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Familienfreundliche Arbeitgeber: die Besten

«Familienfreundlich» - ein Label, mit dem sich immer mehr Unternehmen schmücken. Ist das nur ein Trick im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte? Oder wirklich ein Credo? familienleben.ch hat auf der Suche nach den Besten zwar einige, aber nicht hunderte Unternehmen gefunden.

Einige Unternehmen sind familienfreundlich.

Familienfreundliche Personalpolitik ist selten. Foto: iStock, Thinkstock

Es herrscht allerorten Fachkräftemangel. Unternehmen konkurrenzieren sich auf dem Arbeitsmarkt. Gute Angestellte findet nur, wer diesen ideale Bedingungen anbieten kann. Ideale Bedingungen, das heisst im Klartext: Teilzeitarbeit für Mütter und Väter, flexible Arbeitszeitmodelle, die Möglichkeit zur Heimarbeit, trotzdem die Möglichkeit zur Karriere, trotzdem Zugang zur Förderung durch Weiterbildung, zudem Vaterschaftsurlaub und Kinderzulagen, die weit über das gesetzliche Minimum hinausgehen.

Das Zauberwort heisst «Work-Life-Balance». Grosse Unternehmen haben das Zeichen der Zeit erkannt und haben entsprechende Arbeitsmodelle im Angebot. IBM zum Beispiel. Da können Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher Beruf und Familie seit Jahren ohne Probleme vereinbaren. Bei der ETH gibt es Jobsharing für Professoren und Professorinnen. Und das Bundesamt für Statistik hat den Beleg dafür, dass Führungskräfte kontinuierlich ihr Pensum reduzieren.

Die Zahl der Vorgesetzten, die seit 1991 weniger als 90 Prozent arbeiten hat sich mehr als verdoppelt. Schaut man genauer hin, sind allerdings erst 20 Prozent davon Männer.

Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine politische Priorität unseres Landes. Die Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Realisierung von Fortschritten in diesem Bereich, vor allem durch die Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen.

Bundesrätin Doris Leuthard

Ginge es nach den Studien, so wären in den Chefetagen bald nur noch Mamis und Papis beschäftigt. Die amerikanische Kimberly Clark Universität hat sich ins Gespräch gebracht, weil sie zeigte, dass Manager, die ein Familienleben haben, auch die besseren Führungskräfte sind und bei ihren Mitarbeitern besser ankommen. Kinder sind gut für Sozialkompetenz und Stressmanagement.

Aber es geht nicht nach den Studien. Es ist immer noch so, dass der Wunsch nach Teilzeitarbeit zumeist als Mangel an Engagement ausgelegt wird. Und ein Mangel an Engagement darf man natürlich auch schlechter bezahlen. Kein Wunder also, dass das Lohnniveau von Frauen immer noch durchschnittlich 20 Prozent tiefer liegt als das der Männer - gehen doch knapp 60 Prozent der Frauen einer Teilzeitarbeit nach. Gegenüber knapp 13 Prozent der Männer. Gleichstellung - ein weiteres Problem, mit dem Familien auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert werden.

Vorbilder fehlen

Männer, die Teilzeit arbeiten, sind noch lange keine Selbstverständlichkeit. Und Teilzeit arbeitende Chefs ebenfalls nicht. Es fehlen somit die entsprechenden Vorbilder. Die würden einen Wandel beschleunigen aber man müsste sie erst in mühsamer Kleinarbeit und gegen die weit verbreiteten Ängste vor Jobverlust aufbauen. Bei der Swisscom gibt es heute Teilzeitarbeit im Kader, auch bei McDonalds.

Familienfreundliche Unternehmen

Hier finden Sie familienfreundliche Unternehmen: www.jobundfamilie.ch Sie können die Plattform nach familienfreundlichen Kriterien wie flexible Arbeitszeit, Home Office oder Krippe im Unternehmen durchsuchen. Unternehmen können auch bewertet werden.

Familienfreundliche Unternehmen, die zwischen 2001 und 2010 auf der www.familienplattform.ch als «familienfreudlich» bezeichnet wurden.

Schurter AG, Luzern - Zücher Kantonalban - Märchenhotel Bellevue, Braunwald/GL - CREDIT SUISSE GROUP - Bäckerei Mohn AG, Berg/TG - SSE Elektroplanung AG - Gümligen/BE - ABC Karten, Schönbühl/BE - Verein Arbeitgeber-Krippe, Winterthur/ZH - McDonald Kinderstiftung, Crissier/VD - Procter & Gamble, Petit-Lancy/GE - Gemeinde Bolligen/BE - maxon motor ag, Sachseln/OW - Roland Murten AG, Murten/FR - Loeb AG, Bern - Victorinox AG, Ibach/SZ - SRK St. Gallen - Kiener Trucks Schmerikon AG/SG - Comartis AG, Baar/ZG - Bank Coop, Basel - Acherhof Stiftung, Schwyz - BAER AG, - Küssnacht am Rigi/ZG - Leica Geosystems AG, Heerbrugg/SG - Weidmann Unternehmen, Rapperswil-Jona/SG - Hunziker AG, Winterthur - Pistor AG, Rothenburg/LU - Swissmill, Zürich - IBM Schweiz, Zürich - Manor AG, Basel - Microsoft Schweiz, Zürich - Endress+Hauser, Reinach/BL - Syngenta, Basel - PAX Schweizerische Lebensversicherungs-Gesellschaft, Basel - Duttweiler-Treuhand AG, Liestal/BL - Ginkgo GmbH, Amriswil/TG - Affolter Holding SA, Mallerey/JU - Raiffeisen Schweiz, St. Gallen - Die Schweizerische Post, Bern - B. Braun Medical AG, Sempach - Sympany Gruppe, Basel

