körperliche Untersuchung umfasst meist eine vaginale Untersuchung und einen transvaginalen Ultraschall. Der Ultraschall beurteilt: Form und Grösse der Gebärmutter, Schleimhautdicke (Endometrium) Eierstöcke (Zysten, Struktur, Antralfollikel-Count als Teil der Reserveabschätzung) Myome, Polypen oder andere Auffälligkeiten Ein auffälliger Befund — z. B. starke Schmerzen oder grosse Myome — kann weitere Abklärungen auslösen. Laut UniversitätsSpital Basel gehört der Ultraschall zur Basismodalität der Kinderwunschabklärung. Hormone & Blutwerte: Welche Tests — und wann im Zyklus? Frühe Zyklusphase (typisch Tag 3–5) In vielen Zentren werden am Zyklustag 3–5 folgende Blutwerte bestimmt, weil sie die ovariellen Verhältnisse widerspiegeln: FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) Estradiol (E2) AMH (Anti-Müller-Hormon) — nicht zyklusabhängig, dient als Marker der ovariellen Reserve Diese Werte helfen, die ovariellen Reserven einzuschätzen; AMH wird zunehmend als verlässlicher Reserveindikator angesehen, da es unabhängig vom Zyklustag ist. Zyklusmitte (Ovulation) Zur Bestätigung eines reifenden Follikels werden Ultraschallkontrollen und gegebenenfalls Hormonbestimmungen (z. B. LH-Anstieg) gemacht. Ziel: der genaue Zeitraum des Eisprungs — wichtig für günstige Behandlungszeitpunkte oder inseminationsgestützte Zyklen. Lutealphase (Progesteron) Ein einzelner Progesteronwert in der zweiten Zyklushälfte (zeitlich angepasst an deinen individuellen Eisprung) zeigt, ob ein Eisprung stattgefunden hat und die Gelbkörperfunktion ausreichend ist. Standardmässig ist nicht mehr das starre «Tag 21», sondern die Bestimmung in Relation zum Ovulationszeitpunkt. Weitere Begleitwerte Schilddrüse (TSH), Prolaktin — bei Auffälligkeiten oder Risikofaktoren routinemässig geprüft Nährstoffstatus (z. B. Ferritin, Vitamin D) — ergänzend, wenn angezeigt Praxisfragen: Du musst für Blutabnahmen in der Regel nicht nüchtern sein, ausser dein Zentrum verlangt es. Kosten und Wartezeit für Resultate variieren; in der Schweiz bekommst du Resultate meist innerhalb weniger Tage, das Gespräch zur Besprechung ist oft in der Folge geplant. Beachte: Leistungen werden je nach Krankenkasse unterschiedlich übernommen — erkundige dich vorher. Zyklusmonitoring in Kinderwunschzentren Zyklusmonitoring bedeutet wiederholte Ultraschallkontrollen kombiniert mit Blutkontrollen, um Follikelreifung, Schleimhautaufbau und den Eisprung optimal zu verfolgen. Wie viele Termine sind üblich? Typisch 2–3 Kontrollen pro Zyklus: z. B. eine in der Frühphase (Follikelbeginn), eine in der Spätphase vor dem Eisprung und ev. eine in der Lutealphase. Bei Stimulationszyklen oder speziellen Fragestellungen können mehr Termine nötig sein. Das Monitoring dient dazu, Zeitpunkt und Erfolg eines Eisprungs zu bestätigen und Behandlungsentscheidungen (z. B. auslösen des Eisprungs, Termin für IUI) zu timen. Gebärmutter & Eileiter: Untersuchungen und Komfort Hydrosonographie / Kontrastmittel-Ultraschall (HyFoSy / HyCoSy) Mit Ultraschall und einem Kontrastmittel wird die Gebärmutterhöhle und die Durchgängigkeit der Eileiter beurteilt. Dieser Eingriff ist ambulant, dauert kurz und wird in vielen Schweizer Zentren bevorzugt, weil er keine Röntgenstrahlung benötigt (im Gegensatz zur klassischen HSG) und oft gut verträglich ist. Spital Zollikerberg beschreibt dieses Verfahren als sinnvolle, patientenfreundliche Option zum Eileiter-Check. Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) Die Hysteroskopie erlaubt die direkte Sicht auf die Gebärmutterhöhle. Sie ist minimalinvasiv, wird ambulant durchgeführt und kann gleichzeitig therapeutisch sein (z. B. Entfernung von Polypen oder Ausschluss/Begradigung eines Septums). HSG (Röntgen mit Kontrast) Die Hysterosalpingographie nutzt Röntgenstrahlung; sie ist etabliert und zeigt Eileiterdurchgängigkeit. Nachteile sind Strahlenexposition (gering) und potenziell stärkere Schmerzen bei der Durchführung als bei HyFoSy. Die Wahl zwischen HyFoSy und HSG hängt von Verfügbarkeit, Zentrumserfahrung und Abwägung von Vor- und Nachteilen ab. Laparoskopie (Bauchspiegelung) Eine Laparoskopie wird diskutiert bei Verdacht auf Endometriose, ausgeprägte Verwachsungen, unklarer Schmerzgeschichte oder wenn Eileiterschäden vermutet werden. Vorteil: Diagnostik und Behandlung können kombiniert werden (z. B. Entfernung von Endometrioseherden). Sie ist ein operativer Eingriff mit entsprechender Erholungszeit. Infektionen, Impfstatus und Vorbereitung auf Schwangerschaft Vor einer Schwangerschaft wird häufig der Immunstatus (z. B. Röteln) geprüft, weil eine Infektion in der Schwangerschaft schwere Folgen haben kann. Je nach Zentrum können auch Tests auf HIV, Hepatitis und Syphilis verlangt