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Schwanger trotz Blutgerinnungsstörung: Das müssen werdende Mütter wissen

Während der Schwangerschaft arbeitet der Körper auf Hochtouren: Gewichtszunahme sowie Veränderung von Herzschlag und Atmung können zu Bluterinnungsstörungen führen. Unerkannt stellen Gerinnungsstörungen ein Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft oder sogar eine Fehlgeburt dar. Woran Sie eine zu hohe oder zu niedrige Gerinnung erkennen und behandeln und wie Frauen mit Gerinnungsstörungen trotzdem schwanger werden können. 

Schwangere Frau sitzt auf dem Bett

Bei Blutgerinnungsstörungen in der Schwangerschat ist die richtige Behandlung entscheidend. Bild: Vasyl Dolmatov, Getty Images

Blutgerinnungsstörungen in der Schwangerschaft:

  • Es gibt verschiedene Arten von Blutgerinnungsstörungen: erhöhte Blutungsneigung («Bluterkrankheit») und erhöhte Gerinnungsneigung (Thrombophilie). Mehr dazu. 
  • Eine erhöhte Blutungsneigung äussert sich etwa durch häufig auftretende blaue Flecken. Eine Thrombophilie hingegen kann bis zum Auftreten eines Blutgerinnsels ohne Symptome verlaufen. Mehr dazu.
  • Eine Gerinnungsstörung mit Thromboseneigung kann die Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sein sowie zu Komplikationen in der Schwangerschaft und zu Fehlgeburten führen. Mehr dazu. 
  • Frauen mit Blutgerinnungsstörungen können mit medizinischer Betreuung trotzdem schwanger werden und ein Kind gebären. Mehr dazu. 

Kann man trotz Gerinnungsstörung schwanger werden?

Ja – man kann trotz Blutgerinnungsstörung schwanger werden und ein gesundes Kind zur Welt bringen. Für Frauen mit Kinderwunsch sowie für Schwangere birgt eine unerkannte Blutgerinnungsstörung zwar einige Risiken. Doch wer die Symptome kennt, kann sie ärztlich behandeln lassen und auch trotz einer erhöhten oder niedrigen Gerinnung schwanger werden. Wie Sie trotz einer Blutgerinnungsstörung schwanger werden, lesen Sie hier. Sie wollen herausfinden, ob Sie an einer Blutgerinnungsstörung leiden? Mehr zu den Symptomen und Anzeichen lesen Sie hier

Was ist eine Blutgerinnungsstörung?

Eine Gerinnungsstörung zu haben bedeutet, dass die normale Blutgerinnung verändert ist. Das unser Blut gerinnt, ist ein wichtiger Schutzmechanismus des Körpers. Bei einer äusserlichen Verletzung wird das Blut an der Stelle fest, in anderen Worten: es gerinnt. Dadurch kann das Blut selbst verhindern, dass ungehemmt mehr Blut aus der Wunde austritt. Bei einer Gerinnungsstörung ist diese Funktion beeinträchtigt.

Wird in der Schwangerschaft das Blut dünner?

Vereinfacht gesagt, ja: In der Schwangerschaft wird das Blut dünner. Bei Schwangeren verändert sich die Durchblutung enorm: Zum einen steigt das Blutvolumen laufend an, zum anderen vermehrt sich das Wasservolumen im Körper. Nicht ganz so stark steigt aber die Zahl der roten Blutkörperchen. Die Folgen erklärt netdoktor.at so: «Bei schwangeren Frauen vermindert sich darum der Wert des Blutfarbstoffes (Hämoglobin) oder auch der Hämatokrit - der Anteil von roten Blutzellen in Prozent zum Gesamtvolumen pro Milliliter. Man spricht dann von der natürlichen Schwangerschaftsanämie. Dadurch verbessert sich jedoch die Durchblutung an den mütterlich-kindlichen Austauschflächen im Mutterkuchen.» Wenn aber eine Blutgerinnungsstörung vorliegt, kann es zu Komplikationen kommen in diesem natürlichen Prozess. 

Was passiert bei einer Gerinnungsstörung?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Formen der Blutgerinnungsstörung. Dabei kann die Gerinnung entweder zu schwach oder zu stark sein.

