Kinderwunsch > UnfruchtbarkeitAnabela Fürer: «Plötzlich hat es doch geklappt» – nach Adoption und IVF Melina Maerten Anabela galt als unfruchtbar, adoptierte schliesslich ein Kind – und wurde doch noch schwanger. Sie hat BabyAhoi ihre Geschichte erzählt. Wir ordnen ein, was medizinisch und rechtlich dahintersteht – und wo du Hilfe findest, wenn nach der Geburt nichts mehr geht. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Nun zu viert: Die Familie Fürer im Jahr 2018. © zVg Die vergangenen Jahre waren turbulent, verbunden mit grossen Hoffnungen und vielen Enttäuschungen. Anabela Fürer und ihr Mann wünschten sich ein Kind. Als es auf natürlichem Weg nicht klappte, versuchten sie es mit Insemination und Hormonbehandlungen. Doch nichts klappte. Schliesslich entschieden sie sich für eine Auslandsadoption und wurden Eltern von einem Mädchen aus Äthiopien. Etwa ein Jahr später, als sich Naomi in der Schweiz eingelebt hatte, kam für Familie Fürer der Wunsch nach einem zweiten Kind auf. Da es auch diesmal nicht auf natürlichem Weg klappte, versuchten sie es mit einer künstlichen Befruchtung. Der Versuch, mit einer In-vitro-Fertilisation den Kinderwunsch zu erfüllen Bei der künstlichen Befruchtung durch In-vitro-Fertilisation werden die Eizellen der Frau mit den Spermien des Mannes im Labor zusammengebracht. Wie häufig daraus ein Kind wird, zeigen die Erfolgschancen der künstlichen Befruchtung. 18 Eizellen entnahmen die Ärzte Anabela Fürer. 16 wurden befruchtet, sechs entwickelten sich zur Blastozyste weiter. Die ersten zwei befruchteten Eizellen wurden Anabela in die Gebärmutter eingesetzt. «Das erste war unglücklicherweise ein Windei», erzählt Anabela. Ein Windei bedeutet, dass sich die befruchtete Eizelle zu Beginn der Schwangerschaft nicht zu einem Embryo weiterentwickelt. Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt, sagt Anabela Fürer. Der zweite Embryo entwickelte sich bis zur 9. Schwangerschaftswoche. «Danach hat das Herz aufgehört zu schlagen», sagt Anabela mit gedämpfter Stimme. Dass etwas nicht in Ordnung war, bemerkte sie anhand starker Schmerzen und Blutungen. Aufgrund der Fehlgeburt musste der Embryo durch eine Ausschabung entfernt werden. «Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt. Ich dachte: Jetzt ist der Traum aus», sagt Anabela. Naomi bekam mit, dass es ihr schlecht ging und habe ihren Bauch gestreichelt: «Es wird alles gut», habe sie ihre Mutter getröstet. Am Kinderwunsch-Ziel angekommen Nach der Fehlgeburt sind die Fürers nach Portugal in die Ferien gereist, um den Verlust zu verarbeiten. In dieser Zeit war für die Familie wichtig, zusammenzuwachsen: «Wir haben uns auf uns drei konzentriert und waren dankbar für unsere kleine Familie», sagt Anabela. Einige Monate später waren der psychische Druck und die Ängste, kein Kind mehr zu bekommen, verschwunden. Und dann hatte es doch noch geklappt: Anabela war schwanger. Anabelas Verlauf ist ihr Verlauf, kein Rezept. Untersuchungen zeigen, dass sich bei Paaren, die ihren Kinderwunsch aufgaben oder ein Kind adoptierten beziehungsweise zur Pflege aufnahmen, nicht häufiger spontan eine Schwangerschaft einstellte als bei Paaren, die weiter auf ein Kind hofften. Der oft gehörte Rat, sich einfach nicht so auf ein Kind zu fixieren, unterstellt eine psychische Blockade – den Kinderwunsch aufzugeben bringt unfruchtbaren Paaren aber kaum etwas.[5] Die Vorfreude war gross. Naomi habe während der Schwangerschaft gesagt: «Kommst du mit mir raus spielen, ich warte schon so lange auf dich!» Neun Monate, Anabela war nun 34 Jahre alt, später erblickte Samira das Licht der Welt. Die gesamte Familie Fürer im Jahr 2018: (v.r.) Adrian Fürer, 39, Anabela Fürer, 38, Naomi Fürer, 6, Samira Fürer, 4. © zVg Als nach der Geburt die Depression kam Wenn du nicht mehr weiterweisst: Der Elternnotruf berät rund um die Uhr und kostenlos unter 0848 35 45 55.[4] Auch die Dargebotene Hand ist rund um die Uhr erreichbar, unter der Nummer 143.