Die Symptome von Parkinson verschlimmern sich

Eine Pflegekraft hilft einer Frau im Rollstuhl, die an Parkinson erkrankt ist.

Eine Pflegekraft kann Erkrankten und deren Familien eine grosse Hilfe sein.

«Frau Weller, warum schreiben Sie denn so klein?», fragt ein Schüler seine Lehrerin Anne Weller.

«Warum trippelst du eigentlich so vor dich hin?», fragt Bernhard Weller seine Frau bei einem gemeinsamen Spaziergang.

Auch Anne Weller nimmt nun die Veränderungen an sich und ihrem Körper wahr. Bei handschriftlichen Aufzeichnungen werden ihre Worte stets kleiner. Ihr Gang ist unsicher. Ihre geliebten Rosen im Garten duften nicht mehr so intensiv wie früher. «Liegt es an meiner Nase oder am neuen Dünger?», fragt sie sich.

Es vergeht einige Zeit, bis sich immer mehr Schüler über ihre Tafelanschriebe beschweren. Anne Weller gibt sich Mühe, schafft es aber nicht, ihr Manko zu beheben. Bernhard Weller rät seiner Frau einen Arzt, aufzusuchen.

«Welche Krankheit soll denn das bitteschön sein? Bei der man plötzlich kleiner schreibt und die Rosen nicht mehr riechen kann?», antwortet seine Frau barsch.

«Parkinson», sagt der Arzt, als er Monate später dem Ehepaar Weller die Diagnose verkündet. Die Vorboten von Parkinson sind unter anderem eine Verkleinerung der Handschrift, ein kleinschrittiger Gang, Antriebslosigkeit und Verminderung des Geruchssinnes. Hauptsymptome der langsam fortschreitenden neurologischen Erkrankung, sind verlangsamte Bewegungen, welche bis zur Bewegungslosigkeit führen können. Ebenso Muskelzittern und Haltungsinstabilität. Zudem sind verschiedene psychische und kognitive Störungen möglich.

Anne Weller zieht sich aus dem Schuldienst zurück. Sie und ihr Mann sind guter Dinge trotz der Krankheit einen schönen gemeinsamen Lebensabend verbringen zu können. Die ersten Jahre gehen einigermassen gut. Aus ehemals grossen Bergtouren werden Spaziergänge um den See. Ruhe und Entschleunigung bestimmen den Alltag des bis dato umtriebigen Paares. Danach verschlechtert sich der Zustand von Anne Weller. Spaziergänge sind gar nicht mehr möglich.

Sie kann sich nicht mehr auf den Beinen halten, stürzt ohne erkennbare Ursache. Ein Gehwagen wird ihr ständiger Begleiter. Anne Weller wird depressiv, will nicht mehr in den Garten, will nicht mehr lesen. Sie beginnt ohne Grund zu weinen. Die «Heulstunde» am Nachmittag gehört nun zum Tagesablauf dazu, genauso wie das tägliche Zähneputzen. Nebenwirkungen der Medikamente treten auf. Anne Weller bekommt Halluzinationen. Sie sieht die Küche in Flammen stehen oder unheimliche Wesen im Flur. Bernhard Weller wacht mitten in der Nacht von lauten Schreien seiner Frau auf. Sie sieht wie Regen von der Decke prasselt, sieht das Ehebett in den Fluten versinken. Diese Wahnvorstellungen kommen und gehen – phasenweise. Eine 24-stündige Anwesenheit ist nun Pflicht. Bernhard Weller gibt den Männerchor auf, geht nicht mehr schwimmen. Sein Lebensmittelpunkt ist nun seine Frau – 24 Stunden am Tag.

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