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Ferienjobs, Lehrlingslohn & erste Steuer: Was Jugendliche in der Schweiz wissen sollten

Der erste Lohn ist für viele Jugendliche ein Meilenstein – und für dich als Elternteil oft eine Mischung aus Stolz, Sorge und vielen Fragen. Was ist bei Ferienjobs erlaubt, welche Abzüge stehen auf der Lohnabrechnung, und wann werden AHV und Steuern plötzlich ein Thema? Dieser Artikel gibt dir verlässliche Orientierung und konkrete Gesprächsimpulse, damit dein Teen gut geschützt ist und finanziell Schritt für Schritt selbstständiger werden kann.

Teen räumt Regale ein in Bibliothek
Ferienjobs sind möglich – aber Alter, Zeiten und Arbeitsschutz zählen. © FG Trade / Getty Images

Ferienjobs: Was ist erlaubt?

In der Schweiz gelten für Jugendliche klare Schutzregeln. Sie sollen arbeiten können, ohne dass Gesundheit, Entwicklung oder Schule darunter leiden. Genau deshalb gibt es den Jugendarbeitsschutz mit Vorgaben zu Mindestalter, erlaubten Tätigkeiten und Arbeitszeiten. Massgebend sind die gesetzlichen Grundlagen und die Vollzugshilfen des SECO zum Jugendarbeitsschutz.

Mindestalter & «leichte Arbeiten»

Entscheidend ist nicht nur das Alter, sondern auch, was dein Kind macht. «Leichte Arbeiten» sind Tätigkeiten, die weder gefährlich sind noch die körperliche oder psychische Entwicklung beeinträchtigen – typischerweise einfache Aushilfen, Botengänge, Aufräumen, leichte Arbeiten im Detailhandel oder in der Gastronomie ohne riskante Geräte. Tätigkeiten mit erhöhtem Unfallrisiko, mit gefährlichen Maschinen, gefährlichen Stoffen oder in klar gesundheitsbelastenden Umgebungen sind für Minderjährige besonders eingeschränkt oder verboten. 

Arbeitszeiten & Schutzvorschriften

Eltern fragen oft: «Wie viele Stunden sind okay?» Neben gesetzlichen Grenzen lohnt sich auch der Blick auf die Belastbarkeit: Jugendliche stecken mitten in der Entwicklung, Schlaf und Erholung bleiben zentral. Aus medizinischer Sicht ist ausreichend Schlaf im Teenageralter ein relevanter Schutzfaktor für Lernleistung, psychische Stabilität und Unfallprävention. Praktisch heisst das: Auch wenn ein Job formal erlaubt ist, sollte er nicht so spät oder so lange sein, dass Schlaf, Freizeit und Familienalltag dauerhaft kippen.

Achte zudem auf typische Schutzpunkte: keine Nachtarbeit, keine gefährlichen Alleinarbeiten, klare Pausen und ein realistischer Einsatzplan. Im Zweifel gilt: Lieber einen Job weniger, dafür einen, der gut betreut ist und in den Alltag passt.

Vertrag & Einwilligung der Eltern

Bei Minderjährigen ist es sinnvoll, wenn du als Elternteil zumindest den Rahmen mitprüfst: Was genau sind die Aufgaben, wie hoch ist der Lohn, wie werden Stunden erfasst, und wer ist die Ansprechperson? Ein schriftlicher Vertrag oder zumindest eine schriftliche Bestätigung (E-Mail genügt oft) schafft Klarheit. Das ist keine Misstrauensgeste, sondern eine gute Übung in Alltagskompetenz: Dein Teen lernt, dass Arbeit und Geld immer auch Regeln und Verantwortung bedeuten.

Checkliste «Ist dieser Job erlaubt?»

  • Tätigkeit: Handelt es sich um «leichte Arbeiten» ohne gefährliche Maschinen, gefährliche Stoffe oder hohes Unfallrisiko?
  • Arbeitszeiten: Sind Start- und Endzeiten altersgerecht und bleibt genug Schlaf/Erholung möglich?
  • Betreuung: Gibt es eine klare Ansprechperson und eine Einführung (Sicherheit, Abläufe, Pausen)?
  • Schriftlichkeit: Sind Lohn, Stunden, Aufgaben und Einsatzdauer schriftlich festgehalten?
  • Bauchgefühl: Wirkt der Betrieb seriös (Stundenerfassung, Lohnzahlung, respektvoller Umgang)? Wenn nicht: lieber absagen.

Erster Lohn: So liest man eine Lohnabrechnung

Die erste Lohnabrechnung kann verwirrend sein: Viele Jugendliche sehen «Brutto» und fragen sich, warum weniger auf dem Konto landet. Genau hier kannst du helfen – ohne Druck, eher wie bei einer gemeinsamen Übersetzung: «Was bedeutet diese Zeile, und wofür ist das Geld?»

