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Handy für Kinder: Wann dein Kind bereit ist für ein Smartphone – und wie ihr die ersten Regeln gemeinsam festlegt

Wann ist dein Kind bereit fürs erste Handy? Eine konkrete Altersempfehlung gibt es nicht – es hängt von Reife, Begleitung und eurem Alltag ab. Hier findest du wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen, eine praxisnahe Checkliste, ein «Startpaket» für die ersten 30 Minuten mit iOS/Android sowie klare Regeln, damit dein Kind sicher, fair und mit wachsender Selbstständigkeit starten kann.

Wann ist ein Kind bereit fürs erste Handy? Tipps und Regeln für einen sicheren Umgang.
Wann ist ein Kind bereit fürs erste Handy? Tipps und Regeln für einen sicheren Umgang. Bild: Pexels, Andrea Piacquadio

Früher oder später kommt in jeder Familie die Frage auf, wann das Kind ein Handy bekommt – besonders, wenn ältere Geschwister schon eins besitzen oder in der Klasse Gruppen-Chats laufen. Ob ein Smartphone sinnvoll ist, hängt weniger vom Alter ab als davon, ob dein Kind Regeln akzeptieren kann und ob ihr es im Alltag begleiten könnt. Hier bekommst du Orientierung, konkrete Schritte und praxistaugliche Vereinbarungen.

Ab wann darf ein Kind ein Smartphone nutzen?

Ab welchem Zeitpunkt ein Kind bereit fürs erste Smartphone ist, lässt sich pauschal nicht beantworten. Es gibt auch keine konkrete Altersempfehlung für Handys. Wichtig ist, dass dein Kind die Verantwortung für ein solches Gerät übernehmen kann. Als Einstieg kannst du mit deinem Kind Smartphone-Nutzung üben und es so auf die digitale Welt vorbereiten. Entscheidend sind zudem Tagesablauf, Familienkonstellation, Budget, Schulweg sowie deine Haltung als Elternteil.

Soll dein Kind zum Beispiel auf dem Schulweg oder in anderen Situationen erreichbar sein, reicht oft ein Prepaid-Handy ohne Internet. Auch Smartphones lassen sich so einstellen, dass sie nur fürs Telefon benutzt werden können. Wenn du deinem Kind ein altes Smartphone abgeben möchtest, kannst du das Gerät so «verschlanken» und brauchst nicht extra ein «Kinderhandy».

Bereit fürs Handy: Diese Fragen solltest du dir stellen

  • Kann dein Kind schon im Internet surfen?
  • Weiss es, welche Inhalte es sehen darf und welche nicht?
  • Kennt es Sicherheitsregeln, um sich vor Gefahren im Internet zu schützen?
  • Weiss es, was passiert, wenn Inhalte geteilt werden und dass sie nicht mehr so einfach gelöscht werden können?
  • Ist deinem Kind bewusst, dass bei Apps zusätzliche Kosten durch In-App- oder In-Game-Käufe entstehen können?

Wie du Kinder für einen bewussten Umgang im Netz vorbereitest, liest du hier. 

Kinder können in der Oberstufe ein Smartphone haben

In der Oberstufe, ab etwa zwölf Jahren, können viele Kinder Verantwortung für ein Handy übernehmen. Auch ein sicherer Umgang mit Apps und dem Internet ist in diesem Alter oft möglich – wenn du dranbleibst, Regeln klar machst und bei Problemen erreichbar bist. Manche Kinder sind früher bereit, andere später: Entscheidend ist nicht, «was alle haben», sondern wie gut dein Kind Absprachen einhält und wie stabil der Alltag damit bleibt.

Was tun, wenn dein Kind noch nicht bereit ist?

Wenn du findest, dein Kind sei noch nicht bereit, darfst du zu diesem Entscheid stehen – auch wenn es unangenehm ist. Gruppendruck ist ein häufiges Argument: «Alle anderen haben aber ein Handy!» Sharmila Egge vom Verein für Medienkompetenz zischtig.ch erklärt: «Im ersten Schritt solltest du unbedingt überprüfen, wer denn 'alle anderen Kinder' wirklich sind – oft sind es ja längst nicht alle». Wenn du beim Nein bleibst, hilft eine klare Begründung: Was fehlt noch (zum Beispiel Regeln einhalten, Frusttoleranz, Umgang mit Konflikten)? Und wie kann dein Kind Reife zeigen? Mehr dazu liest du hier.

