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Aktien auf Talfahrt: Kein schlechter Zeitpunkt, um zu investieren

Halten Sie auch die Luft an, wenn Sie die Börsenkurse betrachten? Überprüfen Sie womöglich ständig das Depot oder spielen sogar mit dem Gedanken an einen Notverkauf? Der unabhängige Finanzcoach Bruno Amgwerd erklärt, was jetzt zu tun ist und warum selbst die jetzige Situation nicht zwingend ein schlechter Zeitpunkt für Investitionen ist.

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Der Blick auf den Börsenkurs sorgt bei eininge für Herzrasen. Auch bei Ihnen? Bild: SusanneB, Getty Images

Herr Amgwerd, die einschneidenden Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus haben grosse Auswirkungen auf unser tägliches Leben und natürlich auch auf die Wirtschaft. Die Kursschwankungen an den Finanzmärkten sind aussergewöhnlich. Ist das Geld der Anleger jetzt gefährdet?

Diejenigen, die eine langfristige Anlagestrategie aufgebaut haben, müssen sich nicht fürchten. Sie kann und muss ein solches Szenario bewältigen. Wenn man weitsichtig geplant hat und jetzt nicht verkaufen muss, kann man die Korrekturen aussitzen und muss die aktuellen Verluste nicht realisieren.

Wie sollten sich Anleger jetzt verhalten?

In einer solchen Stressphase, wie wir sie derzeit erleben, ist ein möglichst emotionsloser Umgang mit Investitionen gefragt. Die Grundsätze für erfolgreiche Aktien-Investitionen wie Diversifikation, also die Streuung der Aktien, und Disziplin sind wichtiger denn je.

Manche Anleger müssen aber jetzt schon feststellen, dass sie massive Buchwertverluste erlitten haben. Was sollten sie tun?

Unabhängig davon, ob man bereits Buchwertverluste verzeichnet oder nicht, ist es jetzt höchste Zeit zu überprüfen, ob die Anlagen diversifiziert, also in verschiedenen Anlageklassen gut gestreut sind. Jede Anlageklasse sollte auch in sich diversifiziert sein. Das erreicht man zum Beispiel durch den Einsatz von Exchange Traded Funds (ETFs), das sind börsengehandelte Investmentfonds. Ausserdem ist es wichtig, die laufenden Kosten und Gebühren zu überprüfen. Wenn jährlich mehr als 1.2 Prozent des investierten Kapitals für laufende Kosten anfallen, besteht Handlungsbedarf.

Welche Handlungsmöglichkeiten bestehen in diesem Fall?

Dann drängt sich ein Wechsel der Plattform oder des Anbieters an. Hat man zum Beispiel bisher in aktiv gemanagte Anlagefonds investiert, ist es nun höchste Zeit, diese gegen ETFs auszuwechseln.

Ist es wichtig, das Depot ständig zu überwachen?

Nein, denn ständiges Betrachten der Werte lässt die Kurse leider nicht steigen. Stattdessen erzeugt der sich stetig wiederholende Blick aufs Depot unnötigen Stress und ein ungutes Gefühl. Die Angst vor Verlusten steigt. Wer die Diversifikation und die Kosten bereits überprüft und für in Ordnung befunden hat, wählt eine bessere Strategie: Er lässt das Depot wie einen guten Wein im Keller liegen. Unter Umständen kann er sogar den Aktienanteil im Depot noch etwas erhöhen. Ganz im Sinn von antizyklischem Verhalten.

Was raten Sie denjenigen, deren Nerven sich nicht beruhigen lassen?

Je stärker die Nerven angespannt sind, desto mehr steigt die Gefahr von einem Panik- oder Notverkauf. Ich rate dringend dazu, vor einem Panikverkauf noch mit einer erfahrenen Person zu reden. Denn in solchen Momenten ist statt Kurzschlusshandlung Disziplin gefragt. Oft muss man auch die eigene Komfortzone verlassen, in der man sich besonders sicher fühlt und etwas Ungewissheit aushalten.

Sehen Sie die Möglichkeit, aus der derzeitigen Situation sogar Kapital zu schlagen?

Des einen Leid, des anderen Freud. Für all diejenigen, die schon länger darüber nachgedacht haben, mit systemmässigem Vermögensaufbau zu beginnen: Jetzt ist definitiv kein schlechter Zeitpunkt dazu. Je nach Index erhält man die ETFs zum Teil bis zu 30 Prozent günstiger als noch vor einem Monat.

Was müssen diejenigen, die jetzt investieren wollen, beachten?

Es ist wichtig, immer die vier Grundsätze für erfolgreiche Aktien-Investitionen, also Disziplin, Diversifikation, Transparenz und Handelbarkeit, zu berücksichtigen. Beim Beginn und Aufbau eines Aktiendepots lässt sich die Diversifikation auch bezüglich des Einstiegszeitpunktes berücksichtigen. So ist es zum Beispiel möglich, mit Hilfe eines Dauerauftrages über einen längeren Zeitraum ein Aktiendepot aufzubauen. Dabei ist unbedingt die Transparenz der Kosten im Auge zu behalten!

Werden sich die Aktienmärkte wieder erholen?

Die Welt dreht sich weiter, auch in der Wirtschaft. Innovationen wirken sich auf die Aktienmärkte längerfristig positiv aus. Wer langfristig investiert und die vier erwähnten Grundsätze einhält, wird für die auszuhaltenden Schwankungen entschädigt und sogar entsprechend belohnt.

Der Finanzcoach Bruno Amgwerd

Bruno Amgwerd, Finanzcoach.

Der zertifizierte Finanzcoach Bruno Amgwerd bietet mit seiner Firma: Amgwerd-Finanzcoaching GmbH in Stäfa (Kanton Zürich) Finanzplanungen, Finanzcoaching und Ruhestandsplanungen an. Besonders wichtig ist ihm dabei, individuell sinnvolle Lösungen zu finden und Kunden Wissen und Entscheidungsstärke zu vermitteln. Die Hälfte des Honorars, das er aus Finanzcoachings erhält, lässt er dem Hilfswerk Women’s Hope International zukommen.