  • Ist die Blutgerinnung zu schwach, spricht man von einer erhöhten Blutungsneigung. Die häufigste Form ist die erblich bedingte Hämophilie, auch Bluterkrankheit genannt.
  • Eine zu starke Blutgerinnung führt dazu, dass das Blut «klumpt», wodurch es zu Gefässverschlüssen (Thrombosen) kommen kann. Diese Erkrankung wird auch Thrombophilie genannt.

Die Ursachen einer Blutgerinnungsstörung

Eine Störung der Gerinnung des Blutes ist entweder erblich bedingt oder bildet sich im Laufe des Lebens. An einer erblich bedingten Hämophilie leiden in der Regel nur Männer. Die Schweizerische Hämophilie-Gesellschaft erklärt, dass dies an der Vererblichkeit über das sogenannte X-Chromoson liegt: «Das ist dasjenige Geschlechtschromosom, von dem die Frau zwei und der Mann nur eines hat. Der Mann, der das Erbmerkmal trägt, hat die Hämophilie. Die Frau kann das hämophile Erbmerkmal durch das gesunde andere X-Chromosom kompensieren.» An der häufigsten Blutgerinnungsstörung, dem sogenannten Von Willebrand Syndrom, leiden jedoch Frauen gleichermassen wie Männer.

Zu einer erhöhten Thromboseneigung, also einer starken Blutgerinnung, führen angeborene Erkrankungen wie die Faktor-V-Leiden-Mutation oder ein Protein-S Mangel. Bei beiden Erkrankungen handelt es sich um genetische Veränderungen der Blutgerinnung. Das Netzwerk Kinderwunsch Regensburg hält ausserdem fest, dass eine der häufigsten erblich bedingten Blutgerinnungsstörungen das sogenannte Antiphospholipid-Syndrom ist, wobei es sich um eine Fehlsteuerung des Immunsystems handelt. Bei dieser Krankheit arbeiten Antikörper gegen die körpereigenen Eiweisse an und sorgen dafür, dass Reaktionen in Blutzellen und Gefässen ausgelöst werden, die das Blut schneller gerinnen lassen und ebenfalls zu Thrombosen führen können.

Doch auch der eigene Lebensstil beeinflusst die Risikofaktoren für eine starke Blutgerinnung: Rauchen, der Konsum von Cannabis, die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, lange Flugreisen oder Übergewicht begünstigen eine Thromboseneigung.  

Wie kann man herausfinden, ob man eine Blutgerinnungsstörung hat?

Je nachdem, an welcher Blutgerinnungsstörung man leidet, erkennt man die Erkrankung an unterschiedlichen Symptomen. Während eine sehr schwache Blutgerinnung deutlich erkennbar ist, kann eine starke Blutgerinnung oft erst diagnostiziert werden, wenn es bereits eine Thrombose besteht.

Zu den häufigsten Symptomen für eine Hämophilie, also die Neigung zu erhöhter Blutung, zählen laut dem Netzwerk für medizinische Spezialisten «Primo Medico» etwa 

  • Häufige Blaue Flecken, die schon bei geringem Druck entstehen und lange bestehen bleiben.
  • Vermehrtes Zahnfleisch- und Nasenbluten
  • Nachbluten von älteren Wunden

Ein Zeichen bei betroffenen Frauen mit einer schwachen Blutgerinnung ist eine ungewöhnlich lange Regelblutung.

Eine zu starke Blutgerinnung ist dagegen nicht so leicht erkennbar. Körperliche Beschwerden treten meist erst auf, wenn sich bereits ein Blutgerinnsel gebildet hat. Häufig entsteht dieses in den Venen der Unterschenkel und macht sich durch Schmerzen in den Beinen bemerkbar, die zunehmend stärker werden. Treten bei einem Patienten oder einer schwangeren Frau die oben genannten Symptome auf, kann ein Arzt eine Diagnose mit Hilfe spezieller Gerinnungstests stellen. Deshalb ist ein Arztbesuch schon bei kleinen Anzeichen für eine Blutgerinnungsstörung wichtig.

Wie gefährlich ist eine Blutgerinnungsstörung in der Schwangerschaft?

