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Alkohol in der Schwangerschaft: Wie viel ist schädlich?

Alkohol in Schwangerschaft ist ungesund und schlimmstenfalls sogar dauerhaft schädlich für das Baby. Denn das ungeborene Kind kann Alkohol längst nicht so gut abbauen wie die erwachsene Mutter. Warum Alkohol in der Schwangerschaft für Ihr Kind wie Gift wirkt und ob ein kleines Gläschen doch mal okay ist, erfahren Sie hier.

Zu viel Alkohol in der Schwangerschaft ist schädlich für das ungeborene Kind und kann zu Behinderungen führen.

Zu viel Alkohol in der Schwangerschaft ist schädlich für das ungeborene Kind und kann zu Behinderungen führen. Bild: vadimguzhva, Getty Images

Es stimmt, viele Frauen haben Alkohol getrunken, bevor sie erfuhren, dass sie schwanger waren, und trotzdem ein gesundes Kind auf die Welt gebracht. Und jede schwangere Frau kennt die Situation: Beim gemütlichen Abendessen mit Freunden kann die zwangsverordnete Abstinenz auch ganz schön nerven. Da ist die Versuchung gross, auch mal ein Gläschen zu trinken. Man denkt sich «Es ist ja nur ein bisschen und mich hat das gelegentliche Glas Wein meiner Mutter auch nicht umgebracht.» Gewissheit gibt es dafür aber nicht. Sicher ist aber, laut dem Bundesamt für Gesundheit, dass übermässiger Alkoholkonsum während der Schwangerschaft die häufigste Ursache für eine geistige Behinderung des Kindes darstellt.

«Was sie trinken, trinkt auch ihr Kind»

Wenn eine schwangere Frau Alkohol zu sich nimmt, wandert der Alkohol direkt durch den Mutterkuchen, die Plazenta, in den Blutkreislauf des Embryos (1-3 Monate) oder des Fetus (ab 3 Monate). Im Unterschied zur Mutter reduzieren die ungeborenen Babys aber den Promillewert, das heisst die Konzentration des Alkohols im Blut, sehr viel langsamer. Ist die Entwicklung des Fetus noch nicht abgeschlossen, kann Alkoholkonsum in der Schwangerschaft das gesunde Wachstum des Ungeborenen unwiederbringlich schädigen.

Alkohol wirkt für das Ungeborene wie Gift. In der Wissenschaft spricht man von einem Fehlbildung-verursachenden Schadstoff, da durch die Alkoholaufnahme im Mutterleib eine Vielzahl von bleibenden Behinderungen und auftreten können. Dazu zählen Kleinwuchs, Untergewicht, körperliche Missbildungen und Schädigungen des zentralen Nervensystems.
Zu den schweren Langzeitschäden gehören Verhaltensstörungen (z.B. Hyperaktivität) und intellektuelle Beeinträchtigungen, die bis in den Bereich der schweren geistigen Behinderung reichen. Die Krankheitssymptome werden in schweren Fällen als Fetales Alkoholsyndrom (FAS) oder übergreifend als Fetale Alkoholspektrum-Störungen (FASD) bezeichnet. Art und die Schwere der Schädigungen durch Alkohol in der Schwangerschaft hängen davon ab, wie weit die Entwicklung des Kindes fortgeschritten ist, wie es individuell veranlagt ist und wie viel und wie oft die Mutter Alkohol konsumiert hat.

FASD: Fetale Alkoholspektrumsstörungen

Die Oberbegriffe Fetales Akoholsyndrom (FAS) und Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD) bezeichnen Krankheitssyndrome pränataler Fehlbildungen, die ausschliesslich auf Alkoholkonsum zurückzuführen sind. Ist ein Ungeborenes im Mutterleib Alkohol ausgesetzt, so wird nicht nur seine Entwicklung gehemmt, sondern es erfährt auch in Abhängigkeit von Entwicklungsreife, der konsumierten Alkoholmenge und individuellen Verfasstheit weitere körperliche und geistige Schädigungen. Mittlerweile hat sich der Begriff FASD etabliert, da er betont, dass Schwere und Erscheinungen der Krankheitssymptome variieren.

