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Ist E-Banking wirklich sicher? So kannst du dich am besten vor Cyberkriminalität schützen

An den Bankschalter gehen, um Rechnungen zu bezahlen – das machen heutzutage nicht mehr viele Menschen. Die meisten haben sich inzwischen mit der Möglichkeit des Online-Bankings angefreundet. Es ist ja auch bequem: Einfach das Notebook aufklappen, einloggen und mit ein paar Klicks sind die ganzen Bankgeschäfte erledigt. Aber: Wie sicher ist E-Banking eigentlich genau? Und wie kannst du dich vor Cyberkriminalität und Kreditkartenmissbrauch schützen? Hier findest du klare, alltagstaugliche Schritte – inklusive Notfallplan, falls doch etwas passiert.

Ein Paar sitzt auf dem Sofa und macht E-Banking mit dem Notebook.
Auch wenn viele Menschen E-Banking nutzen, gibt es oft Unsicherheiten. © Getty Images / Brizmaker

Selbstverständlich ist es die Aufgabe der Finanzinstitute, ihre E-Banking-Angebote so sicher wie möglich zu machen. Dennoch kannst du als Nutzer:in sehr viel dazu beitragen, dass deine Zahlungen und Konten im Alltag gut geschützt sind – besonders dann, wenn du nebenbei noch Organisatorisches für die Familie erledigst und es schnell gehen muss.

Mit diesen Grundtipps machst du Online-Banking deutlich sicherer. Wenn du dich daran hältst, sinkt das Risiko für Datenmissbrauch und Betrug spürbar.

  • Adresszeile selbst eingeben: Klicke nie auf einen Link, der per E-Mail zugestellt wird. Selbst dann nicht, wenn die Mail von der Bank kommt. Pishing-Mails können sehr überzeugend wirken. Gib also die URL deiner Bank immer manuell in die Adresszeile ein - oder nutze ein Lesezeichen.
  • Ablenkung vermeiden: Bleib bei der Sache, wenn du E-Banking machst. Schaust du nebenbei noch TV oder hast zu viele Tabs offen, kann es passieren, dass dir Ungereimtheiten nicht auffallen oder du am Ende das Ausloggen vergisst.
  • Schloss-Symbol: Wenn du irgendwo online bezahlen möchtest, dann achte genau auf die Adresszeile. Sichere Seiten sind in der Regel mit einem Schloss-Symbol vor der URL gekennzeichnet. Fehlt dieses Symbol, ist es ratsam, keine Daten anzugeben oder Zahlungen zu veranlassen.
     
    Schloss-Symbol E-Banking
  • Fehlermeldungen: Wenn das Einloggen nicht funktioniert oder Fehlermeldungen angezeigt werden, solltest du die Fenster umgehend schliessen. Informiere dich dann bei deinem Finanzinstitut, was passiert ist. 
  • Korrekt ausloggen: Nach der Nutzung des E-Bankings ist es wichtig, sich korrekt auszuloggen. Dazu auf «Beenden», «Logout» oder «Abmelden» klicken. Vergisst du, dich auszuloggen, erleichtert das den Zugang für Drittpersonen.

Sicher bezahlen in der Schweiz 

Im Familienalltag laufen viele Zahlungen schnell nebenbei: Online-Shopping, Klassenlager-Beiträge, Ticketkäufe, Secondhand-Plattformen. Gerade deshalb lohnt es sich, für jede Situation die passende Zahlungsart zu wählen. In der Schweiz sind Kreditkarte, TWINT, Rechnung und Prepaid verbreitet – und jede hat typische Risiken und Schutzfunktionen. Eine gute Faustregel: Je unbekannter der Anbieter oder die Privatperson, desto wichtiger sind «nachverfolgbare» Zahlungen (mit Käuferschutz, klaren Belegen und einer Möglichkeit, Transaktionen zu stoppen).

Kreditkarte: 3-D Secure & Kartenlimits nutzen

Wenn du mit Kreditkarte bezahlst, ist 3-D Secure (z. B. Bestätigung in der App oder per Push) ein zentraler Sicherheitsbaustein: Selbst wenn Kartendaten in falsche Hände geraten, ist eine Zahlung oft nur möglich, wenn die zusätzliche Freigabe erfolgt. Prüfe in deiner Banking-App oder im Kartenportal ausserdem diese Punkte:

  • Kartenlimits passend setzen: Senke Online- oder Tageslimits auf ein Niveau, das zu deinem Alltag passt. Für grössere Käufe kannst du das Limit kurzzeitig erhöhen und danach wieder reduzieren.
  • Push-Benachrichtigungen aktivieren: Wenn du jede Kartenbelastung sofort siehst, merkst du Unregelmässigkeiten schnell.
  • Online-Zahlungen gezielt ein- und ausschalten: Viele Anbieter erlauben, Online- oder Auslandszahlungen temporär zu deaktivieren.
  • Nur auf eigenen Geräten freigeben: Bestätige 3-D-Secure-Anfragen niemals «aus Gewohnheit». Wenn du gerade gar nichts kaufst, ist eine Freigabe ein Warnsignal.