Brutto vs. Netto

Bruttolohn ist der Lohn vor Abzügen. Nettolohn ist der Betrag, der nach Abzügen tatsächlich ausbezahlt wird. Abzüge sind nicht automatisch «weg»: Ein Teil sind Beiträge an Sozialversicherungen, die später Leistungen absichern (z. B. bei Erwerbsausfall oder im Alter).

Typische Abzüge (AHV/IV/EO, ALV, BVG)

Welche Abzüge auftauchen, hängt vom Alter, der Art des Jobs und der Lohnhöhe ab. Zentral sind die Sozialversicherungen. Laut dem AHV-Merkblatt zur Beitragspflicht beginnt die ordentliche Beitragspflicht für Erwerbstätige am 1. Januar nach dem 17. Geburtstag (BSV, 2024). Ab dann erscheinen in der Regel Beiträge an AHV/IV/EO auf der Abrechnung. ALV (Arbeitslosenversicherung) kann ebenfalls ausgewiesen sein, je nach Anstellung und Lohn. BVG (berufliche Vorsorge/Pensionskasse) wird bei Lernenden und jungen Aushilfen nicht immer fällig; ob Beiträge anfallen, hängt insbesondere von Beschäftigungsgrad und Eintrittsschwelle sowie der jeweiligen Vorsorgelösung ab. Wenn BVG abgezogen wird, ist das ein Hinweis darauf, dass bereits in die zweite Säule einbezahlt wird.

Wichtig für den Familienalltag: Erkläre deinem Teen, dass Abzüge nicht «Strafe» sind, sondern Teil des Systems, das Risiken im Leben abfedert. Das ist auch entwicklungspsychologisch sinnvoll: Jugendliche profitieren von konkreten, nachvollziehbaren Regeln und vom Gefühl, Dinge selbst zu verstehen und einordnen zu können.

Beispiel-Lohnabrechnung 

Beispiel (fiktiv): Ein:e Jugendliche:r arbeitet im Sommer 40 Stunden und erhält einen Bruttolohn von 800 CHF. Wenn aufgrund des Alters bereits AHV/IV/EO-Beiträge anfallen, wird ein Teil abgezogen. Dazu können – je nach Konstellation – weitere Abzüge kommen. Entscheidend ist nicht die exakte Prozentzahl im Beispiel, sondern dass ihr gemeinsam erkennt: Brutto minus Abzüge ergibt Netto, und die Abzüge haben einen Zweck. Wenn ihr unsicher seid, kann der Lehrbetrieb oder die Lohnbuchhaltung kurz erklären, warum welche Zeile erscheint.

AHV: ab wann zahlen Jugendliche Beiträge?

Die AHV-Frage kommt oft genau dann, wenn Jugendliche erstmals regelmässig arbeiten: im Ferienjob, im Nebenjob oder zu Beginn der Lehre. Gut zu wissen: Es gibt eine klare Altersregel, die in der Schweiz einheitlich gilt.

Regel: 1. Januar nach dem 17. Geburtstag

Die ordentliche Beitragspflicht für erwerbstätige Personen beginnt gemäss AHV-Merkblatt zur Beitragspflicht am 1. Januar nach dem 17. Geburtstag. Das bedeutet: Wer im Jahr 2026 17 Jahre alt wird, zahlt ab dem 1. Januar 2027 Beiträge, sobald erwerbstätig.

Was Eltern/Lehrbetrieb wissen müssen

Für dich als Elternteil ist vor allem wichtig: Ab dem Zeitpunkt der Beitragspflicht sind Abzüge auf dem Lohn normal und korrekt. Der Lehrbetrieb oder Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, die Beiträge abzurechnen. Für Jugendliche ist es entlastend zu wissen: «Das ist nicht willkürlich, das ist gesetzlich geregelt.» Wenn dein Teen verschiedene Jobs hat (z. B. Lehrbetrieb plus Nebenjob), lohnt sich besonders, Lohnabrechnungen aufzubewahren und Fragen früh zu klären.

AHV-Regel 

Merke: AHV/IV/EO-Beiträge bei Erwerbstätigkeit ab 1. Januar nach dem 17. Geburtstag (BSV, 2024).
Beispiel: Geburtstag 20. September 2009 → 17. Geburtstag im Jahr 2026 → Beitragspflicht ab 1. Januar 2027 (bei Arbeit).

Steuern: wann kommt die erste Steuererklärung?

Steuern sind für viele Familien das grösste Fragezeichen – auch weil die Praxis kantonal unterschiedlich ist. Die wichtigste Orientierung: Minderjährige werden in der Regel über die Eltern mitveranlagt; mit der Volljährigkeit kommt die eigene Steuerpflicht. Details (z. B. ab wann eine Steuererklärung zugestellt wird) können sich je nach Kanton unterscheiden.

