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Sicher surfen: So schützen Eltern ihre Kinder im Netz

Internetsicherheit ist für viele Eltern eine grosse Herausforderung – und sie beginnt nicht erst, wenn ein Problem auftaucht. Hier findest du alltagstaugliche Kinderschutz-Programme fürs Handy und konkrete Tipps, wie du Passwörter, Phishing & Co. in eure digitale Familienroutine integrierst.

Einige Apps versprechen mehr Sicherheit für Kinder im Internet
Die Sicherheit der Kinder muss auch im Internet gewährleistet werden. Bild: fotosipsak, E+

Spätestens seit Smartphones sind Internet und Social Media Teil des Familienalltags. Gleichzeitig gibt es Risiken: Betrug (Phishing), Datenklau, problematische Inhalte, Cybermobbing oder Kostenfallen in Apps. Wichtig ist: Du musst nicht alles perfekt können – aber es lohnt sich, Schritt für Schritt Strukturen zu schaffen. Kinder und Jugendliche sind früh und häufig online – und brauchen Begleitung, nicht nur Technik.

70 Prozent der 12-jährigen nutzt Social Media

Viele Jugendliche nutzen ihr Smartphone täglich. Neben gängigen Netzwerken wie WhatsApp sind viele auch auf Instagram, TikTok oder Snapchat. Für Kinder ist dabei besonders schwierig: Plattformen sind so gestaltet, dass sie Aufmerksamkeit binden, und viele Funktionen (Chats, Gruppen, Storys) laufen schnell und emotional. Wenn du nicht mitbekommst, wo dein Kind unterwegs ist, liegt das oft nicht an «Desinteresse», sondern daran, dass Apps sich laufend verändern.

Gespeicherte Passwörter überprüfen

Dieser Tipp funktioniert nur, wenn du ein Google-Konto hast. Besuche die Internetseite g.co/passwords. Auf dieser Seite kannst du gespeicherte Passwörter überprüfen lassen. Die Seite teilt die Passwörter in drei Bereiche auf (gehackte Passwörter, wiederverwertete Passwörter und schwache Passwörter) und empfiehlt, welche du ändern solltest.

Mehr Sicherheit für Kinder

Alles, was im Internet geteilt wird, hinterlässt einen digitalen Fussabdruck und kann weiterverbreitet werden – auch Inhalte, die du oder dein Kind später bereut. Kinder wachsen mit digitalen Angeboten auf, aber sie können Risiken je nach Alter noch nicht gut einschätzen. Darum ist es sinnvoll, Technik (Schutzfunktionen) und Beziehung (Gespräche, Regeln, Vertrauen) zusammenzudenken.

Um mit Risiken umzugehen, hilft es, dich regelmässig auf den aktuellen Stand zu bringen – und Zeit einzuplanen. Kindersicherheit im Internet ist keine «Einmal-einrichten-und-fertig»-Aufgabe, sondern eher wie Zähneputzen: kurz, regelmässig, wirksam.

Verschiedene Organisationen und Anbieter stellen dafür Kinderschutz-Programme bereit. Sie können helfen, Zeitlimits zu setzen, App-Installationen zu steuern und altersunangemessene Inhalte zu reduzieren. Entscheidend ist, dass du diese Tools transparent einsetzt und mit deinem Kind besprichst, wozu sie da sind.

Google Family Link App: Mit dieser Applikation verbindest du das Smartphone des Kindes mit dem Smartphone einer Erziehungsperson. Du entscheidest über Tageslimits, maximale Gerätenutzungsdauer und kannst das Handy über Nacht sperren. Ein Aktivitätsbereich zeigt, wieviel Zeit dein Kind mit welchen Apps verbringt. Zudem wird von dir eine Zulassung verlangt, ob dein Kind eine neue App downloaden darf oder nicht. Und sollte dein Kind mal ausser Haus sein, verfügt die App über eine «Wo ist mein Kind»-Funktion. Die App ist für Android verfügbar; auf iOS sind viele Funktionen eingeschränkt.

Einer von drei Google-Nutzern ist unter 18 Jahre alt

Apple Screen Time: Das Programm ist auf jedem iPhone installiert und gibt dir die Möglichkeit, einen Zeitplan und Limiten einzurichten. Du kannst den Aktivitätsbericht aufrufen und sehen, womit dein Kind die meiste Zeit verbringt. Legst du die Screen Time von «Games» beispielsweise auf 60 Minuten pro Tag, blockiert das Gerät die ausgewählten Spiele beim Erreichen der Zeitgrenze. Du kannst zudem bestimmte Apps oder Bücher auswählen, die auch während der «Downtime» verfügbar sind.