[3] Doch kaum hatte die Familie ihr Glück erhalten, wendete sich einige Wochen nach der Geburt das Schicksal erneut gegen sie. Samira schrie die ersten 15 Monate die Nächte durch. Anabela verfiel in eine postnatale Depression. Damit ist sie nicht allein: Rund 15 Prozent der Mütter und 9 Prozent der Väter erkranken nach der Geburt an einer postpartalen Depression, wie die postnatale Depression in der Fachsprache heisst. Die Beschwerden können schon während der Schwangerschaft beginnen oder erst Monate nach der Geburt auftreten.[3] Mehr dazu liest du im Artikel über die postnatale Depression. «Mir ist die Aufgabe als Mami über den Kopf gewachsen. Dabei wollte ich bloss die beste Mutter sein.» Monatelang bekam Anabela täglich nur eine Stunde Schlaf. Als ihr die Gynäkologin die Symptome einer postnatalen Depression mitteilte, war sie irgendwie erleichtert: «Es gab nicht nur einen Namen für das, was ich hatte, es war auch behandelbar.» In der Kinesiologie hatte sich Anabela langsam wieder gefangen und entschieden, sich von der Altenpflegerin zum Kinderwunschcoach weiterzubilden. Mit der Einschätzung, dass die Krankheit behandelbar ist, liegt Anabela richtig. Was ihr geholfen hat, ist allerdings ihr eigener Weg: Postpartale psychische Erkrankungen sind mit professioneller Unterstützung sehr gut behandelbar, und die meisten Betroffenen erholen sich vollständig. Bei einer Depression, einer Angststörung oder einer Psychose hilft eine Psychotherapie. Anvertrauen kannst du dich auch deiner Hausärztin, deiner Gynäkologin oder deiner Hebamme – diese Fachpersonen sind im Umgang mit psychischen Krisen rund um die Geburt geschult.[3] Anabelas Mann kam ebenfalls an seine psychischen Grenzen. Sie hätten beide zu wenig Energie gehabt, sich über ihre Beziehung Gedanken zu machen. Sie seien als Paar nur nebeneinander hergelaufen: «Wir waren beide im Überlebensmodus. Die Kinder standen im Vordergrund.» Als Samira zwei Jahre alt war, nahmen sich Anabela und ihr Mann Zeit für sich und gingen ins Kino. Da bemerkten die zwei, dass es sie beide als Paar ja auch noch gibt. Fürer lächelt: «Mein Mann und ich sahen uns an und wir wussten, wir haben es geschafft.» Was mit den eingefrorenen Eizellen geschieht Die übrigen Eizellen aus der künstlichen Befruchtung hat Anabela einfrieren lassen. Das sind sie auch jetzt noch. «Wahrscheinlich werden sie bald einfach entsorgt, das ist für mich auch nicht ganz einfach», sagt sie. Dahinter steckt eine Frist im Gesetz: Imprägnierte Eizellen und Embryonen in vitro dürfen in der Schweiz höchstens fünf Jahre konserviert werden. Auf Antrag des Paares verlängert sich die Frist um höchstens fünf weitere Jahre. Läuft sie ab oder widerruft ein Teil des Paares die Einwilligung, müssen sie sofort vernichtet werden.[1] Warum die Eizellspende in der Schweiz verboten ist, versteht Anabela nicht. «Das ist doch eine super Sache und Männer spenden ihre Spermien ja auch. Das ist nun wirklich keine Gleichberechtigung», betont sie. Sie beschreibt die Rechtslage richtig: Die Ei- und die Embryonenspende sowie die Leihmutterschaft sind unzulässig, während die Samenspende im selben Gesetz geregelt und erlaubt ist.[1] Das könnte sich ändern. Das Parlament hat im Herbst 2022 die Motion «Kinderwunsch erfüllen, Eizellenspende für Ehepaare legalisieren» angenommen, und der Bundesrat legte am 29. Januar 2025 die Eckwerte für eine Zulassung fest. Die Vernehmlassung zur Gesetzesrevision ist für das zweite Quartal 2027 geplant.[2] Stand dieser Angaben: August 2026. Quellen Bundesgesetz über die medizinisch unterstützte Fortpflanzung (Fortpflanzungsmedizingesetz, FMedG, SR 810.11), Art. 4 und Art. 16, Stand 1. August 2025. Fedlex (PDF), abgerufen am 24. August 2026. Bundesamt für Gesundheit BAG: Rechtsetzungsprojekte zur Fortpflanzungsmedizin. bag.admin.ch, abgerufen am 24. August 2026. Kanton Basel-Stadt, Gesundheitsdepartement: Postpartale Depression. bs.ch, abgerufen am 24. August 2026. Elternnotruf: Beratung rund um die Uhr. elternnotruf.ch, abgerufen am 24. August 2026. Sonnenmoser, M.: Heidelberger Kinderwunsch-Sprechstunde – Mythos psychische Blockade. Deutsches Ärzteblatt PP 4/2002 (Deutschland). aerzteblatt.de, abgerufen am 24. August 2026.