Leben > FinanzenKinder haben ihren Preis: was ein Kind kostet Sigrid Schulze Wenn ihr Familie plant, hilft es, einmal bewusst euer Budget durchzurechnen. Denn Kinder kosten Geld – und zwar nicht nur für Windeln, Kleider oder Freizeit, sondern auch indirekt über weniger Erwerbsarbeit. Hier findest du Orientierung, wie hoch die Kosten je nach Alter ausfallen können, wo die grössten Treiber liegen und wie du die Zahlen auf eure Situation herunterbrichst. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken Sobald das Baby da ist, geht die Rechnung los: Wie viel kostet ein Kind? Foto: Mukhina1 - iStock / Getty Images Plus Darum geht es im Artikel: Kinder kosten schon vor der Geburt eine Stange Geld Die Höhe von direkten und indirekten Kosten Wie viel Kinderbetreuung kostet Kinder machen das Leben bunt. Sie bringen dich zum Lachen, machen dich stolz und fordern dich heraus. Gleichzeitig ist der Alltag mit Kind(ern) eine finanzielle Daueraufgabe: Viele Familien haben weniger Einkommen, weil ein Elternteil (oft die Mutter) das Pensum reduziert – und parallel steigen die Ausgaben im Haushalt. Wenn du früh weisst, welche Kosten auf euch zukommen können, lassen sich Entscheidungen zu Betreuung, Wohnsituation und Arbeitspensum realistischer planen. Mehr zum Thema: Kinderzulagen und Co: Hilfe für Familien vom Staat Spartipps für Familien Streit um Geld in der Beziehung Wieviel kostet ein Kind? Schon vor der Geburt gilt es, einige Rechnungen zu bezahlen: für das Kinderbettchen, den Kinderwagen, die Baby-Kleidung. «Die Ausstattung für ein Baby kostet gut und gern mehrere 100 Franken oder mehr», heisst es bei der Budgetberatung Schweiz. Ein Kind kann also schon vor der Geburt spürbar auf euer Budget schlagen. Tipp für die Praxis: Gerade bei der Erstausstattung lohnt sich ein Prioritäten-Check (Sicherheit/Normen, Alltagstauglichkeit, Wiederverkaufswert) – vieles lässt sich gebraucht sehr gut kaufen, während du bei sicherheitsrelevanten Produkten (z.B. Babyschale) besonders kritisch prüfen solltest. Mehrere hundert Franken monatlich für ein Baby Auch direkt nach der Geburt sind die finanziellen Mehr-Ausgaben spürbar. «Die stolzen Eltern verschicken Geburtsanzeigen. Ist die Familie wieder zu Hause, kommt viel Besuch, der verkostet werden möchte – man freut sich, sein Kind allen Verwandten und Freunden zu zeigen. Windeln und Babynahrung müssen eingekauft werden, …», zählt die Budget-Beratung Schweiz auf. Je nachdem, ob du stillst oder Flaschennahrung nutzt, ob du Stoffwindeln oder Wegwerfwindeln bevorzugst und wie stark ihr auf Secondhand setzt, kann die Spannweite gross sein. Als Richtwert gilt: Schon ein Säugling rechnet sich monatlich mit etwa 300 bis 400 Franken. Das kostet ein Säugling im Monat Nahrungsmittel: 60 bis 150 Franken Haushaltsnebenkosten wie Waschmittel: ca. 40 Franken Windeln und Säuglingspflege: 50 bis 100 Franken Kleider: ca. 50 Franken Krankenkassenprämie mit Unfallversicherung: 80 Franken Gesundheitskosten: 20 Franken (Erfahrungszahlen der Budgetberatung Schweiz) Wieviel ein Kind kostet: die direkten Kosten Kinder brauchen nicht nur Spielzeug, Sportgeräte, Fahrräder