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Berufswahl: Wie Ihr Kind die Lehrstelle findet, die zu ihm passt

In der zweiten Oberstufe beginnt für die meisten Schülerinnen und Schüler der Berufswahlprozess. Die Auswahl an möglichen Berufen ist gross. Doch nicht allen fällt es leicht, sich für einen Beruf zu entscheiden. Wir haben beim Berufsberater nachgefragt, wie Jugendlichen die für ihre Interessen und Fähigkeiten ideale Lehrstelle finden. 

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Im Berufswahlprozess sollten Jugendliche von Bezugspersonen wie den Eltern unterstützt werden. Bild: Mixetto E+, Getty Images

Wenn sich das Ende der Schulzeit nähert, wird die Berufswahl und Lehrstellensuche für Jugendliche zum Hauptthema. Während einige der Jugendlichen schon eine konkrete Idee haben, in welchem Beruf oder Bereich sie arbeiten möchten, sind andere noch unsicher oder unschlüssig. Fragen wie «Wo möchte ich eigentlich hin?» oder «Was interessiert mich wirklich?» tauchen auf. Fragen, auf die es nicht immer einfach ist, Antworten zu finden. Zwei Berufs- und Laufbahnberater verraten, wie Jugendliche am besten vorgehen sollen, um die für sie perfekt passende Lehrstelle zu finden. 

Sich nicht beeinflussen lassen und dranbleiben

Der Prozess der Lehrstellensuche sollte in der 8. Klasse, also in der zweiten Oberstufe, beginnen. So haben die Jugendlichen genügend Zeit, die Berufswelt kennenzulernen und in verschiedene Berufe reinzuschnuppern. Michael Messerli, Berufs- und Laufbahnberater aus St. Gallen, betont, dass man bei der Berufswahl seinen eigenen Weg gehen soll: «Wenn die Freunde den Wunschberuf nicht cool finden oder es sich um einen weniger angesehenen Beruf handelt, sollte man sich nicht beirren lassen und trotzdem dranbleiben.»

Auch Eltern sollten ihr Kind in der Berufswahl nicht einschränken, sondern vor allem beratend und unterstützend zur Seite stehen. Denn der ganze Suchprozess ist fordernd und kann zuweilen auch ganz schön zermürbend sein. Aber auch wenn es einmal schwierig ist: Dranbleiben ist angesagt in den letzten Monaten der obligatorischen Schulzeit. «Wer den Suchprozess aufschiebt und verzögert, statt sich aktiv damit zu befassen, gerät früher oder später in Schwierigkeiten», so Messerli.

Schnuppern, wagen, ausprobieren 

Bei der Suche nach der perfekten Lehrstelle rät Roberto Morandi, Berufs- und Laufbahnberater bei den Beratungsdiensten «ask!» in Aarau, sich zuerst selber gut kennenzulernen und einzuschätzen. «Man soll sich fragen: Welche Interessen habe ich? Was bringe ich mit? Welche Fähigkeiten habe ich?» Wenn sich die Jugendlichen mit der Erstellung eines solchen Persönlichkeitsprofils schwer tun, können sie sich auch an einen Berufsberater wenden. 

Sind die eigenen Wünschen, Stärken und Schwächen geklärt, können sich Jugendliche mit der Berufswelt auseinandersetzen. «Am besten aktiv», sagt Morandi. Schnupperlehren, Interviews mit Berufsleuten oder auch Besuche an Berufsmessen und Zukunftstagen geben den besten Einblick. Hat Ihr Kind einen Wunschberuf ins Auge gefasst, können Sie gemeinsam prüfen, ob dieser auch wirklich zum Kind passt. Bringt der oder die Jugendliche das mit, was bezüglich Fähigkeiten und Persönlichkeit gefordert wird? Und entspricht der Arbeitsalltag tatsächlich den Vorstellungen?

Besonders Schnupperlehren eignen sich dazu, einen Beruf besser kennenzulernen und eine bessere Vorstellung vom Berufsalltag zu bekommen. «Jugendliche sollen verschiedene Berufe ausprobieren, schnuppern, experimentieren, etwas wagen», lautet der Tipp von Morandi. Es geht aber nicht nur um den persönlichen Einblick. Auch die Bewertung, welche die Betriebe den Jugendlichen nach der Schnupperlehre ausstellt, ist sehr wichtig. Es handelt sich hierbei um eine Bestätigung, ob der Beruf zu der oder dem Jugendlichen passt. «Solche Bewertungen sollten unbedingt aufbewahrt werden, damit sie den Lehrstellenbewerbungen beigelegt werden können.»

