Wenn die Eltern älter werden: So kann der Rollenwechsel gelingen

Angehörige sollten sich von Anfang an die Herausforderung, vor der sie als Pflegende stehen, klar machen und das Gespräch mit allen Beteiligten suchen. «Es ist nicht selbstverständlich, dass Sie Ihre Angehörigen betreuen. Sie müssen die Betreuung nicht alleine übernehmen», betont die Schweizer Stiftung Pro Senectute. «Klären Sie für sich selber, mit der Familie und den Geschwistern, was Sie oder andere Angehörige gerne selber an Betreuung übernehmen möchten und können.» Im Rahmen weiterer Treffen lässt sich der Plan veränderten Bedürfnissen immer wieder anpassen.

Tipps für pflegende Angehörige

Mit Gesprächen fällt der Rollenwechsel oft leichter. Bild: Jake Thacker - Unsplash

1 Ins Gespräch kommen

Früher boten die Eltern Schutz und Sicherheit. Nun sind sie schutzlos und unsicher. Der Rollenwechsel macht nicht nur uns, sondern auch den Eltern zu schaffen. «Sprechen Sie miteinander über die neue Situation und über Ihre Gefühle. Dank eines offenen Austausches verstehen Sie frustrierte Reaktionen, ungewöhnliche Verhaltensweisen oder neue Eigenheiten bei sich und Ihrem Gegenüber besser», rät Pro Senectute.

2 Informationen sammeln

Wer sich auskennt, kann sich besser entscheiden, ob und wie er die Pflege zuhause übernehmen möchte. Deshalb ist es wichtig, fachkundige Ansprechpartner zu kennen und einen Überblick über Hilfsangebote, praktische Hilfsmittel wie Treppenlift oder Notrufsysteme, zu erwartende Kosten und die Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung zu haben.

3 Einen Standpunkt gewinnen

Wer einen festen Standpunkt hat, gerät nicht ins Taumeln und verringert die Gefahr, sich von den Ansprüchen der eigenen Kinder, des Partners und der pflegebedürftigen Eltern zerreissen zu lassen. Sich in Ruhe hinzusetzen und Antworten auf einige wichtige Fragen zu suchen, lohnt sich. Solche Fragen könnten lauten:

  • Wie viel Zeit könnte ich für die Pflege der Eltern investieren?
  • Wie viel Zeit davon möchte ich investieren?
  • Wie wird sich mein Einsatz auf mein Leben auswirken – auf meine Gesundheit, meine Familie? Kann ich mit diesen Folgen leben?
  • Welche Zeit bleibt für mich – für die Regeneration meiner Kraft?

4 Netzwerke aufbauen

Netzwerk zu knüpfen tut gut und macht flexibel im Alltag. Junge Eltern, die ein Betreuungsnetz aus Nachbarn, Grosseltern, Babysitter, befreundeten Eltern aus Kindergarten und Schule aufgebaut haben, wissen das. Ein Netz aus Helfern fängt auch schwierige Situationen bei der Betreuung alter Menschen auf. Dazu können zum Beispiel Partner, Geschwister, die eigenen – älteren – Kinder und Nachbarn gehören. Am runden Tisch lässt sich die Hilfe aller Beteiligten koordinieren. Ein Zeitplan dokumentiert, wer wann Zeit und Hilfe zur Verfügung stellt.

5 Fachwissen erwerben

Die Mutter will duschen, aber der Boden ist rutschig. Der Vater ist hingefallen und kann nicht alleine aufstehen. Was ist jetzt zu tun? Die Betreuung und Pflege eines Menschen ist tükisch und schliesslich sind Sie kein Profi. Hören Sie Vorträge oder besuchen Seminare zur Betreuung und Pflege zu Hause. Beratung und Kurse bietet beispielsweise die regionale Spitexorganisation an.

6 Sich mit anderen Pflegenden austauschen

Wer sich mit anderen Pflegenden trifft, bekommt nicht nur viele hilfreiche Tipps, sondern findet auch Verständnis für die eigene, oft schwierige Situation. «Die Gespräche in der Angehörigengruppe sind Ihnen eine grosse Stütze. Es tut gut, sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen», erklärt Pro Senectute. Organisationen wie insieme Schweiz, Stiftung Cerebral, Alzheimervereinigung, Schweizerische Parkinsonvereinigung und Krebsliga bieten Selbsthilfegruppen, Angehörigentreffen oder Seminare an.

7 Selbstpflege

Wer sich dazu entschliesst, die Eltern selbst zu pflegen, sollte sich von Anfang an Freiräume schaffen. Gehen Sie zum Fitnesskurs, treffen Sie sich regelmässig mit Freunden und fahren Sie in die Ferien. So kann sich der oder die pflegende Angehörige daran gewöhnen, dass Sie nicht rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Dieser Artikel ist der Auftakt einer neuen Serie mit dem Schwerpunkt «Pflege zuhause.» Pflegen Sie auch Ihre Angehörigen? Melden Sie sich bei uns und erzählen Sie uns, welche Fragen Sie zur Pflege haben und welche Informationen sowie welche Unterstützung Sie brauchen. Schreiben Sie an redaktion@familienleben.ch. Stichwort: Pflege.

 

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