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Wenn das Kind nicht mehr in den Kindergarten oder die Schule will: So findest du die Ursache

Dein Kind will einfach nicht mehr in den Kindergarten oder zur Schule? Häufige Gründe dafür sind Trennungsängste sowie Konflikte mit anderen Kindern oder Lehrpersonen. Wichtig ist, die Ursachen zu klären und hilfreiche Strategien zu überlegen. Wie du die Eingewöhnung erleichterst, Trennungsängste überwindest und Schulangst oder Schulphobie vorbeugst.

Wenn das Kind nicht in die Schule will, kann der Abschied von den Eltern tränenreich sein.
Wenn Kinder nicht mehr in die Schule oder den Kindergarten wollen, können verschiedene Ängste dahinterstecken. Bild: martin-dm, Getty Images

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Dass ein Kind nicht in den Kindergarten möchte, kann verschiedene Gründe haben. Dazu zählen etwa Trennungsängste oder Konflikte mit Lehrpersonen oder anderen Kindern. Mehr lesen.
  • Oft fällt es den Eltern selbst schwer, sich vom Kind zu lösen. Für Eltern und Kind wird es leichter, wenn es dir als Mutter oder Vater gelingt, eine positive Einstellung zum Kindergarten und zur Schule aufzubauen. Mehr lesen.
  • In Gesprächen mit Lehrpersonen lässt sich herausfinden, warum ein Kind nicht in den Kindergarten oder die Schule will. Ursachen können Konflikte mit Kindern, Mobbing, Lernschwierigkeiten und Prüfungsangst sein. Hier liest du mehr über das Thema Schulangst.
  • Eltern können Kindern die Eingewöhnung in den Kindergarten oder die Schule mit einigen Tipps erleichtern. Mehr lesen.

Manches Kind tut einfach alles, um daheim bei Mama oder Papa bleiben zu können und nicht in den Kindergarten oder in die Schule zu müssen. «Mein Kind trödelt beim Frühstück, beginnt ein Spiel im Haus, zieht sich nicht an oder – wenn es älter ist – schwänzt die Schule», erzählen Eltern immer wieder. In der Regel stecken Ängste hinter der Weigerung, in den Kindergarten oder in die Schule zu gehen. Um das Leben zu erleichtern, ist es wichtig, die Auslöser der Ängste zu erkennen.

Gründe, warum das Kind nicht in den Kindergarten will

Alle Kinder, die in den Kindergarten kommen, müssen sich zunächst eingewöhnen und ihre Trennungsangst überwinden. Für ein kleines Kind ist es eine grosse Herausforderung, in der neuen Umgebung seinen Platz zu finden. «Ein Kind, das bislang sehr behütet wurde und wenig Kontakt mit Gleichaltrigen hatte, tut sich damit vielleicht etwas schwerer. Das ist ganz normal», sagt Kinder- und Jugendpsychologin Katrin Gossner vom Schulpsychologischen Dienst des Kantons Aargau. Eine Kindergarten-Müdigkeit kann allerdings auch plötzlich auftreten, wenn das Kind schon längere Zeit im Kindergarten ist. Vielleicht hat es Ärger mit einem Kind oder einer Erziehungsperson gehabt? Oder der beste Freund oder die beste Freundin hat sich einem anderen Kind zugewandt? Katrin Gossner: «Auch Veränderungen zu Hause, etwa ein neues Geschwisterkind oder ein Umzug, können ein Kind hindern, in den Kindergarten gehen zu wollen.»

Kinder lassen ihren Emotionen meist freien Lauf. Was ihnen aber oft schwerfällt, ist es, die Ursachen für ihre Gefühle zu nennen. Diese Tipps helfen, den Auslösern für ihren Kummer auf den Grund zu gehen:

  • Bei einem Rollenspiel, etwa mit Puppen oder Kuscheltieren, spielen Kinder oft Situationen aus ihrem Alltag nach. Vielleicht erfährst du die Ursache, warum dein Kind den Kindergarten verweigert, wenn ihr gemeinsam «Kindergarten» spielt.
  • Das Kind gleich am Frühstückstisch zu fragen, warum es nicht in den Kindergarten will, wühlt es auf und bewirkt eher, dass es sich noch mehr dagegen sträubt. Warte einen ruhigen Zeitpunkt am Nachmittag oder Abend ab, um dein Kind auf das Thema anzusprechen.
  • Erinnerst du dich an deine Zeit im Chindsgi? Kinder hören gerne zu, wenn Eltern von ihrer Zeit als Kinder erzählen. Und es macht Mut zu hören, wie Mama und Papa mit Problemen umgegangen sind.

