Die familienfreundlichsten Arbeitgeber der Schweiz: Migros Aare

Sie wünschen sich einen familienfreundlichen Arbeitgeber? Familienleben stellt vorbildliche Schweizer Unternehmen vor. Zum Beispiel Migros Aare. Die Genossenschaft übernimmt seit August 2017 die Hälfte der Kinderbetreuungskosten ihrer Angestellten. Zwei Mitarbeiter berichten uns über ihre Erfahrungen.

Migros Aare nimmt eine Vorreiterrolle bei den familienfreundlichen Firmen ein.

Migros-Sachbearbeiterin Adriana Knipp ist dankbar für die finanzielle Unterstützung. Bild: zVg

Stellen Sie sich vor, Sie würden in einem Betrieb arbeiten, der es sich zum Ziel gemacht hat, Mitarbeiter mit Kindern zu unterstützen. Zu schön, um wahr zu sein? Die Genossenschaft Migros Aare ist ein Schweizer Unternehmen, das in Sachen Familienfreundlichkeit eine Vorreiterrolle einnehmen will.  

Tatsächlich gab es bei Migros bereits überdurchschnittliche Leistungen für Familien: Ein dreiwöchiger Vaterschaftsurlaub und ein Mutterschaftsurlaub, der vier Wochen länger als gesetzlich vorgeschrieben ist, beispielsweise. Vor allem bei der Organisation der Kinderbetreuung erkannte die Migros, dass ihre Mitarbeiter aber noch mehr Unterstützung brauchen, um Familie und Job zu vereinbaren. Und das gewiss nicht zum Nachteil von Migros. «Im Detailhandel mit den teilweise unregelmässigen Arbeitszeiten ist es für Eltern besonders schwierig, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen», sagt Projektleiterin Karin Aeschbacher.

Deshalb hat sich die Migros Aare dazu entschlossen, die Hälfte der Kosten zu erstatten, die den Mitarbeitenden für die Fremdbetreuung der Kinder bis zum Alter von zwölf Jahren entstehen.

Darüber hinaus bietet die Genossenschaft ihren rund 12'000 Angestellten kostenlose Beratung bei der Fachorganisation «Familienservice». Die Fachorganisation hilft beispielsweise bei der Suche nach einem Krippenplatz und vermittelt Unterstützung im Haushalt. Dafür recherchiert sie Servicedienstleister vor Ort, beispielsweise für Haushalts- und Unterhaltsarbeiten, Gartendienst oder die Haustierbetreuung. Die Fachorganisation kann auch in Anspruch genommen werden, wenn die eigenen Eltern im Alltag nicht mehr zurechtkommen und Hilfe brauchen.

Und wie kommt das bei den Mitarbeitern an?

«Das Angebot wurde begeistert angenommen», berichtet Karin Aeschbacher. «Viele haben sogar bei den Personalverantwortlichen angerufen, um sich persönlich für die grosszügige Unterstützung zu bedanken und mitzuteilen, dass diese das zum Teil arg strapazierte Budget stark entlastet.» Auch bei Vorstellungsgesprächen würden die Bewerbenden immer wieder speziell die Familienunterstützung durch die Migros Aare positiv bewerten.

Ana-Elena Soler (34), Marktleiterin

 « Eine tolle Idee (...) – vor allem deshalb, weil 80 Prozent der Angestellten Frauen sind»

Anna-Elena Soler profitiert von den neuen Vergünstigungen für Angestellte mit Kindern bei der Migros Aare.

Vor allem eine Betreuung zu finden, war für die lange alleinerziehende Mutter schwer. Bild: zVg

Rund 350 Mitarbeiter nehmen bislang die Finanzhilfe für die Kinderbetreuungskosten in Anspruch. Eine davon ist Ana-Elena Soler. Die 34-jährige Marktleiterin vom Migros Kalchacker hat spät, aber doch noch Glück gehabt. Ihr Arbeitgeber beteiligt sich mit 50 Prozent an ihren Ausgaben für die Tagesmutter ihres 4-jährigen Sohnes. «Das ist eine tolle Idee der Migros Aare und ein gutes Angebot – vor allem deshalb, weil 80 Prozent der Angestellten Frauen sind», findet Ana-Elena Soler. Manchmal wünscht sie sich, sie hätte das Angebot schon gehabt, als ihre Tochter noch klein war.

