Wie Kinder trauern

Kinder trauern sehr unterschiedlich über den Tod eines Menschen. Viele weinen am Grab auf dem Friedhof.

Kinder trauern über den Tod eines wichtigen Menschen ganz unterschiedlich. Manche sind sehr traurig, andere können bald wieder lachen. Foto: ©iStockphoto.com/Jordan Shaw

Aber wenn es tatsächlich einmal soweit ist, dass die geliebte Grossmutter stirbt oder die bewunderte grosse Cousine bei einem Autounfall getötet wird, sind die Reaktionen von Kind zu Kind sehr unterschiedlich und individuell.

Ein Beispiel: Die achtjährige Sophie sieht ihre Grossmutter wochenlang im Krankenhausbett liegen, erlebt wie sie leidet. Mit dem lebenslustigen Grosi von vor drei Monaten hat diese kranke Frau nichts mehr gemein. Sophie begreift: Die Grossmutter ist krank. Ihr anschliessender Tod ist für das Mädchen eine logische Konsequenz. Bereits Tage nach dem Tod der Oma kann Sophie wieder den Schwimmerverein besuchen und mit ihren Freundinnen im Kinderzimmer lachen.

Ihre Mutter ist erstaunt und macht sich Sorgen über Sophies vorgebliches abgeklärtes Verhalten. Der zehnjährige Bruder Ben reagiert ganz anders. Wie in Trance erlebt er die Tage nach der Beerdigung. Tagelang ist Ben nicht ansprechbar, dann verändert sich die Trauer in aggressives Verhalten. Ein Tod, zwei Kinder – zwei Arten der Verarbeitung.

Es gibt keine allgemeingültigen Verhaltensanweisungen für Eltern. Der beste Ratschlag ist, individuell auf ihre trauernden Kinder einzugehen. Leicht gesagt, wenn man selbst um die eigenen Eltern trauert. Deshalb ist es wichtig als Familie zusammenzuhalten, in gemeinsamen Gesprächen eine Kerze für die Mutter, Schwiegermutter und das Grosi anzuzünden und über die persönlichen Gefühle zu sprechen:

  • Ich vermisse an der Grossmutter, dass sie mich tröstet.
  • Ich vermisse, dass sie immer so viel Zeit für mich hatte.
  • Ich bin einfach traurig, weil ich keine Mutter mehr habe und mich allein und verlassen fühle.

So entsteht eine Gemeinschaft, jeder trauert nach wie vor für sich, dennoch ist es heilsam zu erfahren, die anderen Familienmitglieder sind für mich da und ihnen geht es ähnlich.

Stellen Sie allerdings eine enorme Wesensveränderung an Ihrem Kind fest, gelingt es Ihnen nicht einen Bezug oder eine Gesprächssituation aufzubauen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Ansprechpartner ist erstmals der Kinderarzt, er kann geeignete Therapeuten empfehlen.

Buch-Tipp

Daniela Behr: Mein Opa hat Krebs. Ein Buch für Kinder über Krankheit, Tod, Trauer, Abschied aber auch den Zusammenhalt der Familie.

Text: Natascha Mahle

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