Wann sich Jugendliche Hilfe holen sollten 

Doch was, wenn Jugendliche keinen Schimmer haben, was sie nach der Schule beruflich machen wollen oder was sie wirklich interessiert? «Wenn Jugendliche erhebliche Schwierigkeiten im Berufswahlprozess haben, sollten sie sich so schnell und früh wie möglich an eine Vertrauensperson wie Eltern oder Lehrer oder aber an einen Berufsberater wenden», so Roberto Morandi.

Der Berufsberater kann mit gezielten Persönlichkeits- und Interessentests weiterhelfen und dem Jugendlichen verdeutlichen, wo seine Fähigkeiten und Interessen liegen. Wichtig sei, dass die Jugendlichen im ganzen Suchprozess einen Anfang finden können. «Unsicherheiten und Ängste sind normal, wenn man die Berufswelt entdeckt«, weiss Morandi. Trotzdem sollte man sie überwinden und viele verschiede Berufe und Branchen testen. «Schlimmstenfalls sagt einem der Beruf nicht zu, aber zu verlieren hat man nichts.» 

Mehrere Eisen im Feuer haben

Hat man den Traumberuf gefunden, kann der Bewerbungsprozess starten. Mit dem Bewerben beginnen sollten die Jugendlichen zu Beginn des neunten Schuljahres, also in der dritten Oberstufe. Die meisten Lehrstellen werden ab August veröffentlicht. Michael Messerli weist darauf hin, dass Stellen je nach Branche oder Betrieb allerdings auch schon früher ausgeschrieben werden. Hat man ein spezifisches Unternehmen im Visier, sollte man also frühzeitig nachfragen, ab wann die Lehrstellen veröffentlicht werden. Und: «Teilweise ist es möglich, sich schon im achten Schuljahr bei Betrieben zu bewerben, bei denen man auch geschnuppert hat.» 

Offene Lehrstellen finden sich online auf gesamtschweizerischen, regionalen oder kantonalen Portalen. Aber Achtung: «Die Jugendlichen sollten vor dem Senden der Bewerbung bei der Firma anrufen und sich erkundigen, ob die Stelle noch frei ist. Manchmal werden diese Portale nicht schnell genug aktualisiert.» Bei dem Telefongespräch können die Jugendlichen auch gleich noch nachfragen, auf welchem Weg sie sich am besten bewerben und was sie alles an Unterlagen mitschicken sollen.

Die wichtigsten Lehrstellenportale

Ihr Kind ist auf der Suche nach der passenden Lehrstelle? Diese Lehrstellenportale helfen bei der Suche.

→ die-Lehrstelle

→ Yousty

→ Lehrstellenbörse

→ Berufsberatung

→ Lehr-Stelle

Ebenfalls wichtig: Immer mehrere Eisen im Feuer haben. «Nicht nur eine einzige Bewerbung verschicken und dann auf die Antwort warten, sondern gleich mehrere Bewerbungen absenden», rät Roberto Morandi. Ansonsten verliert man wertvolle Zeit, falls es mit der Bewerbung auf die eine Stelle doch nichts wird. 

Apropos Bewerbungen: Die Jugendlichen sollten ihr Bewerbungsschreiben und den Lebenslauf vor dem Abschicken immer von einem Erwachsenen (Elternteil, Lehrperson, Berufsberater) durchlesen und auf Rechtschreib- sowie Formulierungsfehler prüfen lassen. Weitere Informationen zum Thema Bewerbungsschreiben finden Sie in diesem Artikel

Coronavirus: Flexibilität ist gefragt 

Zu Zeiten von Corona ist der Arbeitsmarkt auch in der Schweiz angespannt. Welchen Einfluss dies auf die Lehrstellensituation hat, können die Berufsberater derzeit schwer abschätzen. Es kommt darauf an, wie sich die wirtschaftliche Lage in den nächsten Monaten entwickelt. Allenfalls müssen Jugendliche bei der Berufswahl etwas flexibler sein und je nach Branche auf verwandte Berufe zurückgreifen und sich nicht auf einen einzigen Beruf fixieren. Dies gilt besonders für diejenigen, die Interesse an einer Stelle in der Gastronomie- oder Tourismusbranche haben, so die Experten. Durch die Ausbreitung des Coronavirus ist die Nachfrage in diesen Branchen stark gesunken. Wer sich für solche Berufe interessiert, muss gegebenenfalls eine alternative Lösung erarbeiten. Immerhin: «Man kann auch eine andere Lehre absolvieren und später eine Weiterbildung in diesem Bereich machen. So kann man sich seinen Wunsch aufsparen und muss die Branche nicht komplett aufgeben.»