Drei Beispiele: Home Office, Teilzeit und Elternzeit

Eine Elternzeit kann die Vereinbarkeit fördern.

Eine bezahlte Elternzeit ist wichtig für die Work-Family-Balance. Foto: Pixland, Thinkstock

Das Home Office ist Teil eines familienfreundlichen Unternehmens

Die Vorteile des Home Office sind schnell auf den Punkt gebracht: Wer zu Hause arbeitet, wird nicht ständig von Kollegen oder Telefonanrufen unterbrochen. Er kann in der Regel in Ruhe arbeiten. Das steigert oftmals die Qualität der Arbeit. Es fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Das stressige Pendeln fällt weg, dafür bleibt mehr Zeit mit den Kindern. Home Office ist wegen moderner Kommunikationsmittel in vielen Branchen möglich. Bereits ein Tag im Home Office pro Woche kann Arbeitnehmer entlasten.

Professor Hartmut Schulze von der Hochschule für Angewandte Psychologie machte an der Tagung darauf aufmerksam, dass vor der Einführung des Home Office Regeln zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden sollten. Zudem ist es sinnvoll, wenn das Unternehmen dabei hilft, das Heimbüro einzurichten oder Weiterbildungen zur Förderung der Selbstorganisation anzubieten.

Teilzeitarbeit gehört zum familienfreundlichen Unternehmen

Teilzeit ist in der Schweiz heute in der Mehrheit eine Frauenangelegenheit. 57 Prozent der Mütter mit dem jüngsten Kind unter sieben Jahren arbeiten Teilzeit. Bei den Vätern sind es nur acht Prozent. Da auch immer mehr Männer Teilzeit wünschen, liegt es an den Unternehmen, das Angebot an Teilzeitstellen zu verbessern. Die Experten an der Tagung waren sich einig, dass Teilzeit eine Karriere nicht behindern sollte.

Kathrin Amacker-Amann von Swisscom sagte, es brauche mehr Mut: «Männer müssen mehr Mut haben, Teilzeit einzufordern. Frau müssen Mut haben, ihre Karriere einzufordern und es braucht Mut von Unternehmen Exempel zu statuieren, zum Beispiel eine schwangere Frau in eine höhere Ebene zu befördern.»

Kleine Unternehmen, die sich keine Teilzeitarbeit leisten könnten, sollten ihren Mitarbeitern zumindest kleinere Flexibilisierungen ermöglichen. «Es geht in der Regel mehr als man glaubt», sagte der Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes Thomas Daum.

Elternzeit für Mütter und Väter

Eine weitere Empfehlung von Pro Familia richtet sich an die Politik. Zusätzlich zum bisher geltenden Mutterschaftsurlaub soll es für Männer eine zweiwöchige Vaterschaftszeit geben. Ausserdem sollte es im Anschluss an Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub eine bezahlte Elternzeit geben, die 24 Wochen dauert und zwischen beiden Eltern aufgeteilt werden sollte. «Die Einführung einer Elternzeit ist für die Entwicklung des Kindes und für die innerfamiliäre Balance der Familie von grosser Bedeutung», heisst es bei Pro Familia. Der Verband fordert den Bundesrat auf, zudem eine Betreuungszeit für Berufstätige, die sich um ihre pflegebedürftigen Eltern kümmern, zu prüfen.

Die Tagung machte deutlich, welches Potential in Unternehmen und in der Politik steckt, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Insbesondere der drohende Arbeitskräftemangel und die modernen Kommunikationstechnologien sollten Motor sein, umzudenken und verstärkt auf familienfreundliche Arbeitsmodelle zu setzen.

Autor: Angela Zimmerling im November 2012

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