Was tun, wenn das Kind nicht in den Kindergarten will?

Ist etwas im Kindergarten vorgefallen, womit das Kind nicht zurechtkommt? Wenn es plötzlich daheim bleiben und nicht mehr in den Kindergarten will, ist es wichtig, das Gespräch mit den Lehrpersonen zu suchen. Sie erleben das Kind täglich im Kindergarten und mit ihnen lässt sich gemeinsam nach der Ursache suchen, die das Kind vor dem Kindergarten zurückschrecken lässt. Ist die Ursache bekannt, haben Lehrpersonen und Eltern viele Möglichkeiten, das Kind zu entlasten. Was du tust, wenn das Kind nicht mehr in den Kindergarten möchte, hängt natürlich von der Ursache ab:

1 Hat es zum Beispiel Konflikte mit einem anderen Kind, kann gemeinsam mit dessen Eltern nach einer Lösung gesucht werden. Wenn die Eltern einen guten Draht zueinander haben, fällt es den Kindern oft leichter, sich aufeinander einzulassen.

2 Eine der häufigsten Ursachen sind Trennungsängste. Komm deinem Kind ein bisschen entgegen und verkürze etwa die Zeit, die es im Kindergarten bleiben muss: Bring es etwas später hin oder hol es etwas früher ab. Oder du sorgst für kleine Aufheiterungen und packst etwa das Lieblingsstofftier des Kindes als Überraschung in den Rucksack. Wichtig ist ausserdem, dass du deinem Kind signalisierst, dass du seine Ängste ernst nimmst.

3 Wenn das Kind nicht in den Kindergarten möchte, weil es keinen Draht zu den anderen Kindern bekommt, kann es helfen, das Kind etwas früher am Morgen zu bringen. Denn zu dem Kind, das als Erstes da ist, gesellen sich die anderen Kinder oft ganz von selbst. Oder du lädst Kinder, mit denen dein Kind gerne öfter spielen würde, zu euch nach Hause ein.

Warum verweigern Kinder die Schule?

Warum ein Kind die Schule verweigert, kann verschiedene Ursachen haben. Katrin Gossner nennt Beispiele: «Ein Grund kann eine neue Lehrperson sein, mit der das Kind nicht klarkommt. Oder Konflikte mit anderen Schülern machen den Schulbesuch schwierig.» Auch das Gefühl, keine Freunde zu finden oder gemobbt zu werden, führt dazu, dass Kinder Angst vor der Schule haben. Viele Kinder fühlen sich vom Lernstoff und Leistungsdruck stark überfordert und können deshalb nur schlecht lernen – mehr dazu liest du im Beitrag über Schulstress.

Fachleute fassen das unter dem Begriff Schulabsentismus zusammen und nennen als mögliche Ursachen kindbezogene Faktoren wie Trennungsangst, soziale Ängste, Leistungs- und Prüfungsangst oder eine Depression, familiäre Faktoren wie Überforderung oder Mehrfachbelastungen im Familiensystem sowie schulbezogene Faktoren wie Unter- oder Überforderung, Konflikte und Mobbing.[1] Unter Schulabsentismus fällt dabei nicht erst das wochenlange Fernbleiben: Auch wiederholtes Zuspätkommen oder das vorzeitige Verlassen einzelner Lektionen gehört dazu.[1]

Und um welche Art der Schulverweigerung handelt es sich? Die Schulpsychologischen Dienste unterscheiden drei Formen: Schulangst, Schulphobie beziehungsweise Trennungsangst und Schuleschwänzen.[2]

Was ist Schulangst?

