Leben > Soziale und digitale MedienKinder im Internet: Tipps für den richtigen Umgang im Netz Jenny Wagner Schon die Kleinsten können heute ein Smartphone, Tablet oder Computer bedienen. Doch bedienen heisst nicht verstehen: Sicheres Surfen im Netz will gelernt sein. Du begleitest dein Kind am besten aktiv im Umgang mit dem Internet. Dabei helfen Gespräche über Werbung, Datenschutz und Gefahren im Netz. Spezielle Kinder-Browser und Kinderschutzprogramme sorgen für ein sichereres Onlineerlebnis. Medienexpertin Sharmilla Egger zeigt auf, worauf du achten kannst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Sicheres Verhalten im Netz muss geübt werden. Bild: Pexels, Marta Wave Ohne Internet geht es heute kaum mehr. Das gilt auch für Kinder. Vieles findet online statt: Digitaler Unterricht, Recherche für die Ufzgi, Zeitvertreib mit Games, Apps oder Streaming-Angeboten wie Youtube- oder Netflix-Kids. Doch es lauern auch Risiken im Netz, mit denen Kinder den Umgang erst noch lernen müssen. Als Elternteil ist es wichtig, den Nachwuchs für Themen wie Datenschutz und Werbung zu sensibilisieren. Dabei helfen klare Regeln, passende Geräteeinstellungen und ein verlässliches «Du kannst jederzeit zu mir kommen», wenn etwas komisch, peinlich oder beängstigend ist. Ab wann Kinder ins Internet dürfen Dürfen schon die Kleinsten online gehen? Ab wann Kinder ins Internet dürfen, ist nicht von einem bestimmten Alter abhängig, sondern von anderen Faktoren, erklärt Sharmila Egger, Psychologin und Beraterin von zischtig.ch. «Dem Reifegrad des Kindes selbst, der Bereitschaft der Eltern sowie der Intention des Kindes.» Fotos an Familienmitglieder versenden, wird schon im Vorschulalter möglich sein. Recherchen hingegen sollten im Primarschulalter vorerst nur in Begleitung der Eltern geschehen. Auch bei geübten Surfer:innen hilft es, wenn du im Gespräch bleibst und ungefähr weisst, was dein Kind online macht (ohne es dauernd zu kontrollieren). Denn auch wenn Kinder schon Tablets und Smartphones bedienen, bevor sie sprechen können, heisst das nicht, dass sie die Vorgänge auch verstehen, betont Sharmila Egger: «Es lauern Kostenfallen, komische Kontaktanfragen, nicht altersadäquate Filme – hier brauchen Kinder erwachsenen Rat.» Wie lange dürfen Kinder ins Internet? Wie lange Kinder online sein dürfen, ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Kinder nutzen das Internet je nach Entwicklungsstand, Alter und Interessen anders. Dementsprechend variiert die Bildschirmzeit. Trotzdem sollte irgendwann Schluss sein. Als Orientierung dienen laut Expertin Sharmila Egger folgende Richtwerte: Bei Sechs- bis Neunjährigen sollten es nicht mehr als fünf Stunden Bildschirmzeit pro Woche sein. Zehn- bis Zwölfjährige sollten pro Woche nicht mehr als zehn Stunden vor dem Bildschirm verbringen – die Zeit am Smartphone zählt hierbei dazu. Gefahren im Internet: Tipps für Eltern Im Internet lauern verschiedene Gefahren und Risiken für Kinder. Du kannst dein Kind sensibilisieren und gewisse Vorsichtsmassnahmen treffen – am wirksamsten ist meist die Kombination aus Technik (Einstellungen) und Beziehung (Gespräche, Vertrauen, klare Regeln). 