Wenn ihr euch für ein Handy entscheidet, heisst es üben, üben, üben. «Dann muss man erst als Eltern bereit sein, das Kind bei der Mediennutzung zu begleiten und dann Regeln aufstellen», rät Sharmila Egger. Wie das im Alltag aussieht, steht weiter unten.

Alternative für Kinder: Familientablet statt Handy

Du willst deinem Kind noch kein Handy geben, es aber trotzdem gewisse Apps und Funktionen nutzen lassen? Eine beliebte Alternative ist ein Familien-Tablet. So können Kinder zum Beispiel in Whatsapp-Gruppen mit Freunden in Kontakt bleiben und verlieren nicht den Anschluss, brauchen aber kein eigenes Gerät.

Checkliste «Ist mein Kind bereit?» 

Viele Familien merken: Ein Smartphone ist weniger ein «Gerät», sondern ein Stück neuer Alltag – mit Kommunikationsdruck, Gruppenchats, Bildern, Spielen, Kosten und Konflikten. Die folgenden Punkte helfen dir, die Bereitschaft einzuschätzen. Je mehr du mit «ja» beantworten kannst, desto besser sind die Startbedingungen.

Reife-Signale 

  • Absprachen halten: Dein Kind kann Regeln bei Hausaufgaben, Schlafenszeiten oder Medienzeiten grundsätzlich einhalten – auch wenn du nicht dauernd kontrollierst.
  • Frust aushalten: Ein «Nein» (zum Beispiel keine App, kein neues Spiel, kein zusätzlicher Screen-Time-Boost) führt nicht regelmässig zu Eskalation.
  • Konflikte ansprechen: Dein Kind traut sich, dir Unangenehmes zu erzählen (zum Beispiel Stress im Klassenchat, verletzende Nachrichten, komische Anfragen).
  • Verantwortung für Dinge: Es passt auf Schlüssel, ÖV-Abo, Sportzeug oder Velo-Licht auf – nicht perfekt, aber zunehmend zuverlässig.
  • Grundverständnis für Privatsphäre: Es versteht, dass Fotos/Chats nicht «privat» bleiben müssen, auch wenn sie «nur an Freunde» gehen.

Schul- & Freizeit-Setup 

  • Schulweg: Braucht ihr Erreichbarkeit wegen Weg, ÖV-Umsteigen, Nachmittagsbetreuung oder getrennten Haushalten? Dann kann ein Handy vor allem ein Sicherheits- und Organisations-Tool sein.
  • Vereine und Trainings: Ändern Trainingszeiten, Treffpunkte oder Heimwege oft kurzfristig? Ein simples Kommunikationsgerät kann den Alltag spürbar entspannen.
  • Klassenchat: Viele Konflikte entstehen weniger «im Internet» allgemein, sondern konkret in Klassen- oder Gruppen-Chats. Wichtig ist, dass du mit deinem Kind vorab besprichst: Was ist normaler Lärm – und wann ist es Mobbing oder Ausgrenzung?
  • Notfallwissen: Dein Kind weiss, wie es Hilfe holt (Anruf bei dir, Vertrauensperson, im Zweifel Notruf). Speichert gemeinsam die 147 ein: Die Beratung von Pro Juventute ist rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich erreichbar, und der Anruf erscheint nicht auf der Telefonrechnung [6].

Kosten & Verantwortung

  • Kosten sind verständlich erklärt: Dein Kind weiss, dass Daten, In-App-Käufe, Abos und Streaming Kosten verursachen können – und was bei euch erlaubt ist.
  • Klarheit bei Schäden: Ihr habt vorab besprochen, was bei Verlust/Displaybruch gilt (zum Beispiel Reparatur-Beteiligung, eine Zeit ohne Gerät, Ersatz erst später).
  • Versicherung realistisch einschätzen: Eine Versicherung ersetzt nicht die nötige Sorgfalt. Wichtiger als «alles absichern» ist ein robuster Schutz (Hülle, Panzerglas) und klare Regeln für unterwegs.

