Warum die Geburt per Kaiserschnitt so beliebt ist

Keine Schmerzen bei der Geburt und ein planbarer Termin: Der Kaiserschnitt hat viele positive Seiten. Es heisst, dass Frauen immer häufiger einen Kaiserschnitt wünschen, obwohl er medizinisch nicht notwendig ist. Hebammen glauben, dass zudem Spitäler und Ärzte die Vorteile der Schnittgeburt ausnutzen.

Manche Frauen wünschen sich einen Kaiserschnitt, obwohl er nicht medizinisch notwendig ist.

Die Kaiserschnittrate ist in den vergangenen zehn Jahren gestiegen, von 24.4 (1999) auf 32.8 (2009) Prozent. Foto: iStock, Thinkstock

Etwa jedes dritte Kind in der Schweiz kommt heute per Kaiserschnitt auf die Welt. Vor zehn Jahren war es nur jedes vierte Kind (siehe Tabelle). Im Vergleich zu anderen westlichen Ländern weist die Schweiz eine der höchsten Kaiserschnittraten auf.

Schon seit mehreren Jahren sorgt der Anstieg der Kaiserschnittrate für Gesprächsstoff. Im Jahr 2008 kritisierte der Schweizerische Hebammenverband: «Der Kaiserschnitt ist nicht die einfache, sichere, schmerzfreie Geburt, sondern ein umsichtig einzusetzendes Mittel bei eng definierten Komplikationen», schrieb der Verband damals.

Jahr Kaiserschnittrate
1998 22.7
1999 24.4
2000 25.0
2001 26.5
2002 27.5
2003 29.4
2004 29.2
2005 29.4
2006 31.1
2007 32.2
2008 33.0
2009 32.8
Quelle: Bundesamt für Statistik

Der Kaiserschnitt sei ein sehr wichtiges Instrument, um in bestimmten, klar definierten Situationen Leben zu retten, heisst es beim Hebammenverband weiter. Werde er ausserhalb dieser medizinisch notwendigen Situationen angewendet, gefährde er Mutter und Kind. Zum Beispiel hätten Frauen bei Kaiserschnitt im Vergleich zur Frauen, die auf natürlichem Weg gebären, ein fast doppelt so hohes Risiko für Folgeprobleme und sogar ein fünffaches Risiko für eine Infektion. Auf Grund verschiedener Forschungsresultate sei davon auszugehen, dass ein wesentlicher Teil der heute in der Schweiz durchgeführten Schnittgeburten Mutter und Kind schade.

Aber nicht nur Hebammen zeigten sich besorgt, auch Ärzte wiesen darauf hin, dass ein Kaiserschnitt nicht risikofrei ist. In einem «10 vor 10» Beitrag vom Dezember 2008 sagte Gabriella Stocker, leitende Ärztin Geburtshilfe am Triemlispital Zürich zum Kaiserschnitt: «Es gibt mehr Infektionen der Gebärmutter, mehr Blasenentzündungen, mehr Thrombosen und Embolien.»

Sind die Frauen selbst für den Anstieg der Kaiserschnittrate verantwortlich?

Vielen Frauen sind diese Nachteile nicht bekannt. Noch immer nehmen manche an, dass der Kaiserschnitt grundsätzlich sicherer und einfacherer ist als die natürliche Geburt. Wie kommt das?

Frauen wünschen sich einen Kaiserschnitt, weil sie Angst vor den Geburtsschmerzen, stundelangen Wehen und den Folgen der natürlichen Geburt haben. 1996 sorgte eine Studie unter britischen Frauenärztinnen für Aufsehen. 31 Prozent von rund 300 befragten Frauenärztinnen gaben an, auch bei einer ganz normalen Schwangerschaft einen Kaiserschnitt zu bevorzugen. Ihre Gründe: Angst vor Beckenbodenschäden und Inkontinenz, Dammverletzungen, sexueller Beeinträchtigung nach der Geburt, Angst vor Schädigung des Kindes und Wunsch nach Planbarkeit der Geburt.

In der Schweiz liegt der Anteil der Wunschkaiserschnitte gemäss Daten des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2004 bei geschätzten 11 Prozent. Eine Studie im Auftrag der deutschen Gmünder ErsatzKasse (GEK) aus dem Jahr 2004 ergab, dass nur zwei Prozent der Kaiserschnitte auf einen Wunsch der Frau zurückzuführen waren. «Die Ergebnisse zeigen, dass die Behauptung, es seien die Frauen selbst, die den Anstieg der Kaiserschnittraten verursachen, ein Mythos ist», sagte Prof. Dr. phil. Petra Kolip vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen gemäss einem Bericht des Ärzteblattes. In der Studie wurden rund 1300 Frauen befragt, die per Kaiserschnitt entbunden hatten. Die meisten primären Kaiserschnitte, also der geplante Kaiserschnitt, kamen demnach nicht auf Wunsch der Frauen, sondern auf Anraten des Arztes zustande. 60 Prozent der Frauen sagten, sie seien der Empfehlung von Arzt oder Ärztin gefolgt.

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