Leben > Soziale und digitale MedienSicherheit auf WhatsApp: Datenschutz für Eltern und Kinder Jasmine Helbling Rund 97 Prozent der Jugendlichen unter 19 Jahren tragen ein Smartphone mit sich herum – viele davon versenden Nachrichten über das Internet in alle Welt. Doch wie steht es um die Sicherheit von Nachrichtendiensten wie WhatsApp? Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Kaum ein Jugendlicher sendet heute noch normale SMS. Doch wie sicher sind Nachrichtendienste wie WhatsApp? Foto: MicroStockHub, iStock, Getty Images Plus Diskussionen über Datenschutz und sichere Kommunikation im Internet sind gegenwärtig aktueller denn je. Spätestens seit den Enthüllungen über internationale Überwachung fragen sich viele Familien, wie sicher Informationen von Nutzer:innen heute noch sein können. Auch wenn es wohl kaum jemanden interessieren würde, ob du das Meerschweinchen schon gefüttert hast oder ob du wieder einmal zu spät zum Treffen mit deinem Bruder erscheinst: Über Messenger kommunizieren wir auch Inhalte, die abgesehen vom Empfänger ohne Einwilligung niemanden etwas angehen. Wie können Eltern und Kinder sicherstellen, dass persönliche Daten durch den Messenger auf dem iPhone oder Android nicht an andere Unternehmen gelangen und so privat wie möglich bleiben? Tipps zur Sicherheit der Nachrichten auf WhatsApp Bereits sehr viele 12- bis 19-Jährige haben ein eigenes Smartphone – und damit das Internet ständig in der Hosentasche. Auch wenn du Bedenken hast, was die Sicherheit von Daten auf WhatsApp angeht, ist es meist keine gute Idee, die App vor deinem Kind zu verteufeln oder zu verbieten. Sinnvoller ist es, ruhig zu bleiben, Fragen ernst zu nehmen und gemeinsam Sicherheitsroutinen aufzubauen. Programme oder Apps, die eine Möglichkeit zum «Mitlesen» von WhatsApp-Nachrichten versprechen, sind oft Betrug oder Schadsoftware. Trotzdem lohnt es sich, dein Kind mit Datenschutz vertraut zu machen und ein paar klare Grundregeln für den Messenger-Alltag zu besprechen: ☝ Gib niemals sensible Daten wie Kreditkarten- oder Kontodaten über SMS oder Apps wie WhatsApp weiter ☝ Auch Informationen wie Passwörter, Zugangsdaten oder Wohnadressen solltest du über den Nachrichtendienst nicht versenden. ☝ Überlege dir genau, was du dem Empfänger der Nachricht von dir preisgeben willst. Bilder oder Nachrichten, die heute noch lustig sind, sind dir morgen vielleicht schon peinlich. Kläre dein Kind über Sexting und Grooming auf. Eine einfache Testfrage: «Würdest du dieses Foto auch in der Migros am schwarzen Brett aufhängen?» macht klar, wie öffentlich Daten im Internet sein können. ☝ Erstelle sichere Passwörter und gib diese nicht weiter. ☝ Lass dein Handy nie unbeaufsichtigt liegen und schütze es mit einem Code vor fremder Nutzung oder Zugriff Dritter. ☝ Passe die Account-Einstellungen an, sodass nur deine Kontakte oder sogar niemand dein Profilbild, deinen Status oder die «Zuletzt online»-Anzeige sehen kann. ☝ Die Nutzung der aktuellen Version der App ist sicherer. Führe regelmässig Updates deines Smartphones und des Messengers durch. Datenschutz auf WhatsApp: Verbesserung nach Kritik Das Unternehmen WhatsApp wurde 2009 als kostenlose Alternative zu SMS gegründet und zählt heute nach eigenen Angaben bereits fast eine Milliarde Nutzer. Überrascht vom plötzlichen Erfolg des Messenger-Dienstes nahmen sich die Gründer jedoch zu wenig Zeit für sichere Datenschutzbestimmungen und wurden 2011 erstmals scharf kritisiert. Nachrichten