Hadern mit dem eigenen Schicksal

Brigitte Trümpy und Sternenkind Till.

Brigitte Trümpy verbrachte viele Stunden an Tills Spitalbett.

Natürlich haderte sie anfangs schwer mit dem Schicksal. Zeitweise ertrug sie in ihrer Nähe kaum die Präsenz von kleinen Kindern. Dann fragte sie sich immer, warum der Krebs ausgerechnet Till treffen musste. Doch «Leben» bedeutet für Brigitte Trümpy sich zu bewegen und nicht um sich selbst zu kreisen. Sie wusste, dass sie auf die energieraubende Frage des Warums keine Antwort bekommen würde. Mit der Zeit lernte sie mit den Tatsachen umzugehen, wobei ihr in schwierigeren Momenten die Gespräche mit dem Psychologen der Kinder-Onkologie, der Spitalstation für junge Krebspatienten, halfen.

Oft vermisste sie aber auch den Austausch mit Menschen in der gleichen Situation. Till war nie allein im Spital. Tag und Nacht waren seine engsten Bezugspersonen bei ihm. Die langen Stunden an Tills Bett brachten Brigitte Trümpy an ihre Grenzen: «Wenn ich jeweils aus dem Kinderspital heraus kam, dachte ich mir, wie toll es wäre, wenn da jetzt eine Grossmutter mit einer Thermoskanne Kaffee oder einem kleinen Prosecco sitzen würde und zu mir sagt: ,Hey, komm, wir machen einen kleinen Spaziergang.’ Das wäre für mich dann das Paradies gewesen.»

Vernetzung von Grosseltern verstorbener Enkelkinder

Genau dies ist die Rolle, welche Brigitte Trümpy heute für andere betroffene Grosseltern einnehmen will. Zu diesem Zweck hat sie im vergangenen Mai das Projekt Sternenkinder-Grosseltern lanciert. Der Begriff Sternenkinder ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für verstorbene Kinder. Also Kinder, die frühzeitig zu den Sternen gehen mussten.

Ziel von Sternenkinder-Grosseltern ist die Vernetzung von Grosseltern, die ein Enkelkind verloren haben. Mit dem Gedanken für dieses Projekt spielte Brigitte Trümpy schon länger, für den definitiven Startschuss sorgte dann aber ihre Tochter. Diese schenkte ihr zum Muttertag die Internetseite fürs Projekt. So gestaltet die Tochter heute den Internetauftritt von Sternenkinder-Grosseltern und die Mutter liefert die Texte dazu.

Damit die Vernetzung der Grosseltern gelingt, informiert Brigitte Trümpy möglichst viele Fachleute über ihr Projekt. Inzwischen kann sie auf die Unterstützung von Institutionen wie beispielsweise der Schweizerischen Ärztegesellschaft zählen: «Ich habe ihnen geschrieben, dass diese Grosseltern früher oder später alle beim Hausarzt landen werden, und wie froh ich gewesen wäre, wenn ich neben einer Packung Beruhigungsmittel einfach noch eine Adresse bekommen hätte.» In der Schweizerischen Ärztezeitung wird jetzt ein Artikel über das Projekt Sternenkinder-Grosseltern erscheinen. Brigitte Trümpy erhofft sich, dass dadurch mehr Betroffene auf ihr Projekt aufmerksam werden und sich bei ihr melden.

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