1 Private Daten und Onlineimage: Datenschutz für Kinder Apps, Soziale Netzwerke, Gewinnspiele und Co. scheinen auf den ersten Blick kostenlos, bei näherer Betrachtung erkennt man, dass Personen mit persönlichen Daten bezahlen – auch Kinder. «Oft sehe ich Profile mit dem echten Namen und anderen sensiblen Informationen – die Kinder haben keinen Plan, worauf sie achten müssten», erzählt Sharmilla Egger aus ihrem Arbeitsalltag. Kinder müssen den Umgang mit privaten Daten lernen. Wie Eltern sie dabei unterstützen, erklären die Experten von zischtig.ch hier. Einer der wichtigsten Tipps: Kinder sollten im Internet einen Spitz- oder Fantasienamen benutzen. Auch eine zweite Emailadresse kann helfen, um nicht von Newslettern oder Werbung zugespamt zu werden. Beim Datenschutz wird auch das Onlineimage Thema. Das Netz vergisst nie: Kein falsches Posting oder unvorteilhaftes Profilbild. Wie du deinem Kind hilfst, ein gutes Onlineimage zu pflegen, liest du hier. 2 Ungeeignete Inhalte für Kinder: Pornografie, Gewalt und Mobbing Pornografische Inhalte, Gewaltszenen und (rassistische) Hetze sind für Kinder ungeeignet und sollten nicht von Kindern konsumiert werden. Diese Inhalte können Kinder verstören. In der Realität ist es manchmal aber nicht so einfach, diese Seiten zu blockieren. Falls du eine Seite findest, die nicht kindgerecht ist, kannst du diese bei verschiedenen Webseiten melden. Achtung: Mit solchen Inhalten werden Kinder nicht nur beim Surfen konfrontiert, sondern oft auch in Chats. Auch hier ist es also wichtig, dass du das Gespräch suchst mit deinem Kind. 3 Kostenfallen, Produktplatzierungen und Werbung: so wird’s konkret Werbung beeinflusst schon Kinder: Kritisches Hinterfragen ist darum wichtig. Apps und soziale Netzwerke schalten benutzerdefinierte Werbung – auch hier spielt also der Datenschutz eine wichtige Rolle. Influencer auf YouTube, Instagram, TikTok und Co. werben ebenfalls für Produkte, wodurch auch junges Publikum beeinflusst wird. Werbung muss mittlerweile als solche kenntlich gemacht werden. Auf Social Media ist dies aber oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Kinder müssen lernen, dass nicht jede Empfehlung von Influencer:innen wirklich eine persönliche Empfehlung ist. Sharmila Eggers Tipp: «Diskutieren Sie schon mit kleineren Kindern über Werbung am Fernseher diskutieren – zum Beispiel über die präsentierten Rollenbilder.» Wenn du merkst, dass Werbung oder Kaufdruck bei euch ein Thema ist, lohnt es sich, zwei Dinge zu trennen: (1) Wie erkenne ich Werbung? (2) Wie verhindere ich, dass aus «nur kurz spielen» plötzlich Geld weg ist? Kostenfallen & In-App-Käufe In-App-Käufe sind oft so gestaltet, dass sie schnell gehen: Ein Klick auf «Diamanten», «Skins» oder «Extra-Leben» – und schon ist gekauft. Kinder können dabei den realen Geldwert schlecht einschätzen, besonders wenn Käufe mit Spielwährung, Countdown oder Gruppendruck gekoppelt sind. Darum ist nicht nur «Erklären», sondern auch «Absichern» wichtig. iPhone/iPad: «Kauf anfordern» & Bildschirmzeit-Einschränkungen Auf iPhone/iPad kannst du Käufe sehr wirksam über die Geräteeinstellungen absichern. Eine praxistaugliche Kombination ist: Käufe nur nach Freigabe durch dich und zusätzlich klare Einschränkungen in der Bildschirmzeit. Öffne «Einstellungen» > «Bildschirmzeit» und richte sie (falls noch nicht geschehen) für das Gerät ein. Aktiviere einen «Bildschirmzeit-Code», damit dein Kind Einstellungen nicht einfach zurücksetzen kann. Gehe zu «Beschränkungen» bzw. «Inhalte & Datenschutz» und aktiviere die Beschränkungen. Setze bei «iTunes & App Store Käufe» In-App-Käufe auf «Nicht erlauben» oder so, dass immer eine Bestätigung nötig ist. Wenn ihr Familienfreigabe nutzt: Aktiviere «Kauf anfordern», damit App- und In-App-Käufe erst nach deiner Freigabe möglich sind. Praxis-Tipp: Teste die Einstellungen einmal