Das Familienleben als Ort der Harmonie und Sicherheit?

 

Das Familienleben ist immer noch aktuell

Das Modell Familie hat noch nicht ausgedient. Bild: Monkey Business-Thinkstock

Hat die Sehnsucht nach einem harmonischen Familienleben zugenommen?

Dr. Andreas M. Walker: Wir haben die Umfrage seit 2009 zum vierten Mal durchgeführt – mit 7.575 Teilnehmenden aus der Schweiz und 11.339 Teilnehmenden aus Deutschland. Werte verändern und entwickeln sich allerdings nicht in wenigen Jahren, sondern innerhalb von Jahrzehnten. Deshalb lässt sich nicht von einem Trend sprechen. Allerdings kann ich der Behauptung, das Modell «Familie» habe ausgedient, aufgrund der Umfrage-Ergebnisse klar «Contra» bieten.

Trotz der Sehnsucht nach Familienleben ist die Geburtenrate niedrig.

In einigen Jahren sagen wir vielleicht: «Damals haben wir Hoffnungen in die Familie gesetzt - heute haben wir die Kinder!» (lacht). Beispielsweise in der Stadt Zürich kommen wieder mehr Kinder zur Welt als in den 80er- und 90er-Jahren. 2011 gab es bereits zum achten Mal hintereinander einen Geburtenüberschuss. Die Gesellschaft hat wieder ein grosses Interesse am Thema «Kinder kriegen» und «Kinder haben». Dass Medien ausgiebig über den Nachwuchs von Filmstars und aus Königshäusern berichten, belegt den emotionalen Reiz dieses Themas.

Welche Hoffnung setzen Sie in das Modell «Familie»?

Ich hoffe auf eine breite Diskussion über die Zuständigkeiten der Familie. Die Erziehung von Kindern und die Versorgung von Alten waren über Jahrhunderte hinweg Kernaufgaben der Familie. Heute ist Trend, diese Kernaufgaben dem Staat abzugeben. Wir müssen uns fragen: Wollen wir wirklich, dass der Staat diese Aufgaben übernimmt? Soll primär der Staat Werte definieren und vermitteln? Sind Kinder eine Restmenge, die versorgt werden muss?

Zur Person:

Dr. Andreas M. Walker ist Gründer von weiterdenken.ch und Co-Präsident von swissfuture, der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung. Der Vater von vier Kindern lebt mit seiner Frau und Familie in Basel. Nach einem Geographie- und Geschichtsstudium und einer Karriere in der Finanzbranche berät er heute Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu Chancen und Risiken mittel- und langfristiger Veränderungen. Als Antwort auf Sorgenbarometer und Angstbarometer lancierte er 2009 das Hoffnungsbarometer.

Weiterführende Links:

 

Autor: Sigrid Schulze im Januar 2013

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