 

Warum machen die guten Beispiele nicht Schule? «Teilzeitarbeit und flexible Arbeitszeiten sind eigentlich nur eine Frage von Organisation und Delegation», heisst es unisono bei den Experten. Die Basler Firma Prognos hat sogar errechnet, dass sich familienfreundliche Arbeitspolitik auszahlen würde. Acht Prozent Rendite würden Arbeitgeber für ihre guten Taten in Sachen Familie zurückbekommen. Doch auch wenn hinter guten Taten nackte Zahlen stehen können, die Listen der (bekannten) familienfreundlichen Unternehmen sind noch ziemlich kurz.

Politische Vorstösse, die Arbeitgeber mehr in die Pflicht zur Familienfreundlichkeit nehmen wollten, scheiterten in den letzten Jahren alle. Wer sich als Arbeitgeber hier und heute zur Familienfreundlichkeit bekennt, tut das also aus zwei Gründen: Weil er die besseren Arbeitnehmer anziehen will oder weil er seine soziale Verantwortung wahrnimmt. Manchmal lassen sich beide Gründe auch nicht auseinander halten. In der Schweiz gibt es keine einheitlichen Richtlinien, was als familienfreundliches Unternehmen gilt. Es gibt nur die Fachstelle UND, die Arbeitsbedingungen von Unternehmen bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und auch Gleichstellung durchleuchtet und jeweils ein Unternehmen des Monats auf der Webseite publiziert (siehe Infobox Seite 3).

Für die Firmen ist die Abklärung über ihre Familienfreundlichkeit freiwillig. Auch regionale Wirtschaftsförderer und politische Parteien schreiben Wettbewerbe aus, damit sich Firmen in Punkto Familienfreundlichkeit miteinander messen. Da kann es schon mal passieren, dass sich niemand meldet, wie im November 2008 im Kanton Thurgau.

Den Mutterschaftsurlaub gibt es seit 2005, der Vaterschaftsurlaub hat es noch nicht bis ins Gesetz geschafft. Dennoch gewähren einige Firmen den frischgebackenen Vätern bezahlten Urlaub. Spitzenreiter sind hier die Alternative Bank Olten (seit 1990), Mobility und die Katholische Kirche des Kantons Zürich. Vier Wochen dürfen die dort angestellten Papis zuhause bleiben. Drei Wochen gibt es noch für die Angestellten der Stadt Bern, der IBM und des Schauspielhauses Zürich. Zwei Wochen bieten Swisscom, Migros, Globus, SBB, Ciag, UBS, Comit, Swiss Re, Credit Suisse. Eine Woche ist weit verbreitet. In der Bundesverwaltung wurde auf Initiative von Doris Leuthard per 1.1.2008 zwei bis fünf Tage Vaterschaftsurlaub eingeführt.

Zum Vergleich: In Deutschland können beide Eltern 14 Monate Urlaub mit Taggeldern beziehen. Schweden kennt 480 Tage bezahlte Elternzeit, davon mindestens 60 für den Vater. Italienische Väter haben 13 Wochen. In Norwegen sind sechs Wochen von insgesamt 39 Wochen für den Vater bestimmt. Finnland und Spanien kennen drei Wochen, Frankreich und England zwei.

Während sich grosse Unternehmen eigene Kinderkrippen und Vaterschaftsurlaub leisten können, enthalten sich kleine Unternehmen oftmals noch einer familienfreundlichen Personalpolitik. Dabei geht es nicht um ein paar Tage Vaterschaftsurlaub, sondern um Flexibilität, die Eltern während des ganzen Vorschul- und Schulalters ihrer Kinder brauchen: Also das ganze Programm aus flexiblen Arbeitszeiten, Teilzeitarbeit, Jobsharing, Telearbeit. Auch wenn nach Professor Norbert Thom, Direktor des Instituts für Betriebswirtschaftslehre der Universität Bern «Jobsharing ein Gebot ökonomischer Klugheit» ist, tun sich noch viele KMU schwer mit der Umsetzung einer selbigen.

Doch es gibt vereinzelte Lichtblicke. Bei der Aufgabe, die Personalpolitik von Unternehmen familienfreundlicher zu gestalten, werden ab April 2009 10 bis 12 Klein- und Mittelunternehmen im Kanton Aargau unterstützt. Sie sollen die Chance erhalten, familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen und damit nicht zuletzt auch ihre Zukunftsfähigkeit zu verbessern.

Ganz nach der Direktive von Bundesrätin Doris Leuthard, die 2007 im Vorwort des KMU-Handbuches «Beruf und Familie» vom SECO schrieb: «Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine politische Priorität unseres Landes. Die Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei der Realisierung von Fortschritten in diesem Bereich, vor allem durch die Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen.»

Also: Unternehmen vor! Es ist doch so: Mehr Krippenplätze entheben die Firmen nicht eigentlich ihrer Menschenpflicht zur Familienfreundlichkeit. Sie würden - in den derzeit herrschenden Zeiten des Fachkräftemangels - nicht zuletzt auch Nachwuchsförderung für die eigene Firma betreiben. Langfristig gedacht.

Mehr zum Thema

Familienfreundliche Unternehmen können Sie hier finden und bewerten: http://jobundfamilie.ch