aus Whatsapp-Gruppen und Einzelchats wurden damals im Klartext – also ohne die Verschlüsselung, welche normale SMS beinhalten – versendet und konnten beim Abfangen durch Unbekannte einfach gelesen werden. Dieses kritische Sicherheitslücke spitzte sich zu, als 2012 ein Hacker eine Website gründete, auf der man mithilfe der Telefonnummer eines beliebigen Nutzers dessen Konversationen und Nachrichten einsehen konnte. Überprüfen Sie die Verschlüsselung Ihrer Chats 1 Öffnen Sie einen Chat im WhatsApp-Messenger 2 Klicken Sie auf den Profilnamen Ihres Chatpartners 3 Wenn die Option "Verschlüsselung" aufgezeigt ist, ist Ihr Chat geschützt Auch das Blockieren dieser Website war nur eine kurzfristige Lösung, da bald ein Programm mit denselben Funktionen erschien. Immer wieder ermöglichten es Sicherheitslücken, dass lediglich die Telefon- und Seriennummer eines Smartphones reichten, um auf fremde Konten zugreifen zu können. Das Unternehmen Whatsapp hat reagiert – und 2016 die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von gesendeten Nachrichten eingeführt, um die Sicherheitslücke zu schliessen und die Nutzer zu schützen. Diese Verschlüsselung soll gewährleisten, dass niemand Externes auf die Textnachrichten, Fotos und Videos der User Zugriff hat. Weiterhin nicht gesichert oder verschlüsselt sind jedoch mobile Kontaktdaten der Nutzer, welche sie freiwillig angegeben haben. Dazu gehören Telefonnummer, Anzeigename, Profilbild und Status, welche Whatsapp mit anderen sozialen Unternehmen Facebook oder Instagram abgleichen oder teilen kann. WhatsApp in 5 Minuten sicherer machen Viele Probleme entstehen nicht durch «Hacker-Magie», sondern durch einfache Tricks: Jemand bringt dich dazu, einen SMS-/WhatsApp-Code weiterzugeben, klickt dich auf einen Fake-Link oder nutzt ein verknüpftes Gerät, das du vergessen hast. Diese drei Schritte bringen schnell viel und eignen sich auch, um sie gemeinsam mit deinem Kind durchzugehen. Zwei-Schritt-Verifizierung aktivieren und E-Mail hinterlegen Aktiviere die Zwei-Schritt-Verifizierung in WhatsApp und setze eine PIN. Hinterlege zusätzlich eine E-Mail-Adresse, damit du die PIN zurücksetzen kannst, falls sie vergessen geht. Das ist eine der wirksamsten Massnahmen gegen Kontoübernahmen. Wichtig als Familienregel: Bestätigungscodes (per SMS oder in WhatsApp) und PINs werden niemals weitergegeben – auch nicht an angebliche Support-Stellen, nicht an Freund:innen und nicht «nur kurz», weil jemand Druck macht. Verknüpfte Geräte prüfen und alte Sessions entfernen Prüfe die verknüpften Geräte (z.B. WhatsApp Web/Desktop) und entferne alles, was du nicht kennst oder nicht mehr nutzt. Das ist besonders wichtig nach einem Gerätewechsel, nach Ferien (z.B. Nutzung auf Hotel-/Familiencomputer) oder wenn ihr das Gefühl habt, dass etwas «komisch» ist. Sichtbarkeit einstellen: Profilbild/Status/Zuletzt online nur für Kontakte Stelle Profilbild, Status und «Zuletzt online» mindestens auf «Meine Kontakte». Bei Kindern ist Zurückhaltung besonders sinnvoll: Ein Profilbild in Schuluniform, ein Status mit Klassenname oder Vereinsinfos oder ein öffentlich sichtbarer Online-Status kann unnötig viele Hinweise für Fremde liefern. Überlegt euch auch bei Gruppen: Muss wirklich jede Person im Klassenchat das Profilbild und den Status sehen? Wenn dein WhatsApp-Konto übernommen wurde Eine Kontoübernahme ist belastend, aber du kannst schnell Gegensteuer geben. Typische Anzeichen sind: Du wirst aus