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Medien & Informatik im Lehrplan 21: Orientierung für Schweizer Eltern

Dein Kind bringt vielleicht plötzlich ein Login nach Hause, spricht von «Scratch», muss eine Präsentation machen oder fragt, ob eine Information «wirklich stimmt». Mit «Medien & Informatik» im Lehrplan 21 geht es nicht darum, dass Kinder möglichst früh zu Programmierer:innen werden – sondern dass sie sich sicher, kritisch und kreativ in einer digitalen Welt bewegen. Dieser Artikel gibt dir einen verständlichen Überblick, was in der Schule ungefähr dran kommt und wie du zuhause unterstützen kannst, ohne in den Nachhilfe-Modus zu rutschen.

Schüler programmieren an ihrem Bildschirm
Der Lehrplan 21 regelt auch den Informatik-Unterricht © gorodenkoff / Getty Images

Warum «Medien & Informatik» ein eigenes Fach-/Modul ist

Digitale Medien sind heute Lernwerkzeug, Kommunikationsraum und Informationsquelle zugleich. Kinder wachsen damit auf – aber kompetenter Umgang entsteht nicht automatisch. Der Lehrplan 21 bündelt deshalb zentrale Fähigkeiten, die für Bildung, Gesundheit und Teilhabe wichtig sind: Informationen einschätzen, sich schützen, digitale Werkzeuge sinnvoll nutzen und grundlegende Informatikideen verstehen. Der Lehrplan 21 beschreibt diese Kompetenzen als verbindlichen Orientierungsrahmen für die Volksschule.

Medienkompetenz, Informatikgrundlagen, Anwendungskompetenzen

In der Praxis sind das drei Bereiche, die eng zusammenhängen. Kinder sollen nicht nur «Geräte bedienen», sondern auch begreifen, wie digitale Systeme funktionieren – und welche Verantwortung damit verbunden ist (z. B. Datenschutz, respektvolle Kommunikation).

Die 3 Bereiche von «Medien & Informatik»

Medien: Informationen finden und beurteilen, Medieninhalte verstehen und selbst erstellen, Kommunikation und Verhalten in Chats/Gruppen, Werbung erkennen.

Informatik: Muster und Regeln erkennen, Probleme in Schritte zerlegen, Algorithmen verstehen, Daten und einfache Modelle, Grundideen von «wie Computer denken».

Anwendung: Digitale Werkzeuge für Schule und Alltag nutzen (z. B. Texte, Präsentationen, Audio/Video), Dateien organisieren, kollaborativ arbeiten, grundlegende Sicherheit (Passwörter, Updates).

Was Kinder ungefähr lernen 

Wichtig: Schulen setzen den Lehrplan 21 unterschiedlich um (z. B. als eigenes Zeitfenster, integriert in andere Fächer oder in Projekten). Die folgenden Punkte sind deshalb eine Orientierung – kein starrer Stoffplan. Wenn du unsicher bist, frag nach, wie eure Schule es konkret organisiert.

Zyklus 1 (Kindergarten/1.–2.): Bilder, Regeln, erste Muster

Im Zyklus 1 geht es oft um ganz grundlegende, alltagsnahe Kompetenzen: Kinder lernen, dass Medien Inhalte «zeigen» können, aber nicht immer die Realität abbilden. Sie üben einfache Regeln im Umgang mit Geräten (z. B. sorgfältig, Pausen, Hilfe holen) und erste Strukturen: «Wenn ich A mache, passiert B.» Spielerisch können das Reihenfolgen, Muster oder Handlungsanweisungen sein (z. B. «erst – dann – zum Schluss»). Auch das Thema Privatsphäre taucht in einfacher Form auf: Welche Fotos sind okay? Was gehört nur in die Familie?

Zyklus 2 (3.–6.): Recherche, Präsentieren, erste Programmierideen

Viele Kinder beginnen jetzt, Informationen gezielt zu suchen: passende Suchbegriffe finden, Ergebnisse vergleichen, Quellen einschätzen und Inhalte in eigenen Worten zusammenfassen. Häufig kommen Präsentationen, Lernplattformen und erste kollaborative Aufgaben (z. B. gemeinsam an einem Dokument arbeiten) dazu. In der Informatik geht es oft um «Computational Thinking»: Probleme in Teilaufgaben zerlegen, Abläufe planen, Fehler finden und verbessern. Erste Programmierumgebungen wie Scratch oder Blockly eignen sich dafür, weil Kinder mit Blöcken arbeiten und sofort sehen, was passiert.

Zyklus 3 (7.–9.): Daten, Algorithmen, Verantwortung, KI-Grundideen

Im Zyklus 3 wird es konzeptioneller: Daten (z. B. wie sie entstehen, gespeichert und ausgewertet werden), Algorithmen (z. B. Sortieren, Suchen, Entscheiden) und Fragen der digitalen Gesellschaft (z. B. Einfluss von Plattformen, Desinformation, Cybermobbing, Urheberrecht). Auch «KI» wird zunehmend als Grundidee thematisiert: Was ist maschinelles Lernen? Worin liegen Chancen und Risiken? Wie können Verzerrungen (Bias) entstehen? 

Wie Eltern zuhause unterstützen – ohne Nachhilfe-Modus

Du musst keine Informatiker:in sein, um dein Kind gut zu begleiten. Der wirksamste Hebel ist meist nicht «mehr Üben», sondern Interesse, Alltagsgespräche und klare, faire Regeln. Gerade beim Thema Bildschirmzeit und Medienalltag hilft es, nicht nur auf Minuten zu schauen, sondern auch auf Inhalte, Kontext (allein oder gemeinsam?) und das Befinden deines Kindes. 

