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Wie Sie mit der Säule 3a richtig vorsorgen – und ob Sie wirklich Steuern sparen

Wer das Alter mit gewohntem Lebensstandard erleben möchte, muss in der Regel vorsorgen. Finanzcoach Bruno Amgwerd erklärt, worauf bei der gebundenen Vorsorge, der Säule 3a, zu achten ist.

Säule 3a und Steuern - ein komplexes Thema.

Die Zukunft beginnt jetzt! Was Sie bei der Altersvorsorge in Bezug auf Steuern beachten sollten, verraten wir hier. Foto: Pixdeluxe, E+, Getty Images Plus

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die dritte Säule ist für die Altersvorsorge wichtig, da allein die 1. und 2. Säule nicht ausreichen.
  • Sparende können sich zwischen der Säule 3a und der Säule 3b entscheiden.
  • 3a-Sparende profitieren beim Sparen von Steuerleichterungen, müssen allerdings auch eine Steuer zahlen, wenn sie das Geld ausgezahlt bekommen.
  • 3b-Sparende erhalten beim Sparen keine Steuererleichterungen, müssen aber auch später keine Steuer auf ihr Erspartes zahlen.
  • Sparende sollten für ihre individuelle Situation genau überlegen, welche Lösung sinnvoll ist.

Herr Amgwerd, in der Regel reichen die Leistungen aus der 1. und 2. Säule des Schweizer Vorsorge-Systems, also der staatlichen und beruflichen Vorsorge, nicht aus.

Ja, in der Tat. Deshalb ist es sinnvoll, die Altersvorsorge freiwillig mit der 3. Säule zu ergänzen. Kann und will also jemand zusätzlich privat für den zusätzlichen Lebensbedarf sparen, bieten sich die Säule 3a, die gebundene Vorsorge, und die Säule 3b, die freie Vorsorge, an.

Der 3a-Sparende profitiert sofort von Steuervorteilen, aber wird Jahre später bei Fälligkeit vom Fiskus zur Kasse gebeten.

Was ist mit der gebundenen Vorsorge gemeint?

Das Sparen in der Säule 3a wird gebundene Vorsorge genannt, da die entsprechenden Verträge mit Banken bzw. Versicherungsgesellschaften grundsätzlich mindestens bis zu einem Alter von 59 bzw. 60 Jahren bindend sind. Das bedeutet, in der Regel lässt sich auf das gesparte Kapital erst im Rentenalter zugreifen. Mit anderen Worten: Bis auf einige Ausnahmen ist das Vermögen nicht verfügbar, sozusagen reserviert für das Alter. Bis dahin wird je nach Variante regelmässig oder auch unregelmässig Geld eingezahlt.

Die Säule 3a wird besonders empfohlen. Warum?

Der entscheidende Unterschied zwischen der gebundenen und der freien Vorsorge besteht hauptsächlich in steuerlicher Hinsicht. Bei der gebundenen Vorsorge heisst es, bezogen auf die Steuern: «Spare heute – zahle morgen». Das bedeutet, dass der 3a-Sparende sofort von Steuervorteilen profitiert, aber Jahre später bei Fälligkeit vom Fiskus zur Kasse gebeten wird. Der Gesetzgeber hat also versucht, Sparen, vor allem Vorsorgesparen, mit steuerlichen Anreizen attraktiv zu machen, damit die Bevölkerung vermehrt Selbstvorsorge betreibt. Bei der freien Vorsorge, der Säule 3b, lautet das Steuermotto dagegen: «Zahle heute – Spare morgen». Beim freien Sparen bestehen also unmittelbar keine Steuervorteile, dafür ist später auch keine Steuer fällig.

In der Schweizer Vorsorgebranche spricht man in der Regel von den drei Risiken «Invalidität, «Tod» und – vielleicht etwas befremdend - «langes Leben».

Welche Risiken sollte der Sparer versichern?

In der Schweizer Vorsorgebranche spricht man in der Regel von den drei Risiken «Invalidität, «Tod» und – vielleicht etwas befremdend - «langes Leben». Grundsätzlich stellt sich also die Frage: Welche Risiken sollen oder wollen abgedeckt werden? Zu allen drei Risiken gibt es Lösungen von Banken und Versicherungen. Für den Endnutzer, also den Konsumenten, sind Banklösungen meistens dann attraktiv, wenn er sparen will. Für die Risikoabdeckungen im Invaliditäts- und Todesfall drängen sich typischerweise eher Lösungen und Produkte von Versicherungsgesellschaften auf.

Profitieren alle Anwender gleich stark von den Steuerprivilegien der Säule 3a?

Nein. Leider weisen Banken und Versicherungen darauf wenig hin. Doch die Attraktivität der Säule 3a hängt stark von verschiedenen Faktoren ab. Solche Faktoren sind zum Beispiel, in welchem Kanton und in welcher Gemeinde jemand wohnt, von der Höhe des steuerbaren Einkommens, des Zivilstandes und eventuell von der Konfession. All diese Aspekte drücken sich vereinfacht gesagt beim Verlauf der Steuerprogression aus.

Vor allem bei Sparlösungen sollte man darauf achten, wie hoch die Schlussrendite ausfällt, also die Rendite nach Berücksichtigung der Einkommens- und Kapitalleistungssteuer. Diese Renditen fallen zum Teil ziemlich bescheiden aus.

Was ist bezüglich Steuern noch wichtig zu wissen?

Bei der steuerlichen Behandlung der Säule 3a kommen zwei verschiedene Steuerarten zur Anwendung. Wer in die 3a-Säule einzahlt, spart Einkommenssteuer. Wer dann später Auszahlungen und Leistungen von 3a-Instrumenten bezieht, muss eine Kapitalleistungssteuer zahlen. Einkommenssteuer und Kapitalleistungssteuer sind verschiedene, voneinander unabhängige Steuertarife. So kann zum Beispiel ein Standort für die Einkommensteuer attraktiv, für die später fällige Kapitalleistungssteuer jedoch unattraktiv sein.

Wie kann ein Sparer erkennen, ob sich ein gebundenes Angebot für ihn lohnt oder nicht?

Vor allem bei Sparlösungen sollte er darauf achten, wie hoch die Schlussrendite ausfällt, also die Rendite nach Berücksichtigung der Einkommens- und Kapitalleistungssteuer. Diese Renditen fallen zum Teil ziemlich bescheiden aus. Dann drängt sich die Frage auf, ob unter dem Aspekt der Steuerersparnis eine 3a-Sparlösung wirklich sinnvoll ist. Der Sparer sollte seinen Finanzberater bitten, die entsprechenden Zahlen zu berechnen. Das ist mit Hilfe einer speziellen Software möglich. Mit der Kenntnis dieser Zahlen lassen sich dann entsprechend verschiedene Strategien vergleichen, damit der Sparer möglichst stark vom Steuergeschenk des Staates profitieren kann.

Mehr erfahren

Mehr zu den Grundlagen der Gebundenen Selbstvorsorge erfahren Sie hier.

Der Finanzcoach Bruno Amgwerd

Bruno Amgwerd, Finanzcoach.

Der zertifizierte Finanzcoach Bruno Amgwerd bietet mit seiner Firma: Amgwerd-Finanzcoaching GmbH in Stäfa (Kanton Zürich) Finanzplanungen, Finanzcoaching und Ruhestandsplanungen an. Besonders wichtig ist ihm dabei, individuell sinnvolle Lösungen zu finden und Kunden Wissen und Entscheidungsstärke zu vermitteln. Die Hälfte des Honorars, das er aus Finanzcoachings erhält, lässt er dem Hilfswerk Women’s Hope International zukommen.