Familienleben

Artikel gespeichert von: https://www.familienleben.ch/baby/stillen-ernaehrung/abstillen-1879

Der richtige Zeitpunkt zum Abstillen

Die einen sind erst sechs Monate alt und trinken bereits ausschliesslich künstlich gefertige Säuglingsmilch aus dem Schoppen. Andere Babys werden schon bald zwei Jahre alt – und geniessen dennoch hin und wieder eine Milchmahlzeit an Mamas Brust. Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen gekommen?

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Abstillen gekommen?

Viele Mütter sind sich unsicher, wann der richtige Zeitpunkt zum Abstillen gekommen ist. Foto: iStock, Thinkstock

So schön kann es sein, wenn das Baby entspannt an Mamas Brust liegt und Milch saugt. Viele Mütter fühlen sich in diesem Moment mit ihrem Baby besonders innig verbunden. Andererseits schränkt das Stillen Mütter stark ein. Denn: Wer nicht abpumpen will, kann nur während der Stillpausen allein, ohne das Baby, unterwegs sein. Kein Wunder, dass viele Mütter oft ein zwiespältiges Gefühl beschleicht, wenn sie an das Abstillen denken.

Abstillen beginnt spätestens nach dem 6. Lebensmonat

Abstillen – mit diesem Wort ist die Entwöhnung eines Säuglings von der mütterlichen Milch gemeint. Dieser Prozess beginnt streng genommen bei jedem Baby bereits nach seinem sechsten Lebensmonat. Spätestens zu diesem Zeitpunkt führen die meisten Eltern den ersten Brei ein. Und tun gut daran: Ab diesem Alter, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO), reichen Energie und Nährstoffe aus der Milch nicht mehr für optimales Wachstum aus.

Beikost und Stillen schliessen einander nicht aus. Wer gerne weiter stillen möchte, obwohl das Baby bereits selbstständig den Brei löffelt, hat zwar bereits mit dem Abstillen begonnen, kann sein Baby aber noch viele Monate anlegen. Selbst ein Baby, das bereits bei allen Hauptmahlzeiten am Tisch mit isst, kann sich noch vor dem Zubettgehen über einen Nachtisch an der Brust der Mama freuen. Die Weltgesundheitsbehörde (WHO) empfiehlt sogar, Babys zu stillen, bis sie zwei Jahre alt sind.

Manche Mütter wollen oder können nicht so lange stillen. Wer sein Baby von der Brust komplett entwöhnen will, sollte wissen: Ohne Geduld geht es oft nicht. Denn nicht immer steigen Babys problemlos auf den Schoppen um. An der Brust trinken bedeutet schliesslich auch Geborgenheit zu geniessen.

Doch es kann auch andersherum sein: «Manchmal stillt ein Kind ab und verweigert plötzlich die Brust», berichtet die frei praktizierende Hebamme Anna Heldstab aus Berneck. «Stillen ist eben eine bilaterale Angelegenheit.» Ist der Säugling noch jung, sollte die Mutter dennoch geduldig versuchen, ihn anzulegen, damit er weiterhin von der gehaltvollen Milch profitieren kann. Bei einem älteren Kind dagegen kann das Verweigern der Brust zum normalen Abnabelungsprozess gehören.

Brei anstatt Milch: Abstillen braucht Zeit.

Das Stillen langsam durch Breimahlzeiten zu ersetzen, hilft auch die täglich produzierte Milchmenge zu reduzieren. Foto: © Wavebreakmedia Ltd | Dreamstime.com

Den Milchfluss stoppen und dem Kind das Trinken an der Brust abgewöhnen – wie gelingt das am besten? «Am schonendsten ist es, die Stillmahlzeiten langsam zu reduzieren», rät Anna Heldstab. Sie führt folgendes Beispiel an: Zuerst führt die Mutter um den sechsten Monat herum eine Brei-Mahlzeit am Tag ein. Nach ein bis zwei Wochen kann sie dann je eine weitere Stillmahlzeit durch einen weiteren Brei ersetzen. Und zwar so lange, bis am Ende keine Milchmahlzeit mehr übrig bleibt.

Wird das Baby auf diese Weise nach und nach immer seltener angelegt, reduziert sich auch die Milchmenge, die täglich produziert wird. Sie passt sich dem sinkenden Bedarf an.

Mütter sollten sich mindestens vier Wochen für das Abstillen Zeit nehmen. «Mütter, die schneller abstillen wollen oder müssen, brauchen in der Regel Beratung und Begleitung durch eine Stillberaterin oder Hebamme», sagt Brigitte Benkert, Pressesperecherin des Berufsverbandes der Schweizerischen Stillberaterinnen (IBCLC).

Wenn eine Mutter sehr plötzlich abstillen muss, beispielsweise aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes, wird das schnelle Abstillen oft durch Abstill-Medikamente unterstützt. Diese Medikamente hemmen die Ausschüttung des Hormons Prolaktin durch die Hirnanhangdrüse. Prolaktin ist für das Einsetzen und die Aufrechterhaltung der Bildung der Muttermilch nach der Geburt verantwortlich.

Als homöopathische Arznei gilt Phytolacca D1. Auch drei Tassen Salbeitee pro Tag reduzieren die Milchbildung.

Abstillen: Diese Nahrungsmittel sollten gemieden werden

Diese Nahrungsmittel gelten als milchbildend. «Sie sollten daher beim Abstillen gemieden werden», rät die Hebamme Anna Heldstab:

  • Gerste
  • Fenchel
  • Schwarze Johannisbeeren
  • Bockshornklee
  • Anis
  • Alle Stilltees
  • Bier

 

Weiterführende Links zum Thema Abstillen

  • Informationen rund ums Stillen von La Leche League Schweiz: www.stillberatung.ch
  • Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Stillen vom Schweizerischen Hebammenverband: www.hebamme.ch/FAQ
  • «Stillen - ein gesunder Start ins Leben», so heisst die Brochüre der Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens, die sich bestellen lässt unter: www.stiftungstillen.ch
  • Adressen von Stillberaterinnen vermitteln der Berufsverband er Schweizer Stillberaterinnen (BSS) unter: www.stillen.ch
  • Adressen von Hebammen vermittelt der Schweizerische Hebammenverband unter: www.hebamme.ch/Adressen

 

Text: Sigrid Schulze