Das «Startpaket» in 30 Minuten 

Die ersten Einstellungen entscheiden oft darüber, ob ein Smartphone im Alltag entlastet oder ständig Streit produziert. Plane den Start wie ein kleines Projekt: 30 Minuten zusammen hinsetzen, alles einrichten, und danach für 3–6 Monate bewusst begleiten. 

5 Muss-Settings 

  • 1) Jugendschutz/Family Controls aktivieren: iOS «Bildschirmzeit» oder Android «Family Link» so einrichten, dass App-Installationen und Käufe nicht einfach nebenbei passieren.
  • 2) Downtime/Schlafenszeit: Lege Zeiten fest, in denen nur Telefonieren/Notfallkontakte gehen (zum Beispiel ab Abendroutine bis morgens). Das hilft Schlaf und reduziert nächtliche Chat-Dynamik.
  • 3) App-Store- und In-App-Käufe sperren: Keine Käufe ohne Code. Das verhindert ungewollte Ausgaben und reduziert Konflikte. Welche Einstellungen wirklich greifen, zeigt der Ratgeber zu In-App-Käufen und Abos.
  • 4) Standort bewusst regeln: Standortfreigaben nur, wenn ihr einen klaren Zweck habt (zum Beispiel Schulweg) und transparent vereinbart, wann du nachschaust. Dauerüberwachung schadet Vertrauen und verhindert nicht automatisch Risiken.
  • 5) Kommunikationsregeln direkt im Gerät umsetzen: Unbekannte Kontakte einschränken, Privatsphäre-Einstellungen prüfen, Benachrichtigungen reduzieren (weniger «Dauer-Ping» = weniger Stress).

Erste Apps: Messaging, ÖV/Schulweg, Lern-/Kreativapps – Kriterien statt Markenliste

Wähle die ersten Apps nicht nach Hype, sondern nach Kriterien. Du kannst mit deinem Kind eine kurze «App-Prüfung» machen:

  • Wozu brauchen wir die App konkret? (Kontakt, Organisation, Lernen, Kreativität)
  • Welche Daten verlangt sie? Braucht sie Standort, Kontakte, Mikrofon?
  • Wie sieht das Geschäftsmodell aus? Kostenlos heisst oft: Daten oder Kaufdruck.
  • Gibt es Altersfreigaben und passen sie zu deinem Kind?
  • Welche Einstellungen müssen wir vor dem Start setzen? (Privatsphäre, Chat-Anfragen, Kommentare)

Praktisch im Schweizer Alltag sind häufig: ein Messenger für Familie, eine Lösung für Schul- oder Vereinsorganisation (wenn nötig) und 1–2 Lern- oder Kreativapps, die dein Kind wirklich nutzt. Weniger ist am Anfang fast immer mehr.

Familienregeln zum Mitwachsen 

Viele Konflikte entstehen, wenn ein Smartphone «alles auf einmal» wird. Ein Stufenplan macht es fair und nachvollziehbar:

  • Phase 1 (erste 2–4 Wochen): Basisfunktionen, wenige Apps, klare Zeiten, gemeinsame Kontrolle der Einstellungen. Ziel: Routine und Verlässlichkeit.
  • Phase 2 (Monat 2–3): Mehr Eigenverantwortung, punktuelle Erweiterung (eine neue App nach gemeinsamer Prüfung). Ziel: Absprachen einhalten ohne Dauerstreit.
  • Phase 3 (Monat 4–6): Schrittweise mehr Privatsphäre und mehr Freiheiten – gekoppelt an Reifezeichen (zum Beispiel respektvoller Umgang im Chat, Handy nachts ausserhalb des Zimmers, keine heimlichen Käufe).

Mini-Vorlage: Familienvereinbarung 

Eine kurze Vereinbarung wirkt oft besser als ständige Diskussionen. Wichtig: Sie ist kein Misstrauensbeweis, sondern eine Orientierung – und sie wird regelmässig überprüft.

