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Pubertät: Erziehungstipps

Wann kommen Kinder in die Pubertät? Was können Eltern tun, wenn der Nachwuchs rebelliert? Hier finden Sie Tipps und Infos, wie Sie am besten auf das merkwürdige Verhalten der Kinder reagieren.

In der Pubertät sind Eltern oft ratlos und brauchen Hilfe bei der Lösung von Problemen mit den Kindern.

Experten können helfen, die Probleme zwischen Kindern und Eltern zu schlichten. Foto: iStock, Shelly Perry, Thinkstock

Bis etwa zum 9. Lebensjahr sind Eltern der Lebensmittelpunkt der Kinder. Sie geben den Alltag vor, gestalten die Lebenswelt der Kinder schlichtweg durch ihr Wesen, Tun und Handeln. Geben ihre persönlichen Ansichten und ihren individuellen Blick auf die Welt weiter.

Der Vater ist begeisterter FC Basel Fan, seit Jahren sitzen er und Sohn gebannt vor dem heimischen Fernseher und verfolgen einträchtig die Spiele, ob Sieg oder Niederlage. Der Sohn ist dem Fussballverein zugetan, weil er seit Kindesbeinen an nichts anderes kennt. Er lässt sich von der Begeisterung des Vaters anstecken, will ihm gefallen und jubelt mit.

Kinder erfahren Bestätigung durch die Eltern, indem sie deren Interessen kopieren. Mit Beginn der Vorpubertät lässt das Bestreben, den Eltern gefallen zu wollen, rapide nach. Die eigene Meinung formiert sich im Kopf:

Was will ich? Wie sehe ich das? Finde ich das gut oder schlecht? Warum finde ich das gut oder schlecht. Das Kind ist nicht mehr bedingungslos abhängig vom Wohlwollen der Eltern. Es begreift sich als eigene, zunehmend autarke Person, ist hin und hergerissen zwischen seinen Ansichten, denen der Eltern und Freunde. So prallen Welten aufeinander - je mehr Unverständnis für den anderen herrscht, desto häufiger fliegen die Fetzen.

Schon 400 Jahre vor Christi Geburt beschwerte sich der griechische Philosoph Sokrates über die Heranwachsenden: «Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süssspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.» Die Gretchenfrage, welche seit Menschengedenken Eltern und Erzieher beschäftigt, lautet also: Wie verfahren mit dem rebellischen Nachwuchs?

Reichlich Antworten sind in den Regalen von Buchhandlungen zu finden, denn Erziehungsratgeber haben Hochkonjunktur. Schon nach ein paar überflogenen Seiten wird klar: Selbst Experten finden keinen gemeinsamen Konsens und somit keine allgemeingültige Regel. Der Pädagoge Bernhard Bueb, langjähriger Leiter der Internatsschule Schloss Salem, lobt in seinem Bestseller die Disziplin. Diese spielt seiner Meinung nach eine zentrale Rolle bei der Kindererziehung: «Disziplin ist die Vorrausetzung für Glück und Freiheit. Nur wer früh gelernt hat, Verzicht zu üben, Autoritäten anzuerkennen und Verantwortung zu übernehmen, kann später sein Leben in die Hand nehmen.» Anders sieht dies der dänische Familientherapeut Jesper Juul. Er empfiehlt Eltern ihren Kindern auf gleicher Ebene zu begegnen und ihnen Respekt entgegenzubringen. Hängt die Erziehung des pubertierenden Nachwuchses nun davon ab, für wessen Buch man sich entscheidet?

Bücher können durchaus sinnvoll sein, sie können Eindrücke vermitteln und aufklären. Aber eine konkrete Entscheidungshilfe im Familienalltag kann und soll ein Erziehungsratgeber nicht sein. Denn die richtigen Experten sind die Eltern, sie haben ihre Kinder schon ein Leben lang begleitet: Bei den ersten Schrittchen Beifall geklatscht, bei Gewitter Trost gespendet, die Schultüte gefüllt und gemeinsam das neue Hochbett aufgebaut. Auf diese Erlebnisse gilt es sich zu besinnen, wie viele kleine und grosse Probleme schon gemeinsam gestemmt und behoben wurden. Bis jetzt ging schliesslich auch immer alles gut. Dieses instinktive Bauchgefühl spielt in der Erziehung eine grosse Rolle: Was ist gut für mein Kind?

In der Pubertät wandelt es sich, denn der Nachwuchs muss, damit aus ihm eine eigenständige, verantwortungsbewusste Persönlichkeit wird, lernen eigene Entscheidungen zu treffen und sich von den Eltern abzugrenzen. Eltern kommen nicht umhin manche Entscheidungen ihres pubertierenden Kindes zu akzeptieren: Die Wahl der Freunde, das exzentrische Outfit oder den Ausstieg aus dem Tennissport, obwohl es prädestiniert dafür ist und glorreiche Siege errungen hat.

