NewsViele Viertklässler erreichen die Grundkompetenzen, doch die soziale Herkunft macht einen deutlichen Unterschied Luisa Müller Eine neue schweizweite Erhebung zeigt: Die meisten Kinder erreichen am Ende des vierten Schuljahres die erwarteten Grundkompetenzen in Schulsprache und Mathematik. Gleichzeitig wird deutlich, dass nicht alle Kinder mit denselben Chancen durch die Schule gehen. Kommentare Teilen Facebook X / Twitter WhatsApp E-Mail Merken © Drazen Zigic / iStock / Getty Images Plus Wie gut beherrschen Kinder in der Schweiz am Ende des vierten Schuljahres grundlegende Fähigkeiten in Sprache und Mathematik? Dieser Frage ist die aktuelle Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen, kurz ÜGK, nachgegangen. Getestet wurden knapp 20’000 Schülerinnen und Schüler aus rund 1150 Schulen. Erstmals fand diese Erhebung am Ende des vierten Schuljahres nach HarmoS statt. Die Resultate zeigen insgesamt ein positives Bild: Im Bereich Hören in der Schulsprache erreichen 87 Prozent der Kinder die nationalen Grundkompetenzen. Beim Lesen sind es 79 Prozent, in Mathematik 76 Prozent. Damit verfügt eine klare Mehrheit der Kinder über wichtige Grundlagen für den weiteren Bildungsweg. Gleichzeitig bedeutet das auch: Je nach Fachbereich erreicht rund jedes fünfte bis vierte Kind die gesetzten Mindestziele noch nicht. Was wurde geprüft? Die Tests wurden tabletbasiert durchgeführt. In der Schulsprache ging es um Hören und Lesen, also darum, gesprochene Inhalte, Sätze und kurze Texte zu verstehen. In Mathematik wurden Grundkompetenzen in Bereichen wie Zahlen, Formen, Raumverständnis und mathematischem Denken geprüft. Die Aufgaben wurden an das Alter der Kinder angepasst und in Deutsch, Französisch und Italienisch eingesetzt. Kantone sind laut EDK harmonisiert unterwegs Ein Ziel der ÜGK ist es, sichtbar zu machen, ob Kinder in den Kantonen vergleichbare schulische Grundlagen erwerben. Die EDK sieht die Resultate als Hinweis darauf, dass die Harmonisierung der obligatorischen Schule weit fortgeschritten ist. Die Unterschiede zwischen den Kantonen bleiben aber sichtbar. Beim Hören liegen die kantonalen Werte zwischen 80 und 95 Prozent, beim Lesen zwischen 70 und 87 Prozent und in Mathematik zwischen 68 und 88 Prozent. Soziale Herkunft hat den stärksten Einfluss Besonders deutlich zeigt die Erhebung den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg. Kinder aus sozial privilegierten Familien erreichen die Grundkompetenzen deutlich häufiger als Kinder aus benachteiligten Familien. Der Unterschied beträgt 23 Prozentpunkte beim Hören, 22 Prozentpunkte beim Lesen und 27 Prozentpunkte in Mathematik. In Mathematik ist das Risiko, die Grundkompetenzen nicht zu erreichen, für Kinder aus sozial benachteiligten Familien rund 3,5-mal so hoch wie für Kinder aus sozial privilegierten Verhältnissen. Im untersten sozialen Viertel erreichen 38 Prozent der Kinder die mathematischen Grundkompetenzen nicht, im obersten Viertel sind es 11 Prozent. Mädchen und Knaben mit ähnlichen Ergebnissen Beim Geschlecht zeigen sich dagegen nur geringe Unterschiede. Mädchen schneiden beim Lesen leicht besser ab, Knaben in Mathematik leicht besser. Die Unterschiede betragen jeweils zwei Prozentpunkte und werden im Bericht als praktisch kaum bedeutsam eingeordnet. Beim Hören gibt es keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Mädchen und Knaben. Mehr dazu in unserem Artikel: Chancengleichheit: Warum in der Bildung Unterschiede existieren Was die Ergebnisse für Familien bedeuten Für Eltern zeigen die Resultate vor allem eines: Früh gefestigte Sprach- und Mathematikkompetenzen sind wichtig, weil sie die Grundlage für späteres Lernen bilden. Wer beim Lesen, Zuhören oder Rechnen früh Lücken hat, kann in den folgenden Schuljahren schneller unter Druck geraten. Die Studie macht aber auch klar, dass Lernerfolg nicht allein vom Kind abhängt. Familiäre Ressourcen, Sprache, Unterstützungsmöglichkeiten und soziale Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Die Kantone wollen die Resultate nun nutzen, um sprachregional und kantonal weitere Massnahmen zu prüfen. Künftige Erhebungen sind ab 2028 geplant. Dann sollen Schülerinnen und Schüler im achten und später im elften Schuljahr getestet werden, um Entwicklungen über die Zeit besser sichtbar zu machen.