Quelle: wikipedia.org

Alkohol in der Schwangerschaft: Empfohlene Verhaltensregeln

Das Bundesamt für Gesundheit rät in seinem Faktenblatt zu Alkohol und Schwangerschaft, kein Risiko einzugehen: «Da nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ab welcher Menge Alkohol Schädigungen beim (ungeborenen) Kind entstehen, empfiehlt es sich während der Schwangerschaft und Stillzeit ganz auf Alkoholkonsum zu verzichten.»

Keinen Alkohol während der ersten drei Schwangerschaftsmonate trinken

Auf jeden Fall sollten sie um Gesundheitsrisiken zu vermeiden mindestens während den ersten drei Monaten völlig abstinent bleiben, da Alkohol im ersten Schwangerschaftstrimester den Prozess der Gehirnentwicklung beeinträchtigen kann.

Allerdings kann es auch danach noch gefährlich sein, Alkohol zu konsumieren. Die 10. Bis 20. Schwangerschaftswoche gilt als kritisch für Anzeichen des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS). Ab dem 6 Monat kann sich Alkohol in der Schwangerschaft auf die Wahrnehmung von visuellen und akustischen Informationen Auswirken. Lese- und Rechenschwächen können zum Beispiel eine Folge sein.

In der Schweiz empfiehlt man Schwangeren, die gar nicht auf Alkohol verzichten möchten oder können, sich beim Konsum auf ein Glas zu beschränken. Das heisst nicht mehr als eine Stange Bier oder 1dl Wein pro Tag. Auch sollte man nicht täglich trinken, sondern längere Pausen einlegen. Das Bundesamt für Gesundheit weist darauf hin, dass ein «bereits moderater Alkoholkonsum von 2-4 Gläsern pro Woche Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben kann».

Alkohol in den ersten drei Schwangerschaftswochen

Besorgten Frauen, die in den ersten drei Wochen Alkohol zu sich genommen haben, weil sie nichts von der Schwangerschaft gewusst haben, kann Entwarnung gegeben werden. Nicht jedoch für den generellen Alkoholkonsum in den ersten Wochen. Das Onlineportal für Frauengesundheit Frauenärzte im Netz spricht in diesem Zusammenhang vom anfänglichen Schwangerschaftsverlauf nach dem «Alles-oder-nichts-Prinzip». Entweder sei die Störung des Embryos so gravierend, dass es zu einer Fehlgeburt kommt oder die durch Alkohol geschädigten Zellen des Embryos können ohne Funktionsverlust ersetzt und gesund weiter entwickelt werden. Ursache: In dieser Phase sind die Zellen noch nicht auf ihre Funktion im ausgebildeten Körper festgelegt. Sie sind sozusagen Allrounder. In der weiteren Entwicklung übernehmen die Zellen aber feste Aufgaben im Körper und verlieren ihre Allrounder-Fähigkeiten. Dadurch können beschädigte Zellen in der fortgeschritten Schwangerschaft nicht mehr so einfach durch andere Zellen ersetzt werden.

Alkohol während dem Stillen

Auch nach der Geburt kann der Alkoholkonsum der Mutter für das Baby schädlich sein. Nämlich dann, wenn sie stillt. Der Alkohol gelangt in die Muttermilch und damit in den Organismus des Kindes. Die Leber des Babys kann Alkohol nur langsam abbauen. Im schlimmsten Fall kann Alkohol in der Muttermilch die organische und kognitive Entwicklung stören und die Anfälligkeit einer späteren Alkoholabhängigkeit stärken, so das Bundesamt für Gesundheit.

Moderater Alkoholkonsum in der Schwangerschaft: Ein Restrisiko bleibt

Bislang kann aus medizinischer Sicht nicht gesagt werden, dass massvoller Alkoholkonsum in der Schwangerschaft vollkommen ungefährlich ist. Wo das Risiko aufhört und wo es anfängt, bleibt eine ungelöste Frage. Wenn Sie hundert Prozent sicher gehen wollen, verzichten Sie lieber ganz auf Alkohol in der Schwangerschaft, denn einen genauen Grenzwert, ab dem Alkoholgenuss schädlich wird, gibt es nicht.

Was sind Ihre Erfahrungen zum Thema Alkohol in der Schwangerschaft? Schreiben Sie einen Kommentar zum Artikel.

Weiterführende Links:

  • Download des Faktenblatts «Alkohol und Schwangerschaft» des Bundesamts für Gesundheit 2011 (PDF): www.bag.admin.ch

Autor: Fabienne Wernli