TWINT: nur an bekannte Nummern/QR-Codes – typische Masche

TWINT ist praktisch, aber Betrüger:innen nutzen genau diese Bequemlichkeit aus – besonders bei Inseraten, Secondhand-Verkäufen oder in Chats. Eine typische Masche: Du verkaufst etwas, jemand will angeblich «sofort bezahlen» und schickt dir einen QR-Code oder eine Anleitung. In Wahrheit löst du damit eine Zahlung von deinem Konto aus oder gibst eine Funktion frei, die du nicht wolltest.

Halte dich an diese Regeln, bevor du TWINT nutzt:

  • Geld senden nur an Personen, die du sicher kennst (Name und Nummer wirklich prüfen).
  • QR-Codes nur scannen, wenn du Quelle und Zweck klar verstehst. Wenn dich jemand drängt («nur schnell scannen, sonst ist es weg»), brich ab.
  • In der App genau lesen, was da steht: «Geld senden» ist etwas anderes als «Geld empfangen». Wenn du etwas verkaufen willst, solltest du in der Regel eine Zahlung erhalten – nicht auslösen.
  • Nie ausserhalb der offiziellen TWINT-App handeln: Keine «Sicherheitslinks», keine externen Formulare, keine Screensharing-Requests.

Konkrete Schweizer Fallbeispiele und Warnhinweise findest du hier: https://cybercrimepolice.ch/de/faelle/betruegereien-via-twint-vorsicht-bei-zahlung-auf-unbekannte-nummern-und-qr-codes

Rechnung/Prepaid: wann es sinnvoller ist

Manchmal ist «nicht sofort bezahlen» die sicherste Option. Rechnung oder Prepaid kann sinnvoll sein, wenn du unsicher bist, ob ein Shop seriös ist oder wenn Kinder/Jugendliche in der Familie online einkaufen:

  • Rechnung ist oft vorteilhaft, weil du die Ware prüfen kannst, bevor Geld abfliesst. Achte aber darauf, dass Rechnungen von echten, erwarteten Absendern kommen und kontrolliere die Zahlungsdaten sorgfältig.
  • Prepaid-Karten oder separate Online-Karten mit kleinem Guthaben können helfen, das Risiko zu begrenzen, falls Kartendaten missbraucht werden.
  • Familienregel: Wenn Kinder/Jugendliche kaufen: vor dem Bezahlen kurz gemeinsam prüfen (Shop, Preis, Rückgabe, Abo-Hinweise). Das schützt und stärkt nebenbei Medien- und Finanzkompetenz.

Online-Shopping: Abo-Fallen und Fake-Shops erkennen

Viele Betrugsfälle starten nicht beim E-Banking selbst, sondern beim Einkauf: Fake-Shops, Abo-Fallen («gratis testen») oder gefälschte Support-Nummern. Gut zu wissen: Professionell gemachte Websites sind heute schnell erstellt – deshalb ist «sieht seriös aus» leider kein zuverlässiges Kriterium mehr.

Warnsignale: zu billig, Druck, nur Vorauskasse, fehlendes Impressum

Wenn du in Eile bist (oder ein Kind dringend «genau dieses» Produkt braucht), wirkt ein scheinbar perfektes Angebot besonders verlockend. Nimm dir 30 Sekunden für einen Realitätscheck. Typische Warnsignale:

  • Unrealistisch günstige Preise oder «nur heute»-Druck, der dich zu schnellen Klicks bringen soll.
  • Nur Vorauskasse (Überweisung) oder «Zahlung nur per Link im Chat» – ohne klare Firmenangaben.
  • Kein seriöses Impressum bzw. nur eine E-Mail-Adresse, keine prüfbaren Angaben.
  • Widersprüche (anderer Firmenname in AGB, komische Sprache, unpassende Währung, wechselnde Domains).
  • Kontaktwege wirken falsch (nur Messenger, keine nachvollziehbare Telefonnummer/Adresse, oder extrem drängender Support).

Mini-Checkliste «Fake-Shop? 7 Fragen»

  • 1) Kenne ich den Shop oder wurde er mir nur über Werbung/Popup angezeigt?
  • 2) Ist der Preis im Vergleich zu anderen Anbietern realistisch?
  • 3) Gibt es ein vollständiges, plausibles Impressum (Name, Adresse, Kontakt)?
  • 4) Sind Lieferung, Rückgabe und Kosten transparent beschrieben?
  • 5) Gibt es mehrere sichere Zahlungsarten (z. B. Kreditkarte mit 3-D Secure, Rechnung) statt nur Vorauskasse?
  • 6) Passt die Webadresse (Domain) zum Markennamen – ohne merkwürdige Zusätze?
  • 7) Fühlt sich der Kauf «gedrängt» an (Countdown, drohende Meldungen, Chat-Druck)?

