Brechbühl: Das Gemeinsame Sorgerecht geht nicht weit genug

Urs Brechbühl hat kein Besuchsrecht für seinen Sohn.

Urs Brechbühl kämpft um das Besuchsrecht für seinen Sohn. Foto: Zimmerling

Eine andere Möglichkeit wäre, sich mit anderen betroffenen Vätern zusammen zu schliessen und für die Rechte der Väter zu kämpfen.

Das ist richtig. Darum bin ich in der Interessengemeinschaft Antifeminismus, das ist die einzige Vereinigung, die gegen die Diskriminierung vehement vorgeht. Es gibt immer mehr Väter, die ihr Kind nicht sehen und ihr Recht nicht durchsetzen können.

Wie sehen Sie die Chancen der IG Antifeminismus, das zu ändern?

Der rasante Zulauf an Mitgliedern spricht für sich. Väter wollen nicht mehr auf Grund des Geschlechts diskriminiert werden. Es wird sich zeigen, ob die Schweizer Bevölkerung nur für Frauen oder doch für alle Menschen Mitgefühl und Solidarität zeigt.

Ist die IG Antifeminismus mit Ihren Forderungen, wie beispielsweise die Adressen der Frauenhäuser zu veröffentlichen, nicht zu radikal?

Nein, das ist gar nicht radikal. Das war nur eine Ankündigung. Schlussendlich wird damit beabsichtigt, etwas zu ändern und zwar im positiven Sinn. Wir haben 17 Frauenhäuser in der Schweiz und nur 2 Väterhäuser. Alle Frauenhäuser werden grosszügig vom Staat unterstützt. Die beiden Väterhäuser sind privat finanziert und können sich kaum über Wasser halten. Der Staat diskriminiert die Väter, indem er nur die Frauenhäuser subventioniert. Es sollte staatliche Opferhäuser für Frauen und Männer geben.

Ein bisschen mehr Gleichberechtigung könnte es demnächst ja beim Thema Sorgerecht geben. Das Gemeinsame Sorgerecht soll nach Trennungen und Scheidungen zur Regel werden. Würde das für Sie die Situation einfacher machen?

Bei mir ist ja die Scheidung schon durch. Aber für die anderen Väter gilt: Das Gemeinsame Sorgerecht ist ein Muss. Leider sehe ich im Gemeinsamen Sorgerecht nur kleine Verbesserungen. Richtige Verbesserungen müssten kommen, indem man das ganze Sorgerecht neu umgestalten würde.

Was heisst das?

Wir haben jetzt ein profitables Anreizmodell für die Frau. Die Frau bekommt vom Richter immer die Kinder und die Alimente zugesprochen. Sie muss keine Kompromisse machen. Sie muss nicht mit dem Mann reden. Sie kann alles verweigern und sich verstecken. Viele Frauen merken, dass sie bei diesen Gesetzen immer Recht bekommen und nutzen das aus. Sie können den Mann erpressen, als Waffe nehmen sie das Kind. Deshalb sollte man das Anreizmodell auch schnell wieder abschaffen. Das heisst, es sollte keine Alimente mehr geben. Nur der Verdienst, den jeder sich selbst erarbeitet hat, gehört ihm. Dann würde es die Probleme nicht mehr geben. Und die Scheidung sollte derjenige bezahlen, der sie einreicht.

Aber derjenige, bei dem das Kind hauptsächlich lebt, hat doch mehr Kosten. Er muss für sich und das Kind sorgen. Wie soll er das finanzieren?

In der Schweiz muss niemand verhungern. Mit einem neuen Sorgerecht soll nicht ausgeschlossen werden, dass eine Vereinbarung zwischen Mann und Frau getroffen wird. Das ist sogar zu befürworten.

Dann müssten sich die beiden Partner aber auch einig werden.

Ja, sie müssten sich einig werden. Dann gibt es eine Kommunikation, Kompromisse, so wie es eigentlich richtig ist. Bei Eltern, die sich auf freiwilliger Basis nicht einigen können, sollte das Gericht dafür sorgen, dass ein minimales Besuchsrecht durchgesetzt wird, wovon das Kind nur profitieren kann. Aber im Moment hat die Frau mehr Rechte. Deshalb werden Väter ständig vor Gericht erpresst. Das kann doch nicht mehr so weiter gehen. Die Väter werden automatisch krank. Viele trauen sich gar nicht, sich zu wehren.

Haben Sie die Befürchtung, dass Sie Ihren Sohn gar nicht mehr sehen werden?

Nein, ich hoffe darauf, dass die Vernunft siegen wird.

Wenn Sie Ihren Sohn doch einmal sehen würden, was würden Sie ihm gern sagen?

Dass ich ihn in all den Jahren sehr vermisst habe und mich freue, ihn nun kennenlernen zu dürfen. Ich bin optimistisch, dass sich mein Einsatz eines Tages auszahlen wird und die zuständige Vormundschaftsbehörde meine Anträge auch bearbeitet.

Interview: Angela Zimmerling im August 2011

Sorgerecht: geltendes Recht

Nach einer Scheidung kann das alleinige Sorgerecht entweder dem Vater oder der Mutter zugeteilt werden. Legen beide Elternteile einen gemeinsamen Antrag vor, kann auch ein Gemeinsames Sorgerecht festgeschrieben werden. Sind die Eltern nicht verheiratet, erhält die Mutter das Sorgerecht. Laut einer Studie des Nationalfonds wird nach einer Scheidung das Sorgerecht zu 61,5 Prozent der Mutter, zu 3 Prozent dem Vater und zu 35,5 Prozent beiden Elternteilen zugeteilt.

Der Elternteil, der kein Sorgerecht besitzt, meist der Vater, verliert seine Rolle als Vertreter und Erzieher des Kindes. Oft sieht er sich als «Zahlvater mit Besuchsrecht» wie es beim Bundesamt für Justiz heisst. In der Praxis passiert es oft, dass die Person, die das Sorgerecht hat, das Besuchsrecht des Ex-Partners verhindert oder erschwert. «Der Elternteil, der so handelt, riskiert dabei praktisch keine Sanktionen, während jener Elternteil, der das Kind dem obhutsberechtigten Elternteil nicht zurückbringt, strafrechtlich belangt werden kann», so das Bundesamt für Justiz.

Seit mehreren Jahren wird an dieser Situation Kritik geübt, weil Vater und Mutter nicht gleich behandelt werden. Deshalb soll künftig das Gemeinsame Sorgerecht auch in der Schweiz zur Regel werden. Es ist zudem vorgesehen, dass auch jener Elternteil bestraft werden kann, der sich weigert, das Kind der besuchsberechtigten Person anzuvertrauen.

Mehr zum aktuellen Stand der politischen Diskussionen um das Gemeinsame Sorgerecht lesen Sie unter www.bfm.admin.ch

Quelle: Bundesamt für Justiz

 

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