und eine persönliche Kinderzimmer-Einrichtung. Auch Kurse, zum Beispiel für Musik und Sport, Klassenfahrten und vieles mehr kommen dich teuer zu stehen. Bis ein Kind 20 Jahre alt ist, geben Eltern mit einem Kind durchschnittlich einen hohen Betrag von 819 Fr. im Monat aus. «Diese Kosten werden praktisch durch den Wohlstandsverzicht der Eltern finanziert», heisst es in der Studie «Familien in der Schweiz». Jüngere Kinder verbrauchen weniger, ältere Kinder mehr Geld. Ein einzelnes Kind unter elf Jahren kostet durchschnittlich 600 Franken pro Monat, ein älteres bedeutet höhere Kosten von 873 Franken. Je mehr Kinder – desto mehr steigen diese direkten Kosten. Pro Kind sinkt allerdings die Höhe der Ausgaben, wie folgende Zahlen zeigen: Zwei Kinder kosten zusammen 1'310 Franken im Monat, also 635 Franken pro Kind. Die durchschnittlichen Kosten für drei Kinder betragen insgesamt sogar 1'583 Fr. im Monat, aber nur 528 Franken pro Kind. Was steckt in direkten und indirekten Kinderkosten? Wenn du Zahlen vergleichst, hilft eine klare Unterscheidung: Direkte Kosten sind die laufenden Ausgaben im Alltag (z.B. Essen, Kleider, Mobilität, Freizeit, Gesundheit, Wohnen anteilig, Schulsachen). Indirekte Kosten entstehen vor allem dadurch, dass ein Elternteil das Arbeitspensum reduziert oder aus dem Job aussteigt – also Einkommensausfälle, Karriereknicke oder später auch Effekte bei Vorsorge/Altersguthaben. Wichtig: Je nach Datengrundlage werden Betreuungskosten separat ausgewiesen oder teilweise in den direkten Kosten mitgerechnet. Darum wirken Vergleiche manchmal widersprüchlich, obwohl sie in der Logik korrekt sind. Direkte Kosten: Was treibt sie in den jeweiligen Altersphasen? Eltern fragen sich oft: «Wird es später teurer – oder jetzt?» Die kurze Antwort: Die Kosten verschieben sich. In den ersten Jahren dominieren Ausstattung und Betreuung. Später steigen häufig Ausgaben für Mobilität, Freizeit, Ausbildung und Konsum. Die folgenden Angaben helfen dir beim Einordnen – sie sind Durchschnittswerte und können je nach Kanton, Wohnkosten, Prämien, Betreuungsmodell und Lebensstil stark abweichen. Kostentreiber nach Altersphase 0–3 Jahre: oft hohe Ausgaben für Erstausstattung und – je nach Modell – hohe Betreuungskosten 4–12 Jahre: mehr Freizeit-/Vereinskosten, Mittagstisch/Hort oder Tagesfamilie als häufige Treiber 13–18 Jahre: Mobilität, höhere Konsumkosten (z.B. Kleidung, Handy), Freizeit und Ausbildungsausgaben 19–25 Jahre: je nach Lehre/Studium Unterstützungsbedarf (Kost/Logis, ÖV, Lernmittel), Übergangsphasen und finanzielle Abhängigkeit Hinweis: Diese Richtwerte sind Vergleichswerte. Besonders stark variieren typischerweise Miete/Wohnkosten, Steuern, Krankenkassenprämien und Betreuungstarife (kantonal und sogar gemeindespezifisch). 0–3 Jahre: Baby-/Kleinkind-Setup und Betreuung In dieser Phase sind die laufenden Kosten oft noch moderat, dafür kann die Summe aus Erstausstattung (Kinderwagen, Schlafplatz, Trage, Kleidung in mehreren Grössen) und Betreuung schnell gross werden. Wenn du früh wieder arbeitest, sind Krippe, Tagesfamilie oder Nanny häufig der grösste Budgetposten. Wenn du hingegen selbst betreust, steigen die indirekten Kosten (Einkommensverlust) oft stärker als die direkten Ausgaben. 