bewusst, indem du selbst in einer App einen Kaufversuch startest (ohne zu bestätigen). So siehst du, ob wirklich eine Sperre oder Freigabe greift. Android: Käufe nur mit Authentifizierung Auf Android-Geräten kannst du im Play Store einstellen, dass Käufe nur mit Authentifizierung möglich sind (z.B. Passwort, Fingerabdruck). Das reduziert «Ausrutscher-Käufe» stark – auch dann, wenn dein Kind dein Handy kurz in der Hand hat. Öffne den «Google Play Store». Gehe zu «Einstellungen» und suche die Option für «Authentifizierung». Aktiviere «Authentifizierung für Käufe erforderlich» und wähle «Für alle Käufe» (nicht nur für eine kurze Zeitspanne). Prüfe zusätzlich in Google Family Link (falls genutzt), welche Käufe und App-Installationen erlaubt sind. Wichtig: Wenn du dein Gerät entsperrt abgibst, ist die «Kauf-Authentifizierung» die zweite, entscheidende Barriere. Familienregel: keine Kreditkarte speichern / nur mit Eltern zusammen kaufen Technik hilft – noch besser wird’s mit einer einfachen Familienregel, die alle verstehen: In-App-Käufe ohne Stress Keine Zahlungsdaten im Kinderprofil speichern (wenn möglich). Gekauft wird nur gemeinsam: Kind fragt, du schaust mit, ihr entscheidet zusammen. Wenn ihr etwas kaufen wollt: zuerst Preis in Franken anschauen und laut aussprechen («Das kostet 5.90 Franken»), dann erst entscheiden. Ein fixes Monatsbudget kann Konflikte reduzieren (wenn du das möchtest): Was übrig bleibt, bleibt übrig – kein Nachschiessen. Wenn doch etwas passiert: ruhig bleiben, Belege sichern, sofort Einstellungen prüfen und besprechen, wie ihr es künftig verhindert. «Kostenlos» ist oft bezahlt - mit Daten Viele Spiele und Apps sind gratis installierbar, verdienen aber an Werbung, Tracking oder In-App-Käufen. Für Kinder ist das schwer zu durchschauen, weil «kostenlos» sich wie «harmlos» anfühlt. Darum lohnt es sich, Datenschutz als Teil von Medienerziehung zu sehen: Es geht nicht darum, Angst zu machen – sondern dein Kind handlungsfähig zu machen. Welche Daten fliessen typischerweise? Je nach App können unter anderem diese Daten interessant sein: Standortdaten (genau oder ungefähr), z.B. für lokale Werbung oder Standortfunktionen Kontakte (Adressbuch), z.B. um «Freund:innen finden» anzubieten Kamera/Mikrofon, z.B. für Chats, Videos oder Spielefunktionen Geräte- und Nutzungsdaten (wie lange, wie oft, welche Klicks) Werbe-ID bzw. Identifier, damit Werbung personalisiert und über Apps hinweg zugeordnet werden kann Prüfe darum bei der Installation (oder danach in den Einstellungen), welche Berechtigungen wirklich nötig sind. Viele Apps funktionieren auch ohne Kontakte oder Standort – und wenn nicht, ist das eine gute Gelegenheit, kurz zu besprechen, warum. 5 Fragen, bevor ihr eine App installiert Diese Fragen helfen dir, schnell zu entscheiden – und dein Kind lernt nebenbei, worauf es ankommt: Wozu ist die App da – und gibt es eine kinderfreundlichere Alternative? Welche Berechtigungen verlangt sie (Standort, Kontakte, Kamera, Mikrofon) – und sind sie für den Zweck logisch? Gibt es In-App-Käufe oder «Lootbox»-ähnliche Mechaniken, die auf Kaufdruck setzen? Wie sieht die Werbung aus: klar erkennbar oder «getarnt» als Spielinhalt? Passt die App zum Alter und zur aktuellen Sensibilität deines Kindes (z.B. Angstthemen, Druck in der Peergroup, Schlaf)? Kinderperspektive: warum Daten Schutz brauchen Wenn du mit deinem Kind über Daten sprichst, hilft eine einfache Übersetzung: «Daten sind wie Spuren, die du im Internet hinterlässt.» Viele Apps sammeln