Drei Wohnmodelle nach der Trennung in der Übersicht

Wohnform nach der Trennung: Die Eltern betreuuen das Kind in einem sogenannten Nest

Mama und Papa schauen abwechselnd im Nest vorbei: Einige Kinder tun sich leichter mit der Trennung der Eltern, wenn sie im gewohnten Umfeld bleiben können. (Bild: Antonio Diaz/iStock, Thinkstock)

Das Nestmodell: Die Kinder bleiben, die Eltern pendeln

Würden Kinder wählen können, so würde das Nestmodell wohl weiter verbreitet sein: Die Kinder bleiben im vertrauten Daheim, die Eltern betreuen sie dort abwechslungsweise. Der Elternteil, der «frei» hat, wohnt in einer eigenen Wohnung. Für die Kinder verändert sich mit diesem Modell am wenigsten nach der Trennung. Für die Eltern bedeutet es: Sie müssen sich beide eine Wohnung oder ein WG-Zimmer ausserhalb des «Nests» suchen. Je nach Raumbedürfnis kann dies das Monatsbudget stark strapazieren. Doch es ist nicht zwingend teurer als die anderen Wohnmodelle. Ein Nest und zwei WG-Zimmer oder Studios können günstiger sein als zwei familientaugliche Wohnungen. Und auch wer mit einem neuen Partner zusammenlebt, kommt beim Nestmodell je nach dem günstiger davon.

Eines sollte man sich bei einer Trennung bewusst sein: Teurer wird es bei allen Wohnmodellen, da die Eltern nach der Trennung verschiedene Wohnräume beanspruchen. Das Nestmodell erfordert aber, anders als die anderen Wohnmodelle, klare Regeln für die Kinderwohnung: etwa zur Organisation des Haushalts, oder auch zur Frage, ob der neue Partner/die neue Partnerin ebenfalls dort ein- und ausgehen darf.

Das Wechselmodell: Gleich viel Zeit bei Vater und Mutter

Beim Wechselmodell hat jeder Elternteil eine genügend grosse Wohnung und die Infrastruktur, um das Kind an mehreren Tagen pro Woche betreuen zu können. Die Kinder haben zwei Zuhause. Das neue Daheim muss so gewählt werden, dass schulpflichtige Kinder ihre Schule von beiden Elternhäusern aus gut erreichen können.

Auch diese Wohnform hat für Kinder den Vorteil, dass sie nicht zwischen zwei Gemeinden hin- und herpendeln müssen, sondern an ihrem vertrauten Ort bleiben und ihre sozialen Kontakte pflegen können.

Je nach Verpflichtungen und Möglichkeiten der Eltern können für die Kinderbetreuung die Wochentage aufgeteilt werden, oder die Kinder wohnen eine Woche beim einen und die andere Woche beim anderen Elternteil. Idealweise sind die Eltern bereit, auch mal ausserhalb ihrer Betreuungszeit einzuspringen – das gilt sowieso für alle Wohnmodelle.

Das Residenzmodell: Fixe Struktur, Alltag nur mit einem Elternteil

Das Residenzmodell ist unter getrennten und geschiedenen Eltern am meisten verbreitet, da die Kinder nach der Trennung zumeist bei jenem Elternteil mehr Zeit verbringen, der sich bereits davor vorwiegend um sie gekümmert hat. Hierzulande ist das in der Regel die Mutter. Der andere Elternteil nimmt die Kinder jede Woche oder alle zwei Wochen ein oder zwei Tage zu sich.

Für Kinder gibt dies eine relativ ruhige Struktur und sie leben im Alltag in einer vertrauten Umgebung. Der grosse Wermutstropfen ist jedoch, dass sie einen Elternteil viel weniger sehen und kaum noch den Alltag mit diesem teilen können. Beide Eltern möglichst viel sehen zu können, ist jedoch für Kinder von fundamentaler Bedeutung. «Die häufige Abwesenheit von Vätern bei Kindern alleinerziehender Mütter zeigt negative Folgen, und ist namentlich Ursache für schlechtere Schulabschlüsse, für negative soziale und emotionale Entwicklung des Kindes, sowie für psychische Gesundheitsprobleme im Erwachsenenalter», schreiben Widrig und Sündhenhauf.

Für welches Modell auch immer Eltern sich entscheiden: Sehr wichtig sind geregelte Strukturen und Abläufe, auf die sich Kinder verlassen können. Und Eltern, die friedlich miteinander kommunizieren können.

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