Ana-Elena Soler hat immer viel gearbeitet. Als Alleinerziehende musste sie Geld verdienen – für sich und ihre Tochter Luana. Luana ist jetzt 13 Jahre alt und benötigt keine Betreuung mehr. Wohl aber Alejandro, der Sohn, den sie und ihr neuer Partner vor viereinhalb Jahren bekommen haben.

Alejandro geht ein bis zwei Mal pro Woche zur Tagesmutter. Die übrige Zeit deckt ein Netzwerk von Bezugspersonen die Betreuung ab. Morgens bringt meist Alejandros Vater den Kleinen zum Kindergarten. Am Nachmittag wechselt sich Ana-Elena Soler mit dem Grossvater und Vater ab. Da sie samstags arbeitet, hat sie in der Woche auch Zeit für die Kinder.

Vor allem eine Betreuung zu finden, war für Ana-Elena Soler mit das schwerste gewesen, um Job und Kinder zu vereinbaren. «Ich habe deshalb schon während der Schwangerschaft nach einer Tagesmutter gesucht».

Adriana Knipp (34), Sachbearbeiterin

«Im Vergleich zum Beispiel zu Skandinavien hinkt die Schweiz hinterher. »

Bereits seit knapp fünf Jahren ist Adriana Knipp Mitarbeiterin der Migros; seit mehr als drei Jahren arbeitet sie für die Genossenschaft Migros Aare – als Sachbearbeiterin in der Administration Marktbearbeitung der Betriebszentrale Schönbühl. Montags hat sie frei – Zeit, die sie auch mit ihrem Sohn geniesst. Luis Santiago heisst der Junge, der bald sechs Jahre alt wird. Einen Tag pro Woche und einmal vor dem Kindergarten für eine Stunde besucht er die Tagesschule in Ostermundigen im Kanton Bern.

Seit August 2017 nutzen die 34-Jährige und ihr Mann Ken das Angebot der Migros Aare, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. «Das ist eine grosse finanzielle Entlastung», freut sich Adriana Knipp. «Ich finde, der Staat sollte die Familien mehr unterstützen. Im Vergleich zum Beispiel zu Skandinavien hinkt die Schweiz hinterher. Das hier die Migros Aare einspringt, ist eine Ausnahme.»

Die finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung durch die Migros Aare macht das Leben der Familie leichter. Doch weiterhin muss auch improvisiert werden. Einmal pro Woche kümmert sich Adriana Knipps Mann am Nachmittag um Luis. Zwei Tage hilft ihre Mutter aus. «In den Ferien ist die Tagesschule geschlossen. Meine Schwiegermutter, meine Mutter oder wir selber nehmen frei», sagt Adriana Knipp.

Familienunterstützung rechnet sich auch für Unternehmen

Unternehmen wie die Migros Aare, die Beschäftigten mit Familie entgegenkommen, helfen auch sich selbst. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind bei der Arbeit leistungsfähiger, motivierter und weniger gestresst. Unternehmen entstehen deshalb weniger Kosten für Personalsuche und Fehlzeiten und verbessern darüber hinaus ihr Ansehen. Das bestätigt auch Karin Aeschbacher: «Die Migros Aare hat ihre Ziele erreicht, die Arbeitsplatzzufriedenheit und ihr Image zu steigern.» Ob auch die restlichen Projektziele, nämlich die Senkung der Fluktuation und der Stellenbesetzungskosten, erfüllt werden, könne erst im Verlaufe dieses Jahres beurteilt werden.

Gesucht! Familienfreundliche Arbeitgeber in der Schweiz

Familien brauchen Unterstützung, um Kinderbetreuung und Berufstätigkeit unter einen Hut zu bekommen. Doch viele Arbeitgeber scheuen die Ausgaben. Familienleben hat ein Herz für Pioniere und stellt vorbildliche Unternehmen vor. Sie haben einen Vorschlag? Schreiben Sie an redaktion@familienleben.ch.

 

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