Schulangst kennzeichnet eine Angst, die konkret auf Situationen in der Schule gerichtet ist, die als bedrohlich erlebt werden. Das Kind ängstigt sich dann zum Beispiel vor Beschämung, Verletzung, Strafe oder Mobbing. Auch Prüfungsangst ist eine Form der Schulangst.[2] Einfach gesagt kann zwischen zwei Formen unterschieden werden:

  • Leistungsangst: Das Kind fürchtet, den Leistungsanforderungen nicht gerecht zu werden.
  • Soziale Angst: Das Kind hat Angst, sich zu blamieren, in eine peinliche Situation zu geraten oder gar gemobbt zu werden.[2]

Steckt Mobbing dahinter, haben Eltern in der Schweiz konkrete Handlungsmöglichkeiten – welche das sind, liest du im Beitrag zu Rechten und rechtlichen Schritten bei Mobbing.

Was ist eine Schulphobie?

Die Schulphobie ist dagegen eine umfassendere Angst. Bei jüngeren Kindern liegt meist eine starke Trennungsangst zugrunde – häufig verbunden mit der Befürchtung, den Bezugspersonen könnte etwas zustossen.[2] «Bei älteren Kindern kann die Schulphobie ein Anzeichen für eine beginnende psychische Erkrankung, zum Beispiel eine depressive Verstimmung, sein», so Katrin Gossner. Die Phobie äussert sich meist durch Wutausbrüche oder Teilnahmslosigkeit, kann aber auch von körperlichen Symptomen wie Bauchweh, Erbrechen, Einnässen und Schlafstörungen begleitet werden.

Schuleschwänzen – wenn das Kind «keine Lust» auf Schule hat

Eine weitere Erscheinungsform ist das Schuleschwänzen: das Fernbleiben aus Schulunlust und Disziplinlosigkeit, ohne zugrunde liegende Angst oder emotionale Belastung.[2] Dies ist eher ein bewusstes, manchmal auch lustvolles Aufbegehren gegen höhere Mächte, die diese Regeln gesetzt haben. Diese Kinder und Jugendlichen verhalten sich oppositionell. Häufig steht das Schwänzen im Zusammenhang mit schulischen Misserfolgen und Schwierigkeiten beim Lernen.

Was tun, wenn das Kind nicht in die Schule will?

Je nach Erscheinungsform der Schulverweigerung ist ein anderer Umgang nötig. Generell gilt jedoch: Alle Formen sind sehr ernst zu nehmen – sowohl von den Eltern als auch vom Lehrpersonal. Für Eltern ist die Grundhaltung wichtig, das Kind zwar zu verstehen, das Verhalten jedoch nicht zu akzeptieren. Damit das Kind möglichst schnell wieder lückenlos die Schule besucht, sollte eine enge Zusammenarbeit zwischen Kind, Eltern und Lehrpersonen gefördert werden. Setzt gemeinsam mit den Lehrpersonen Lernziele für dein Kind, die erreichbar sind.

Warte damit nicht zu lange. Fachleute betonen, dass ein rasches Vorgehen entscheidend ist: Je früher die Situation richtig eingeschätzt wird, desto besser ist die Prognose für die Rückkehr in den Unterricht.[1][2] Bleibt ein Kind über längere Zeit fern, drohen soziale Isolation, schulischer Misserfolg oder ein Schulabbruch – mit Folgen für die psychische Gesundheit und die berufliche Zukunft.[1]

Bei Schulangst oder Schulphobie ist es wichtig, das Problem sehr ernst zu nehmen und eventuell eine therapeutische Behandlung einzubinden.

Wo du Unterstützung bekommst

  • Schulpsychologischer Dienst: Jeder Kanton hat einen eigenen Dienst, der Eltern, Kinder und Schulen kostenlos berät. Die Anlaufstelle deines Kantons findest du über die Übersicht von Schulpsychologie Schweiz.[3]
  • Schulsozialarbeit: Fast jede Schule hat eine Fachperson, die bei Konflikten vermittelt.
  • Pro Juventute Elternberatung: rund um die Uhr erreichbar unter 058 261 61 61, kostenlos. Die Beratenden sind Fachpersonen aus Psychologie, Sozialer Arbeit und Sozialpädagogik, die Beratungen sind vertraulich. Eine medizinische Beratung ersetzen sie nicht.[4]
  • Beratung 147: die Notrufnummer für Kinder und Jugendliche selbst – ebenfalls kostenlos und rund um die Uhr.[4]

Damit dein Kind gar nicht erst in eine solche Situation gerät, hilft eine gute Eingewöhnung.