Eine Gerinnungsstörung mit Thromboseneigung kann nicht nur eine Schwangerschaft erheblich beeinflussen, sie kommt auch als Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch in Frage. Dass das Risiko für Thrombose in der Schwangerschaft besonders hoch ist, liegt unter anderem daran, dass der Hormonhaushalt die Blutgerinnung stark beeinflusst, die Elastizität der Venenwände nachlässt und ein grösserer Druck auf die Venen im Bauchraum entsteht. Gerade Schwangere, die ohnehin ein erhöhtes Risiko haben (etwa durch Thrombose in der Familie), sollten deshalb regelmässig ärztlich untersucht werden.

Eine Blutgerinnungsstörung kann eine Schwangerschaft verhindern

Zunächst kann eine genetische oder erworbene zu starke oder zu schwache Blutgerinnung eine Schwangerschaft verhindern. Eine Gerinnungsstörung kann etwa dazu führen, dass die Gebärmutterschleimhaut nicht genügend durchblutet wird, was die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindert. Das heisst, bei Frauen mit Blutgerinnungsstörung ist das Risiko, gar nicht erst schwanger zu werden, oder das Kind in den ersten Schwangerschaftswochen zu verlieren, hoch.

Die Blutgerinnung kann zu Komplikationen während der Schwangerschaft führen

Hat sich ein Embryo eingenistet, kann es passieren, dass es über den Mutterkuchen nicht genügend versorgt wird. Dann entwickelt sich das Kind nicht im durchschnittlichen Rahmen. Das kann verschiedene Spätfolgen mit sich bringen, von Diabetes bis zu Atembeschwerden. Eine verringerte Blutgerinnung zählt laut Primo Medico ausserdem zu den häufigsten Todesursachen der Mutter während der Geburt oder Schwangerschaft, weshalb sie medikamentös behandelt werden muss.

Die Blutgerinnung nach der Entbindung

Nach der Geburt bleibt die Neigung zur Thrombophilie noch eine Weile bestehen. Etwa einen Monat nach der Entbindung ist die Blutgerinnung bei nur durch die Schwangerschaft entstandenen Unregelmässigkeiten wieder im Gleichgewicht. Während der Schwangerschaft und im Wochenbett empfiehlt es sich deshalb bei wenig Bewegung, Kompressionsstrümpfe zu tragen, um das Risiko für Thrombosen zu verringern.

Wie kann man trotz Gerinnungsstörung schwanger werden?

Wird eine zu starke Blutgerinnung diagnostiziert, kann diese mit gerinnungshemmenden Medikamenten, sogenannten «Blutverdünnern» behandelt werden. Diese hindern das Blut daran, Klumpen zu bilden. In der Schwangerschaft oder bei Frauen mit Kinderwunsch erfolgt die Behandlung mit dem Wirkstoff Heparin, da er gut verträglich ist, wenig Nebenwirkungen hat und nicht über die Plazenta in den kindlichen Körper übergeht. Das Medikament muss ärztlich verschrieben werden. Bei der Anwendung wird das Heparin unter die Haut gespritzt. Je nach Ursache und Stärke einer vorliegenden Gerinnungsstörung werden zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Vitamin D oder Eisen verschrieben. 

Auch ASS, kurz für Acetylsalicylsäure, was unter anderem in Aspirin enthalten ist, ist ein Blutverdünner. Allerdings wirkt er anders als Heparin. Auch wenn es im Internet oft als allgemeiner Ratschlag zu lesen ist: Blutverdünner wie ASS beziehungsweise Aspirin helfen nicht generell bei einem Kinderwunsch. Die eigenmächtige Behandlung kann bei Schwangeren auch negative Wirkungen haben und die Einnahme muss immer medizinisch abgeklärt werden.

Vermuten Sie eine Gerinnungsstörung als Grund für einen ausbleibenden Kinderwunsch, sollten Sie Rat bei einem Frauenarzt oder Gerinnungspezialisten suchen. Dieser diagnostiziert und ermittelt die Ursachen einer Gerinnungsstörung. Je nach Fall wird eine Therapie mit bestimmten Medikamenten verordnet. Auch, wenn eine vererbliche Gerinnungsstörung bei einem Elternteil bekannt ist, sollten Sie am besten vor einer Schwangerschaft eine Blutuntersuchung machen. Denn richtig behandelt stellt eine Gerinnungsstörung kein Risiko für eine Schwangerschaft dar.