Wenn du bei zwei oder mehr Fragen ein ungutes Gefühl hast: lieber abbrechen, später nochmals prüfen oder bei einem bekannten Händler kaufen.

Abo-Fallen: «gratis Test» wird kostenpflichtig – so stoppst du es

Abo-Fallen verstecken Kosten in Kleingedrucktem oder setzen auf «Testangebote», die automatisch weiterlaufen. Das ist besonders tückisch, wenn du nebenbei in einem Familien-Account klickst oder Kinder/Jugendliche «nur schnell» etwas freischalten wollen.

  • Vor dem Abschluss: Suche aktiv nach Worten wie «Abo», «wiederkehrend», «monatlich», «nach der Testphase». Prüfe den finalen Betrag vor dem Bestätigen.
  • Nach dem Abschluss: Sichere Bestätigungs-E-Mails, Screenshots von Preis/Angebot und prüfe, ob du im Kundenkonto sofort kündigen kannst.
  • Wenn bereits abgebucht wurde: Kontaktiere den Anbieter schriftlich, kündige sofort und widersprich unberechtigten Forderungen. Wenn du über Kreditkarte bezahlt hast, frage deinen Kartenanbieter nach den Möglichkeiten (je nach Fall) einer Rückbuchung.

Wenn Ware nicht kommt: Belege sichern, Zahlungsanbieter kontaktieren

Wenn nach einer Bestellung nichts passiert, hilft ein strukturiertes Vorgehen:

  • Belege sichern: Bestellbestätigung, Zahlungsbeleg, Shop-Seite (Screenshots), E-Mails, Chatverläufe.
  • Fristen setzen: Seriöse Anbieter reagieren auf eine kurze, klare Nachricht mit Frist.
  • Zahlungsanbieter kontaktieren: Je nach Zahlungsart gibt es Verfahren zur Klärung/Anfechtung. Warte nicht zu lange, weil Fristen gelten können.
  • Kontoaktivitäten prüfen: Kontrolliere, ob neben der eigentlichen Zahlung weitere Abbuchungen oder «Testbeträge» auftauchen.

Wenn Geld weg ist: Notfall-Schritte

Auch mit guter Vorsicht kann etwas passieren – und dann zählt Tempo. Je schneller du handelst, desto besser sind die Chancen, weiteren Schaden zu verhindern.

Konto/Karte sperren, Zugangsdaten ändern

  • Sofort handeln: Sperre Karte/Account über die App oder den Support deines Finanzinstituts (je nach Anbieter auch ausserhalb der Öffnungszeiten möglich).
  • Zugangsdaten ändern: Ändere Passwörter (E-Banking, E-Mail, Shops) und aktiviere, wo möglich, eine starke Zwei-Faktor-Authentifizierung. Beginne bei der E-Mail, weil sie oft der Schlüssel zum Zurücksetzen von Passwörtern ist.
  • Geräte prüfen: Wenn du den Verdacht hast, dass dein Gerät kompromittiert ist (z. B. nach Fernzugriffs-Anruf), trenne die Internetverbindung und hol dir Unterstützung von einer IT-Fachperson, bevor du wieder Banking machst.

Anzeige & Meldung in CH 

In der Schweiz kannst du Cybercrime-Fälle online melden/anzeigen. Das hilft dir bei der Dokumentation und unterstützt die Bekämpfung von Betrugswellen:

Halte für die Meldung bereit: Zeitpunkte, betroffene Konten/Nummern, Screenshots, Zahlungsbelege, Links/QR-Codes (falls vorhanden) und den genauen Wortlaut von Nachrichten.

Familie informieren: gleiche Masche in Chats vermeiden

Viele Betrugsmaschen laufen über Familienchats oder über Kontakte, die «gehackt» wurden. Informiere deshalb kurz alle, die betroffen sein könnten:

  • Warnung im Familien-Chat: «Ich habe gerade eine Betrugsnachricht erhalten/leider bezahlt – bitte keine Links öffnen und keine QR-Codes scannen, die angeblich von mir kommen.»
  • Gemeinsame Regel: Zahlungslinks, QR-Codes und «dringende» Geldbitten werden immer kurz telefonisch verifiziert – auch wenn die Nachricht vertraut klingt.
  • Interne Verlinkung für mehr Hintergrund: Viele Angriffe starten heute über SMS oder QR-Codes (Smishing/Quishing). Lies dazu auch unseren Artikel Pishing-Mails können sehr überzeugend wirken und lege dir einen persönlichen Notfallplan zurecht (z. B. Sperrnummern, Zuständigkeiten in der Familie, wichtige Screenshots).

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