Das Problem mit den Schwiegereltern

Nicht bei allen Paaren geht es nach der Hochzeit harmonisch weiter.

Nicht bei allen Paaren geht es nach der Hochzeit harmonisch weiter. Foto: ©iStockphoto.com/Nicola Davison

Das Leben dreier Generationen auf einem Grundstück gelingt zunächst: Gemeinsame Grillabende werden veranstaltet, Schwiegermutter und Schwiegertochter unternehmen täglich grosse Spaziergänge. Sie werden zu Vertrauten, bis die harmonische Stimmung kippt. Melanies Schwiegermutter bricht jeglichen Kontakt ab, nickt nur noch förmlich, wenn sich die beiden begegnen. Melanie sucht das Gespräch, ihre Schwiegermutter explodiert sofort: «Was meinst du eigentlich, wer du bist?» platzt es aus ihr heraus, «Mein Sohn nimmt deinen Sohn als selbstverständlich an, du ziehst in sein Haus und hast dich vor ihm durch das ganze Land geschlafen.» Mehrere Männerbekanntschaften vor der Ehe sind für Melanie eine Selbstverständlichkeit, für die Schwiegermutter aber ein Eklat. Eine Nachbarin brachte den Stein ins Rollen, als sie eine kleine Bemerkung über Melanies Liebesleben vor der Ehe machte.

Thomas will die triste Stimmung nicht wahrhaben. Er sitzt die Probleme aus, möchte keinen Streit mit seinen Eltern. Für Melanie und die Kinder wird die Situation unerträglich. Sie nimmt sich eine kleine Wohnung im gleichen Dorf, um dem feindlichen Lager zu entfliehen. Schon bald kommen ihr erste Zweifel, ob sie richtig gehandelt hat. Ihre Eltern, Geschwister und Freundinnen überreden sie schliesslich, es noch einmal zu versuchen: «Schliesslich wirft man eine Ehe, eine Familie und ein Haus nicht so schnell weg», sagen ihre Eltern. Thomas gelobt Besserung, die Situation mit den Eltern will er klären und in Zukunft mehr Partei für seine Frau ergreifen.

Ein neuer Versuch mit dem Ex

Der Wiedereinzug in das stattliche Einfamilienhaus erweist sich als Trugschluss für Melanie: Nichts ändert sich. Die Feindseligkeit der Schwiegereltern ist noch immer zu spüren, die Kinder wollen nicht mehr im Garten spielen. «Die Oma mag nicht, wenn wir laut sind», sagen ihre Kinder. Wenn Freundinnen von Melanie zu Besuch kommen, passt die Schwiegermutter sie vorher ab: «Was wollt ihr denn mit der, die ist doch kein Umgang!» Melanie parkt nicht mehr in ihrer Garage, sondern einige Meter vor dem Haus um jeglichen Kontakt zu vermeiden. Das Familienleben ist für Melanie und die Kinder ein Trauerspiel, für den Familienvater allerdings nicht. Er will die Probleme nicht wahrhaben und ignoriert die gedrückte Stimmung im Haus.

Als die beste Freundin von Melanies Mutter sich ein Herz fasst und die junge Frau auf ihren Ruf im Dorf anspricht und geradeheraus fragt, warum sie es zulässt, von ihrer Schwiegermutter als Schlampe bezeichnet zu werden, platzt Melanie der Kragen. Sie fährt unverrichteter Dinge vom Discounter nach Hause und konfrontiert ihren Mann mit den neuen Erkenntnissen: «Jetzt war ich mir hundertprozentig sicher, dass für meinen Mann nun auch der Punkt erreicht ist, in dem er zum Handeln förmlich gezwungen ist!» Doch Melanie bleibt allein mit ihrer Wut, er beschwichtigt wieder: «Die Mutter würde das nicht so meinen!» Melanie stellt ihren Mann vor die Wahl: das Haus verkaufen und in einer Mietwohnung gemeinsam neu anfangen oder die endgültige Trennung.

Zwei Jahre später arbeitet Melanie wieder neun Stunden am Tag, ihr bleibt wenig Zeit mit den Kindern, dafür sind alle drei glücklich in ihrer kleinen Wohnung fernab von den Schwiegereltern. Ob ihr Exmann ebenfalls glücklich ist, weiss sie nicht, seit ihrem endgültigen Auszug herrscht Funkstille. Seine letzten Worte waren: «Bitte klage keinen Unterhalt ein, sonst kann ich das Haus nicht mehr halten.»

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