Maximal einen Tag Hort pro Woche

Mario Fischers Sohn war früher auch im Kinderhort. Er und seine Frau hätten gemerkt, dass es für das Sozialverhalten des Sohnes sehr gut gewesen sei. Aber für Familie Fischer war immer klar, dass die Kinder nie mehr als einen halben Tag oder maximal einen ganzen Tag in den Kinderhort gehen. Mario Fischer findet es nicht gut, wenn die Kinder vier oder fünf Tage pro Woche im Hort sind. «Diese Kinder sind manchmal ganz verwirrt auf dem Pausenplatz und wissen nicht, ob sie nach Hause gehen müssen oder in den Hort oder wissen nicht, wer sie abholt. Aber das muss jeder selber wissen.»

Sie überlegen, ob ihre Tochter einen halben Tag in der Woche in den Hort soll, weil es für ihr Sozialverhalten gut sei – nicht um sie loszuwerden. Es sei auch wichtig, dass andere Erwachsene um die Kinder herum sind. Ihr Sohn habe bei ihnen zum Beispiel nie Salat gegessen, sie hätten dann aber erfahren, dass er in der Krippe ohne Mucks seinen Salat aufesse.

Für die Familie die Führungsposition aufgegeben

Mario Fischer arbeitete vor seinem Entscheid, Teilzeittrainer beim FC Zürich zu werden, 25 Jahre bei der Post. Er hat sein Team geführt, bei einem Arbeitspensum von 80 Prozent. Am Mittwoch hatte er frei und widmete sich seinem Hobby, dem Fussball. Um sich noch stärker für den Fussball engagieren zu können und noch mehr Zeit für seine Familie zu haben, versuchte er zunächst, seine Stellenprozent bei der Post zu reduzieren und bei seinem langjährigen Arbeitgeber eine Teilzeitkarriere zu machen. Er hätte dafür seine Führungsfunktion aufgeben müssen und einen anderen Job antreten müssen. Dies wäre aber nur möglich gewesen, wenn er andere Arbeitszeiten in Kauf genommen hätte. «Karriere machen wollte ich gar nicht mehr.» Er hält einen Moment inne und ergänzt: «Was heisst Karriere machen? Ich mache ja jetzt Karriere, in dem ich mein Hobby zu meinem Beruf machen konnte.» Dann wurde er gefragt, ob er als Teilzeit Juniorentrainer beim FC Zürich anfangen wolle. Seine Frau wollte ausserdem selber wieder 40 Prozent als Buchhalterin arbeiten gehen. «So hatten wir alle win-win.»

Die Fischers waren sich immer einig, dass sie ein Team sind. Wer das Geld nach Hause bringt und wer auf die Kinder aufpasst, spielt für sie keine Rolle. Hauptsache sei, dass ein Einkommen von mindestens 100 Prozent da sei.

«Meine Lebensqualität ist enorm gestiegen»

Bis jetzt ist Familie Fischer sehr zufrieden mit diesem Testjahr. Mario Fischer schmunzelt und fügt an: «Manchmal denke ich, die Nachbarn müssen sich ja schon wundern, wenn ich am Morgen draussen auf der Terrasse sitze und gemütlich Zeitung lese.» Aber seine Lebensqualität sei enorm gestiegen, das Hobby als Beruf und viel Zeit für seine Kinder. Er könne es nur weiterempfehlen, ergänzt der Teilzeittrainer. «Vielleicht sollten die Männer mal grundsätzlich überlegen, ob sie im richtigen Job sind und dann mal mit dem Arbeitgeber reden. Viele Arbeitgeber sind froh, wenn sie keine 100 Prozent Stellen anbieten müssen.»

Weitere Portraits von Teilzeitmännern und detaillierte Informationen zum Projekt «Teilzeitmann» finden Sie auf Teilzeitkarriere.com.

Interview: Anita Stalder im Februar 2013

 

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