Grundsatz: ab Volljährigkeit kantonal

In vielen Kantonen gilt: Mit 18 wird dein Kind steuerlich eigenständig, und ab dann kann eine eigene Steuererklärung fällig werden. Ob Jugendliche schon davor «separat» auftauchen, hängt von Einkommen, Vermögen und kantonaler Praxis ab. Plane deshalb: Spätestens im Jahr der Volljährigkeit lohnt es sich, einmal gemeinsam anzuschauen, wie eine Steuererklärung grundsätzlich funktioniert (Einkommen, Abzüge, Fristen).

Lehrlingslohn & Deklaration: kantonale Praxis

Der Lehrlingslohn ist Einkommen – wie stark er steuerlich ins Gewicht fällt, hängt von Höhe, Abzügen und Kanton ab. Häufig ist die Steuerbelastung bei tiefen Einkommen gering, aber die Deklaration kann trotzdem verlangt sein. Wenn du unsicher bist, ist der pragmatischste Weg: die offiziellen kantonalen Steuerinformationen konsultieren oder beim Steueramt nachfragen. Wichtig ist auch hier der Lerneffekt: Dein Teen soll verstehen, dass «Steuern» nicht erst anfangen, wenn «viel Geld» da ist, sondern ein System mit Regeln und Fristen sind.

FAQ 

  • Muss mein Kind mit Lehrlingslohn Steuern zahlen? Je nach Kanton und Höhe des Einkommens kann eine Deklaration nötig sein; die effektive Steuer kann bei tiefen Einkommen sehr niedrig ausfallen.
  • Kommt die erste Steuererklärung automatisch? Oft ja, rund um die Volljährigkeit oder bei entsprechender Erfassung im System; kantonale Praxis beachten.
  • Was braucht man fürs Ausfüllen? Lohnausweise, Bank-/Sparkontoauszüge, ggf. Belege für Abzüge (z. B. Berufskosten), je nach Kanton.
  • Wo finde ich verlässliche Infos? Bei den kantonalen Steuerverwaltungen

Was Eltern mit dem Teen vorab klären sollten

Ein Ferienjob oder die erste Lehre ist nicht nur «Geld verdienen», sondern ein Lernfeld: Verbindlichkeit, Zeitmanagement, Selbstwirksamkeit und Umgang mit Konsumdruck. Du musst nicht alles kontrollieren – aber du kannst einen sicheren Rahmen setzen. Jugendliche profitieren dabei besonders von klaren, konkreten Abmachungen statt von langen Grundsatzdiskussionen.

Budget-Aufteilung

Bewährt hat sich eine einfache Regel, die ihr gemeinsam festlegt: Ein Teil wird gespart (z. B. für Führerschein, Laptop, Ausbildung, Notgroschen), ein Teil ist frei für Freizeit, und ein Teil ist fix für wiederkehrende Ausgaben (z. B. ÖV, Handy, Verpflegung). Wichtig ist, dass dein Teen eine echte Entscheidungsfreiheit erlebt – und gleichzeitig sieht, dass Fixkosten immer zuerst kommen. Wenn du magst, startet klein: Ein Monat «Testlauf» mit kurzer Nachbesprechung funktioniert oft besser als ein perfekter Jahresplan.

Schuldenprävention 

Viele Schuldenfallen sind heute digital: Abos, In-App-Käufe, «Buy now, pay later» (BNPL) und Kleinkredite über Zahlungsdienste. Jugendliche sind entwicklungsbedingt stärker durch Belohnungsreize und Gruppendruck beeinflussbar, während die Fähigkeit zur langfristigen Risikoabwägung noch reift. Umso hilfreicher ist ein einfaches Schutz-Setup: klare Regeln für Abos, keine Zahlmethoden mit «später zahlen», und ein gemeinsamer Blick auf Kontoauszüge am Anfang. Das ist keine Kontrolle «für immer», sondern Starthilfe, bis Routine da ist.

Gesprächsleitfaden «Erster Lohn»

1) Was will ich mit dem Lohn erreichen? (ein Ziel in 3 Monaten, ein Ziel in 12 Monaten)
2) Welche Fixkosten habe ich? (ÖV, Handy, Essen, Schulmaterial)
3) Was bedeutet Brutto/Netto? (gemeinsam eine Lohnabrechnung anschauen)
4) Welche Abmachung gibt mir Freiheit und Sicherheit? (Sparen/Spass/Notgroschen, wer zahlt was)
5) Welche Risiken will ich vermeiden? (Abos, BNPL, «nur schnell» etwas auf Rechnung)
6) Wann machen wir einen Check-in? (in 4 Wochen: Was lief gut, was war schwierig?)

Wenn du am Ende dieses Prozesses das Gefühl hast, dein Teen versteht Lohn, Abzüge und die wichtigsten Regeln – dann ist schon viel gewonnen. Nicht Perfektion ist das Ziel, sondern ein sicherer Einstieg, bei dem dein Kind lernen darf, ohne unnötige Risiken zu tragen.

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