Geburtseinleitung: Erfahrungsberichte von Müttern (Teil 2)

Erfahrungen mit einer Geburtseinleitung sind sehr unterschiedlich, häufig aber berichten die Mütter von relativ starken Wehen und traumatischen Geburtserlebnissen.

Geduld ist gefragt. Wie lange es dauert, bis nach einer Geburtseinleitung die Wehen einsetzen ist ganz unterschiedlich. Bild: iStock

Protokoll einer Geburtseinleitung: Caroline (35), zweites Kind (47 cm, 2950 g)

«Ob ich das wollte, fragte mich niemand»

Eigentlich wollte ich eine Wassergeburt. Ich hatte mir die Geburt irgendwie dann schöner vorgestellt. Das Wasser kam dann auf einem Indoorspielplatz. Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin platzte meine Fruchtblase. Wehen hatte ich bis dahin aber noch keine. Also googelte ich: Bei einem vorzeitigen Blasensprung bestehe erhöhte Infektionsgefahr, ich solle gleich ins Spital. Da ich nach einer Geburt bereits etwas routinierter war, fuhr ich aber erst in die Apotheke um dicke Mullbinden zu kaufen, dann nachhause. Ich duschte gemütlich, packte in aller Ruhe meine Tasche fürs Spital, erst dann fuhr ich mit meinem Mann los.

«Ich möchte die Geburt nicht einleiten», sagte ich der Ärztin. Es passiere nichts ohne meine Einwilligung. Jetzt solle ich erstmal eine Nacht im Spital zur Beobachtung bleiben, vielleicht gehe die Geburt bis dahin von alleine los. Dann nickte sie, tätschelte meine Schulter und sagte: «Man wird sehen müssen» und ging.

Ich wurde auf die Station verlegt. Zusammen mit Frauen unter Wehen, Frauen die in den Kreissaal geschoben wurden, Frauen, die geburtseinleitende Medikamente bekamen, Frauen die zur Kontrolle alle drei Stunden geweckt wurden. Schlaf bekam ich keinen. Am nächsten Morgen bekam ich dafür ein Prostaglandin-Zäpfchen. Das mache den Muttermund weich. Man werde jetzt langsam mit dem Einleiten beginnen. Ob ich das wollte, fragte mich niemand , es war einfach beschlossen worden. Ich wehrt mich aber auch nicht. Auch das nächste und nächste Medikament. Den ganzen Tag geschah nichts, ausser CTG und regelmässige Muttermundertastungen. Mein Mann und meine Tochter besuchten mich im Spital, so als hätte ich mir ein Bein gebrochen.

«Dann spürte ich, wie das Köpfchen meines Babys in meinen Schoss drückte»

Am nächsten Nachmittag spazierte ich die Spitaltreppen hoch und runter. Ich wollte das Kind jetzt bekommen, ich wollte nachhause zu meinem Mann und zu meiner Tochter, ich wollte nachts wieder schlafen dürfen. Dann spürte ich, wie das Köpfchen meines Babys in meinen Schoss drückte. Es würde bald losgehen. Ich freute mich.

Als ich um fünf wieder in mein Zimmer zur verabredeten Kontrolle und zum nächsten Zäpfchen zurück ging, kam niemand. Erst zwei Stunden später sagte man mir, dass man die Geburtseinleitung jetzt stoppe. Alle Kreissääle seien belegt. Die Frau neben mir verlangte eine PDA. Der Anästhesist kam erst spät in der Nacht.

Am nächsten morgen weckte man mich um sechs Uhr und brachte mich in den Kreissaal. Statt der soften Zäpfchen kam ich an den Wehentropf. Um acht ging es gemütlich los. Um neun wurden die Wehen schmerzhafter, aber aushaltbar. Gegen halb elf waren die Schmerzen so stark, dass ich eine PDA verlangte. Es kam nie dazu. Eine halbe Stunde später war unser Kind geboren. Kerngesund.

Die häufigsten Risiken und Nebenwirkung einer Geburtseinleitung

Eingeleitete Geburten sind in der Regel schmerzhafter als natürlich beginnende Geburten, weil durch das künstliche Zusetzen wehenfördernder Hormone, nicht ausreichend Endorphine gebildet werden. Auch kann es zu einer Überstimulation der Wehen kommen. Der Körper produziert zu starke und zu häufige Wehen. Kinder können auf die Geburtseinleitung mit Stress reagieren. Weitere Eingriffe wie PDA und Kaiserschnitt werden dadurch wahrscheinlicher.

Risiken und Nebenwirkungen laut dem Unispital Zürich

Mutter:

  • gestörter Geburtsverlauf mit Wehenanomalie mit Dauerkontraktionen (Dystokie)
  • verzögerter Geburtsverlauf Geburtsverlauf von mehr als 18 Stunden
  • traumatisches Geburtserlebnis
  • erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt
  • Gebärmutterriss (Uterrusruptur)

Kind:

  • CTG-Pathologien (Herzfrequenz)
  • Einstellungsanomalien (für die Geburt ungünstige Lage des Kindes)

Zufolge einer inzwischen häufig bestätigten Studie mit über einer Million untersuchten Geburten von Clarissa M. Schwarz und Beate A. Schücking (Adieu, normale Geburt, 2004) hatten Frauen nach einer Geburtseinleitung häufiger weitere Interventionen, als Frauen, deren Geburtsbeginn natürlich einsetzte.

Wahrscheinlichkeit von weiteren Eingriffen nach einer Geburtseinleitung

  • fast doppelt so häufig eine PDA
  • fast doppelt so häufig einen verzögerten Geburtsverlauf bzw. einen Geburtsstillstand in der Eröffnungsperiode
  • um 60% häufiger weitere Wehenmittel im Geburtsverlauf
  • ast doppelt so häufig einen ungeplanten Kaiserschnitt
  • eine vaginal-operative Entbindung per Saugglocke oder Zange wird um 30 % wahrscheinlicher
  • fast doppelt so häufig eine verstärkte Nachblutung

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

Wie war Ihre Erfahrung mit der Geburtseinleitung. Und was halten Sie davon, wenn Wehen künstlich erzeugt werden? Schreiben Sie uns in einem Kommentar!
 

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