Orte, Zeiten, Inhalte 

  • Handyfreie Orte: zum Beispiel Esstisch und Schlafzimmer.
  • Handyfreie Zeiten: zum Beispiel Morgenroutine, Hausaufgabenzeit (wenn es nicht fürs Lernen gebraucht wird) und ab einer fixen Uhrzeit vor dem Schlafen.
  • Altersgerechte Inhalte: Keine gewaltverherrlichenden oder pornografischen Inhalte. Keine Weiterleitung von problematischen Inhalten – auch «aus Spass» nicht.
  • Fotos/Videos: Keine Fotos von anderen ohne Einverständnis. Keine peinlichen Bilder weiterleiten.
  • Klassenchat: Keine Teilnahme an Ausgrenzung, kein Lästern, kein Weiterleiten von Screenshots, die andere verletzen.

Was passiert bei Regelbruch? 

Konsequenzen sind am wirksamsten, wenn sie vorher klar sind, zeitlich begrenzt und zum Verhalten passen. Beispiele:

  • Bei heimlichen Käufen: Kauf wird gemeldet, Rückerstattung versuchen, danach Kauf-Sperre und Taschengeld-Regelung klären.
  • Bei zu viel Bildschirmzeit: Für eine Woche strengere Zeiten und gemeinsam prüfen, was die Zeit «zieht» (Push-Nachrichten, Spiele, Autoplay).
  • Bei respektlosem Verhalten im Chat: Entschuldigung, Wiedergutmachung, und eine Zeitlang keine Gruppen-Chats oder nur zu definierten Zeiten.

Wenn du unsicher bist, was angemessen ist: Ziel ist nicht Strafe, sondern Lernen. Das Handy ist ein Trainingsfeld für Selbstregulation – und dafür braucht es Leitplanken.

Erstes Handy: Grundregeln und Tipps

Worauf kannst du achten, wenn dein Kind das erste Smartphone bekommt? Kinder und Jugendliche wissen am Anfang oft nicht, wo sie vorsichtig sein müssen. Umso wichtiger ist ein ruhiger Start, klare Regeln und das Signal: «Du darfst zu mir kommen, auch wenn etwas schiefgelaufen ist.»

Darauf musst du achten, wenn dein Kind ein Handy bekommt

Erkläre deinem Kind die wichtigsten Punkte rund um die Handynutzung. Mach einen Crash-Kurs und kläre folgende Fragen:

  • Welche Apps dürfen heruntergeladen werden?
  • Welche Inhalte sind altersgerecht?
  • Wie erstellt man ein Profil auf Social Media?

Sharmila Egger resümiert: «So oft sehe ich auf Portalen Profile mit echtem Namen und die Kinder haben keinen Plan, worauf sie achten müssten.» Überprüfe, dass dein Kind altersgerechte Inhalte konsumiert, und weise auf Datenschutz hin. In den Einstellungen lässt sich der Jugendschutz aktivieren.

Achte darauf, welche Inhalte dein Kind konsumiert.
Achte darauf, welche Inhalte dein Kind konsumiert. Bild: Pexels August de Richelieu

Das erste Handy für Kinder: die Grundregeln

Stelle beim ersten Handy für dein Kind klare Bestimmungen auf. «Kinder brauchen Regeln. Eltern sollten die Apps auf dem Smartphone zunächst einmal gemeinsam mit den Kindern erkunden und bei der Anmeldung helfen», empfiehlt Sharmila Egger.

1 Bildschirmzeit festlegen

In den Einstellungen lässt sich beispielsweise eine konkrete Bildschirmzeit für jede App festlegen. Du kannst durchaus prüfen, welche Inhalte dein Kind im Internet konsumiert. Sei aber offen darüber und spioniere dein Kind nicht aus – auch Kinder brauchen Privatsphäre. Wissenschaftlich wird bei Medienregeln zunehmend betont, dass nicht nur «Minuten zählen» wichtig ist, sondern auch Inhalte, Timing (zum Beispiel vor dem Schlafen) und ob das Handy andere Schutzfaktoren verdrängt (Bewegung, Schlaf, reale Kontakte). 

