Leben > FinanzenKrankenkasse zum Jahresende wechseln: Expertentipps für Familien Sigrid Schulze Zum Jahreswechsel rückt die Krankenversicherung wieder in den Fokus. Auch die Frage, ob du die Krankenkasse wechseln oder bei der bisherigen bleiben sollst, steht bei vielen wieder im Raum. Finanzcoach Bruno Amgwerd erklärt, was Familien jetzt wissen müssen, um sich gut zu versichern. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Krankenkassenwechsel in der Schweiz: die 5 wichtigsten Fakten Grundversicherung (OKP): Leistungen sind gesetzlich festgelegt – die Prämien und Modelle unterscheiden sich je nach Kasse, Kanton/Prämienregion und Alter. Frist Grundversicherung: Ein Wechsel auf den 1. Januar gelingt nur, wenn die Kündigung fristgerecht beim bisherigen Versicherer eintrifft und keine offenen Prämien/Betreibungen den Wechsel blockieren. Zusatzversicherung (VVG): Aufnahme ist nicht garantiert (Gesundheitsprüfung möglich). Darum: erst kündigen, wenn die Zusage schriftlich da ist. Familien sparen oft über das Modell: Hausarzt/HMO/Telmed können Prämien senken – aber nur, wenn die Regeln im Alltag auch wirklich passen (z.B. wer zuerst kontaktiert werden muss). Kinderversicherung ist ein eigenes Thema: Bei Kindern geht es häufig um Zähne, Brille/Sehhilfen und Psychotherapie – hier sind die Unterschiede in Zusatzversicherungen besonders gross. Deadline & Zustellung: bis wann muss die Kündigung wirklich da sein? Entscheidend ist nicht, wann du den Brief abschickst, sondern wann er beim Versicherer ankommt. Plane deshalb Zeitpuffer ein und sende die Kündigung nach Möglichkeit so, dass du einen Zustellnachweis hast (z.B. Einschreiben oder A-Post Plus). Offizielle Informationen und Musterbriefe findest du bei Priminfo/BAG; nutze diese Links und Vorlagen, damit Formulierungen und Fristen stimmen. Grundversicherung vs Zusatzversicherung: warum die Fristen unterschiedlich sind Die Grundversicherung ist gesetzlich geregelt und muss dich aufnehmen. Zusatzversicherungen sind privatrechtlich organisiert; Anbieter dürfen Anträge ablehnen oder Vorbehalte machen. Genau darum solltest du Zusatzversicherungen immer getrennt planen: Grundversicherung wechseln ist oft unkompliziert – Zusatzversicherung kann Zeit brauchen. Schritt-für-Schritt: So wechselst du ohne Deckungslücke Schritt 1: Prämien vergleichen und Modell/Franchise prüfen Vergleiche Prämien und prüfe gleichzeitig, welches Modell (Standard, Hausarzt, HMO, Telmed) zu deinem Familienalltag passt. Überlege bei der Franchise realistisch: Was waren eure Arzt- und Therapiekosten in den letzten Jahren – und was könnte nächstes Jahr anstehen (z.B. Kontrollen, Abklärungen, geplante Eingriffe)? Schritt 2: Neue Grundversicherung beantragen Stelle den Antrag bei der neuen Kasse rechtzeitig. So reduzierst du Stress und hast Klarheit, bevor du dich nur auf die Kündigung verlässt. Schritt 3: Kündigung korrekt zustellen Sende die Kündigung so, dass du belegen kannst, dass sie fristgerecht eingetroffen ist. Bewahre Quittungen und Tracking/Belege auf. Schritt 4: Zusatzversicherung erst nach Zusage wechseln Wenn du Zusatzleistungen willst (z.B. Zähne, Brille, Psychotherapie, Spitalzusatz), beantrage diese zuerst und warte die schriftliche Aufnahmebestätigung ab. Kündige die bestehende Zusatzversicherung erst dann – sonst riskierst du Lücken oder teurere Alternativen. Häufige Stolpersteine bei Familien Prämienrückstände: Offene Prämien oder Verlustscheine können einen Wechsel blockieren. Kläre das frühzeitig mit dem Versicherer. Unfalldeckung (UVG): Wenn du oder dein:e Partner:in angestellt bist und über den Arbeitgeber ausreichend gegen Unfall versichert seid, kann man die Unfalldeckung in der Grundversicherung unter bestimmten Bedingungen sistieren. Prüfe das genau, damit keine Lücke entsteht – besonders bei Teilzeit, Arbeitgeberwechsel oder bei Jugendlichen in Ausbildung. «Eine Familienkasse für alle» ist nicht immer am günstigsten: Manchmal lohnt es sich, Grund- und Zusatzversicherung zu trennen (Splitting) oder innerhalb der Familie unterschiedliche Anbieter/Modelle zu wählen – wichtig ist, dass ihr den Überblick behaltet. Musterbrief-Links (Priminfo) + Mini-Template im Artikel Wichtig: Nutze nach Möglichkeit die offiziellen Musterbriefe von Priminfo/BAG. Wenn du eine kurze Formulierung brauchst, kannst du dich an folgendem Mini-Template orientieren: «Betreff: Kündigung Grundversicherung per 31.12. Sehr geehrte Damen und Herren Hiermit kündige ich meine Grundversicherung (OKP) per 31. Dezember [Jahr]. Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung schriftlich und teilen Sie mir den Kündigungstermin mit. Freundliche Grüsse [Name, Vorname, Adresse, Geburtsdatum, Versichertennummer]» Mini-FAQ Muss ich die Zusatzversicherung kündigen, wenn ich die Grundversicherung wechsle? Nein. Grund- und Zusatzversicherung können unabhängig voneinander laufen. Viele Familien behalten die Zusatzversicherung und wechseln nur die Grundversicherung – oder umgekehrt. Was, wenn mein Kind für eine Zusatzversicherung abgelehnt wird? Dann bleibt die bestehende Zusatzversicherung besonders wertvoll. Kündige sie deshalb erst, wenn du eine schriftliche Zusage der neuen Police hast. Bei Ablehnung lohnt sich oft eine zweite Offerte bei einem anderen Anbieter – aber ohne Zeitdruck. Wie gehe ich mit der Unfalldeckung um? Wenn die Unfallversicherung über den Arbeitgeber (UVG) gilt, kann die Unfalldeckung in der Grundversicherung meist sistiert werden. Bei Familienkonstellationen mit Teilzeit, Jobwechsel oder Elternzeit lohnt sich eine kurze Doppelprüfung, damit die Deckung durchgehend stimmt. Wie soll die eigene Familie am besten versichert werden? Finanzcoach Bruno Amgwerd gibt Rat. Bild: Erakain Esadonydee iStock, Getty Images Herr Amgwerd, zum Jahreswechsel stellt sich wieder das Thema Krankenkasse. Familien fragen sich, ob sie die Kasse wechseln sollen oder nicht. Oder ob es Sinn macht, die Höhe der eigenen Gefahrtragung, also der Franchise, anzupassen. Wie gehen Versicherte am besten vor? Bruno Amgwerd: Wenn du dich mit dem Thema beschäftigst, solltest du dich zuerst mit den rechtlichen und inhaltlichen Unterschieden zwischen der Grundversorgung und den Zusatzversicherungen vertraut machen. Danach ist es sinnvoll, dich zu fragen: Genügen mir und meinen Familienmitgliedern die Leistungen aus der Grundversicherung? Prüfe, ob Ansprüche im Krankheitsfall durch die versicherten Leistungen in der Grundversicherung gedeckt sind oder ob allfällige Kosten wie zum Beispiel Zahnkorrekturen abgesichert werden sollen. Familien könnten zu dem Schluss kommen, dass sie zusätzliche Risiken absichern wollen. In diesem Fall stellt sich ihnen die Frage, ob sie ein gesplittetes und ein nicht gesplittetes Modell wählen. Worin liegt der Unterschied? Beim gesplitteten Modell ist der Grundversicherer mit dem Zusatzversicherer nicht identisch. Ein interessanter Aspekt beim gesplitteten Modell ist, dass du dir in der Grundversicherung nicht nur den günstigsten Anbieter auswählen kannst. Du kannst darüber hinaus bei den Zusatzversicherungen denjenigen Anbieter heraussuchen, der die individuell wichtigen Punkte versichert. Gerade für Familien ist das praktisch, weil ihr damit gezielt dort absichert, wo in eurem Alltag hohe Kosten entstehen können (z.B. Zähne, Sehhilfen oder bestimmte Therapien) – ohne in der Grundversicherung an einen teuren Anbieter gebunden zu sein. Worauf ist bei der Wahl der Grundversicherung zu achten? Bei der Wahl der Grundversicherung liegt der Fokus auf verschiedenen Aspekten. Zum einen auf der Höhe der eigenen Gefahrtragung, also des Selbstbehalts, auch Franchise genannt. Und da sind zum anderen die verschiedenen Alternativmodelle wie zum Beispiel das Standard-, Hausarzt-, Health Maintenance Organization (HMO)- oder Telmed-Modell. All diese Aspekte, aber auch die Wahl des Anbieters, beeinflussen massgeblich die Höhe der Prämie in der Grundversicherung. Für Familien ist zusätzlich wichtig, dass das