Was wirklich gegen Familien-Stress hilft

Viele Menschen wissen ja eigentlich, was sie gegen Stress tun können. Bei der Umsetzung scheitert es dann. Kann hier ein Online-Training wirklich unterstützen?

Ja, tatsächlich. Meine Auswertungen zeigen deutlich, dass die mitmachenden Eltern eine Motivationsspitze bekommen, so dass sie ihr bereits vorhandenes Wissen auch tatsächlich umsetzen. Das Training gibt einen Ansporn, mit Hausaufgaben, sehr einfachen Selbsttests und der Möglichkeit des Austauschs durch die – natürlich freiwillige – Kontaktaufnahme mit anderen. Diese Selbsttests beruhen auf dem Schema: Was habe ich gemacht, wie fühlte ich mich vorher und wie fühle ich mich nachher. Der Aha-Effekt führt dann bestenfalls zu einer positiven Veränderung der Gewohnheiten. Noch einen Monat nach Abschluss des Trainings haben sich die knapp 200 Befragten immer noch aktiver erholt als die Kontrollgruppe, die nicht am den Online-Training mitmachte.

Mir hat es sehr geholfen eine objektive Meinung und Beschreibung von Konflikten in anderen Familien zu lesen. Das hat mir geholfen, die Probleme bei uns als etwas nicht allzu außergewöhnliches und vor allem als lösbares Problem zu sehen.

Wie lange hält der positive Effekt an?

Wir haben erwartet, dass es schwer ist, die Verhaltensänderung über eine lange Zeit aufrecht zu erhalten. Und tatsächlich: Nach einem halben Jahr geht die aktive Erholung wieder zurück und man verfällt wieder dem Alltagstrott. Allerdings gibt es immer noch einen kleinen positiven Unterschied gegenüber denjenigen, die das Training nicht absolviert haben.

Der wirklich positive Effekt und das Erfreuliche an der Sache sind nun aber, dass das Klima in der Familie insgesamt bei den Teilnehmenden positiver wurde. Man kommt besser miteinander aus und die Stimmung in der Familie ist generell besser. Interessanterweise sieht man diesen Effekt direkt nach dem Training noch nicht so deutlich. Er verstärkt sich erst mit der Zeit. Das Online-Elterntraining wirkt als Katalysator für positive Prozesse innerhalb der Familie.

Empfehlen Sie, das Training mehrmals zu absolvieren?

Ja, denn Situationen und Anforderungen können sich schnell ändern. Viele Teilnehmer nutzen das Online-Training tatsächlich mehrmals. Oft absolvieren sie nicht das ganze Training, sondern einzelne Module. Das heisst, sie holen sich genau die Informationen, die sie gerade konkret brauchen.

Viele umsetzbare, einfache, konkrete Tipps. Gut erklärt, man fühlte sich nie überrumpelt. Sachte Einführung, lustiger Gefühlserkennungstest zur Auflockerung und langsame Schwierigkeitssteigerung. Vielen Dank für dieses durchdachte Elterntraining.

Ihr Projekt hat bereits breite Unterstützung gefunden. Wie geht es denn damit jetzt weiter?

Ich war sehr positiv überrascht von den positiven Effekten des Trainings und habe mich entschieden, es weiter online für alle anzubieten. Dazu war ein Umbau notwendig und die Übersetzungen für die Mehrsprachigkeit. Das wurde von Gesundheitsförderung Schweiz, der Universität Freiburg, dem BSV und Migros Kulturprozent finanziert. Mein Wunsch ist, die Plattform weiterhin zu betreiben, zu erforschen und sie jeweils zu aktualisieren, wenn Veränderungen notwendig werden.

Die Idee nämlich, Prävention zu betreiben mit neuen Medien, also Internet oder DVD, etabliert sich langsam aber sicher und wir alle werden in Zukunft noch viel breiter von solchen Entwicklungen profitieren können.

Das Online-Elterntraining zur Bewältigung von Familienstress ist kostenlos. Bereits haben über 1500 Personen mitgemacht. Wer sich registriert kann auch mit anderen Teilnehmern Kontakt aufnehmen. Ergänzend bietet Dr. Yves Hänggi bei Bedarf eine kostenpflichtige Beratung per E-Mail an.
www.elterntraining.ch

Dr. Yves Hänggi

Dr. Yves Hänggi, geboren 1974, arbeitet als Koordinator am Institut für Familienforschung und -beratung sowie als Forschungsassistent in einer Nationalfonds-Studie zur Wirksamkeit eines Sensitivitätstrainings für Mütter mit sechs Monate alten Kindern. Er studierte Klinische Psychologie, Allgemeine Psychologie sowie Religionswissenschaft an der Universität Freiburg (Schweiz). 2005 schloss er das Doktorat in Klinischer Psychologie ab. Er ist Triple P Kurzberater, Trainer-Trainer des Freiburger Feinfühligkeitstrainings für Eltern (FFTE) und Initiant sowie Betreiber des Online-Elterntrainings.
www.unifr.ch/iff

Interview: Kathrin Fischer

Weitere Artikel zum Thema

«Wer Eltern hilft, hilft Kindern»
«Überforderte Eltern brauchen Hilfe»

Das könnte Sie auch interessieren

Services & Newsletter