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«Das Image der Hausfrau ist inakzeptabel schlecht»

Die moderne Frau von heute macht selbstbewusst Karriere, erzieht ihre Kinder zu Musterschülern und lebt bestenfalls in einer glücklichen Partnerschaft – so das Idealbild. Doch ganz so einfach ist es nicht. Im Interview erklärt Elisabeth Mlasko, Betriebswirtin und Analytische Psychologin, weshalb die Schweizer Familienpolitik noch zu wünschen übrig lässt und das Imageproblem der Hausfrauen auch selbstverschuldet ist.

Die Hausfrau hat ein schlechtes Image

Weshalb hat die Hausfrau ein so schlechtes Image? Foto: iStock, Thinkstock

Vor wenigen Jahrzehnten sind Frauen nach der Geburt ihres ersten Kindes oft Zuhause geblieben und – wenn überhaupt – erst Jahre später wieder in ihren Beruf zurückgekehrt. Heute steigt ein Grossteil direkt nach dem Mutterschaftsurlaub wieder ein. Wie kam es zu dieser Veränderung?

Elisabeth Mlasko: Die Berufstätigkeit der Frauen hat mit der Emanzipation und den besseren Ausbildungsmöglichkeiten stark zugenommen. Nun stehen ihnen viel mehr Türen offen! Der schnelle Wiedereinstieg nach dem Mutterschaftsurlaub hängt aber bestimmt auch mit dem veränderten Rollenbild der reinen Hausfrau und Mutter zusammen, das mittlerweile fast schon negativ behaftet ist.

Hat die Hausfrau ein Imageproblem?

Definitiv. Immer wieder sitzen mir tolle Frauen gegenüber, die auf die Frage nach ihrem Beruf kleinlaut mit «nur Hausfrau» antworten und sich sofort für diese Entscheidung rechtfertigen wollen. Dabei sollten sie stolz auf ihre Tätigkeit sein und gegen aussen auch so auftreten!

Wer ist denn schuld an diesem negativen Rollenbild?

Ich fürchte, dass die Frauen selber viel dazu beigetragen haben. Wir befinden uns in einer Phase von Emanzipation, deren Vorläuferinnen wir sehr dankbar sein können. Sie haben viel dafür getan, dass Frauen erobern können, was für Männer selbstverständlich ist. Dies ist zwar sehr erfreulich, hätte jedoch im optionalen Bereich bleiben müssen. Frauen sollen die Wahl haben, die gleichen Chancen wie Männer wahrzunehmen, dürfen aber nicht weniger wert sein, wenn sie sich dagegen entscheiden.

2001 ist in Deutschland der Begriff «Familienmanagerin» aufgekommen, mit dem die Staubsaugervertreter-Firma Vorwerk den Müttern zu einem besseren Image verhelfen wollte.

Ich finde den Begriff zu funktional und unemotional. Trotzdem ist es sehr wichtig, dass Mütter mehr gesellschaftliche Anerkennung bekommen. Ich würde gerne einmal einen Lebenslauf lesen, in dem anstelle einer unkommentierten Arbeitspause die Kompetenzen erwähnt sind, die sich eine Frau in der Zeit als Hausfrau angeeignet hat. Von diesen sozialen Fähigkeiten würde auch so mancher Manager profitieren!

Kann man eine Mutter denn mit einer Managerin vergleichen?

Ja, denn auch sie muss viele Tasks erfüllen, verschiedene Themenbereiche unter Kontrolle haben, ein Budget verwalten, soziale Kontakte pflegen, organisieren, koordinieren und flexibel sein.

Darf sie auch delegieren?

Natürlich! Es kommt aber stark darauf an, inwiefern sie von ihrem Umfeld und dem Partner unterstützt wird. Mitarbeiter eines Unternehmens werden für das Übernehmen von Aufgaben ja schliesslich bezahlt, was bei Freunden, Bekannten und Verwandten meist nicht der Fall ist. Viele Frauen trauen sich gar nicht erst, jemanden um Hilfe zu fragen, wenn sie «nur» Hausfrauen sind. Und schliesslich kann man einen Teil der Hausarbeit tatsächlich gegen Bezahlung delegieren. Darin sollten Männer ihre Frauen unterstützen. Auch Männer sollten übrigens mutiger sein.

