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So wird die Zeit im Wochenbett entspannt für Mama und Kind

Endlich ist das Baby da - und mit ihm auch ganz viele neue Herausforderungen und Menschen, die unbedingt zu Besuch kommen wollen. Dabei braucht die Mama – und auch Papa und Kind – erstmal ganz viel Ruhe und Zeit, bewusst in den neuen Lebensabschnitt zu starten. Hebamme Nicole Widmer erklärt, was wichtig ist im Wochenbett und wie Sie das Beste machen aus der Kennenlernzeit. 

Wochenbett: Mutter gibt ihrem Neugeborenen ein Küsschen auf den Kopf.

Der typische Babyduft ist und bleibt der beste Geruch der Welt: Geniessen Sie die Zeit im Wochenbett und gönnen Sie sich Ruhe. Bild: GettyImages Plus, NataliaDeriabina

Mit der Geburt des Babys beginnt eine wunderbare Zeit: Sie dürfen einen neuen Menschen in Ihrer Familie begrüssen. Doch neben der Freude und den Glücksgefühlen kommen während des Wochenbetts - so nennt man die ersten Wochen nach der Geburt - auch ganz viele Fragen, Unsicherheiten und Herausforderungen auf die frischgebackenen Eltern zu. 

Wie meldet sich das Neugeborene, wenn es Hunger hat? Wie klingt es, wenn ein Bäuerchen raus muss? Wie und wo soll das Baby schlafen? Und, und, und. Ganz wichtig: Stellen Sie nicht zu hohe Anforderungen an sich selbst. Es braucht Zeit, sich aufeinander einzustellen und sich kennenzulernen. Sie werden sehen: Wenn Sie sich diese Zeit geben, sind Sie und Ihr Baby schon bald ein eingespieltes Team. Und zum Glück haben Sie zu Beginn ja auch noch Ihre Hebamme, die Sie in allen wichtigen Fragen beim Start in diesen neuen Lebensabschnitt unterstützt.

Besuch? Nur wenn er Essen mitbringt

Was für mich als Hebamme eine ganz wichtige Botschaft an alle frischgebackenen Eltern ist: Es ist absolut okay wenig Besuch zu haben - ja, es ist sogar gut für alle Beteiligten. Denn Mama und Kind brauchen jetzt Ruhe. Genau dafür ist das Wochenbettzeit, die etwa sechs bis acht Wochen dauert, gedacht. Sie sollten soviel ungestörte Zeit mit Ihrem Baby verbringen wie möglich. Nur so werden Sie es bald verstehen, seine Zeichen lesen und auf seine Bedürfnisse eingehen. Und unter uns: Mit dem Baby zu kuscheln ist etwas vom Schönsten in diesen ersten Wochen - denn der typische Babyduft ist und bleibt der beste Geruch der Welt.

Sie fühlen sich bereit für Besuch? Dann ist das natürlich kein Problem. Denn natürlich möchte man das kleines Wunder auch seinen Liebsten vorstellen. Aber bitten Sie den Besuch doch, etwas zu Essen mit zu bringen oder für Sie Einzukaufen. Das ist die grössere Hilfe, als wenn der Besuch mit dem Baby spazieren geht. Auch können und sollten Sie die Besuchszeit klar beschränken. Eine halbe bis maximal eine Stunde wird Sie und das Baby schon genug fordern. 

Diese Herausforderungen kommen auf Sie zu

1 Stillprobleme: Sie wollen Ihr Baby stillen? Dann kann es sein, dass Sie ab und an einen Moment der Verzweiflung erleben. Stillen ist nichts Selbstverständliches, es braucht ganz viel Übung von Mutter und Kind. Haben Sie Geduld und lassen Sie sich auch hier von Ihrer Hebamme beraten. Sie werden sehen: Nach zwei, drei Wochen geht es schon viel besser und Sie und das Kleine spielen sich langsam aufeinander ein. Und für alle, die mit wunden Brustwarzen zu kämpfen haben: Silberhütchen wirken Wunder. Die kleinen Helfer bekommen Sie in jeder Apotheke. 

2 Kleiner Schreihals: Es kommt Ihnen vor, als sei ein Schalter angeknipst worden und das Baby schreit nur noch? Ab der dritten Woche leiden viele Neugeborene unter Bauchschmerzen. Ein Teufelskreis beginnt. Sie weinen weil sie Hunger haben und essen wollen. Sie schreien, weil der Magen daraufhin Mühe hat, die Menge zu verdauen und durch das Schreien schlucken die Kleinen Luft. Was zu noch mehr Bauchschmerzen und noch mehr Schreien führt. Eine Bauchmassage (Kreisen im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel) tut gut, aber auch Wärme durch ein Kirschkernkissen. Ein schreiendes Baby kann einem in die Verzweiflung treiben. Versuchen Sie immer daran zu denken: Es geht vorüber! Meistens ist in der sechsten Woche der Höhepunkt erreicht und danach wird es besser. Ein Tipp am Rande: Neben Hausmitteln wie Massagen, kann ich eine Craniosacraltherapie als Unterstützung sehr empfehlen.

3 Alle Hände voll zu tun: Am Anfang hat man das Gefühl man kommt zu gar nichts, weil das Baby ständig Aufmerksamkeit braucht. Eine gute Tragehilfe oder ein Tuch können hier die Lösung sein. Durch das Tragen geben Sie dem Baby die Nähe, die es braucht und Sie habten trotzdem die Hände frei. Es lohnt sich übrigens, sich beraten zu lassen und verschiedene Tücher und Tragehilfen zu testen. So merken Sie schnell, was zu Ihnen passt und was Ihnen am meisten taugt.

4 Fragen über Fragen: Wie ist das mit der Nabelpflege? Wie lange sollte und darf ich schon spazieren? Welches Babyöl ist am besten? Vieles spielt sich von alleine ein und sie werden merken, dass Sie Ihrem Mama- und Papa-Instinkt trauen können. Trotzdem möchte man in manchen Fragen gerne eine Beratung oder Antwort oder auch eine Meinung hören. Nutzen Sie die Zeit, die Sie mit Ihrer Hebamme während der Wochenbett-Betreuung haben! Fragen Sie Ihr Löcher in den Bauch. Genau dafür ist sie da! 

Ich wünsche Ihnen eine wunderbare Kennenlernzeit mit Ihrem Baby - und nicht vergessen: Im Zweifelsfall einfach an die Hebamme wenden!

Nicole Widmer

Nicole Widmer ist ausgebildete Hebamme und Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Kind, Jugend, Frau und Familie. Sie hat seit 2015 im Spital im stationären Wochenbett und auf einer Pränatalabteilung gearbeitet und freiberuflich. Im Frühling 2020 hat sie sich ganz selbstständig gemacht. Als Hebamme unterstützt sie Familien mit vollem Einsatz und mit viel Herz. Denn die 35-Jährige ist eine Macherin und Optimistin. Ausserdem liebt sie Nutella und Listen. Und natürlich ihre Familie!

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