Eltern müssen stets zwischen den Entscheidungen, welche ihr Kind trifft und der Person selbst trennen. Eine klare ehrliche Aussage der Eltern ist enorm wichtig, sie stellt ihren Standpunkt dar: «Ich finde es nicht gut, dass du mit dem Tennisspielen aufhörst. Jahrelang war es sehr wichtig für dich. Vielleicht wirst du es später bereuen. Aber dennoch akzeptiere ich deine Entscheidung» Auf diese Weise fühlt sich der Heranwachsende ernstgenommen und erfährt Wertschätzung, denn seine Ansicht zählt ebenso wie die der Eltern.

«Was bildest du dir denn ein, mit dem Tennis aufzuhören? Du hängst sowieso nur den ganzen Tag rum, da schadet so ein bisschen Sport überhaupt nicht. Außerdem hast du noch nie eine Sache zu Ende gebracht, dann kannst du zumindest beim Tennis bleiben.» Diese Aussage vermittelt die Botschaft der Eltern, aber zusätzlich eine Kritik am Wesen des Kindes. Niemand, egal wie alt, möchte, dass an seinem Charakter herumgemäkelt wird, am wenigsten vertragen dies hormongeplagte und latent unsichere Teenager. Sie müssen sich vor Gleichaltrigen beweisen, dem anderen Geschlecht, den Lehrern. So sollte zumindest zuhause der Grundtenor herrschen – es ist richtig und gut, so wie du bist.

Was aber, wenn alles nichts hilft, Streitereien an der Tagesordnung sind und Unstimmigkeiten zwischen der Front Teenager und Erziehungsberechtigter immer tiefere Gräben zieht? Oder es um weitaus größere Probleme als um unordentliche Zimmer geht? Sobald erhöhter Alkoholkonsum, Kriminalität, aggressives Verhalten oder Drogen im Alltag der Heranwachsenden eine Rolle spielen, sollten sich Eltern nicht scheuen, professionelle Hilfe anzunehmen. Für Beratungsstellen sind diese Probleme Alltag. Die Mitarbeiter sind bestens geschult, können fundiert Auskunft geben und konkrete Maßnahmen empfehlen. Adressen von Beratungsstellen vermitteln das örtliche Jugendamt sowie die örtliche Schulsozialarbeit.

Bei Problemen mit dem Nachwuchs finden Mütter und Väter Hilfe bei folgenden Anschlaufstellen:

Allgemeine Hilfsangebote:

- www.elternnotruf.ch: Dort gibt es Hilfestellung bei Ängsten und Sorgen der Eltern, sowie bei konkreten Problemen mit den Kindern.

- www.kinderschutz.ch: Die Stiftung Kinderschutz Schweiz bietet vielseitige Informationen für Eltern.

Erziehungsberatung:

- Elternnotruf vor Ort: Elternberatungsstelle bei Erziehungsprobleme, Überforderung, Kindesmisshandlung, etc. Vertraulich und anonym und 24 Stunden telephonisch erreichbar:

Asylstrasse 79, 8032 Zürich Tel: 0041 (0)44 / 261.88.66

Torstrasse 11, 9000 St. Gallen Tel: 0041 (0)71 / 244.20.20

Baarerstr. 11, 6300 Zug Tel: 0041 (0)41 / 710.22.05

E-Mail: 24h@elternnotruf.ch

- Basel: Familien-, Paar- und Erziehungsberatung?, Greifengasse 23?Postfach 189?4005 Basel, ??Telefon: 061 686 68 68, ?Fax: 061 686 68,  69??info@fabe.ch

- Bern: Erziehungsdirektion des Kantons Bern ?Sulgeneckstrasse, 70 ??3005 Bern, Telefon 031 633 85 11, Fax 031 633 83 55

- www.1eltern.ch: ist eine Webcommunity für Einelternfamilien in der Schweiz, werbefrei und non profit.
Die ganze Homepage wird von allein Erziehenden in Freiwilligenarbeit gestaltet.

- www.muetterhilfe.ch: Beratungsstelle Mütterhilfe. Unentgeltliche Beratung und Betreuung von Frauen und Männern während der Schwangerschaft bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes bei sozialen, finanziellen und psychischen Schwierigkeiten. Rechtsberatung, Informationsvermittlung.

Buchtipps:

«Pubertät – Wenn erziehen nicht mehr geht», Jesper Juul, Kösel-Verlag, März 2010

«Lob der Disziplin», Bernhard Bueb, Ullstein Taschenbuchverlag, April 2008

Text: Natascha Mahle