Sichere Recherchen & Quellencheck

Wenn dein Kind etwas für die Schule sucht, hilfst du am meisten mit einer einfachen Routine: «Was will ich wissen? Woher kommt die Info? Kann ich sie woanders bestätigen?» Du kannst dabei bewusst kurz bleiben – 5 Minuten reichen oft. Wenn dein Kind jünger ist, ist gemeinsames Suchen am Anfang sinnvoll, damit es nicht in ungeeigneten Treffern landet. Bei älteren Kindern lohnt sich der Fokus auf Denkfehler: Überschriften, die Angst machen; Videos, die «Beweise» versprechen; oder Posts, die sehr emotional sind.

Kreatives Gestalten 

Medienkompetenz heisst auch: selbst etwas gestalten. Das stärkt Ausdruck, Planung und Verständnis dafür, dass Inhalte gemacht sind (und manipulierbar sein können). Ein kurzes Stop-Motion-Video, ein Mini-Podcast oder eine Fotostory sind oft näher an der Lebenswelt als «noch ein Arbeitsblatt». Wenn du möchtest, kannst du bei Projekten eine Rolle übernehmen, die nicht bewertet wird: Du bist Publikum, Testperson oder «Fragesteller:in».

Programmieren spielerisch 

Beim Programmieren geht es am Anfang nicht um komplizierten Code, sondern um Denkweisen: Schrittfolgen, Bedingungen («wenn … dann …»), Wiederholungen und das systematische Suchen von Fehlern. ScratchJr (eher für Jüngere) und Scratch (eher ab Primarschule) sind dafür beliebt, weil Kinder Geschichten und Spiele bauen können. Wichtig ist: Lass dein Kind erklären, was es vorhat. Dieses «Erklären können» ist oft der eigentliche Lernfortschritt.

10 alltagstaugliche Übungen für Zuhause 

  • «Stimmt das?» in 3 Schritten: Behauptung nennen, Quelle suchen, zweite Quelle finden oder als «unbestätigt» markieren.
  • Suchbegriffe verbessern: Aus «Tiere im Wald» wird «Welche Tiere leben im Schweizer Wald und warum?»
  • Wer steckt dahinter? Kurz schauen: Wer ist Autor:in/Organisation? Ist Werbung erkennbar?
  • Passwort-Check (ohne echte Passwörter): Was macht ein Passwort stark? Satz statt Wort, keine Namen, einzigartig.
  • Foto-Privatsphäre: Gemeinsam entscheiden: Welches Foto wäre okay zu teilen, welches nicht – und warum?
  • Mini-Algorithmus im Alltag: Rezept oder Lego-Anleitung als «Programm» lesen: Was passiert, wenn ein Schritt fehlt?
  • Fehlersuche üben: Absichtlich einen Schritt vertauschen (z. B. beim Basteln) und gemeinsam «debuggen».
  • Stop-Motion in 10 Minuten: 6–12 Fotos, einfache Bewegung, kurzer Titel – fertig ist ein Mini-Film.
  • Audio-Notiz als Lernhilfe: Kind erklärt ein Thema in 60 Sekunden – danach gemeinsam: Was war klar, was fehlt?
  • «Wenn–dann»-Denken: Alltagssituationen: «Wenn es regnet, dann …» als Entscheidungsbaum (auch ohne Computer).

Fragen an die Schule 

Du darfst – und sollst – nachfragen, wie digitale Tools eingesetzt werden. Das ist keine Kritik, sondern sorgt für Klarheit: Was wird erwartet, was ist freiwillig, und wie werden Daten geschützt? Der Lehrplan 21 setzt den Kompetenzrahmen, aber die konkrete Umsetzung (Plattform, Geräte, Accounts, Datenschutzprozesse) ist Sache von Schule, Gemeinde und Kanton.

Welche Plattformen/Accounts?

Sinnvolle Fragen sind: Welche Lernplattformen werden genutzt? Braucht mein Kind einen eigenen Account (und ab wann)? Wie läuft die Unterstützung, wenn ein Passwort vergessen geht? Gibt es Alternativen, wenn zuhause kein Gerät verfügbar ist? Und: Welche Kommunikationskanäle sind offiziell (damit nicht alles in private Chats ausweicht)?

Welche Daten? Welche Regeln?

Frag konkret: Welche personenbezogenen Daten werden erfasst (Name, Foto, Leistungsdaten)? Wo werden sie gespeichert? Wer hat Zugriff? Wie lange werden Daten aufbewahrt? Und welche Regeln gelten für Fotos, Chatfunktionen und das Teilen von Dateien? Das hilft dir, zuhause passende Leitplanken zu setzen – besonders dann, wenn dein Kind erste eigene Geräte nutzt. Falls dich KI-Tools im Schulkontext beschäftigen, kannst du zusätzlich nachfragen, ob und wie KI-Anwendungen eingesetzt werden und welche Transparenzregeln gelten.

Wenn du beim Thema Medien auch an Streit ums Handy, Konzentration oder Schlaf denkst: Das ist normal. Wichtig ist, dass dein Kind verlässliche Erwachsene erlebt, die zuhören, Grenzen setzen und gemeinsam Lösungen suchen.

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