WhatsApp ausgeloggt, Kontakte melden «komische» Nachrichten von dir, oder in deinem Namen wird nach Geld, Geschenkkarten, QR-Codes oder Bestätigungscodes gefragt. Sofort: erneut registrieren und PIN setzen Registriere WhatsApp mit deiner Telefonnummer erneut. Häufig wird das Konto dadurch auf deinem Smartphone wieder aktiv und andere Logins verlieren den Zugriff. Setze danach sofort die Zwei-Schritt-Verifizierung (PIN), prüfe verknüpfte Geräte und ändere wenn nötig die Gerätesperre deines Handys. Kontakte warnen und Betrugsnachrichten melden Informiere rasch die wichtigsten Kontakte und Gruppen (Familie, Klasse, Verein), damit niemand auf die Betrugsmasche hereinfällt. Hier ein konkreter Warntext zum Kopieren: Warntext (Copy & Paste): «Achtung: Mein WhatsApp-Konto wurde wahrscheinlich übernommen. Bitte ignoriert Nachrichten von mir, in denen ich um Geld, Geschenkkarten, QR-Codes oder Bestätigungscodes bitte. Klickt keine Links an. Wenn ihr schon reagiert habt: Gebt keine Codes weiter und meldet die Nachricht in WhatsApp als Spam. Ich melde mich wieder, sobald alles geklärt ist.» Melde die betrügerischen Inhalte direkt in WhatsApp (Chat/Profil öffnen und melden) und blockiere den Kontakt, wenn er eindeutig betrügerisch ist. Wenn ein Elternchat betroffen ist, kann eine Admin-Person zusätzlich im Chat kurz darauf hinweisen, dass aktuell Betrugsnachrichten im Umlauf sind und niemand Geld oder Codes schicken soll. Wenn Geld im Spiel ist: Zahlungsweg stoppen + Anzeige Wenn Geld überwiesen wurde oder Zahlungsdaten betroffen sind: Stoppe den Zahlungsweg sofort (Bank/Payment-App/Karte), dokumentiere alles mit Screenshots (Chatverlauf, Telefonnummern, Zahlungsdetails) und melde den Vorfall. In der Schweiz kannst du Cybervorfälle beim Nationalen Zentrum für Cybersicherheit melden: https://www.report.ncsc.admin.ch/. Für eine Anzeige bzw. die formelle Meldung von Cybercrime kannst du zudem diese Meldestelle nutzen: https://www.suisse-epolice.ch/cybercrime-case. Klassenchat/Elternchat: sichere Alternativen und Regeln In Klassen- und Elternchats geht es oft um Organisation, aber auch um Fotos, Listen und sensible Themen. Je grösser die Gruppe, desto wichtiger sind klare Regeln: Sie schützen Privatsphäre, verhindern Stress in der Gruppe und helfen, dass auch Familien ohne WhatsApp gut informiert bleiben. Minimaldatenprinzip Als Faustregel: Teile nur, was für den Zweck des Chats wirklich nötig ist. Oft reicht ein Vorname (oder Vorname + Initial). Verzichte auf Kinderfotos, Adresslisten, Gesundheitsinfos, Ausweiskopien oder Ferienpläne im Gruppenchat. Wenn Fotos sinnvoll sind (z.B. Fundsachen), achte darauf, dass keine Kinder erkennbar sind und keine Namen/Schulinfos mit im Bild oder Text stehen. Mini-«Elternbrief»-Textbaustein Wenn du in einer Klasse/Gruppe Regeln vorschlagen möchtest, kannst du diesen kurzen Text übernehmen und anpassen: Mini-«Elternbrief» (Copy & Paste): «Damit unser Klassen-/Elternchat für alle gut funktioniert, bitten wir um diese Regeln: 1) Wir verwenden nur Vornamen (keine Adressen/Listen). 2) Keine Kinderfotos und keine sensiblen Informationen (z.B. Gesundheit, Konflikte) im Chat. 3) Keine Links/Bitten um Codes oder Geld – bei Unsicherheit kurz telefonisch nachfragen. 4) Ruhezeiten respektieren (z.B. keine Nachrichten nach 20.00 Uhr, ausser Notfall). 5) Wer WhatsApp nicht nutzt, soll Infos trotzdem erhalten (z.B. per E-Mail oder über eine Schulplattform/Threema Education). Danke fürs Mithelfen!»