Familienpolitik? Familienpolitik!

Aber wie familienschädigend sind unsere Arbeits- und Lebensweisen eigentlich wirklich? Eine Untersuchung der Europäischen Union von 2005 zeigt, dass ein Viertel der Bevölkerung unter einer psychischen Erkrankung leidet - auch in der Schweiz. Eine Studie des Deutschen Jugendinstituts von 2009 belegt einen bedenklichen Grad von Belastungen der Eltern. Viele Eltern sind erschöpft, sie befinden sich am Rande der Überforderung, resümiert Familienforscherin Dr. Karin Jurczyk.

Zuviel berufliche Mobilität erschwert das gemeinsame Familienleben, Zeitlücken für die Familie müssen mühsam gesucht werden, erschöpften Eltern fehlt die Energie, sich wirklich aufeinander und auf ihre Kinder einzulassen. Erschöpfung macht abwesend. Wo aber keine aufmerksame Anwesenheit mehr stattfindet, findet auch keine Erziehung mehr statt. Die Betreuung der Kinder leidet. Die Folgen spürt die Gesellschaft heute schon. Die Familienpolitik ist wie noch nie gefordert, Lösungen zu erarbeiten.

Wissen um die Mechanismen

An der Gesundheitsförderungskonferenz im Juli 2009 stellte Dr. Oliver Hämmig vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Uni Zürich Resultate einer vergleichenden Analyse von 67 Studien vor. Als Folgen von Work-Family-Konflikten werden am häufigsten genannt: Burnout und Stress bei der Arbeit, gefolgt von Depression und familiärem Stress, körperlichen und psychischen Beschwerden, Suchtprobleme. Die Lebenszufriedenheit sinkt, ebenso die Zufriedenheit mit Ehe oder Partnerschaft. Die Arbeitszufriedenheit geht zurück und die Kündigungsabsicht steigt. Die Untersuchungen belegen ferner: Alleinerziehende und ihre Kinder tragen ein massiv grösseres Gesundheitsrisiko, alleinerziehende Mütter sind stärker von Burnout betroffen.

Die Herausforderungen liegen auf dem Tisch. Work-Family-Balance gehört auf die staatliche gesetzgeberische Agenda. Sie gehört aber ebenso ins Pflichtenheft der Arbeitgeber und Firmen. Und drittens gehört sie auf den Küchentisch, also in die Agenda jedes Einzelnen. Entscheidend für einen erfolgreichen Umgang mit Work-Family-Konflikten sind einerseits die Rahmenbedingungen (Arbeit, Kinderbetreuungsangebote, sozioökonomische Faktoren), andererseits aber auch die persönlichen Fähigkeiten und Bewältigungsstrategien. Denn solange trotz neuer Möglichkeiten positive familienbezogene Vorbilder im Berufsleben nicht gelebt werden, solange man mit Selbstausbeutung und Verschleiss weitermacht, so lange sind die Prioritäten nicht optimiert und der Work-Family-Konflikt führt zu einer Gesellschaft von erschöpften Eltern.

Text: Kathrin Fischer

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