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«Wir wollen ein Haus kaufen.» – Eigenheim für Familien

Den Traum vom Eigenheim haben viele – vor allem Familien. Sie wünschen sich mehr Platz und eine sichere Geldanlage. Wir haben mit dem Experten Michael Trübestein gesprochen und verraten, worauf es beim Kauf einer Immobilie ankommt. 

Welche Immobilie zu Ihrer Familie passt.

Ein Eigenheim ist für viele Familien ein Lebenstraum. Foto: AleksandarNakic, E+

Eigenheim für Familien – ja oder nein?

Ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung ist für viele Familien in der Schweiz ein Lebenstraum. Endlich mehr Platz zum Wohnen, Freiheit in der Gestaltung und eine stabile Altersvorsorge. Doch nicht wenige Paare fühlen sich von langfristigen Verbindlichkeiten eingeschüchtert und fürchten weniger Flexibilität in der Zukunft. «Familien sollten sich fragen, inwieweit eine Immobilie zu ihrer Lebensplanung passt. Steht in Zukunft ein Jobwechsel an? Was passiert, wenn sich die Lebensumstände verändern ­­– im schlimmsten Fall durch eine Trennung oder einen Unfall? », erklärt Michael Trübestein. Familien sollten ihre langfristigen Wohnbedürfnisse definieren, sich bewusstmachen, was sie suchen, wo sie langfristig leben möchten und ob es das passende Objekt überhaupt zu einem leistbaren Preis gibt.

Eine Immobilie kann Familien zum Wohneigentum oder zur Kapitalanlage dienen. Wichtig ist, dass Suchkriterien festlegt werden. Da Immobilien standortgebunden sind, ist die Lage von grosser Bedeutung. Familien stellt sich die Frage, ob sie ihr Leben an diesem Standort verbringen möchten und ob sie das Objekt zukünftig wieder veräussern können. Jede Immobilie weist unterschiedliche Eigenschaften auf und je nach Situation und Lebenslage unterscheiden sich die Bedürfnisse und damit die Suchkriterien. Familien sollten sich vergegenwärtigen, dass sich diese Bedingungen im Laufe des Lebens verändern können. Genauso wie Immobilienwerte und die Konditionen der Banken variieren.

Zur Person

Michael Truebestein

zVg

Michael Trübestein

Leiter des Masterstudienganges «Real Estate Master of Science» (MScRE)

Hochschule Luzern

Wichtige Suchkriterien:

  • Lage: Stadt oder Land? Welche Auswahl an Bildungseinrichtungen gibt es? Welche Freizeitangebote? Gibt es öffentliche Verkehrsmittel? Wie ist die Nachbarschaft?
  • Stil: Haus oder Wohnung? Neubau oder Altbau?
  • Grösse: Anzahl der Zimmer? Garten? Balkon? Terrasse?
  • Preis: Budgetlimit?

Präferenzen unterscheiden sich und oft hilft es, eine offene Diskussion in der Familie zu führen. Nachdem Suchkriterien festgelegt worden sind, sollte entschieden werden, welche davon unverzichtbar und welche optional sind. Zum Beispiel ist für die eine Familie der Stellplatz ein Muss, vom Seeblick kann sie jedoch absehen. Eine andere Familie kann nicht auf einen Garten, aber auf den Balkon verzichten.

Eigenkapital – wie viele Eigenmittel werden benötigt?  

Ein Immobilienkauf ohne Eigenkapital ist laut Trübestein nicht möglich. Banken in der Schweiz dürfen heutzutage nicht mehr 100 Prozent finanzieren und die Höhe des Eigenkapitals hängt individuell von den Vorgaben der Bank ab. Im Allgemeinen sind es mindestens 20 Prozent des Kaufpreises. Der Experte empfiehlt, immer ein bisschen mehr Eigenkapital zur Verfügung zu haben. «Die Kosten eines Immobilienerwerbs werden oft unterschätzt. Dazu zählen nicht nur der Kaufpreis, sondern auch die Kosten, die in den kommenden Jahren auf die Käufer zukommen können. Zum Beispiel Renovierungs- und Sanierungskosten.»

