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Giftige Chemie in unserer Kleidung: Industrie auf dem Weg der Besserung

Sie nennen sich «Textilhilfsmittel», sind in den meisten Kleidungsstücken verarbeitet und sorgen bei vielen Menschen für Kopfschmerzen, Juckreiz oder Ausschlag. Die Rede ist von Chemikalien, mit denen unsere Kleidungsstücke kontaminiert sind. Ganz unbedenklich sind sie weder für den Körper noch für die Natur

Migros Kleider: Die Kinder Regenjacke schnitt im Gifttest besonders schlecht ab.

Schweizer Kleider: In der Schweiz wurden vor allem Outdoorkleider mit Chemikalien behandelt. Foto: Greenpeace.com

Die Pullover sind weich wie Seide, das Hemd lässt sich problemlos bügeln und die Schuhe sind wasserabweisend wie Regenstiefel – Die menschlichen Ansprüche auf ihre Kleidung sind hoch. Hoch ist auch die Konzentration an Chemikalien, welche der Kleidung zugeführt wird, damit sie diesen Ansprüchen gerecht wird.  

Dabei ist solche Kleidung nicht nur umweltschädlich, sondern schadet auch der Gesundheit. Die Beschwerden wegen Chemie in Kleidung reichen von Kopfschmerzen bis Leberschäden, Unfruchtbarkeit und Krebs. Ein direkter Nachweis, dass solche Krankheiten von Textilhilfsmitteln kommen, ist jedoch nicht möglich.   

Gefährliche Giftstoffe in Kleidung: Lösungen in Sicht

Die Textilindustrie gehört weltweit zu den grössten Nutzern von gefährlichen Chemikalien. Darunter leidet nicht nur der Endkonsument der Kleidung, sondern vor allem die Arbeiter in der Produktion. Verfärbte Flüsse und verschmutztes Trink- und Grundwasser sind dabei an der Tagesordnung. Jedoch gibt es auch Lichtblicke: Im Jahr 1998 wurde mit der Stockholm-Konvention die Verwendung der bekanntesten gefährlichen Chemikalien für die 152 teilnehmenden Länder untersagt.

Die EU entschied im Jahr 2006 mit einer Gesetzgebung, eine Vielzahl gefährlicher Substanzen den Kampf anzusagen. Gemäss Greenpeace sind dies jedoch nur bedingt gute Nachrichten: «Es gibt noch genügend Schlupflöcher, und das Problem der zahlreichen unregulierten Schadstoffe wird nur zögerlich in Angriff genommen, genau wie die Suche nach verträglichen Alternativen», schreiben Sie in Ihrem Dossier «Destination Zero: Sieben Jahre Entgiftung der Textilindustrie.»

Gemeinsam gegen Chemiekleidung

Das besagte Dossier von Greenpeace handelt von einer weltweiten Kampagne gegen Chemiekleidung, welche im Jahr 2011 lanciert wurde. «Detox my Fashion» hat das Ziel gesetzt, die Kleidungsproduktion in einer giftfreie Zukunft zu schicken. Bis ins Jahr 2020 sollten sich Firmen weltweit dazu verpflichten, den Einsatz gefährlicher Chemikalien auf null zu senken.

«Dieser Greenpeace-Ruf mit der Forderung, den Ausstoß gefährlicher Chemikalien durch die Fabriken offenzulegen – stiess bei vielen in der Branche auf Skepsis», schreibt Greenpeace. Trotzdem beteiligten sich viele Bürger und Firmen an dem Profekt – auch der Sportgigant Puma. Darauf folgten Adidas, Nike und H&M und versprachen, sich beim Chemie-Detox zu beteiligen. 

Bislang haben über 80 internationale Makrenunternehmen sich zum Detox verpflichtet. Die Kampagne hat auch dazu geführt, dass die EU ein Einfuhrverbot für Textilien, die die gefährlichen Chemikalien Nonylphenolethoxylate (NPE) enthalten, aufgestellt hat. 

Auch in der Schweiz hat sich etwas getan: Coop gehört seit 2013 auch zu den Kleidungs-Detoxern, während Migros nach wie vor keine konkrete Detox-Verpflichtung eingegangen ist. Migros erklärte jedoch im Jahr 2013, bis 2017 alle Kleidungsstücke aus Eigenmarken bis Ende 2017 ökologisch zu produzieren. Die ganze Tabelle von Greenpeace mit den teilnehmenden Modeketten finden Sie hier

Auf Anfrage teilt Greenpeace Schweiz mit, sich in der Schweiz vor allem auf die Reduktion von Chemikalien in Outdoor-Bekleidung konzentriert zu haben. Hersteller wie Mamut haben daraufhin eingelenkt: «Gore Fabrics hat dann bekannt gegeben, künftig auf PFC-Chemikalien zu verzichten», erklärt Yves Zenger von Greenpeace Schweiz. Weiter wurde das Projekt jedoch nach diesem Erfolg hierzulande nicht verfolgt. 

So erkennen Sie Chemiekleidung

Auch Kleidung, welche Sie in Schweizer Modeketten kaufen, können mit giftigen Substanzen kontaminiert worden sein. Nehmen Sie vor dem Kauf die Etikette des Kleidungsstücks unter die Lupe. Aufschriften wie «bügelfrei» oder «formbeständig» verheissen nichts Gutes. Von Kleidung, welche streng nach Chemie stinkt, sollten Sie zudem auch absehen. Vor allem die Weichmacher sind für die menschliche Gesundheit problematisch. Die sogenannten «Phthalate» werden in Kunstleder, Gummi und Färbungen eingesetzt. Sie stehen unter Verdacht, Übergewicht und Diabetes hervorzurufen. Zudem haben zwei amerikanische Studien herausgefunden, dass Weichmacher Frühgeburten auslösen. 

Folgende Tabelle zeigt, welche Auswirkungen die verschiedenen Chemikalien auf den Körper haben: 

Azofarben für eine stabile Farbe

Krebs, Verdacht auf ADHS-Auslösung

Farbbeschleuniger

Nieren- und Leberschäden, gilt als Nervengift

Organozinverbindungen (Impregnieren)

Hormonstörungen, Störungen des Erbguts

Pentachlorphenol (Gegen Kleidungsschimmel)

Krebs, Nierenschäden

Aldehyden (Macht Kleidung knitterfrei)

Tumor- und krebserregend