Beim Einsatz solcher Programme ist Transparenz zentral: Technische Hilfsmittel sollten nicht als heimliche Kontrolle laufen. Dein Kind soll verstehen, warum du Regeln setzt – und wie es selbst sicherer handeln kann.

Geräte-Check für deine Familien 

Wenn du nur eine neue Gewohnheit einführen willst, dann diese: Ein fixer «Geräte-Check» einmal im Monat (zum Beispiel am ersten Samstag). Laut dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS/NCSC) helfen einfache, regelmässige Schritte besonders wirksam gegen alltägliche Angriffe. Das BACS/NCSC fasst das in «5 Schritten» zusammen (unter anderem Updates, starke Passwörter und vorsichtiger Umgang mit Links).

Mini-Checkliste (monatlich):
☐ Betriebssystem und Apps: Updates sind installiert / automatische Updates sind eingeschaltet
☐ App-Berechtigungen geprüft (Standort, Kamera, Mikrofon, Kontakte)
☐ Bildschirmsperre aktiv (PIN/Code/Face ID) und Geräteortung eingeschaltet
☐ Router: WPA2/WPA3 aktiv, starkes WLAN-Passwort, Admin-Login geändert
☐ Kinderaccounts: eigenes Profil, Kauf-/Abo-Schutz aktiv (In-App-Käufe)
☐ Notfallplan kurz wiederholt: «Was tun bei Verlust, Betrug, Mobbing?»

Updates: Betriebssystem & Apps automatisch

Updates schliessen Sicherheitslücken. Wenn Geräte lange nicht aktualisiert werden, können bekannte Schwachstellen ausgenutzt werden – oft ohne dass ihr etwas merkt. Stelle wenn möglich automatische Updates für das Betriebssystem und für Apps ein. Wenn du Updates bewusst verzögerst (zum Beispiel wegen Speicherplatz): plane einen Fixtermin ein, sonst bleibt es liegen.

App-Berechtigungen: Standort, Kamera, Mikrofon, Kontakte

Viele Apps fragen nach Zugriff, der für die Hauptfunktion gar nicht nötig ist. Das ist nicht automatisch «böse», aber es erhöht das Risiko, dass mehr Daten gesammelt werden als ihr wollt. Gehe mit deinem Kind durch die wichtigsten Berechtigungen: Standort (immer vs. nur beim Verwenden), Kamera, Mikrofon und Kontakte. Gute Faustregel: Gib nur frei, was ihr nachvollziehen könnt – und entziehe Rechte, wenn ihr unsicher seid. Das kann auch ein starkes Signal an dein Kind sein: «Wir entscheiden gemeinsam, welche Daten rausgehen.»

Bildschirmsperre & Geräteortung aktivieren für Verlust/Diebstahl

Eine Bildschirmsperre ist Basis-Schutz – gerade, weil Kindergeräte unterwegs schnell verloren gehen oder aus der Jackentasche rutschen. Aktiviere einen Code (nicht «1234» oder Geburtstagsdaten) und stelle Geräteortung ein. Das hilft, ein Gerät zu finden oder im Notfall aus der Ferne zu sperren. Sprich mit deinem Kind offen darüber: Geräteortung ist für Verlust/Diebstahl und Sicherheit gedacht – nicht, um heimlich zu kontrollieren.

WLAN & Router: die häufigste Schwachstelle zuhause

Im Familienalltag hängt fast alles am WLAN: Smartphones, Tablets, Laptops, Smart-TV, Spielkonsolen. Genau deshalb ist der Router ein beliebtes Ziel. Wenn der Router schlecht geschützt ist, hilft die beste App auf dem Handy nur begrenzt.

WPA2/WPA3, starkes Router-Passwort, Admin-Login ändern

Prüfe in den Router-Einstellungen, ob WPA2 oder (wenn verfügbar) WPA3 aktiv ist. Verwende ein starkes WLAN-Passwort (lang, zufällig, einzigartig). Wichtig: Ändere auch das Admin-Passwort des Routers (das Login für die Einstellungen). Viele Router werden mit Standarddaten ausgeliefert – und die sind Angreifer:innen oft bekannt. Das BACS/NCSC empfiehlt genau solche Basis-Massnahmen als Teil der Cyberhygiene.