So lange dürfen Kinder am Smartphone sein

Wie lange dürfen Kinder ans Handy? Medienexpertin Sharmila Egger empfiehlt Folgendes:

  • Bei 6- bis 9-Jährigen sollten es nicht mehr als 5 Stunden Bildschirmzeit pro Woche sein. (40 Minuten am Tag)
  • 10- bis 12-Jährige sollten pro Woche nicht mehr als 10 Stunden vor dem Handybildschirm verbringen. (1 Stunde 20 Minuten täglich)
  • 13- bis 14-Jährige dürfen etwa 15 Stunden die Woche am Bildschirm verbringen. (2 Stunden täglich)

Das sind Orientierungswerte einer Fachperson, keine amtliche Vorgabe. Feste Minutenzahlen lösen selten das eigentliche Problem: Entscheidend sind Inhalte, Tageszeit und ob das Handy Schlaf, Bewegung und reale Kontakte verdrängt. Wenn die Zeitfrage bei euch regelmässig eskaliert, hilft eher ein anderes Vorgehen als eine neue Zahl – so kommt ihr aus der Streitspirale.

2 Im Gespräch bleiben

So sagt Sharmila Egger: «Hilfreich ist es auch, über die Smartphone-Nutzung im Gespräch zu bleiben.» Dein Kind muss dir vertrauen können und Probleme wie Cybermobbing, App-Käufe oder Unsicherheiten ansprechen dürfen, ohne zuerst Ärger zu bekommen.

3 Was gilt rechtlich in der Schweiz?

Der Vertrag läuft über dich. Minderjährige sind rechtlich handlungsunfähig und können Verpflichtungen nur mit Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters eingehen [2]. Ein Handy-Abo oder eine Prepaid-Karte läuft deshalb bis zur Volljährigkeit in aller Regel auf dich. Eine gesetzliche Altersgrenze von 16 Jahren, wie sie oft genannt wird, gibt es nicht – ab welchem Alter ein Angebot offensteht, legen die Anbieter in ihren Bedingungen fest.

Mindestalter bei Apps sind Nutzungsbedingungen, kein Gesetz. Die oft genannten 13 Jahre bei sozialen Netzwerken und Messengern stehen in den AGB der Anbieter. Sie unterscheiden sich je nach Dienst, werden beim Anmelden nur abgefragt und nicht überprüft – und die Anbieter ändern sie immer wieder. Verlass dich also nicht darauf.

Pornografie: Die Strafnorm richtet sich an die, die weitergeben. Verboten ist es, Personen unter 16 Jahren pornografische Darstellungen zugänglich zu machen, sie ihnen zu zeigen oder zu überlassen [1][4]. Strafbar macht sich also, wer solche Inhalte weiterreicht – nicht das Kind, das darauf stösst. Anders bei Darstellungen sexueller Handlungen mit Minderjährigen oder Tieren: Hier sind auch Beschaffen, Besitz und Konsum strafbar [1][4].

Extreme Gewaltdarstellungen – grausame Gewalttätigkeiten, welche die Menschenwürde schwer verletzen – sind unabhängig vom Alter verboten, und zwar auch das blosse Konsumieren und Besitzen [1]. Das betrifft genau die Videos, die in Gruppenchats herumgereicht werden.

Weiterleiten ist keine Entlastung. Wer öffentlich zu Hass oder Diskriminierung aufruft oder Menschen wegen Rasse, Ethnie, Religion oder sexueller Orientierung in einer die Menschenwürde verletzenden Weise herabsetzt, macht sich strafbar [1]. Das gilt auch für Jugendliche. Sag deinem Kind: «Ich hab es nur weitergeleitet» schützt nicht.

Neu seit 2025: Das Bundesgesetz über den Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele (JSFVG) ist seit dem 1. Januar 2025 teilweise in Kraft [3]. Es soll schweizweit einheitliche Alterskennzeichnungen und Alterskontrollen für Filme und Videospiele bringen, und zwar über Regelungen, welche die Branchen selbst erarbeiten und die anschliessend für verbindlich erklärt werden [3]. Erfasst sind auch Plattformdienste, auf die Nutzerinnen und Nutzer selbst Filme oder Videospiele hochladen [3]. Ein Teil der Bestimmungen ist allerdings noch nicht in Kraft; der Bundesrat setzt sie gestaffelt in Kraft [3]. Und: Für Messenger, soziale Netzwerke und Apps allgemein gilt das Gesetz nicht. Rechne also vorerst nicht damit, dass eine staatliche Alterskontrolle dir die Begleitung abnimmt.

