Frühgeborene brauchen viel Liebe

Frühgeborene brauchen viel Fürsorge. Wesentlich sind nicht nur die medizinische Betreuung und die Eltern-Kind-Bindung in den ersten Wochen. Auch in den Folgejahren gilt es, sehr behutsam die gesamte Entwicklung des Kindes zu begleiten.

Frühgeborene haben einen schwereren Start ins Leben.

Frühgeborene benötigen besonders viel Körperkontakt und Streicheleinheiten. Foto: Photodisc, Digital Vision, Thinkstock

Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, gelten als Frühgeborene. Die Ursachen einer Frühgeburt sind vielschichtig, wobei längere Zeit reproduktionsmedizinische Behandlungen als wesentliche Ursache galten. «Noch vor zehn Jahren waren Fertilitätsbehandlungen oft der Grund für Frühgeburten, weil es sich dabei meist um Mehrlingsgeburten handelte», erklärte der Direktor der Klinik für Neonatologie am Universitätsspital Zürich, Prof. Hans Ulrich Bucher der Schweizer Illustrierten. 

Inzwischen zeigt sich jedoch, dass die zunehmende Tendenz zu Geburten in höherem Lebensalter die Zahl der Frühgeburten erhöht. Darüber hinaus zählen auch spezifische Risiko-Verhaltensweisen der Mutter, beispielsweise der Missbrauch von Alkohol und Drogen, zu den Auslösern einer Frühgeburt.

Frühgeborene auf der Intensivstation

Babys, die zu früh geboren werden, unterliegen grundsätzlich einer sogenannten intensivmedizinischen Betreuung. Sie werden in einem speziellen Inkubator, einem Brutkasten, rund um die Uhr versorgt. Die benötigte medizinische Betreuung für Frühgeborene orientiert sich in erster Linie am Reifegrad des Kindes. Je weiter ausgebildet die Organe, desto unkomplizierter gestaltet sich die medizinische Versorgung. Risiken entstehen häufig durch Infektionen oder Operationen.

Wesentlich für Frühgeborene sind - neben aller medizinischen Unterstützung - der Körperkontakt und die Stimme der Bezugspersonen. In den neonatologischen Abteilungen der meisten Kliniken hat sich deshalb die sogenannte Känguru-Methode durchgesetzt. Hierbei wird das Baby zeitweilig dem Inkubator entnommen, auf den nackten Oberkörper der Mutter oder des Vaters gelegt und dort warm abgedeckt. Diese körperliche Nähe gehört heute zu den festen Bestandteilen des therapeutischen Settings für Frühgeborene.

Überlebenschancen Frühgeburt

Der Zustand der Organsysteme, vor allem der Lungen, ist wesentlich für die gesundheitliche Entwicklung früh geborener Kinder. Es ist davon auszugehen, dass Lungen erst ab der 37. Lebenswoche selbstständig arbeiten. Ist dieser Zeitpunkt erreicht, hat ein Baby recht gute Überlebenschancen bei der Frühgeburt. In der Schweiz haben die Ärzte der Schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie die Empfehlung ausgearbeitet, vor der 24. Schwangerschaftswoche auf lebenserhaltende Massnahmen zu verzichten, es sei denn, die Umstände scheinen besonders günstig. Ein früherer Zeitpunkt scheint vor allem wegen der Entwicklungssituation kindlicher Organsysteme als problematisch.

Viele Frühgeborene behindert

Zu frühe Geburtszeiten können langfristig schwerwiegende Behinderungen für das Kind zur Folge haben. Neben einem generell zeitlich verzögerten Entwicklungsverlauf zählen hierzu Störungen der Bewegungskoordination und geistige Behinderungen aufgrund eines Sauerstoffmangels.

In der Schweiz kommt durchschnittlich jedes zwölfte Kind zu früh auf die Welt. Von den Kindern, die zwischen der 32. und der 37. Woche geboren wurden, überleben etwa 90 Prozent. Von den Kindern, die hingegen vor der 32. Woche zur Welt kommen, schaffen es nur circa 13 Prozent.

Link zum Thema Frühgeborene

Wertvolle Unterstützung für die Eltern frühgeborener Kinder bietet der Verein Känguru - Verein frühgeborener Kinder, frühgewordener Eltern www.fruehgeborene.ch.

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