4–12 Jahre: Schule, Freizeit, Betreuungslösungen Mit Kindergarten und Primarschule verändern sich die Ausgaben: Freizeit (Verein, Musikunterricht, Lager), Alltag (Kleider, Schuhe, Velo) und oft familienergänzende Betreuung (Hort, Mittagstisch, Tagesstruktur) prägen diese Jahre. Viele Familien unterschätzen dabei die «kleinen» Posten, die sich summieren: Znüni, Geburtstagsgeschenke, Ausflüge, Ausrüstung für Sport und wetterfeste Kleidung. 13–18 Jahre: Mobilität, Freizeit, Ausbildung, höhere Konsumkosten In der Pubertät steigen bei vielen Familien die variablen Ausgaben: ÖV, Freizeit, Ausgehen, Hobbys, dazu häufig höhere Konsumwünsche. Je nach Schulweg und Autonomie kommen zusätzliche Mobilitätskosten dazu. Gleichzeitig sinkt die Notwendigkeit für klassische Betreuung oft deutlich, was indirekte Kosten reduzieren kann, wenn du dein Pensum wieder erhöhst. 19–25 Jahre: Lehre/Studium, Kost und Logis, Unterstützung zu Hause Auch wenn dein Kind volljährig ist, bleibt finanzielle Unterstützung in vielen Familien relevant: Übergänge zwischen Ausbildung, Zwischenjahr, erster Stelle oder Studium können bedeuten, dass Kost und Logis, ÖV, Lernmittel oder Krankenversicherung teilweise mitgetragen werden. Hier hilft eine klare Absprache: Welche Fixkosten übernehmt ihr weiter, was soll das junge Erwachsene selbst tragen, und wie lange? Das senkt Konflikte und macht Planung möglich. Indirekte Kosten: Wodurch sonst noch Ausgaben entstehen Zu diesen direkten Kinderkosten summieren sich die indirekten Kosten. Indirekte Kinderkosten entstehen dadurch, dass du dein Kind betreust, pflegst und erziehst. Noch immer sind es oft die Mütter, die ganz oder halbtags zu Hause bleiben oder das Pensum reduzieren. In dieser Zeit verzichtest du nicht nur auf Lohn: Auch Laufbahn, Weiterbildung und spätere Vorsorge können betroffen sein. Wenn ihr die Familienarbeit partnerschaftlich aufteilt und Pensen bewusst plant, lassen sich diese Risiken zumindest abfedern. Je mehr Kinder vorhanden sind, umso eher reduzieren Eltern ihre Erwerbsarbeit – und in vielen Haushalten betrifft das vor allem die Mutter. Die gute Nachricht: Während die direkten Kosten steigen, je älter ein Kind wird, sinken die indirekten Kosten oft, weil viele Eltern mit steigendem Alter der Kinder wieder mehr arbeiten. Die grössten Treiber je Phase (inkl. Betreuung) Wenn du nur drei Stellschrauben im Blick behalten willst, sind es meist diese: Die häufigsten Kostentreiber Betreuung: Krippe/Tagesfamilie/Hort, Mittagstisch, Ferienbetreuung; Tarife sind lokal sehr unterschiedlich Wohnen: mehr Platz (höhere Miete/Nebenkosten) ist in vielen Familien langfristig der grösste Posten Pensum/indirekte Kosten: weniger Lohn, weniger Karriere- und Vorsorgemöglichkeiten; wirkt oft stärker als einzelne Ausgaben im Alltag Praktisch: Manchmal ist nicht «mehr sparen» die beste Lösung, sondern ein Betreuungspaket, das Erwerbsarbeit ermöglicht. Was sich lohnt, hängt von Lohn, Steuern, Betreuungstarifen und euren