4 Handy weg: Du bist Vorbild

Viele Erwachsene nutzen ihr Handy im Alltag sehr häufig – und wirken für Kinder als Vorbild. Spätestens seit der Home-Office-Zeit sehen schon Kleinkinder, dass Eltern das Handy oft bei sich haben und telefonieren oder chatten. Offene Kommunikation ist hier wichtig: Du darfst ehrlich sagen, dass es dir manchmal selbst schwerfällt, das Handy wegzulegen. So könnt ihr als Familie handyfreie Zeiten vereinbaren, in denen weder Erwachsene noch Kinder am Bildschirm sind. Über Quality Time freuen sich schliesslich alle Familienmitglieder.

5 Datenschutz: Kinder und Jugendliche auf Social Media 

Datenschutz ist für Kinder und Jugendliche besonders wichtig – deine Aufgabe ist es, aufzuklären und dranzubleiben. Weil Kinder und Jugendliche früh mit Social Media in Kontakt kommen, lohnt sich ein wiederkehrendes Gespräch über Datenschutz, Privatsphäre und Online-Reputation. Sharmila Egger sagt dazu: «Bei der Verkehrssicherheit lernen Kinder das sichere Überqueren der Strasse. Genauso brauchen Kinder auch eine Unterstützung beim Umgang mit Apps.» Wichtig ist, dass dein Kind versteht, was es heisst, Inhalte im Internet zu veröffentlichen. Mehr zum Thema Onlineimage.

Extra wichtig: Stress durch Chats und Social Media früh abfedern

Viele Eltern unterschätzen, wie stark Gruppenchats den Tag strukturieren können: Benachrichtigungen, Insider-Witze, Streit, Druck, «online sein müssen». Ein wirksamer Schutz ist weniger «Verbieten», sondern ein Setup, das Ruhe ermöglicht: Benachrichtigungen reduzieren, Nachtmodus/Downtime, klare Pausen, und die Regel «Wenn dich etwas stresst oder Angst macht, kommst du zu mir – du bekommst nicht zuerst Ärger». 

Cybermobbing, Sexting und Grooming: die drei Themen, die zählen

Mit dem ersten Handy wird dein Kind erreichbar – auch für Menschen und Inhalte, die ihm nicht guttun. Diese drei Themen sprichst du besser an, bevor etwas passiert. Nicht als Drohkulisse, sondern damit dein Kind weiss, was es tun kann.

Cybermobbing

Vorbeugen heisst vor allem: Dein Kind versteht Gruppendynamiken, weiss, was Cybermobbing für Betroffene bedeutet, und kennt Anlaufstellen für den Ernstfall – auch anonyme wie die Schulsozialarbeit. Wichtig ist die Zusage, dass es zu dir kommen darf, ohne zuerst Ärger zu bekommen. Woran du erste Anzeichen erkennst, liest du hier.

Sexting

Beim Sexting tauschen Jugendliche selbst produzierte erotische Bilder oder Texte aus. Einvernehmlich ist das nicht automatisch strafbar: Alle Beteiligten müssen einverstanden sein, sich persönlich kennen, es darf kein Entgelt fliessen, und ist eine beteiligte Person minderjährig, darf der Altersunterschied höchstens drei Jahre betragen [4]. Heikel wird es beim Weiterleiten.

Wenn ein Bild deines Kindes kursiert, gilt: keine Screenshots machen. Sexualisierte Darstellungen von Minderjährigen sind grundsätzlich strafbar, selbst wenn sie als Beweismaterial gedacht sind – wende dich stattdessen an die Polizei, sie kümmert sich um die Dokumentation [4]. Reagiere ohne Vorwürfe; Scham und Unsicherheit sind meist gross [4]. Ausführlich: Sexting, Nacktbilder und Sextortion.

Cybergrooming

Von Cybergrooming spricht man, wenn eine erwachsene Person im Internet Kontakt zu Minderjährigen aufnimmt mit dem Ziel, dass es zu sexuellen Handlungen kommt [5]. Das kann überall dort passieren, wo Kinder und Jugendliche online erreichbar sind: in sozialen Netzwerken, Chat-Foren oder Online-Games [5]. Täter geben sich als Gleichaltrige aus oder erschleichen sich auf andere Weise Vertrauen [5]. Dein Kind soll einen Satz sicher wissen: Es ist nie schuld, wenn etwas passiert [5]. Mehr dazu: Cyber-Grooming erkennen und vorbeugen.