werden. Diese Abklärungen dienen dem Schutz von Mutter und Kind und sind Teil einer verantwortungsvollen Vorbereitung. Allgemeine Empfehlungen: Beginne mindestens 400 µg Folsäure täglich vor dem Eintritt einer Schwangerschaft (Standardempfehlung zur Reduktion neuraler Defekte). Klärung von Impfungen (z. B. Röteln) vor einer geplanten Schwangerschaft. Lebensstilfaktoren: Raucherstopp, gesunde Ernährung, moderates Gewicht — all das kann die Fruchtbarkeit positiv beeinflussen. Wenn es komplexer wird: Individuelle Zusatzabklärungen Nicht jede Frau braucht alle Zusatzuntersuchungen. Diese werden gezielt eingesetzt, wenn Hinweise vorliegen: Endometriose Symptome: starke Schmerzen, Schmerzen beim Sex, unerklärte Unfruchtbarkeit. Diagnostik: Bildgebung (Ultraschall, manchmal MRT) und bei Unsicherheit Laparoskopie zur sicheren Diagnosestellung und Therapie. PCOS und Stoffwechsel Bei sehr unregelmässigen Zyklen, ausgeprägter Oligo- oder Amenorrhö oder Zeichen von Androgenüberschuss wird auf PCOS und Insulinresistenz geprüft (Hormonprofil, metabolische Tests). Wiederholte Fehlgeburten Nach mehreren Fehlgeburten werden Ursachen gezielter gesucht: Gebärmutterform, bestimmte Gerinnungsfaktoren, genetische Abklärungen — aber nur, wenn medizinisch indiziert. Pauschale Tests ohne Hinweis sind nicht sinnvoll. Befunde verstehen: Was bedeuten typische Resultate — und wie geht es weiter? Einige häufige Konstellationen und was sie praktisch bedeuten: Normale ovariellen Reserve / normale Untersuchungen: Weiteres Vorgehen kann Beobachtung, Zyklusmonitoring oder IUI in ausgewählten Fällen sein. Reduzierte ovarielle Reserve (tiefer AMH, hohe FSH): Dies beeinflusst die Fruchtbarkeit. Es gibt Optionen (schnelleres Vorgehen, assistierte Reproduktion), aber keine Garantie. Hier ist eine zeitnahe Beratung sinnvoll. Eileiterverschluss: Bei beidseitig blockierten Eileitern wird oft der Schritt zu assistierter Reproduktion wie IVF erwogen; bei einseitigem Befund können operative Lösungen möglich sein. Unerklärte Infertilität: Trotz guter Abklärungen bleibt bei einigen Paaren keine Ursache nachweisbar — das ist häufig und bedeutet nicht, dass nichts getan werden kann; Therapieoptionen bestehen weiterhin. Wichtig: Die ovariellen Marker (z. B. AMH) geben Hinweise auf die Reserve, aber nicht exakt auf die Chance einer spontanen Schwangerschaft in einem einzelnen Zyklus. Ärzt:in und Paar sollten Befunde gemeinsam im Kontext planen. Schmerzen, Risiken, Kosten, Zeitplan Viele Untersuchungen sind ambulant und kurz. Ultraschall ist schmerzfrei, HyFoSy/HyCoSy kann ziehend oder krampfartig sein; Schmerzmittel oder lokale Betäubung werden oft angeboten. Hysteroskopie und Laparoskopie sind invasive Eingriffe mit Operationsrisiken (Blutung, Infektion), aber in erfahrenen Händen routiniert. Kosten: In der Schweiz variieren die Leistungen; Grundabklärungen werden teilweise von der Grundversicherung gedeckt, Zusatzuntersuchungen oder Eingriffe können zusätzlich kostenpflichtig sein. Kläre Abrechnung vorab mit deinem Zentrum und der Krankenkasse. Ergebnisbesprechung: Laborwerte liegen meist in Tagen vor, umfassende Befunde werden in einem Folgegespräch erklärt — plane Zeit für dieses Gespräch ein. FAQ Tut HyFoSy/HSG weh? Brauche ich Schmerzmittel? Schmerzen sind möglich; viele Frauen beschreiben Krämpfe. Schmerzmittel werden oft empfohlen, bei Bedarf auch ein kurzes Beruhigungsmittel. Frag dein Zentrum vorab. Wann im Zyklus findet Untersuchung X statt? Basis-Blutwerte: Zyklustag 3–5. Progesteron: in der Lutealphase relativ zum Eisprung. HyFoSy/HSG: häufig in der Frühphase nach Ende der Menstruation. Wie lange bis zum Ergebnisgespräch? Laborwerte: meist innerhalb weniger Tage; bildgebende Befunde können sofort oder beim nächsten Termin besprochen werden. Welche Untersuchungen zahlen die Kassen? Die Deckung ist individuell; einige Basisuntersuchungen werden häufig übernommen, Zusatztests und Eingriffe variieren — bitte vorab mit der Krankenkasse oder dem Zentrum klären. Was du praktisch mitnehmen kannst Fülle eine kurze Zyklus- und Medikamentenanamnese aus (Zykluslänge, letzte Menstruation, Medis, Allergien). Bringe vorhandene Befunde/Untersuchungsresultate mit. Notiere Fragen (z. B. zu Zeitpunkt, Schmerzmanagement, Kostenübernahme). Plane Zeit für das Ergebnisgespräch ein und nimm bei Bedarf eine Vertrauensperson mit. Viele Paare finden eine übersichtliche Checkliste hilfreich: «Zyklus-Kalender mit Untersuchungsfenstern» und «Termin-Checkliste» zum Mitnehmen ins Zentrum. Frag deine Klinik, oft gibt es solche Materialien.Quellen Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie (RME) Universitätsspital BaselEvaluating Infertility American College of Obstetricians & Gynecologists