Bundesrat Berset: «Es braucht Reformen in der Altersvorsorge»

Zu einem guten Altern gehört die finanzielle Sicherheit. Junge Menschen, die heute Beiträge an die Altersvorsorge leisten, fragen sich schon manchmal, ob sie ihr Geld im Alter je wiedersehen werden. Bundesrat Alain Berset will dieses Thema angehen. Wie, erklärte er uns an der nationalen Fachtagung für gutes Altern, welche die Altersorganisation Pro Senectute Ende April organisierte.

Bundesrat Alain Berset spricht an der Pro Senectute Tagung über Altersvorsorge.

Alain Berset spricht an der Fachtagung für gutes Altern über die Altersvorsorge in der Schweiz. Foto: Frederic Meyer © Pro Senectute Schweiz

Stichwort Generationengerechtigkeit: «Das Rentensystem führt immer mehr zu einem Klau an den Jungen», warnte Swiss-Life-Chef Bruno Pfister vor wenigen Monaten. Wie kann das Rentensystem allen Generationen gerecht werden?

Alain Berset: Die nachhaltige Sicherung der Sozialwerke für die nächsten Generationen und deren gerechte Ausgestaltung ist eine zentrale Aufgabe der Politik. Diese Ziele verfolgen wir seit der Gründung der AHV Mitte des 20. Jahrhunderts und seit die zweite Säule 1985 obligatorisch geworden ist. Zurzeit braucht es wieder Reformen im Bereich Altersvorsorge. Das erfordert eine breite Debatte, die jetzt geführt wird.

Um was wird es konkret gehen?

Eine prominente Frage bei der AHV ist etwa diejenige nach dem richtigen Rentenalter. Soll es beispielsweise so flexibilisiert werden, dass innerhalb einer Bandbreite jeder selber entscheiden kann, wann er in die Rente geht? Ein umstrittener Punkt bei der beruflichen Vorsorge ist der Umwandlungssatz. Das Volk hat eine Senkung klar abgelehnt. Eine Anpassung wird nur möglich sein, wenn das Rentenniveau erhalten bleibt sowie Transparenz und Vertrauen in das System bestehen. Mein Ziel ist es, die Leistungen der ersten und zweiten Säule aus einer Gesamtsicht zu analysieren.

Gibt es schon Vorschläge?

Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Es geht darum, langfristige Lösungen zu entwickeln. Dafür wollen wir uns die nötige Zeit nehmen. Doch noch vor Ende des Jahres sollen erste Überlegungen vorliegen.

Zur Generationengerechtigkeit gehört neben der Sicherung der Sozialwerke auch der Austausch im Alltag. Wie wichtig ist es, dass Alt und Jung zusammen arbeiten?

Solche Zusammenarbeit fördert das gegenseitige Verständnis, den gegenseitigen Respekt und das Zusammenleben. Das stärkt die Generationensolidarität sowie die Motivation, einen Beitrag für die Generationensolidarität zu leisten.

Wo funktioniert das schon gut?

Gute Beispiele sind Informatikkurse von Jugendlichen für Senioren oder die Begleitung von stellensuchenden Jugendlichen durch Senioren. Aber auch die informelle Nachbarschaftshilfe oder die innerfamiliäre gegenseitige Unterstützung sind wichtige Elemente der intergenerativen Arbeit.

Sie sind Sportler der Leichtathletik. Wäre Ihrer Meinung nach der Sport geeignet, um die Generationen stärker zusammenzuführen?

Gemeinsam Sport treiben verbindet. Dies erfordert – aufgrund der unterschiedlichen körperlichen Leistungsfähigkeit und Bedürfnisse von Senioren und jüngeren Personen – Rücksichtnahme und Verständnis. Im Trainingsbereich sind Zusammenarbeit von Jung und Alt Alltag. Und nicht zu vergessen, gemeinsam Sportereignisse verfolgen ist auch verbindend.

Link-Tipps zur Generationengerechtigkeit

Was müsste Ihrer Meinung nach für mehr Generationengerechtigkeit getan werden? Glauben Sie, dass Ihre Rente sicher sein wird? Schreiben Sie uns. Hier geht es zum Kommentarbereich.

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