Warum das Familienglück bei Grosseltern sehr gross ist

Glücklichsein in der Familie - das ist vielen wichtig.

Familienglück heisst, die Individualität des anderen zu akzeptieren. Foto: Hemera, Thinkstock

Sie haben in einer Umfrage herausgefunden, dass für die meisten Familienglück primär darin besteht, Sicherheit und Fürsorge für sich selbst garantiert zu sehen. Erst an zweiter Stelle stehen Wir-Bedürfnisse wie lieben und geliebt werden oder gegenseitiger Respekt. Ist das nicht sehr egoistisch?

Familienglück heisst, die Individualität zu akzeptieren. Die Qualität der Beziehung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern wird zum Beispiel dadurch erhöht, dass sie nicht im gleichen Haushalt leben. Familienglück kann auch bedeuten, dass die Mutter das Zimmer ihres zwölfjährigen Sohnes nie besucht. Es ist sein Dreckhaufen.

Funktioniert das so besser als früher?

Ja, denn man hat mehr Wohnraum zur Verfügung, die Toleranz ist grösser. Man erwartet nicht, dass sich der Partner aufopfert. Ausserdem funktioniert es gut, weil verschiedene Aufgaben aus den Familien ausgelagert werden, wie die Betreuung durch Grosseltern.

In Ihren Forschungen haben Sie festgestellt, dass wir ein sehr positives Bild von Grosseltern und Grosselternschaft haben. Warum?

Die Generationenbeziehungen haben sich sehr stark verbessert, weil es wenig Wertdifferenzen zwischen Jung und Alt im Vergleich zu früheren Epochen gibt. Hinzu kommt, dass mehr Grosseltern sich engagieren ohne sich einzumischen. Für Grosseltern sind Enkelkinder die Möglichkeit an frühere Lebensphasen anzuknüpfen, aber ohne Verantwortung. Sie haben quasi das Gelbe vom Ei.

Ist das Familienglück bei Grosseltern deshalb grösser als bei jungen Eltern?

Ja, denn die Geburt von Enkelkindern heisst, dass ihre eigenen Kinder erfolgreich Eltern geworden sind, zumindest biologisch. Zudem lebt das Familienglück im Alter von der Erinnerung. Familiensituationen werden idealisiert, weil man sich nur an die goldenen Momente erinnert.

Haben Sie Tipps, wie jeder sein persönliches Familienglück erreichen kann?

Für Familienglück gibt es keine Rezepte, weil die Individualität eine grosse Rolle spielt. Allgemein gilt: Man sollte keine irrealen Ansprüche haben, ein Gleichgewicht zwischen Eigeninteressen und Familieninteressen anstreben, sich bewusst werden, dass jede Lebensphase ihre Vor- und Nachteile hat, gute Sozialbeziehungen und Aktivitäten pflegen. Ewiges Glück kann nicht erreicht werden. Es braucht auch Stress, sonst wird es langweilig.

Interview: Angela Zimmerling im Mai 2012

François Höpflinger untersuchte, was Familienglück bedeutet.Zur Person: François Höpflinger

François Höpflinger ist Titularprofessor für Soziologie an der Universität Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Altersforschung, Generationenfragen, die Familiensoziologie und die Bevölkerungsentwicklung. 2003 wurde er zusammen mit Valérie Hugentobler mit dem Vontobel-Preis für Altersforschung ausgezeichnet.

Mehr zu François Höpflinger finden Sie unter www.hoepflinger.com

Foto: privat

 

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