diese Spuren, um herauszufinden, was dein Kind spannend findet – damit es länger dranbleibt oder mehr Werbung sieht. Du kannst sagen: «Du musst nicht alles von dir erzählen, nur weil eine App dich fragt. Wir entscheiden zusammen, was nötig ist.» Das nimmt Scham raus und fördert Selbstschutz. Wie Kinder im Internet sicher surfen Kannst du als Elternteil dafür sorgen, dass Kinder im Internet sicher surfen? Sharmilla Egger sagt klar: «Kinder müssen bei ihrer ersten Erfahrung im Internet an der Hand genommen werden und brauchen Führung.» Ausserdem gibt es verschiedene Vorsichtsmassnahmen, die du treffen kannst. Kindersuchmaschinen: Welcher Browser ist gut für Kinder? Es gibt spezielle Kinder-Browser, die du aktivieren kannst. Ein passender Browser ist zum Beispiel «Whitelist»: hier werden Inhalte kindersicher gefiltert. Für ältere Kinder eignet sich dann zum Beispiel die App «Blacklist». Ein weiteres beliebtes Programm ist die englisch-sprachige App Zoodles. Für Smartphones und Tablets ist die App «FragFinn» eine geeignete Suchmaschine, mit Hilfe derer Kinder Informationen finden. Unsere Favoriten stellen wir hier genauer vor. Kinderschutzprogramme nutzen Es gibt verschiedene Programme und Apps, die Eltern helfen, das Onlineverhalten der Kinder zu beobachten und allenfalls auch einzugreifen. Du kannst so die Bildschirmzeit beeinflussen, gefährliche Seiten blockieren oder aber auch mittels Chat-Bot Kinder vor Gefahren warnen lassen. Unsere Empfehlungen findest du hier. Auf Altersempfehlungen achten bei Games und Apps Games und Computerspiele können Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einiges beibringen, neben Ausgleich und Unterhaltung werden zum Beispiel die Reaktionsfähigkeit oder logisches Denken gefördert. Wichtig ist jedoch, dass die Altersangaben eingehalten werden, damit Kinder und Jugendliche nicht zu früh mit Gewaltszenen in Kontakt kommen. Was tun, wenn das Kind ständig online ist? Dein Kind hängt ständig am Smartphone oder vor dem Bildschirm? Kein Wunder, Ziel von Games und Apps ist eine möglichst lange Verweildauer. Sharmilla Egger weiss: «Es ist für Kinder wie auch Erwachsene nicht einfach, gewissen Apps zu entkommen. Die Industrie setzt alles daran uns und natürlich auch unsere Kinder möglichst oft und lange an die Anwendungen zu binden. Deshalb brauchen Kinder hier die Unterstützung der Eltern.» Nur wenige Kinder und Jugendliche schaffen es, das Handy selbst wegzulegen oder den Laptop herunterzufahren. Folgende Tipps hat Beraterin von zischtig.ch Sharmila Egger: Bleib im Gespräch über Internet und Apps, frag Kinder und Jugendliche, was ihnen helfen kann. Stell Zeitlimits von Apps ein und nutze die Bildschirmzeitfunktion der Geräte. Definiere gerätefreie Zeiten und Orte – wann kann die ganze Familie offline sein? Zum Beispiel beim Essen oder abends beim Spieleabend. Nimm deinen Kindern die Geräte weg, wenn es nicht anders geht. Kontrolliere das WLAN – vielleicht hilft es, den Router mal abzustellen. Medienkompetenz mit dem Verein zischtig.ch Der Verein zischtig.ch setzt sich dafür ein, Kinder und Jugendliche auf ansprechende, verständliche, berührende und wirksame Weise vor Onlinesucht, Cybermobbing, Cybergrooming und anderen Gefahren zu schützen. Im Vordergrund stehen ein begeisternder Vermittlungsstil und die Befähigung zu einer gewinnbringenden, kreativen und sicheren Mediennutzung. Auf Familienleben.ch findest du auch weitere Artikel von Sharmila Egger vom Verein zischtig.ch über Themen rund um Medienkompetenz.