Das Thema Altenpflege muss frühzeitig diskutiert werden

Mit welchen Problemen werden Familien 2030 konfrontiert sein?

Mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und das über den ganzen Lebenslauf. Bisher hat sich die Politik vor allem auf Familien mit sehr jungen Kindern konzentriert. Wir beobachten aber eine steigende Erwerbsbeteiligung von älteren Personen und Frauen. Das sind die Personen, die sich momentan am meisten um die Pflege  der älteren Menschen kümmern. Wenn Frauen nun aber vermehrt arbeiten, haben sie weniger Zeit, sich um die eigenen pflegebedürftigen Eltern zu kümmern. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass es viele verschiedene Familienmodelle geben wird, dann wird es auch viel Pendelverkehr geben. Zur Arbeit, aber auch zu Angehörigen. Es ist wichtig, dass man der Art und Weise wie Menschen leben wollen, unvoreingenommen begegnet. Historisch betrachtet gab es immer wieder Veränderungen, denen mit viel Argwohn begegnet wurde. Die Alleinerziehenden zum Beispiel: Ihnen wurde ja die moralische Fähigkeit zur Erziehung abgesprochen. Heute weiss man, dass es nicht zwingend schlecht ist für Kinder und dass sich auch Alleinerziehende mit viel Liebe und Fürsorge um ihre Kinder kümmern.

Sie haben das Thema Altenpflege angesprochen: Vereinfacht gesagt, wird eines der Hauptprobleme auch sein, dass wir zuwenig  Nachwuchs haben werden, damit die Kosten für die Pflege von Senioren gedeckt werden können.

Grundsätzlich ja. Aber das wird in der Regel nach dem Altersquotient bemessen. Wie viele ältere Leute kommen auf Personen im erwerbsfähigen Alter? Wenn wir an die demographische Struktur im 19. Jahrhundert denken, da hatten wir sehr viele Kinder und kaum alte Leute. Da wurde sehr viel Zeit und Geld in die Kinder investiert, damit sie Essen hatten, Kleidung und in die Schule gehen konnten. Das ist eine Belastung, die wir heute nicht mehr in diesem Ausmass haben.

Dann geht es darum, die Gelder umzuverteilen?

Ja. Ein Teil der Ressourcen, die man früher für Kinder verwendet hat, müssen heute für ältere Menschen aufgebracht werden. Das mildert die Dramatik der demographischen Alterung. Wir müssen darauf einfach frühzeitig reagieren. So sollte man zum Beispiel den Pflegefachmangel frühzeitig angehen. Darüber muss man sich Gedanken machen.

Sie schlagen für dieses Problem ja ein neues Versicherungsmodell vor. Vereinfacht gesagt zahlt man viel in die Versicherung ein, wenn man seiner Familie nicht nahe steht, wenig wenn man ein inniges Verhältnis hat und auf liebevolle Pflege hoffen kann. Ist das nicht absurd? Was, wenn man sich am Ende doch nicht mehr leiden kann?

Das ist die grobe Idee, ja. Aber: Wenn mit der Familie, Angehörigen oder anderen Personen eine Pflege vereinbart wird, dann sollte man auch weniger Beiträge zahlen, schliesslich nimmt man die subventionierten Pflegeleistungen nicht oder nur wenig in Anspruch. Umgekehrt kann man sich für ein Modell mit einer ausschliesslich staatlichen Verantwortung und Unabhängigkeit von Angehörigen entscheiden, dann fallen jedoch auch etwas höhere Versicherungsbeiträge an. Die Grundsicherung muss selbstverständlich in beiden Modellen gewährleistet sein. Das finde ich persönlich sehr sinnvoll, weil die Möglichkeit der freien Entscheidung gegeben ist. Die Modelle, die wir jetzt in den meisten Ländern haben, fragen: Haben Sie Angehörige? Kann man ihnen eine finanzielle Verpflichtung aufbürden? Ich finde aber, wenn es um die Würde des Alterns geht, sollte man älteren Menschen und ihren Angehörigen die Möglichkeit geben, sich entscheiden zu können, in welchem Pflege-Arrangement sie sich am wohlsten fühlen.

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