Wo dein Kind Hilfe bekommt

Richtet die Anlaufstellen ein, solange nichts los ist. Die Nummer 147 von Pro Juventute ist rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich erreichbar – per Telefon, WhatsApp oder E-Mail; Anrufe erscheinen nicht auf der Telefonrechnung [6]. Daneben stehen die Schulsozialarbeit, die nationale Plattform Jugend und Medien des Bundes [5] und, bei Straftaten, die Polizei zur Verfügung. Entscheidend ist, dass dein Kind mehr als eine Tür kennt.

Das richtige Handymodell: Wofür braucht dein Kind ein Smartphone?

Wofür dein Kind ein Handy benutzen möchte, spielt bei der Wahl des Modells eine grosse Rolle. Geht es darum, dass dein Kind erreichbar ist und du es in Sicherheit weisst? Dann reicht ein Handy zum Telefonieren. Vielleicht will dein Teenie aber auch kreativ sein und Fotos oder Videos erschaffen – hier kannst du aber darauf hinweisen, dass Fotos nur im Freundeskreis geteilt werden dürfen und dass andere Personen vorher gefragt werden müssen. Sprich mit deinem Kind über das Budget: Das erste Handy muss nicht das Neueste und Teuerste sein. Anfangs reicht vielleicht ein älteres Modell für unter 100 Franken. Je nach Bedürfnis ändert sich auch die Frage nach dem Tarif. Ist es wichtig, dass dein Kind kostenlos telefonieren kann? Oder braucht es mobiles Internet? Solche Fragen solltet ihr vorher klären.

Kinderhandy – Kosten und Tarife

Das erste Handy ist mit Anschaffungskosten und Tarifkosten verbunden – dein Kind sollte das verstehen. Zeig deinem Kind, wie Kosten im Zusammenhang mit dem Handy entstehen. Besprecht die Art des Smartphones und die des Tarifs. Handys gehen kaputt und es gibt auch mal einen zerbrochenen Bildschirm – erkläre, dass dein Kind für den Gegenstand mitverantwortlich ist und darauf aufpassen muss. Geht das Gerät kaputt, könnte dein Kind zum Beispiel die Reparatur aus eigenen Ersparnissen mitbezahlen (alters- und familiengerecht geregelt).

Medienkompetenz mit dem Verein zischtig.ch

Der Verein zischtig.ch arbeitet zum Thema Medienkompetenz mit Schulklassen und Elterngruppen und ist in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und Sozialarbeitenden tätig. Medienpädagogin Sharmila Egger, die in diesem Artikel zu Wort kommt, veröffentlicht auch auf Familienleben.ch. Es ist eines von mehreren Schweizer Angeboten: Daneben stehen dir die nationale Plattform Jugend und Medien des Bundes [5] und die Beratung 147 von Pro Juventute [6] offen.

Mehr zu zischtig.ch und weitere Artikel von Sharmila Egger. 

Quellen

  1. Schweizerisches Strafgesetzbuch (StGB), SR 311.0, Art. 135, Art. 197 und Art. 261bis. Fedlex, Stand 1. Januar 2026. fedlex.admin.ch (abgerufen am 7. August 2026).
  2. Schweizerisches Zivilgesetzbuch (ZGB), SR 210, Art. 17 und Art. 19. Fedlex, Stand 1. Januar 2026. fedlex.admin.ch (abgerufen am 7. August 2026).
  3. Bundesgesetz über den Jugendschutz in den Bereichen Film und Videospiele (JSFVG), SR 446.2, Art. 2, 4, 9–12 und 41. Fedlex, Stand 1. Januar 2025. fedlex.admin.ch (abgerufen am 7. August 2026).
  4. Jugend und Medien, nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenzen (Bundesamt für Sozialversicherungen): Pornografie und Sexting. jugendundmedien.ch (abgerufen am 7. August 2026).
  5. Jugend und Medien, nationale Plattform zur Förderung von Medienkompetenzen (Bundesamt für Sozialversicherungen): Sexuelle Übergriffe. jugendundmedien.ch (abgerufen am 7. August 2026).
  6. Pro Juventute: Beratung + Hilfe 147. 147.ch (abgerufen am 7. August 2026).

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