Wie kann ich meinem Kind die Eingewöhnung erleichtern?

«Bis sich ein Kind an den Kindergarten oder die Schule gewöhnt hat, können vier Wochen und mehr vergehen», weiss Katrin Gossner aus Erfahrung. Im Kindergarten wird die Trennung von Mutter oder Vater oft leichter, wenn eine Bezugsperson wie die Lehrperson das Kind direkt in Empfang nimmt, herzlich begrüsst und einbindet. Sich von einem tränenüberströmten Kind voller Trennungsangst zu verabschieden, fällt Eltern schwer. «Da ist es tröstlich zu wissen, dass in vielen Fällen die Tränen versiegen, sobald die Mutter oder der Vater weg ist», sagt die Schulpsychologin. Denn dann sind die Trennungsangst und der emotionale Abschied überstanden. Das Kind kann sich auf das Spiel, das Lernen und Gleichaltrige einlassen. Deshalb gilt: Geh trotzdem, auch wenn das Kind weint. Zeig ihm aber etwa mit einer Umarmung, dass du seine Angst ernst nimmst.

1 Um die Eingewöhnung zu erleichtern, ist es ratsam, den Kindergarten oder die Schule schon vor dem ersten Tag einmal gemeinsam zu besuchen. Ob an offiziellen Kennenlerntagen, einem Tag der offenen Tür oder einem Sommerfest: Es gibt viele Möglichkeiten, den Ort, an dem das Kind bald jeden Tag ein und aus gehen wird, vorab kennenzulernen.

2 Weck die Neugier im Kind: Erinnerst du dich an deine ersten Tage in der Schule oder im Kindergarten? Erzähl deinem Kind von Ausflügen, Spielen und spannenden Aufgaben, die du dort gemacht hast. Positive Erzählungen wecken in Kindern die Lust, ähnliche Dinge zu erleben.

3 Ein kuscheliger Begleiter kann die ersten Tage im Kindergarten ebenfalls erleichtern. Ob Stofftier, Schnuffeltuch oder Kuschelkissen: Mit einem solchen geliebten Gegenstand gibst du deinem Kind ein Stück Geborgenheit von zuhause mit in den Chindsgi. Oder du schenkst ihm zum Start ein neues Kuscheltier, das gemeinsam mit ihm in die aufregende Zeit startet.

Bau Vertrauen zu Kindergarten und Schule auf

Nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern können ein unbehagliches Gefühl dem Kindergarten oder der Schule gegenüber haben. Katrin Gossner betont: «Viele Eltern haben in der eigenen Kindheit selbst schlechte Erfahrungen mit dem Kindergarten oder der Schule gemacht.» Sinnvoll ist es, die eigenen Erfahrungen zu überdenken. «Denn Kinder spüren die Bedenken der Eltern.» Um sich gut lösen zu können, brauchen Kinder Eltern, die den Lehrpersonen vertrauen. Ein solches Vertrauen lässt sich durch einen guten Kontakt aufbauen. Und wenn es doch einmal hakt: Wie sich Probleme zwischen Eltern und Lehrpersonen lösen lassen, liest du hier.

Manchmal hilft es, weitere fachlich kompetente Personen einzubeziehen. Fachleute empfehlen bei Schulabsentismus ausdrücklich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit klarer Rollenverteilung – also Schule, Eltern, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie an einem Tisch.[1]

Quellen

  1. Stellenleitungskonferenz Schulpsychologische Dienste (SLK-SPD), Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der PUK Zürich und Soziale Dienste der Stadt Zürich: Empfehlung zum Vorgehen bei Schulabsentismus (PDF). November 2023. Abgerufen am 09.08.2026.
  2. Kanton Solothurn, Volksschulamt: Merkblatt Schulabsentismus (PDF). August 2020. Abgerufen am 09.08.2026.
  3. Schulpsychologie Schweiz: Ihre Ansprechpartner in den Kantonen. Abgerufen am 09.08.2026.
  4. Pro Juventute: Elternberatung rund um die Uhr. Abgerufen am 09.08.2026.

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