Immobiliensuche – über das Internet oder einen Makler?

Die Suche nach einem Haus oder einer Wohnung kann über einen Makler angegangen werden. Makler haben einen Überblick über die Objekte am Markt und können die passende Immobilie ausfindig machen. Dennoch ist es in Zeiten von Immobilien-Suchplattformen möglich, sich lange vorher zu informieren und das gewünschte Objekt im Internet zu suchen. Ob mit oder ohne Makler, Trübestein empfiehlt, genügend Zeit aufzubringen. «Das passende Objekt kann morgen oder aber erst in ein paar Jahren gefunden werden. Es sollte nur zum Kauf kommen, wenn man sich mit dem Objekt sicher ist.»

Immobilienbewertung – Einschätzung durch einen Gutachter?

Gutachter prüfen Zustand und Bausubstanz des Gebäudes. Zusätzlich beurteilen sie den Kaufpreis und erstellen auf Wunsch ein detailliertes Gutachten für den Käufer. Der Fachmann schätzt den Wert möglichst neutral und für gewöhnlich unterscheidet sich dieser dann vom Kaufpreis. Der geschätzte Wert soll für alle Beteiligten nachvollziehbar sein, wohingegen der Kaufpreis auf einer subjektiven Wertvorstellung beruht. Die Schätzungen differenzieren sich ausserdem je nach Gutachter. Jeder Gutachter legt auf andere Aspekte wert und es handelt sich immer um eine stichtagsbezogene Schätzung. Das heisst, dass die Immobilie nur zu dem bestimmten Zeitpunkt den geschätzten Wert aufweist. Der Experte rät, Gutachten kritisch zu hinterfragen. In der Regel bewertet der Gutachter zwar nach bestem Wissen und Gewissen, aber jede Bewertung beruht auf verschiedenen Ansätzen. Auf jeden Fall sollten Gutachten detailliert gelesen und verstanden werden, aufkommende Fragen sollten geklärt werden. «Wenn man eine Immobilie in die engere Auswahl nimmt, empfiehlt es sich, einen fachkundigen Schätzer hinzuzuziehen.», so Trübestein.

Finanzierung – unabhängig oder über eine Bank?

Wenn es zur Finanzierung kommt, ist es vorteilhaft, sich über eine unabhängige Plattform, wie comparis.ch und avobis.ch,  zu informieren. Das kostet nichts, ist schnell ausgefüllt und verfügt meist über eine Vielfalt an Angeboten. Familien sollten dennoch beide Wege gehen – über eine Bank und eine Plattform. Da man sich langfristig an einen Vertragspartner bindet, braucht es Vertrauen. Trübestein legt eine sorgfältige Recherche und ein sicheres Angebot nahe.

Der Schweizer Immobilienmarktes aktuell

Tendenziell ist der Immobilienmarkt der Schweiz vom starken Aufschwung der vergangenen Jahre geprägt. «Der Aufschwung der letzten Jahre flacht ab, laut Statistiken befinden wir uns momentan in einer Stagnation.», so der Experte. Das bedeutet: Der Immobilienmarkt ist stabil, die Immobilienwerte sinken nicht drastisch. Die Objekte, die derzeit gebaut werden, lassen sich daher nicht mehr so schnell verkaufen oder vermieten. Verkäufer müssen mit längeren Vermarktungszeiten rechnen.

Der Schweizer Immobilienmarkt zukünftig

«Wir gehen davon aus, dass der Markt stabil bleibt»: Laut Trübestein wird es in den kommenden Jahren keine grosse Veränderung geben. Dennoch sieht er eine Tendenz zu restriktiveren Vorschriften der Banken, die seiner Einschätzung zufolge mehr Eigenkapital und mehr Sicherheiten fordern werden. 

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