Gastnetz für Besucher/Smart-TVs/IoT

Richte ein Gastnetz ein – nicht nur für Besuch, sondern auch für Geräte, die weniger Updates bekommen (zum Beispiel Smart-TV, Streaming-Sticks, smarte Lautsprecher). So sind eure persönlichen Geräte besser getrennt, falls ein Gerät im Heimnetz schwächer abgesichert ist.

Familienregeln: keine unbekannten Geräte ins WLAN

Mach es einfach: «Neue Geräte kommen erst ins WLAN, wenn wir zusammen kurz schauen.» Das ist keine Misstrauens-Regel, sondern eine Schutzregel – wie der Helm beim Velofahren. Gerade bei Kindern, die Freund:innen zu Besuch haben, ist das Gastnetz eine praktische Lösung.

Basis-Schutz für Kinderaccounts

Viele Probleme entstehen nicht, weil Kinder «etwas falsch machen», sondern weil Geräte und Accounts nicht klar getrennt sind. Mit ein paar Einstellungen reduzierst du Streit, Kostenfallen und Sicherheitsrisiken deutlich.

Separate Kinderprofile statt «alle nutzen ein Login»

Richte für Kinder ein eigenes Profil bzw. einen eigenen Kinderaccount ein (Apple/Google), statt ein gemeinsames Familien-Login zu verwenden. Das macht es leichter, altersgerechte Einstellungen zu setzen, Käufe zu kontrollieren und Inhalte passend zu filtern. Ausserdem lernst du deinem Kind damit eine wichtige digitale Grundkompetenz: «Account und Identität gehören dir – und du schützt sie.»

Kauf-/Abo-Schutz 

In-App-Käufe und Abo-Modelle sind für Kinder oft schwer zu durchschauen – und können teuer werden. Aktiviere deshalb den Kauf-/Abo-Schutz (zum Beispiel über Family Link oder Screen Time) und besprecht gemeinsam, was erlaubt ist. Konkrete Hilfen findest du hier: Pro Juventute: Kostenfalle Smartphone und Stiftung für Konsumentenschutz: In-App-Käufe durch Kinder verhindern.

«Was mache ich, wenn...» (Teaser auf Notfallplan)

Klärt kurz drei Szenarien, damit dein Kind im Ernstfall nicht allein ist: 1) «Handy weg» (sofort melden, orten, sperren), 2) «Komische Nachricht/Link» (nicht klicken, Screenshot, dir zeigen), 3) «Jemand droht oder beschimpft mich» (Chat nicht allein weiterführen, Hilfe holen). Das BACS/NCSC empfiehlt, solche Situationen mit einfachen Regeln vorzubereiten – damit Kinder im Stress einen Plan haben.

Erkennst du Phishing-Versuche?

Um gefälschte und manipulierte E-Mails zu erkennen, hat Google einen Phishing-Test entworfen. Dieser soll mögliche Phishing-Opfer dafür sensibilisieren, dass nicht jede E-Mail vertrauenswürdig ist. Nimm hier am Quiz teil.

Mit Kindern über die Gefahren reden

Ein Kindersicherungs-Programm ist nur ein Teil der digitalen Erziehung. Der zweite Schritt ist Beziehung und Gespräch – und der ist genauso wichtig. Am besten funktioniert es, wenn du regelmässig kurze, entspannte Gespräche führst (zum Beispiel beim Kochen) statt «das grosse ernste Gespräch» nur dann, wenn etwas schiefgelaufen ist. So zeigst du deinem Kind: Du bist ansprechbar – ohne Vorwürfe.

Du kannst deinem Kind erklären, worauf es beim Internetkonsum ankommt:

Erkläre ...

... anhand von Beispielbildern, welche Fotos nicht im Internet geteilt werden dürfen.

... wie Kinder Phishing-Versuche erkennen und was Identitätsdiebstahl ist.

... dass Cybermobbing anderen schadet und dass dein Kind jederzeit Hilfe holen darf.

... wie starke Passwörter aussehen (lang, einzigartig, am besten mit Passwortmanager) und warum Wiederverwendung riskant ist.

... dass private Informationen nicht in Chats gehören und dass du wissen willst, wenn jemand nach Adresse, Schule, Standort oder Bildern fragt.

... dass du den Smartphone-Konsum einschränken kannst, wenn Grenzen überschritten werden – und dass Regeln nicht Strafe sind, sondern Schutz.

Ermutige dein Kind, auch Spiele und Apps zu verwenden, die Kreativität oder Fähigkeiten fördern. Hier gelangst du zu unserem Artikel mit 10 sinnvollen Apps für Kinder.

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