Energie-Ressourcen ab. Auch Kinderbetreuung kann teuer sein Zu all diesen finanziellen Aufwendungen für ein Kind summieren sich die Kinderbetreuungskosten. Ein Paar mit einem Kind wendet durchschnittlich 490 Franken für die Betreuung auf. Bei einem Paar mit zwei Kindern reduzieren sich die Kosten auf 428 Franken pro Monat, bei einem Paar mit drei Kindern sogar auf 223 Franken. Dabei ist auch die Anzahl Kinder ein Thema: Familien mit mehreren Kindern nehmen oft pro Kind weniger familienergänzende Betreuung in Anspruch als Familien mit Einzelkindern. Gleichzeitig ist die Betreuung für Geschwisterkinder oft preiswerter. Mini-Rechner für die Monatsmehrkosten & Betreuungskosten Du kannst mit dieser Mini-Rechnung schnell abschätzen, was ein Kind für euer Monatsbudget bedeutet. Nimm dir 10 Minuten und rechne bewusst mit Bandbreiten (Minimum/realistisch/Maximum). Mini-Rechner für euer Monatsbudget 1) Direkte Mehrkosten pro Monat: (Richtwert aus diesem Artikel) ________ Fr. 2) Betreuung pro Monat: Anzahl Betreuungstage/Woche ________ × Monatstarif ________ Fr. = ________ Fr. 3) Indirekte Kosten (Einkommensverlust): Pensumsreduktion ________ % × Nettoeinkommen (monatlich) ________ Fr. = ________ Fr. 4) Summe: 1 + 2 + 3 = ________ Fr./Monat Tipps zum Rechnen: Berücksichtige bei (3) nicht nur den Bruttolohn. Entscheidend ist, was netto tatsächlich fehlt. Und: Manche Familien haben durch mehr Erwerbsarbeit zusätzlich Betreuungskosten, sparen aber indirekte Kosten. Deshalb lohnt sich das Gegenrechnen. Kinderkosten: Fazit Es hilft, vor der Familiengründung einmal durchzurechnen, wie viel Geld ihr für ein Baby ausgeben könnt und wie eure finanzielle Gesamtsituation aussieht. Folgende Durchschnittswerte bieten erste Orientierung, können im Einzelfall aber stark abweichen: Paare mit zwei Kindern benötigen ca. 635 Franken pro Kind im Monat, um direkte Kosten zu decken. Gleichzeitig entsteht eine Einkommenseinbusse von ca. 1'500 Franken monatlich. Pro Kind sind darüber hinaus rund 200 Fr. für Betreuung zu zahlen. Budget-Check: Was bedeutet das konkret für euer Monatsbudget? Schritt 1: Notiert euer aktuelles Haushalts-Nettoeinkommen und eure Fixkosten (Miete, Prämien, Steuern/Rückstellungen, Abos, Kredite). Schritt 2: Addiert die erwarteten direkten Kinderkosten (z.B. Richtwert 600–873 Fr./Monat je nach Alter aus dem Artikel) plus Betreuung. Schritt 3: Rechnet die Pensumsänderung als Netto-Differenz ein (nicht als Gefühl). Wenn ein Elternteil z.B. 20% weniger arbeitet, ist das oft der grösste Einzelposten. Schritt 4: Prüft die Restmarge: Was bleibt nach Fixkosten + Kinderkosten? Wenn die Marge klein wird, plant Puffer (unerwartete Gesundheitskosten, Zahnarzt, Schulauslagen, kaputte Geräte). Schritt 5: Sprecht als Paar offen über Prioritäten: Welche Ausgaben sind euch wichtig (Betreuung, Wohnraum, Freizeit, Ferien) – und wo wollt ihr bewusst vereinfachen? Wenn du das Gefühl hast, dass ihr euch «zwischen Betreuung bezahlen und weniger arbeiten» entscheiden müsst: Genau dafür ist der Budget-Check da. Es gibt selten die perfekte Lösung, aber fast immer eine, die zu euren Ressourcen passt.