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«Ohne Remo Largo hätte ich meine Tochter mit anderen Augen gesehen»

Wer hat kein Exemplar von «Babyjahre» zuhause im Regal stehen? Remo Largo, Kinderarzt und Autor des wohl wichtigsten Ratgebers für Schweizer Eltern, ist am 11. November verstorben. Seine Bücher werden aber weiterhin die Beziehung von so vielen Eltern und Kinder prägen. So wie die von Elternbildnerin Susanne Schultes. Remo Largo hat ihr Mut gemacht – immer und immer wieder. Ein Dankeschön. 

Am 11. November ist der bekannte Kinderarzt und Autor Remo Largo mit 76 Jahren verstorben. Er hat die Erziehung vieler Eltern geprägt und so unbewusst deren Beziehung zu ihren Kindern mitgestaltet. Auch meine. Ohne sein Buch «Babyjahre» hätte ich meine Tochter vermutlich mit anderen Augen gesehen.

Mir half dieses Werk, nicht zu vergleichen, sondern anzunehmen. Es half mir, mein Kind als einzigartig zu betrachten und in Beziehung zu gehen mit diesem kleinen Menschen. Es half mir zu verstehen, welche Bedürfnisse Babys haben – und dass es unverzichtbar ist, mich auf diese einzulassen, damit mein Kind Geborgenheit und Verbundenheit erfahren kann. Ich bin mir sicher, so wie mir ging es so vielen anderen frischgebackenen Eltern.

Das Buch «Babyjahre» half vielen beim Start als Familie. Beim Start in eine ganz neue Phase des Lebens.

Remo Largo begleitete mich aber nicht nur vor und nach der Geburt. Auch sein Buch «Schülerjahre» empfand ich als einen so wichtigen Weckruf. Remo Largo zeigt darin auf, wie verschieden unsere Kinder sind, welch grosse Entwicklungsunterschiede unter Gleichaltrigen bestehen, und dass 90 Prozent eines gelingenden Schulalltags von der Beziehungskompetenz der Lehrperson abhängt. Erst wenn sich ein Kind ernst genommen und akzeptiert sowie aufgehoben fühlt, kann es sein Potential entfalten. Largo half so nicht nur uns Eltern, wenn wir wiedermal zweifelten. Mit Wegbegleitern wie Jesper Juul und Gerald Hüther und vielen anderen gelang es ihm so auch, eine Bewegung entstehen zu lassen, die Lehrpersonen wie auch Institutionen aufrüttelte und zum Umdenken anregte.

Ich erinnere mich noch gut an diese Situation: An einem Vortrag wollte eine Mutter wissen, wann ein Kind mit dem Lesen beginnt. Largos Antwort: «Irgendwann zwischen 3 Jahren und 13 Jahren. Da wäre es zu erwarten.» Das Publikum lachte, und die Mutter fühlte sich nicht ganz ernst genommen. Er zeigte ihr jedoch gleich danach auf, dass dies kein schlechter Witz war, sondern wie unterschiedlich wir Menschen von klein auf sind und wie verschieden schnell oder langsam wir uns entwickeln.

Remo Largo macht Eltern Mut, zu ihren Kindern zu stehen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Klar, habe ich auch sein Buch «Jugendjahre» gelesen. Mit seiner sensiblen und einfühlenden Art zeigt er uns Eltern darin auf, dass es nichts zu tun gibt für uns in dieser Zeit. Nichts, ausser da zu sein und unsere Jungen zu würdigen, ihnen beizustehen und sie zu ermutigen. Und klar, wusste auch er, dass das nicht immer einfach ist…

In seinem letzten Buch «Zusammen leben» richtet Remo Largo einen Appell an die Gesellschaft: Er plädiert in diesem Buch an die Gesellschaft, neue gemeinschaftliche Formen des Zusammenlebens dem Modell der Kleinfamilie vorzuziehen. Kinder würden so durch das Vorleben von Erwachsenen sowie älteren Kindern automatisch in die Gemeinschaft hineinwachsen. So sollen auch die Eltern entlastet werden. Seine Grundthese, die er das Fit-Prinzip nennt, wäre aus meiner Sicht, fachlich aber auch persönlich, durchaus ein Weg raus aus der Isolation hin zu einem Modell, welches Entwicklung, Entfaltung, Entlastung sowie soziale Verantwortung fördert.

Auch, wenn ihr Autor nicht mehr unter uns ist: Die Werke von Remo Largo werden mich weiterhin begleiten. Ich werde sie weiterhin den Eltern, die zu mir kommen empfehlen, und in meinem Herzen wird er weiterbestehen und meine Arbeit mit Eltern und Familien bereichern. Weil Menschen wie er uns Mut machen, zu ihren Kindern zu stehen und sie in liebevoller Weise zu begleiten. Von ganzem Herzen vielen, vielen Dank, dass ich dies lernen durfte, Remo Largo.

Laura Müdespacher Goldenbody

Susanne Schultes

Suanne Schultes arbeitet seit 12 Jahren in der Elternbildung, ist ausgebildete Kommunikationstrainerin, Eidg. dipl. Beraterin im psychosozialen Bereich (SGfB) und Supervisorin. Sie betreibt eine eigene Praxis für Familien- und Paarberatung in Männedorf. Die Mutter von zwei Kindern (15 und 10 Jahre) teilt Ihr Wissen ausserdem auch auf Facebook und Instagram sowie auf Ihrem Blog. 

Ich bin weiterhin auch online für Sie da:

Haben Sie Anliegen, welche Sie gerne klären möchten? Betrifft es Sie selbst, Ihre Partnerschaft oder Ihre Familie? Kontaktieren Sie mich per Mail für eine Terminvereinbarung.

Weitere Informationen: www.susanneschultes.ch.