gewählte Modell zu eurem Alltag passt: Wer betreut die Kinder bei Krankheit, wie schnell kommst du zu deiner Hausärzt:in, und ist ein telefonischer Erstkontakt (Telmed) für euch realistisch – auch wenn es stressig ist? Rund ums Thema Krankenkassenwechsel Du willst die Krankenkasse für die Grundversicherung wechseln? Zunächst muss der Krankenkassenwechsel beantragt werden. Das ist in jedem Jahr bis zum 30. November möglich. Die neue Grundversicherung tritt dann am 1. Januar in Kraft. Zusatzversicherungen haben dagegen meist andere Kündigungsfristen. Mehr dazu hier. Was ist bei der Franchise zu bedenken? Wie hoch sollte sie sein? Zuerst zur Höhe der Franchise: Bei der Kalkulation der Prämien, Franchisen und Selbstbehalte ist bei ca. 2'000 Franken jährlichen Arztkosten die Nutzschwelle bei einer maximalen Jahresfranchise von 2'500 Franken erreicht. Da du die Arztkosten des Folgejahres in der Regel nicht kennst, bieten dir die vorangegangenen Jahre Orientierung, um die passende Franchise zu ermitteln. Der maximale Rabatt bei der grössten Franchise von 2'500 Franken darf 50 Prozent nicht übersteigen. Praktisch heisst das: Eine hohe Franchise lohnt sich vor allem, wenn du sehr wahrscheinlich wenig Kosten hast und du finanziell gut abfedern kannst, falls doch etwas Unerwartetes passiert. Wie könnte das Handling bei der Wahl eines höheren Selbstkostenanteils sein? Da bei Kindern die Voraussage der Kosten noch schwieriger ist, empfehlen die meisten Beratungen, bei Kindern auf Selbstbehalte beziehungsweise Franchisen zu verzichten. Bei den Alternativmodellen kannst du je nach Wahl bis zu 25 Prozent der Prämie sparen. Wenn du eine hohe Franchise wählst, empfiehlt es sich, insbesondere bei eher knappen Haushaltbudgets, Rückstellungen für Jahre mit hohen Arztkosten zu machen. Eine Möglichkeit ist, die Differenz zwischen der grössten und kleinsten Prämie auf die Seite zu legen. Diese Reserve lässt sich dann in Jahren mit hohen Arztkosten heranziehen, ohne das Budget überstrapazieren zu müssen. Bei der Wahl der Alternativmodelle entscheiden oft persönliche Situationen und Präferenzen. Wichtig ist dabei auch der Familienalltag: Wenn dein Kind häufig spontan medizinische Abklärungen braucht, kann ein Modell mit klaren «ersten Anlaufstellen» entlasten – oder als zusätzliche Hürde empfunden werden. Entscheide so, dass es im Stressfall funktioniert. Genügen einem Versicherten die Leistungen aus der Grunddeckung nicht, kommen Zusatzversicherungen in Frage. Welche Zusatzversicherungen gibt es? Im Wesentlichen existieren Krankenpflege-Zusatzversicherungen, die auch Ambulance-Zusatzversicherungen genannt werden, und zum Beispiel Sehhilfen und Alternativtherapien betreffen sowie Spitalzusatzversicherungen (Flex, HP oder Privat). Ausserdem gibt es Anbieter, die Nichtraucher mit tieferen Prämien belohnen. Zusätzlich werden auch Kapitalversicherungen, Zahnversicherungen oder Krankentaggelder angeboten. Die Angebotsvielfalt ist allerdings zu gross, um bei diesen Versicherungsarten ins Detail gehen zu können. Für Familien lohnt sich häufig ein sehr nüchterner Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis: Was ist wirklich versichert (inkl. Limiten pro Jahr), ab wann gilt die Leistung (Wartefristen), und welche Leistungen sind ausgeschlossen? Welche Zusatzversicherungen sind für Familien interessant? Für Familien sind vor allem Leistungen bei Psychotherapien und Deckungen bei Zahnangelegenheiten wie für Korrekturen von Zahnfehlstellungen interessant. Da gibt es riesige Angebotsunterschiede! Sehr wichtig ist, dass du Folgendes weisst: Wenn du mit einer Zusatzversicherung liebäugelst, kannst du nicht unbedingt davon ausgehen, auch versichert zu werden. Eine Aufnahme ist nicht garantiert. Oder mit anderen Worten: Bist du jung und gesund, wirst du mit offenen Armen empfangen und aufgenommen. Ist dies aber nicht mehr der Fall, sind Abweisungen von Versicherern leider keine Seltenheit. Gerade bei Kindern ist das emotional schwierig – deshalb ist mein Rat: Handle hier nicht unter Zeitdruck. Kläre zuerst, was ihr wirklich braucht, hole Offerten ein, beantworte Gesundheitsfragen vollständig und warte die Zusage ab, bevor du Bestehendes kündigst. Ein eher neuer Versicherungsschutz bietet Pflegefinanzierungen bei Pflegebedürftigkeit. Die Kosten bei Pflegebedürftigkeit können schnell ansteigen. Pflegefinanzierungen decken gewisse Pflegekosten zum Teil ab. Wenn vermögende Menschen solche Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen, lässt sich im weitesten Sinne von Vermögensschutz reden. Diese Versicherungen sind allerdings auch ziemlich kostspielig. Für Familien ist dabei wichtig, nicht nur auf die Prämie zu schauen, sondern auf die konkreten Leistungsauslöser und Begrenzungen: Ab wann wird bezahlt, wie wird Pflegebedürftigkeit definiert, und wie lange läuft die Leistung? Welches Fazit würdest du nun für Familien ziehen: Gesplittetes und oder nicht gesplittetes Modell? Zu den Nachteilen des Splittingmodells gehört, dass der Aufwand bei der Suche nach geeigneten Anbietern und beim Vertragsabschluss in den meisten Fällen etwas höher ausfällt. Viele scheuen sich auch vor einer gesplitteten Variante aus Angst, bei einem Spitalaufenthalt Probleme zu bekommen. Diese Sorge ist jedoch unbegründet. Die Vorteile des Splitting-Modells fallen hingegen nicht bescheiden aus: Zum einen kannst du dabei spezifisch nach Anbietern suchen, die genau die gewünschten Bedürfnisse abdecken. Zum anderen ist es möglich, die Grundversicherung bei nennenswerten Prämienveränderungen unkompliziert zu wechseln, da deren Deckung sowieso einheitlich ist und sich praktisch nur bei den Prämien unterscheiden. Für Familien heisst das oft: Grundversicherung möglichst effizient (Prämie/Modell/Franchise) organisieren – Zusatzversicherung bewusst und langfristig planen. Checkliste & Fristen Wechsel ohne Stress: deine Kurz-Checkliste Prämien/Modelle prüfen: Standard, Hausarzt, HMO, Telmed – passt es in euren Alltag (inkl. Ferien, Notfälle, Betreuungspersonen)? Franchise realistisch wählen: letzte Jahre als Orientierung, geplante Kosten berücksichtigen, Reserve bilden bei hoher Franchise. Neue Grundversicherung rechtzeitig beantragen (nicht bis zur letzten Woche warten). Kündigung nachweisbar zustellen (Einschreiben oder A-Post Plus) und Bestätigung ablegen. Zusatzversicherung separat prüfen: erst beantragen, schriftliche Zusage abwarten, dann alte Zusatz kündigen. Prämienrückstände klären: offene Forderungen können den Wechsel blockieren. Unfalldeckung checken: UVG über Arbeitgeber? Dann ggf. in der Grundversicherung sistieren – aber nur, wenn die Voraussetzungen durchgehend erfüllt sind. Fristen-Merker Grundversicherung: Kündigung muss fristgerecht eintreffen, damit der Wechsel per 1. Januar klappt. Zusatzversicherung: oft abweichende Fristen und Bedingungen; lies die Police und plane mehr Zeit ein. Checkliste & Download Wenn du für euch eine einfache Ablage willst, erstelle eine «Wechselmappe» (digital oder Papier) mit: Offerten, Antrag neue Kasse, Kündigungsschreiben, Zustellnachweis, Kündigungsbestätigung, Police(n). Das spart dir im Januar viel Sucherei – gerade, wenn Kinder krank sind und der Alltag ohnehin voll ist. Musterbrief-Links (Priminfo) + Mini-Template Nutze die offiziellen Musterbriefe von Priminfo/BAG für eine rechtssichere Formulierung. Mini-Template zur Orientierung (siehe Service-Box oben): Absenderdaten, Versichertennummer, eindeutiges Kündigungsdatum, Bitte um schriftliche Bestätigung. Der Finanzcoach Bruno Amgwerd Der zertifizierte Finanzcoach Bruno Amgwerd bietet mit seiner Firma: Amgwerd-Finanzcoaching GmbH in Stäfa (Kanton Zürich) Finanzplanungen, Finanzcoaching und Ruhestandsplanungen an. Besonders wichtig ist ihm dabei, individuell sinnvolle Lösungen zu finden und Kund:innen Wissen und Entscheidungsstärke zu vermitteln. Die Hälfte des Honorars, das er aus Finanzcoachings erhält, lässt er dem Hilfswerk Women’s Hope International zukommen.