Weitere Liebesgedichte

Stanzen an Jessy

Es gibt ein Leben, dessen Faden
Ganz eng verflochten ist dem meinen.
Will das Schicksal ihnen schaden,
So trennt es beide oder keinen.

Es gibt den Leib, in den mein Blick
Sich mit Entzücken oft versenkt;
Bei Tag erfüllt er mich mit Glück,
Und nachts der Traum ihn wiederschenkt.

Es gibt die Stimme, deren Klang
Besänftigt meinen wilden Sinn.
Hör ich der Seraphim Gesang,
Mischt diese Stimme sich in ihn.

Es gibt das Antlitz, dessen Rot
Entflammt wird durch der Liebe Licht
Und das erbleicht, wenn Abschied droht,
Und dann noch mehr von Liebe spricht.

Es gibt die Lippe, die mich küsst,
Doch keinen andern je vorher.
Ich schwor, dass sie mein eigen ist,
Und küsse sie drum mehr und mehr.

Es gibt die Brust, die meiner Qual
So oft ein sanftes Kissen scheint,
Den Mund, der lächelt mir zumal,
Das Aug, das weint, wenn meines weint.

Es gibt zwei Herzen, deren Regung
Möchte immer nur in eins verfliessen,
So dass im Einklang der Bewegung
Sie schlagen oder sterben müssen.

Es gibt zwei Seelen, welche immer
Vereint sind, wie ein Strom verrinnt;
Und trennte man sie... trennen? nimmer!
Es trennt sie nichts, denn eins sie sind.

Von Lord Byron

Liebe und Frühling

Ich muss hinaus, ich muss zu dir,
Ich muss es selbst dir sagen:
Du bist mein Frühling, du nur mir
In diesen lichten Tagen.

Ich will die Rosen nicht mehr sehn,
Nicht mehr die grünen Matten,
Ich will nicht mehr zu Walde gehn
Nach Duft und Klang und Schatten.

Ich will nicht mehr der Lüfte Zug,
Nicht mehr der Wellen Rauschen,
Ich will nicht mehr der Vögel Flug
Und ihrem Liede lauschen.

Ich will hinaus, ich will zu dir,
Ich will es selbst dir sagen:
Du bist mein Frühling, du nur mir,
In diesen lichten Tagen.

Von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

 

Bücher-Tipps

  • «Glückwunschgedichte zur Hochzeit», Rolf Polanderr, Kreuz Verlag, 2009
  • «Die schönsten Kindergedichte zur Hochzeit», Gerald Drews, Bruno H. Bull, Heyne-Verlag, Band 5456, 2004
  • «Gedichte, Reden und Sketche für grüne, silberne und goldene Hochzeitstage», Franz Rieder, Falken Verlag, 2000

 

zusammengestellt von: Angela Zimmerling

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