Inwiefern?

Ich kenne viele Männer, die eigentlich gerne Teilzeit arbeiten würden, sich aber nicht trauen, das Thema vor ihrem Arbeitgeber anzusprechen. Viel zu gross ist die Angst, die Karriere aufgeben zu müssen. Das ist schade, weil Teilzeit arbeitende Männer nicht nur im Beruf, sondern auch in der Partnerschaft ausgeglichener sind.

Am 24. November wird in der Schweiz darüber abgestimmt, ob selbstbetreuenden Familien ein Steuerabzug zusteht wie ihn auch Familien haben, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen. Trägt diese Initiative zur Anerkennung der Hausfrauen bei?

Ich finde es gut, wenn in der Öffentlichkeit über die Rolle der Frau und Mutter diskutiert wird. Viel zu oft wird jedoch auf zwei Frauentypen reduziert, welche die Realität nicht ausreichend repräsentieren: Das Frauchen hinter dem Herd und die aufstrebende Karrierefrau. Es wäre schön, wenn eine Frau nicht das Gefühl haben müsste, ein konservativ-traditionelles Frauenbild zu repräsentieren, wenn sie sich entschliesst, eine Zeit lang die Mutter- und Hausfrauenrolle zu übernehmen. Leider wird dieses schwarz/weiss Frauenbild von allen politischen Richtungen auf ihre Weise zementiert.

Im vergangenen März wurde bereits über eine familienpolitische Initiative abgestimmt. Die abgelehnte Initiative sollte Bund und Kantone dazu verpflichten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, indem sie ein bedarfsgerechtes Angebot an Betreuungsplätzen schaffen. Worin müssen Mütter denn nun unterstützt werden?

Basis für die Unterstützung von Müttern sollte gesellschaftliche Anerkennung sein. Man sollte den volkswirtschaftlichen Beitrag von Frauen, die Zuhause bei ihren Kindern bleiben, endlich anerkennen und entsprechend vergüten. Sobald man etwas in diese Richtung sagt, wird man jedoch in die eine oder andere politische Richtung geschoben, mit der eine solche Ansicht gar nichts zu tun hat. Jede/r von uns kann dazu einen Beitrag leisten, dass das Image der «typisch weiblichen» Aufgaben besser wird. Am besten so gut, dass Männer sich nicht genieren, diese Aufgaben zu teilen oder zu übernehmen. Schliesslich soll den Frauen die Lust aufs Kinder kriegen nicht vergehen!

Sie sprechen ein wichtiges Thema an: Die Schweiz braucht mehr Kinder.

Nicht nur die Schweiz – ganz Zentraleuropa! Momentan liegt die Geburtenrate der Schweiz bei 1.53 Kindern pro Frau und die Gesellschaft überaltert immer mehr. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Länder mit den höchsten Geburtenraten jene sind, die gute Betreuungseinrichtungen haben. Und es kann zudem nicht angehen, dass Kinder ein so hohes Armutsrisiko darstellen. Wie im Geschäftsleben, ist auch im Familienleben vieles eine Frage der Organisation.

Und mit dieser gelingt sowohl der Spagat zwischen Beruf und Familie wie auch das Pflegen einer glücklichen Partnerschaft?

Mit einem Partner, der als drittes Standbein gut kooperiert, schafft eine Frau den Spagat zwischen allen drei Bereichen. Frauen könnten allerdings ruhig aktiver und selbstbewusster im Einfordern von Kooperation sein.

Elisabeth Mlasko, Untenehmenberaterin und DiplompsychologinElisabeth Mlasko berät Einzelpersonen und Organisationen. Zu ihren Schwerpunkten gehören Familien- und Paar-Coaching sowie Karriere-Coaching, wobei sie sich hier insbesondere auch mit den spezifischen Themen von Frauen auseinandersetzt. Sie hat jahrelang in grossen Konzernen gearbeitet und diese in Folge als Marketing- und Kommunikationsfachfrau beraten. Als Betriebswirtin und analytische Psychologin reicht ihr Beratungsspektrum von der äusseren zur inneren Bühne. www.colanuss.ch

 

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